Johannes Pauli
Schimpf und Ernst
[1] Schimpf und Ernst

heiset das Bůch mit Namen, durchlaufft es der Welt Handlung mit ernstlichen und kurtzweiligen Exemplen, Parabolen und Hystorien, nützlich und gůt zů Besserung der Menschen

Cum Privilegio Imperatoris

[1][3]

Die Vorred dis Buchs

Die Vorred dis Bůchs.

So nun jetz etliche Zeit vergangner Leuff und Spen, auch Irrungen, durch vil und manigfaltige Büchlin ußgangen, die heilsamen Bücher ewiger Selikeit und fridsamen Lebens etliche Zeit geschlaffen haben, on allen Zweifel von dem Herren Jhesu durch seine Gnad bald widerumb erweckt werden, ist mitler Zeit dises Bůch zůsamengelesen von dem erwürdigen Vatter und Brůder Johannes Pauli, Barfůsser Ordens, Leßmeister zů Than in demselben Kloster, so er 40 Jar uff Erden gepredigt hat, und hat dise Exempel zůsamengelesen uß allen Büchern, wa er es funden hat, 680 Hystorien und Parabulen zů beiden Hendlen, geistlich und weltlich dienende, und uff das das Wort des heiligen Ewangely erfült werd: Lesen die Brösamlin zůsamen, das sie nit verloren werden!

Es ist auch ein arm Ding, das einer stetz brucht das, das da funden ist, und das er nichtz Nüwes findet und, das da funden ist, nit bessert. Und ist dis Bůch getaufft und im der Nam uffgesetzt ›Schimpff und Ernst.‹ Wan vil schimpfflicher, kurtzweiliger und lecherlicher Exempel darin sein, damit die geistlichen Kinder in den beschloßnen Klöstern etwa zů lesen haben, darin sie zů Zeiten iren Geist mögen erlüstigen und růwen, wan man nit alwegen in einer Strenckeit bleiben mag, und auch die uff den Schlössern und Bergen wonen und geil sein, erschrockenliche und ernstliche Ding finden, davon sie gebessert werden, auch das die Predicanten Exempel haben, die schlefferlichen Menschen zů erwecken und lüstig zů hören machen, auch das sie Osterspil haben zů Ostern; und ist nichtz hergesetzt, dan das mit Eren wol mag gepredigt werden.

Es bit auch der obgemelt Samler dis Bůchs, das man es lesen wöl in der Meinung, als er es gemacht hat, nit verkeren noch verwerffen, sunder bessern und[3] es meren und andere gütigliche Stück herzusetzen, die sich zimen. Dan er hat sich gehüt vor schampern und unzüchtigen Exemplen, deren im vil entgegen gangen sein, damit er niemans kein Ergerung geb. Und ist etwas Sträflichs heryngesetzt worden, so begert er Gnad und Verzeihung von Got dem Herren und Maria, seiner liebsten Muter, von Sancto Francisco und von Sancto Martino, seinen Patronen, und von allem himelischen Her, auch denen zů Lob er dis Bůch gemacht hat, auch von allen Menschen. Und ist dis Bůch gemacht worden zů Than in demselbigen Kloster nach der Geburt Christi unsers Herren 1519 Jar.

[4]

Schimpf und Ernst findestu in disem Bůch, kurtzweilig und auch das ein jeglich Mensch im selber davon Exempel und Leren nemen mag, und ist im nützlich und gůt etc. [5] [7]

1. Von der Warheit

1. Eim Narren die Warheit uff den Rucken
Das erst von Schimpff.

Eim Narren die Warheit uff den Rucken.


Es was ein Edelman uff einem Schloß, ein Weitling, der het ein jungen Narren; und wan der Juncker hinwegreit uß dem Schloß, so lebten die Knecht und die Kellerin in dem Sauß und waren gůter Ding. Und wan der Juncker wider heim kam, so sie dan ob dem Tisch sasen, so verwiß er inen als, was sie dieweil gessen und getruncken hetten, und fragt sie in Spotzweiß: ›Wie schmackt üch der Wein in dem Faß?‹ und deßgleichen etc.

Uff einmal was der Juncker aber hinweggeritten, da sprach der ein Knecht: ›Es ist ein Verreter under unß, der dem Junckern sagt, was wir thůn, wan er uß ist; er weiß als, was wir dieweil essen und trincken.‹ Ein anderer Knecht sprach: ›Der Nar thůt es; den fragt der Juncker als, wan er kumpt; so sagt er im, was er weiß.‹ Der ander Knecht antwurt im und sprach: ›Ich wil den Narren leren, das er es nit me thůt.‹ Uff einmal war der Juncker aber hinweg geritten, da fůrten sie den Narren in den Keller und zohen in nackent uß und bunden in an ein Saul und schlůgen in mit gůten Růten; und wan im einer ein Streich gab uff den Rucken, so sprach er zů im: ›Se, se, das ist die Warheit, kanstu die Warheit sagen! Bistu ein Nar, so treib dein Narheit! Se, se, das ist die Warheit!‹ Also liesen sie in wider gon.

Und da der Juncker kam und sich abzohe, da fragt er den Narren, wie sein Gewonheit was: ›Wie haben sie haußgehalten, diewyl ich uß bin gewesen?‹ Der Narr schweig stil und wolt nichtz reden und legt ein Finger uff den Mund und macht Mum, mum, mum. Nach langer Frag der Juncker sprach: ›Wolan und sag mir die Warheit!‹ Da der Nar hort die Warheit nennen, da schrei er: ›Mordio, Mordio, es ist kein böser Ding uff Erdtreich dan die Warheit. O nenn mir die Warheit nit!‹ – ›Warumb?‹ sprach der Juncker. ›Darumb‹, sprach der Nar, ›da stot sie mir uff dem Rucken geschriben‹. Der Juncker zohe den Narren uß; da sahe er wol, wie man mit dem Narren gehandlet het, das er nichtz wolt sagen etc.

2. Wie vil die Warheit verschweigen
[7] Das ander von Ernst.

Wie vil die Warheit verschweigen.


Die Warheit darf niemans me sagen; wan wer sie sagt, der ist verhasset. Aber der Nar schent alle Predicanten, deß er gegeißlet und geschlagen ward; aber die Predicanten verschweigen jetz die Warheit, und hat noch nie keiner kein Streich empfangen, und würt keiner kein empfahen, allein das sie niemans erzürnen, besunder die Öbern. Darumb sein wenig Predicanten me, als Johannes der Tauffer was, der Herodi die Warheit sagt (Marci 6. Mathei 14): ›Es zimt dir nit deines Brůders Weib zu haben, dieweil er lebt.‹ Er sahe mit an den Dot etc. – Deßgleichen sein nit me uff Erdtreich, die Sant Ambrosy gleich sein, der den Keiser Theodosium uß dem Chor treib und in strafft umb das schnel Urteil, das er hat begangen.

