363. An Maria Anderson

363. An Maria Anderson


Wiedensahl 20 Oct. [76]


Ich war in München zur Ausstellung. Die vielen Leute, das Fest, der Lärm, das Bier, der Rauch – mir ward ganz unklug davon. Und dann nie vor Nachts zwei Uhr in's Bett. Und dazu die vielen erstaunlich wundervollen alten Geschichten: Pokale, Pötte, Gläser, Vasen, Bücher, altes Eisen – und der Herr weiß: was. – Ja, da staunt der Dachs, wenn er aus dem Loch raus geht.

Das waren doch sonnige Herbsttage. – Nun weht aber ein erbärmlich kalter Ostwind. Heut Morgen zog ein Zickzack von krakelnden Kranichen über den Garten hin. Das Feuer bullert im Ofen, und für die nächsten 6 Wochen will ich nicht wieder über die Grenze.

Schreiben Sie doch mal, wie's Ihnen alleweil geht.

Mit freundlichem Gruß

Ihr Wilh. Busch.


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TextGrid Repository (2026). Busch, Wilhelm. 363. An Maria Anderson. Corpus of Literary Modernity (Kolimo+). https://hdl.handle.net/21.11113/4gqx1.0