9.

Ich sag' es jedem, daß er lebt
Und auferstanden ist,
[169]
Daß er in unsrer Mitte schwebt
Und ewig bei uns ist.
Ich sag' es jedem, jeder sagt
Es seinen Freunden gleich,
Daß bald an allen Orten tagt
Das neue Himmelreich.
Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn
Erst wie ein Vaterland;
Ein neues Leben nimmt man hin
Entzückt aus seiner Hand.
Hinunter in das tiefe Meer
Versank des Todes Graun,
Und jeder kann nun leicht und hehr
In seine Zukunft schaun.
Der dunkle Weg, den er betrat,
Geht in den Himmel aus,
Und wer nur hört auf seinen Rath,
Kommt auch in Vaters Haus.
Nun weint auch keiner mehr allhie,
Wenn Eins die Augen schließt,
Vom Wiedersehn, spät oder früh,
Wird dieser Schmerz versüßt.
Es kann zu jeder guten That
Ein jeder frischer glühn.
Denn herrlich wird ihm diese Saat
In schönern Fluren blühn.
Er lebt, und wird nun bei uns seyn,
Wenn alles uns verläßt!
Und so soll dieser Tag uns seyn
Ein Weltverjüngungs-Fest.

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TextGrid Repository (2012). Novalis. 9. [Ich sag' es jedem, daß er lebt]. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-612C-5