3. Drey heten nur drü Augen
Das drit von Schimpff.

Drey heten nur drü Augen.


Es war ein Abentürer, ein Gauckölman. An eim Abent spat saß er vor eins Buren Hauß uff einem Bloch. Da der Bauer von dem Feld kam, da sahe er den Gesellen sitzen und sprach zů im: ›Gůt Gesel, was sitzestu da? Warumb gastu nit in ein Hauß, das du nit da under dem Himmel dy Nacht müst sitzen?‹ Er sprach: ›Lieber gůter Meyer, ich hab ein Gewonheit an mir; ich bin das gantz Dorff ußgangen, und wil mich niemans herbergen. Ich wil recht die Nacht hie bleiben, morgen würt es villeicht besser.‹ Der Buer sprach: ›Gůt Gesel, was ist das für ein Gewonheit?‹ Er sprach: ›Ich sag jederman die Warheit, darum wil mich niemans beherbergen.‹ Der Meyer sprach: ›Das ist ein gůte Gewonheit. Kum zů mir heryn, du bist mir ein werder Gast, hab du es als gůt als ich!‹

Der Gesel gieng mit dem Buer in das Huß. Der Buer sprach: ›Greta Haußfrau, bach Küchlin und Schnitten! Ich hab ein Gast überkummen.‹ Da sie also assen und also bei dem Feür sassen, wie man dan in den Dörffern thůt, da nam der gůt Gesel als war, wie man haußhielt: da was niemans in dem Hauß dan der Buer, der het ein Bletzlin vor dem Aug hangen, und sein Hausfrau Greta, die het nur ein Aug, und ein Katz, der troff ein Aug. Da man in dem besten Essen was, da sprach der Buer: ›Lieber gůter Gesel, du sprichst, du sagst alwegen die Warheit; sag mir auch ein Warheit!‹ Der Gesel sprach: ›Ach lieber Haußwirt, ir werden zornig und böß über mich.‹ Der Buer sprach: ›Nein.‹ [8] Der gůt Gesel sprach: ›Du und dein Frau und dein Katz haben alle nit me dan drü Augen.‹ Da der Bauer das hort als die Warheit, da erwüscht er die Offengabel und jagt den gůten Gesellen zů dem Hauß hinuß.

Also ist es noch uff Ertreich, das war ist, das Osee der Prophet spricht an dem 4. Capitel: (Non est veritas) ›Es ist kein Warheit noch kein Barmhertzigkeit uff Erdtreich.‹ Diß Exempel ist auch wider vil Menschen und Predicanten, die etwan Warheiten sagen, dy nit vil Nutz bringen, sunder Schaden, und besser wer geschwigen, und bringen etwan Kriegen und Zancken. Die Warheit ist so edel, das sie nit von allen Menschen an allen Orten zu allen Zeiten sol gesagt werden. Als Sanctus Paulus spricht 2. Timotheum 2: (Servum autem Domini etc.) ›Ein Knecht und ein Diener Gottes sol nit zancken und kriegen, er sol senfftmütig sein gen allen Menschen, lerlich und gedultig, mit Modestia straffen die, die der Warheit widerston‹ etc.

4. Fier Junckfrauen wonten drei Element
Von Schimpff das fierd.

Fier Junckfrauen wonten drei Element.


Es kamen uff einmal fier Junckfrawen zůsamen und gefetteretten einander und schimpfften mit einander und waren gůter Ding. Die ein sprach zů den andern dreien: ›Ach, nun ist unß doch wol bei einander; wan wir einander gern widerumb hetten, wa finden wir einander widerumb?‹ Und die ein hieß (Ignis) Feür, die ander hieß (Aqua) Wasser, die dritt hieß (Aer) Lufft, die fierd hieß (Veritas) Warheit.

›Ach‹, sprach die ein, ›Feür, wa finden wir dich?‹ Sie sprach: ›In einem harten Stein; da schlahen mit einem Stahel daran, so finden ir mich.‹ Da sprach sie: ›Lufft, wa finden wir dich, wa bistu daheim?‹ Sie sprach: ›Ir müssen lůgen, wa ein Bletlin an einem Baum zittert und sich bewegt, da finden ir mich‹. Da sprach sie: ›Wasser, wa finden wir dich, wa bistu daheim?‹ Sie sprach: ›Wa ir Bintzen finden, da graben zů der Wurtzel, da finden ir mich, da bin ich daheim.‹ Da sprach sie: ›O du edle Warheit, wa finden wir dich?‹ Die Warheit antwurt inen allen dreien: ›O ir lieben Schwestern, ir haben alle euwere Ort erzalt, da man euch weiß zů finden. Aber leider ich hab kein eigen Hauß; niemans wil mich beherbergen, ich bin von jederman verhasset‹. (Osee 4: Non est veritas etc.)

5. Eim Knecht ward Urlob geben
[9] Von Ernst das fünfft.

Eim Knecht ward Urlob geben.


Uf ein Zeit was ein reicher Man, ein Her, der was ein Buler, der het ein Knecht, der was vil Jar bei im gewesen. Es was ein anderer reicher Man, der het denselbigen Knecht auch gern gehebt. Der Knecht sprach: ›Ich wolt gern zů euch dingen, so wil mir mein Her nit Urlaub geben.‹ Der Her sprach: ›Fach du an und sag im die Warheit, so würt er dir Urlaub geben.‹ Der sprach: ›Ich wil es thůn.‹

Nit lang darnach sprach sein Her zů im: ›Gang und heiß mir das Metzlin kumen!‹ Der Knecht sprach: ›Her, das ist der Eebruch; ir solten es nit thůn‹, und dergleichen. Und der Knecht sagt dem Herren alwegen die Warheit. Der Her sprach uff einmal: ›Du und ich gehören nit me zusamen; du bist mir zů verwürt worden. Darumb so kum her, so wöllen wir mit einander rechnen!‹ Und bezalt in der Her und gab im Urlaub. Also kam der Knecht zů dem andern Herren, der mit im geret het.

Darumb geistlich, so hat die Warheit kein eigne Herberg, niemans hört sie gern sagen. Ursach: Cristus der Her sprach in dem Evangelio (Mathei 10: Nemo potest): ›Es mag nieman zweien Herren dienen, die wider einander sein.‹ Darumb ist schier alle Welt falsch, und dienen dem Herren der Falscheit; so hasset jederman den andern Herren, die Warheit, und wil sie niemans me beherbergen.

6. Ein Atzel schwetzt von dem Al
Von Schimpff das sechst.

Ein Atzel schwetzt von dem Al.


Es was ein Edelman, ein Erenman, der het allemal Gest. Darumb so behielt er alwegen etwas Besunders, es weren junge Hüner oder wer Wiltbret in dem Saltz, oder weren Fisch in dem Trog, wa er überfallen wůrd von ersamen Gesten, das er auch etwas het inen fürzůsetzen; wan das ist einem Erenman gnůg, der da Gest hat, wan er einer Trachten me hat, dan so er allein ist und kein Gest hat.

Uff einmal het er ein gůten Al in dem Fischtrog lauffen, und es begab sich, das er můst hinweg reiten. Und da er hinweg kam, da gieng sein Haußfrau zů irer Nachbaurin, zů irer Gespil, und sprach zů ir: ›Ach liebe Nachbaurin, ich hab den grösten Lusten ein Al zů essen; mein Juncker hat ein Al in dem Fischtrog lauffen. Wöllen ir mir helffen, so wöllen wir in schlemmen und wöllen darnach [10] sprechen, der Otter hab in fressen.‹ Die Nachbürin sprach Ja. Sie bereiteten den Al nach irem Willen und sutten ein Theil und brieten ein Theil.

Indem der Juncker widerumb kam reiten und sich widerumb abzoch. Nun het der Juncker ein Atzel in einer Keffin, die kunt schwetzen. Und die Atzel sprach zů dem Junckern: ›Juncker, die Frau hat den Al gesotten und gebraten und hat in fressen.‹ Da sich nun der Juncker abgezohe, da gieng er über den Trog; wan er wolt der Atzlen nit glauben, da was er hinweg. Da ward er zornig und sprach zů der Frauwen: ›Frau, wie sein ir so schleckerhafftig! Warumb haben ir mir den Al fressen, den ich uff Gest behalten hab?‹ Sie sprach: ›Ich hab es nit gethon; ist er nicht noch da, so müssen in die Otter haben fressen; wan sy haben euch vor me fressen.‹ Der Juncker sprach: ›Ja, es ist war, ir haben es gethon, ir sein der Otter und der Marder, der in fressen hat; der Fogel hat mir es gesagt.‹

Da die Frau hort, das es im der Fogel het gesagt, ward sie zornig über den Fogel. Da nun der Juncker uff einmal widerumb hinweg geriten was, da nam sie ire Nachburin zů ir, die den Al het helffen fressen, und berupfften der Atzlen den Kopff und machten ir ein Blatten, sie hetten sie lieber gar zů Dot geschlagen. Wan dan der Fogel einen Man sahe, der ein kalen Kopff oder Blatten het, so sprach er zů demselbigen Man: ›Du hast freilich auch von dem Al geschwetzt.‹

7. Wie Beda zwölf Buchstaben ußleit
Von Schimpff das sibent.

Wie Beda zwölf Bůchstaben ußleit.


Also lesen wir von dem Venerabili Beda, das uff einmal, da der Rat, der Senat zů Rom bei einander was in einer grosen Sach, da erschinen zwölff Buchstaben an einer Wand, drü P.P.P., drü S.S.S., drü R.R.R., drü F.F.F. Das die Römer als weiß Lüt nit kunten ußlegen und funden ein Rat, das sie den Bedam darüber wolten füren, und müst sie inen exponieren; wan er der gelertest zů der Zeit geachtet ward. Da er nun die Bůchstaben sahe, da legt er sie also uß: ›Drü P.P.P. (Pater Patriae Profectus). In dem Tütschen laßt es sich nit anders schreiben dan also: Der Vatter des Vatterlandes ist hinweg gezogen. Drü S.S.S. (Sapientia Secum Sublata). Weißheit ist mit im hinweg. Drü R.R.R. (Regnum Rome Ruet). Das römische Reich würt zerfallen und zergon. Drü F.F.F. (Ferro Flamma Fame etc.) Mit Yssin, Feür und Hunger.‹ Beda ret daruff, wan sie hetten etlich frumme und weise Lüt vertriben. Da die Römer horten die Ußlegung der Bůchstaben, [11] da wurden sie zornig und fielen über in und stachen im die Augen uß; aber wie er es ußlegt, also ist es gangen. Das was sein Lon, das was sein Prediggelt.

Also das war ist, das die Warheit nieman sagen darff, und nieman me die Warheit hören wil.

8. Der Kopf ward eim Bild zerschlagen
Von Schimpff das acht.

Der Kopf ward eim Bild zerschlagen.


Also schreibt Valerius von einem Bild uff einer Saul, das sagt, wan einer etwas gestolen het. Einer wolt uff einmal stelen in der Kirchen und gieng vorhin zů dem Bild und nam ein Hamer und tröwet im, wan es in verriet, so wolt er im mit dem Hamer den Kopff zerschlagen. Da das Bild nun solt die Warheit sagen, da sprach es: (Tempora mutantur, homines deteriorantur, et qui vult dicere veritatem, frangitur sibi caput.) ›Die Zeit hat sich verwandelt, die Menschen haben sich gebösert; wer jetz die Warheit wil sagen, dem wil man den Kopff zerschlagen.‹

9. Drei Hanen kreigten von dem Eebruch
Von Schimpff das nünd.

Drei Hanen kreigten von dem Eebruch.


Wir lessen von dreien Hanen, die zů Nacht kreieten, da die Frau by dem Eebrecher lag, und dy Kellerin in dem Huß die verstund der Vogel Gesang. Der ein Han kreiet die erst Nacht: ›Mein Frau ist dem Herren untrüw.‹ Das sprach die Kellerin zu der Frawen. Die Frau sprach: ›Der Han můß sterben‹; und der Han ward gebraten. Der ander Han sang die ander Nacht; als die Kellerin das ußlegt, da sie gefraget ward, da sagt sie: ›Der Han hat gekreyt: Mein Gesel ist gestorben umb der Warheit willen.‹ Die Frau sprach: ›Der sol auch sterben‹; und der ward auch gebraten. Da die Frau bei dem Bůlen lag, da kreyet der drit Han, als es die Kellerin ußlegt: (Audi, vide, tace, sie vis vivere in pace) ›Sihe und hör und schweig, wiltu leben in dem Friden.‹

2. Von Jungfrawen gut und böß

10. Es weint eine umb ein Mantel
Von Schimpff das 10.

Es weint eine umb ein Mantel.


Es was in einer Universitet, uff einer hohen Schůlen ein junger Edelman, der solt studieren. Er kam hinder ein Metzen und verthet mit ir, was er het. Zů dem letsten da wolt er die Letz mit ir essen, und lůd sie und ir Můter. Da man nun gessen het, da umbfieng er seinen Bůlen und zog darmit hinweg. Da fieng das gůt Meitlin an zů weinen und gehůb sich fast übel. Ir Můter trost sie und sprach: ›Schweig, liebe Dochter! Es sein noch vil hübscher Studenten hie; ich wil dir wol ein andern schaffen.‹ Die Dochter antwurt ir und sprach: ›O liebe Muter, ich wein nit, das er hinweg ist; ich klag den gůten Mantel mit den silberin Stefften, den er antregt, das ich in auch nit verzert hab.‹

Das was ein liebe Můter, die ir Kind also wol gelert und underwissen het. Es solten auch leren die Studenten und ledigen Gesellen, und solten der Lüt müsig gon; wan das Volck sucht allein Gelt. Es stot geschriben: (Venus ex omni gente tributa petit) das ist, ›Die Hůren wöllen in allen Landen Gelt haben; niemans wil umbsunst des Tüffels sein.‹

11. Ein Closterfrau stach ir die Augen uß
Von Ernst das 11.

Ein Closterfrau stach ir die Augen uß.


Uf einmal was ein Klosterfrau in einem Kloster, da was ein Edelman Kastfaut über dasselbig Kloster. Und in demselbigen Kloster was ein Frau, die gefiel im wol, und ward ir über die Massen hold und schreib der Eptis in ein Brieff, sie solt im die Nunnen schicken; es geschach nach vilen Brieffen nit. Uff einmal da schickt er Roß und Man und Botten, das man sie im schickte, und schreib auch darnach, theten sie es nit, so wolt er das Kloster und die Nunnen alle daryn verbrennen. Ach lieber Got, sie waren leidig, die frumen Kinder Gottes. Die, umb deren willen der Krieg was, die kam selber zu demselbigen Botten; under andern Worten sprach sie: ›Lieber Fründ, was hat euwer Juncker an mir gesehen, das er mein mer begert dan keiner andern Frauwen? Nun sein doch wol hübscher Frawen hie innen, dan ich bin.‹ Der Botten einer antwurt ir und sprach: ›Frau, euwere Augen gefallen im so wol‹, und dergleichen etc.

[13] Die Klosterfrau sprach zů den Botten: ›Warten ein wenig, ich wil euch bald ein Antwort wissen lassen.‹ Und gieng damit hinyn und stach ir selber, oder ließ ir beide Augen ußstechen und thet die Augen in ein Büchßlin und beschloß es und schreib ein Brieff darzů durch ein andere Frawen: ›Also nim hin, das du lieb in mir hast, und laß mich und das Kloster in dem Friden!‹

Da nun die Botten dem Edelman das Büchßlin brachten, da thet der Edelman das Büchßlin uff und laß den Brief, und da er den Brieff gelaß und die Augen gesahe in dem Büchßlin, da fiel die Gnad Gottes uff in, und fieng an zů rüwen und zů weinen, das zwei grose Wunderzeichen geschahen. Er erwarb durch sein Weinen und Rüwen im selber Küscheit, und derselbigen Klosterfrawen, deren Augen er überkumen het, das ir andere Augen wůchsen und überkam ir Gesicht widerumb.

Deren Klosterlüt fint man jetz nit vil me. Wan durch ir Küscheit erwarb sie einem anderen Küscheit und ir selber ein semlich groß Zeichen, das sie ir Gesicht widerumb überkam.

12. Zwoundviertzig Nunnen schnitten inen die Nasen ab
Von Ernst das 12.

Zwoundviertzig Nunnen schnitten inen die Nasen ab.


Wir lessen, wie in einer Statt, die hieß Acon, die ward belegert von den Ungleubigen, in der Stat da was ein Junckfrawenkloster yn, und die Eptisin ließ zů dem Capitel lüten. Da nun dy Frawen alle zůsammenkamen, da sprach sie zů inen alsam also: ›Ir lieben Kind und ir lieben Frawen, es ist jetz daran, das die Ungleubigen werden hereyn fallen. Es sei dan Sach, das wir weißlichen handlen, so werden sie zů dem ersten unsere Selen verderben, darnach den Leib. Wöllen ir mir aber folgen und wöllen thůn, was ich thů, so behalten wir Leib und Seel rein.‹ Sie sprachen allesamen: ›Ja, liebe Můter, wir wöllen dir folgen.‹ Da zog die Eptisin ir Messer uß der Scheid und schneid ir selber die Naß ab. Da theten sie ir das alsamen nach, und wolt keine die böst sein, und waren ir bei 42. Da nun die Ungleubigen kamen und sahen, das sie so ungestalt waren, da liessen sie sie in dem Friden.

Das waren erbere Junckfrawen, dy durchengstigten sich selber, und umb Liebe willen der Küscheit machten sie sich selber ungestalt und ungeschaffen. Wa sein jetz unsere Junckfrawen? Ja wol jetz Augen ußstechen und Nasen abschneiden; sie reitzten ee selber die Gesellen, lieffen inen nach; zieren sich und mutzen sich uff, wie die gemeinen Metzen thůn, man weiß schier kein Unterscheid me. Aber [14] ir Küschheit ist in dem Mund, und sein gleich denen Junckfrawen, von denen man lisset, wie hernach folgt.

13. Gugug schrei eine im Faß
Von Schimpff das 13.

Gugug schrei eine im Faß.


Es was einmal ein Edelman, der het umb eines Bauren Dochter gebůlet. Sie wurden der Sach eins, der Tag ward gesetzt, das er kumen wolt mit einem Pferd und wolt sie hinder im hinwegfüren uff sein Schloß. Da er nun kam, er fand die Thür offen, es was niemans daheim; er rüfft ir oben und unden in dem Hauß, er hort sie nit. Er gedacht: ›Es ist nichtz, sie hat dich geäffet, du wilt widerumb hinweg reiten.‹ Also wer sie wol vor im küsch bliben. Aber so der Edelman zů der Hußthür wil hinußgon, da saß sie in einem Faß und schrei zu dem Puncktenloch uß: ›Guck guck, guck guck!‹ Er sprach: ›Bistu da‹ und nam sie und satzt sie hinder sich uff das Pferd und fůrt sie mit im uff das Schloß.

Die het ir Küscheit nur in dem Mund, als die hernach auch.

14. Drei Töchtern wuschen ir Hend
Von Schimpff das 14.

Drei Töchtern wůschen ir Hend.


Es was einmal ein Burger, der het drei Döchter, die alle zeitig waren zů versehen in den schweren Orden der heiligen Ee, und wüst der Vatter doch nit, welche er zů dem ersten versorgen solt; wan sie hetten alle drei Werber. Er berůfft sie alle drei zůsamen und sprach: ›Wolan, lieben Döchter, ich wil euch allen dreien mit einander Wasser geben, und ir sollen die Hend auch mit einander weschen, und sollen sy an kein Duch trücknen, sunder selber lasen trucken werden; und welcher ire Hend zů dem ersten trucken werden, deren wil ich zů dem ersten ein Man geben.‹ Der Vatter goß inen allen dreien Wasser über die Hend; da wůschen sie ire Hend und liessen sie von inen selber wider trucken werden. Aber das jüngst Döchterlin das weiet mit den Henden hin und her, und sprach stetz: ›Ich wil keinen Man, ich wil keinen Man.‹ Und von demselbigen Weien wurden im sein Hend zů dem ersten trucken, und ward im zů dem ersten ein Man, und můsten die ältesten noch me warten.

Es ist auch ein Retersch. Man spricht: ›Rat, was ist das? Thůt man es, so geschicht es; thut man es nit, so geschicht es dannocht.‹ Es ist Hend weschen. [15] Trücknest du sie an ein Zwehel, so werden sie drucken; trücknest du sie nit, so werden sie von in selber trucken. Dise Dochter het auch Küscheit allein in dem Mund, aber nit in dem Hertzen; darumb so was es listig, es weiet die Hend, das sie zů dem ersten drucken würden etc.

15. Eine schrei, als man sie beroubet
Von Schimpff das 15.

Eine schrei, als man sie beroubet.


Uf ein Zeit was ein grose Dochter, die kam zů dem Richter, zů dem Offizial, und klagt ein jungen Gesellen umb den Blůmen an, er het sie verfelt und notzwungen. Der Richter sprach: ›Liebe Dochter, ich kan die Sache nit on in ußrichten, er můß auch da sein. Darumb gang heim und kum morgen widerumb zů dieser Stund, so wil ich im auch her lassen gebieten.‹ Die gůt Dochter gieng heim. Der Richter, der Official schickt ir ein Knecht nach, der solt thůn, als wolt er sie berauben und ir den Schleier wolt nemen und den Seckel etc. Das geschah.

Da die Dochter morgen widerumb kam und sach den Rauber da ston, da verklagt sie denselbigen Rauber, wie er sye uff freyer Strassen het wöllen berauben, wan sie sich nit gewert het. Der Richter sprach: ›Kunstu dich dan sein erweren?‹ Sie sprach: ›Ja, ich schrei, das die Lüt uff der Gassen und uß den Hüsern herzůlieffen und mir zů Hilff kamen.‹ Da antwurt ir der Richter: ›Hettestu auch also geschruwen, da dir der Gesel den Kummer wolt anthůn und dich zwingen seinen Willen zů thůn und den Blůmen nemen, so wer man dir auch zů Hilff kumen. Darumb far hin, liebe Dochter, dein Straß! Der Gesel ist dein ledig.‹

16. Einer Junckfrawen gab man fünf Schilling
Von Schimpff das 16.

Einer Junckfrawen gab man fünf Schilling.


Vor Zeiten was es etwan gar ein grose Sach, wan einer ein Junckfrau verfelt, als es dan noch ein grose Sach ist in den Rechten. Aber es ist zů eim Mißbruch kumen, besunder in den grosen Stetten, da etwan ein Můter ein Dochter hat, die sol sie wol etwan selber einem reichen Pfaffen oder einem Edelman heimfüren oder als Wescherin heimschicken und inen allen Gelt abtreuwen und abschrecken und sie mit Recht fürnemen etc.

17. Zwo Döchtern bezalten eim Gsellen sein Er
[16] Von Schimpff das 17.

Zwo Döchtern bezalten eim Gsellen sein Er.


Nun het es sich uff ein Zeit begeben, das in dem Fürstenthům zů Wirtemberg in einem Dorff da starb ein reicher Bauer, der verließ ein hübschen jungen Sun. Da waren auch vil hübscher Döchter in demselbigen Dorff, die gedachten, wie sie denselbigen reichen, hübschen jungen Gesellen möchten überkumen zu einem Man. Und sie machten im Krentzlin und giengen im nach und entgegen, und eine jegliche meint, er solt sie nemen zu der Ee; aber er thet nit dergleichen, als ob er es thůn wolt. Da sie nun sahen, das er nit daran wolt, da liesen sy alle von der Bit ab und lieffen im nit mer nach, biß on zwo, die wolten nit nachlassen; und forcht jegliche, er würd die andere nemen, und haßten einander und lůgten einander uff die Ysen. Es begab sich, das eine die ander ußspürt, das sie zů dem Laden hinyn was gestigen zů dem reichen jungen Gesellen und wolt die Nacht bei im schlaffen, als sie auch thet. Die ander steig auch zů dem selben Laden hinyn und wolt auch bei im schlaffen, als sie thet. Der jung Gesel lag zwischen inen beiden und macht jeglicher ein Kind, und wurden beid schwanger, und jetliche sprach in an umb die Ee.

Die Sach kam an das Gericht in demselben Dorff; die erbern Lüt wissen sie gen Stůckgarten, oder wa es dan was, uff das Landgericht; dieselben Herren wissen sie gen Costentz an das geistlich Gericht; der Official daselbst befalch die Sach den Richtern wider in dem Dorff, das sie es solten ußsprechen, und bei dem Sententz solt es blyben. Die erbern Lüt erkanten es also, das die zwo Döchtern solten dem jungen Gesellen den Magthům bezalen, und solt ledig sein von inen, und solten sie Hůren blyben nach als vor. Den Sententz schriben sie an die obgemelden Ort, und erkanten die Herren geistlich und weltlich, das es wol ußgesprochen wer, und bleib dabei.

3. Von der Ler Vatter und Muter

18. Ein Lew ließ die Klawen im Baum
Das 18. von Schimpff.

Ein Lew ließ die Klawen im Baum.


Es was ein alter Lew, der mocht nit wol me jagen und lag in einem Loch, und hat ein jungen Sun, der speißt in, als billich was. Der alt Lew gab dem jungen Lewen ein Ler und sprach zů im: ›Lieber [17] Sun, sich zů, das du mit keinem Menschen fechtest, hab nichtz mit im zů schaffen! Wan er ist stercker dan alle Thier, so würt es dir nimer übel gon.‹

Der jung Lew empfand seiner Stercke und verachtet seines Vatters Ler und gieng uß und wolt doch ein Menschen sehen und fand zwen Ochsen bei einander und zůsamengebunden under ein Joch. Der Lew sprach zů inen: ›Sein ir Menschen?‹ – ›Nein‹, sprachen sie, ›aber ein Mensch hat unß zůsamengebunden‹. Er kam weiter, da fand er ein reisingen Hengst, der was wol beschlagen und het ein Sattel uff dem Rucken und ein Zaum in dem Maul, und gebunden an ein Baum. Der Lew sprach zů im: ›Bistu ein Mensch?‹ Er sprach: ›Nein, aber ein Mensch hat mich gebunden.‹

Er kam weiter, da fand er ein Buren Holtz hawen vor einem Wald, er sprach: ›Bistu ein Mensch?‹ Der Buer sprach: ›Ja‹. – ›Wolan, so rüst dich, wir wölen mit einander fechten.‹ Der Buer sprach zu dem Lewen: ›Gůt Gesel, hilff mir das Holtz zerspalten, so wil ich dir darnach zů Willen werden.‹ Der Buer thet ein Streich mit der Axt an dem Baum da vornen und macht ein Spalt und lert den Lewen, wie er mit den Klawen den Baum solt von einander zerren. Da der Lew die Klawen in den Spalt stieß, da zohe der Buer dy Axt uß dem Spalt. Da schnalt der Baum wider zůsamen, und was der Lew gefangen. Der Buer lieff zů dem Dorff zu und macht ein Geschrei: ›Ein Lew, ein Lew!‹ Die Buren alle zů dem Dorff hinuß mit Spiessen, Gablen, Stecken gegen dem Lewen. Der Lew sahe, das er in Dotsnöten was, und zart die Füß heruß, und bliben im die Klawen in dem Holtz stecken, und entlieff den Buren mit groser Marter, zögt seinem Vater sein blutigen Füß und sprach: ›Vatter, het ich deinem Rat gefolgt, so wer es mir nit also gangen. Ich hab erfaren, was du mir hast gesagt.‹

19. Der Sun beiß seim Vatter die Naß ab
Das 19. von Schimpff.

Der Sun beiß seim Vatter die Naß ab.


Also sollen die Jungen Vatter und Můter glauben und inen volgen, oder sie müsen dem Hencker folgen. Wan sie ir Gut unnützlich verthůn, man sicht inen zů, man hilfft inen, sie finden Gesellen, die inen helffen. Wan sie aber betlen müssen gon, so haben sie den Spot zů dem Schaden, so werden sie dem Vatter die Naß abbeissen.

Als der thet, von dem Boetius schreibt, da man in hencken wolt, da begert er ein Kuß zu geben seinem Vatter vor seinem End. Da im der Vater den Backen bot, da beiß im der Sun die Naß ab und sprach: ›Hettestu mich gestrafft in der [18] Jugent, so wer ich nit zů der Schand kumen.‹ Da begert er der Straff, die er in der Jugent veracht het.

Es sein aber etlich, die die Warnung und Ler irer Eltern verschmahen und verachten, und gat inen zů einem Or yn und zů dem andern widerumb uß, und sein disem Lewen gleich, von dem wir lesen.

20. Ein Lew gab seinen Sünen drei Ler
Von Schimpff das 20.

Ein Lew gab seinen Sünen drei Ler.


Wir lesen von einem Lewen, der het zwen Sün. Die wolt er versorgen und gab jeglichem ein Frawen, und zu der Eestür gab er jeglichem Wald und drei Leren, die solten sie behalten, und sprach: ›Fröwen euch, lieben Sün, wan alle Thier sein euch underthenig, und hüten euch allein vor dem Menschen und fechten nit mit im; wan er in Stercke alle Thier übertrifft. Zů dem andern so sollen ir Frid haben mit üwern Nachbauren. Zů dem dritten so haben die Weld in Eren, die ich euch geben hab, damit das die Thier bei euch vil Jungen machen! Wan ir dise drü Ding thun und die drei Leren behalten, so gat es euch nimer übel.‹ Darnach gieng der Vatter, der alt Lew, schlaffen und ward begraben.

Der eltest Sun lebt nach den Leren seines Vatters. Aber der jung Sun, der fieng an zů kriegen und zů hadern mit denen, die bei im wonten. Und uff einmal da het sein Frau und andere in zornig gemacht, und kam sein Zorn über die Thier uß in dem Wald, und er erwürgt ir vil und döttet sie; und da das die andern Thier gewar wurden und es sahen, da flohen sie alle von im.

Das sahe er uff einmal und wolt seinen Bruder visitieren und besehen, und kam zů im und sprach: ›Lieber Bruder, wie hat es ein Handel umb dich, das du so reich bist und dir so wol gat und gat mir so übel?‹ Er antwurt im und sprach: ›Ich halte unsers Vatters Ler; aber du haltest sie nit, du kriegst und haderst mit denen, die bei dir wonen, und hast nun den Wald enteret, und weichen die Thier von dir.‹ Und fürt in mit im in seinen Wald und zögt im sein Wesen. Und da sie also in den Wald kamen, da sahen sie die wilden Thier mit grosen Huffen da gon. Und da sie lang also in dem Wald hin und her waren gan, da sahen sie ein Menschen, ein Jäger, der spant die Garn uff und wolt das Gewild jagen. Da sprach der jung Lew zu seinem Bruder: ›Bruder, sichstu nit den Bauren da gon, das er dir Schaden wil thun? Gang hin und zerreiß in und friß in!‹ Er antwurt im und sprach: ›Unser Vatter hat unß gelert, wir [19] sollen mit dem Menschen nichtz zů schaffen haben und sein müssig gon und fridsam mit im leben.‹ Da sprach der jung Lew: ›Wiltu vergessen deiner Stercke und Lewens Hertz umb der Wort willen eins alten Lewen? Er ist vor in die Aberwitz gangen; ich wil gon und wil in zerreissen und wil in fressen.‹ Und mit dem laufft er dahin und lůgt nit für sich und fiel in die Strick und in die Garn, die der Jäger het ußgespant, und ward also gefangen und gedöt.

21. Einer begert ein trunckne Sach
Von Ernst das 21.

Einer begert ein trunckne Sach.


Also sein etliche Sün und Kinder, die gantz den Rat und dy Ler irer Elter verachten und verschmahen und verthůn, was sie haben ererbt von iren Eltern, versuffen es und verspilen es und verhůren es, und man sicht inen zů, und sie finden Gesellen, die inen helffen. Wan sie aber kumen zu dem Stand des verlornen Suns, der auch alles verthet, was er het, und die Ler seines Vatters veracht?

Es was ein reicher Burger zů Venedig, der het ein Sun, der was gantz ein Weinül, er was alwegen vol, und er kam uff einmal uß dem Rat mit andern Ratzherren zů einem Huß, da lag ein trunckner Man uff einem Laden bloß und unzichtig, und spottet jederman sein. Der frum Vater gedacht: ›Sehe dein Sun disen truncknen Man so schantlich und spotlich da ligen, er würd sich bessern und darvor hüten, das im semlichs nit widerfür‹, und schickt sein Knecht nach seinem Sun. Und da der Sun nun kam, da predigt im der Vatter und strafft in, wie er sich solt hüten vor dem Sauffen. Da er im lang het gepredigt, da fing in an zů dürsten, und sprach zů denen, die da stunden: ›Wa ist der so truncken worden, wa schenckt man den gůten Wein, das ich auch darzu kem?‹

22. Einer seicht zum Laden uß
Von Schimpff das 22.

Einer seicht zům Laden uß.


Es was ein reicher Man, ein Erenman, auch des Regimentz, der het ein Sun, der thet vil kindischer und nerrischer Ding. Der Vatter lert in und predigt im und strafft in; aber der Sun wolt über alle Ding ein Nar sein. Uff einmal da kam der Vatter uß dem Rat, da stůnd sein Sun in dem Sal under dem Fenster und schlůg das Wasser ab oder brüntzlet uß dem Fenster uß, und da er den Vatter sahe, da hort er uff brüntzlen und flůh [20] wider zů dem Fenster hinyn. Und da es der Vatter sahe, da was er fro und gedacht: ›Das ist ein Zeichen der Vernunfft‹, und meint, der Sun schampt sich vor im. Und da er zů dem Sun kam, da fragt er in, warumb er in geflohen het, da er under dem Fenster stund und bruntzt. Der Sun sprach: ›Ja, lieber Vatter, ich forcht, du würdest mich an dem Seichfaden zů dem Fenster hinußziehen; darumb bin ich geflohen.‹ Da erkant der Vatter, das sein Sun ein Nar wolt sein, und ließ also von seiner Ler und ließ den Sun ein Narren bleiben.

Also sein vil junger Lüt, an denen Chrisam und Tauff verloren ist, kein Besserung ist da, und warten; wan wie ein baum bliegt (spricht Franciscus Petrarcha), also hat man ein Hoffnung, das er also Frucht bring. Also die Jungen auch gemeinlich, wie wol es etwan felt; wan manches wolzogen würt und erbar ist in der Jugent, so werden alte Schelck und alte Hůren daruß: ein junger Engel, ein alter Tüffel (Angelicus iuvenis, senibus sattanisat in annis).

4. Ein Titel von den Narren

23. Ein Narr gieng nit ongeschlagen
Von Ernst das 23.

Ein Narr gieng nit ongeschlagen.


Es was uf einmal ein Nar, den het ein Her einem andern geschenckt, und waren zwen Knecht geordenet, die solten denselbigen Narren holen und in heimfüren. Und da in die zwen Knecht uff das Feld brachten, da giengen die zwen Knecht weit voranhin, und der Nar gieng langsam hinden hernach, und die zwen Knecht můsten sein alwegen warten und schalten in übel und flůchten im. Da sprach der Nar: ›Der Nar thůt nichtz on geschlagen.‹ Da machten die zwen Knecht ein lange Růten und schlůgen den Narren übel und triben in voranhin, und het der Nar kein Hossen an, und traffen in die zwen Knecht mit den Růten einmal oder drü umb die Schenckel. Und da der Nar der Růten empfand, da fieng er an also schnel zů gon und zů lauffen, das in die zwen Knecht mit den Růten nit erlauffen mochten.

Also sein vil Menschen, die nit zu dem Himelreich lauffen, sie werden dan geschlagen und getriben mit Kranckheiten und Pestilentzen und mit andern Plagen. Die seind gleich etlichen Hunden, die ir Her schlecht, so lauffen sie wol [21] zehen oder zwölffmal umb in, etwan schmucken sie sich in ein Winckel und dussen. – Etliche Frawen die wöllen auch geschlagen sein, und spricht manche: ›Wan mich mein Man nit schlüg, so wer er mir nit lieb; und sunst so er mein förcht, mir nachlůgt und mich schlecht, so ist er mir lieb, und erken ich, das er mich auch lieb hat‹. Es sein darnach etlich Frawen und Hund, die wöllen nit geschlagen sein. Also wan Got dich schlecht mit Widerwertikeit, das ist ein Zeichen, das dich Got lieb hat. (Sapientie 4. cap.)

24. Ein Hund lief uß eim Schloß
Von Schimpff das 24.

Ein Hund lief uß eim Schloß.


Es was ein nerrischer Hund, der kam in ein Tal, da waren zwen Berg, uff jeglichem Berg was ein Schloß, und hetten die Schloß die Gewonheit, dieweil man aß, so můsten die Wechter pfeiffen und trumeten ein Lied umb das ander. Der Hund gedacht, da man anfienge zu pfeiffen uff dem einen Schloß: ›Da isset man, du wilt gon uff das Schloß‹. Da er den Berg halber hinuff kam, da hort der Wechter uff zu pfeiffen, und fieng der ander uff dem andern Schloß auch an zu pfeiffen. Da gedacht der Hund: ›Man hat jetz da gessen, man isset jetz uff der anderen Burg auch‹, und lieff wider herab und den andern Berg hinuff. Darnach hort der uff, und fieng der uff dem andern Schloß wider an zu pfeiffen. Also lieff der arm Hund von einem Berg zů dem andern, biß das er sich beider Imbiß versaumpt.

Also sein vil Menschen unbestentlich; sie wöllen Fröd und Lust haben diser Welt und ewiges Leben und lauffen schier das gantz Jar den zeitlichen Fröden nach, und in der Fasten stellen sie nach der ewigen Fröd mit Beichten und zů dem Sacrament gon und mit andern guten Wercken; sie bleiben aber nit lang. Desgleichen geschicht es schier alle Tag, an dem Morgen lauffen wir zů Got, zů der Meß, zů der Predig, und nach dem Essen hincken wir zů dem Tüffel, zů dem Bretspil etc. und treiben das biß in den Dot, und ist zů besorgen, das wir unß bei der Hochzeit versaumen wie der Hund.

25. Der Bauer verjoucht ein Hasen
Von Schimpff das 25.

Der Bauer verjoucht ein Hasen.


Es was ein Bauer nit weit von der Narrenkappen, der het ein Garten, da kam ein Haß yn, der thet im vil Schaden, als der Nar meint. Da bestalt er ein Edelman, der solt den Hassen vertreiben und [22] fahen. Der Edelman kam reiten, und bracht fünff oder sechs Hund mit im und jagt den Hasen in dem Garten mit einem grosen Geschrei. Der Haß entgieng inen, er wüst durch den Zaun hinuß und ward im nit. Diser Rüter mit den Hunden thet dem Buren me Schaden in einer Stund, dan im der Haß in zehen Jaren het gethon; noch so wolt sich der Buer rechen an dem Hasen, und ward im dannocht nit.

Also sein vil neidiger Menschen, die nit wöllen ablassen und verzeihen, sie wöllen sich rechen, und greiffen Got in seinen Gewalt, dem da zůgehört zu rechen; und wan sie es lang machen, so thůn sie inen selbs den grösten Schaden, und gat inen als den Aman, der Mardocheo ein Galgen ließ machen, und ward er daran gehenckt. – Also auch es grebt einer eim ein Grub, und felt er selber daryn; und wan sie schon dem weltlichen Richter entlauffen, der sie nicht strafft, so mögen sie doch dem Gottes Gewalt nit entlauffen, der sie straffen würt, das sie im in seinen Gewalt gegriffen haben. (Psal. 17. Michi vindictam etc.)

26. Ein Witziger folgt eim Narren
Von Ernst das 26.

Ein Witziger folgt eim Narren.


Darnach uff ein Zeit waren zwen Brüder, der ein was ein Nar, und der ander was witzig. Die giengen mit einander über Feld, sie kamen an ein Wegscheid; der ein Weg war lüstig und eben, der ander steinecht und ruch. Sie kriegten mit einander, welchen Weg sie wolten gon, der Weiß wolt den ruchen gon, und der Nar wolt den glatten gon. Nach langem Zancken gieng der Nar den güten Weg, der Weiß wolt seins Gesellen Geselschaft nit manglen und gieng im nach, sie wurden gefangen und in ein Burg gefüret und in ein Turn gelegt. Da sie in dem Turn lagen, da krigten sie aber mit einander. Der Weiß sprach: ›Das hab ich von dir; weren wir den ruhen Weg gangen, so weren wir nit in dise Not kumen; so hab ich dir müsen folgen.‹ Der Nar antwurt: ›Du bist weiß, und ich bin ein Nar. Ich hab gethon nach meiner Art; werest du für dich gangen, so wer ich dir nachgangen‹ etc.

Also geistlich: Leib und Seel sind zwen Brüder; der Leib ist ein Nar und die Sinlichkeit, die Sel ist witzig. Der Leib wil hie den lüstigen Weg gon der Sünden, so gat die Sel hinnach; darumb werden sie ein ewig Verweissen mit einander haben in dem Turn ewiger Verdampnis. Darumb soll die Sel dem Leib nit nachfolgen.

27. Einer klagt stetz sein rote Kappen
[23] Von Schimpff das 27.

Einer klagt stetz sein rote Kappen.


Es was auf einmal einer gefangen, den wolt man hencken, als man auch thet. Da man in hinuß fůrt, da klagt er nichtz dan sein rote Kappen, dy er in dem Turn het lassen ligen. Was man im sagt, so was es nichtz dan als sein rote Kap: Het ich mein rote Kappen!

Also sein vil, die sich an dem letsten bekümern mit nerrischen Dingen, so sie sich mit Got und mit Rüwen irer Sünd solten bekümern, als Franciscus Petrarcha spricht: (Quamdiu spiritus est in corpore, liber est animus). ›So lang der Geist in dem Leib ist, also lang ist das Gemüt frei; es mag sich zů Got oder von Got wenden.‹

28. Ein Dieb bat das Brod ze schaben
Von Schimpff das 28.

Ein Dieb bat das Brod ze schaben.


Nun auff einmal fůrt man einen uß, den wolt man hencken. Da fůrt man in für eins Brotbecken Hauß hin, da stund nüwbachen Brot an dem Laden, das schmackt so hertzlichen wol, das den armen Man darnach glust. Er sprach: ›Wer doch etwan ein Mensch, das mir ein Weißbrot kaufft!‹ Der Nachrichter gab im ein Heller umb ein Weißbrot und schneid im ein Stücklin an eim Ort herab und gab es im in den Mund. Der Dieb sprach: ›Lieber Meister, schaben mir das Mel unden an dem Boden herab! Man spricht, es sei gar ungesunt.‹ Der Nachrichter sprach: ›Es ist dir gesunt gnůg, als lang du noch zu leben hast.‹

Also sein vil Menschen, die an dem letsten nach irer Ler Werck treiben, wie sie es in der Jugent gewont haben. Andre sůchen noch Kurtzweil und Fröd, so sie von hinnen scheiden sollen.

29. Ein Fuchs begert an den Galgen
Von Schimpff das 29.

Ein Fuchs begert an den Galgen.


Auf einmal fůrt man ein Fuchß uß und wolt in hencken; wan er het vil Enten und Genß und Hüner gestolen. Da man in ußfůrt, da wolt man in ein Straß füren zu der rechten Hand an den Galgen. Da bat er die, die in fůrten, sie solten in die ander Straß zu der lincken Hand anhin füren. Sie sprachen: ›Warumb?‹ Der Fuchs sprach: ›Darumb; uff der [24] selben Straß sein vil Gens, das ich noch an dem letsten meine Augen mög erlüstigen.‹

Also sein vil Menschen, denen man an dem Dotbet Kurtzweil machen muß. Dem einen můß man seine Guldin herfürbringen, dem andern sein Metzen heisen kumen, und klagen me, das sie die Ding lassen müsen, weder sie ir Sünd klagen und das sie wider Got haben gethon. Da thut Scheiden we, als der Weiß spricht: (Ecclesiasti. 41. O mors.) O Dot, wie bitter ist dein Gedechtnis einem Menschen, der Lust hat in seinen Gütern! Ist die Gedechtnis des Dotz also bitter, wie bitter ist er dan selber!

30. Ein Frau gab ein edlen Stein für Salat
Von Schimpff das 30.

Ein Frau gab ein edlen Stein für Salat.


Uf ein Zeit was einer, der het ein kostlichen Stein kaufet wol für 40 Guldin und gab denselben Stein seiner Frawen zu behalten. Es begab sich, das sie uff einmal glustet nach einem Salat, und mit demselben kam ein Frau, die bracht den allerhübsten Salat, Kressig, Lattich, junge Zwiblen. Sie wolt in kauffen, da hat sie kein Pfennig und gab den kostlichen Stein derselben Frawen umb den Salat.

Die was auch nit witzig, und sein vil, die dise Frawen möchten schelten ein Nerrin und selber sie nerrischer Sachen thun; wan umb das Zeitlich verlassen sie das Ewig, das Geistlich verlassen umb das Zeitlich, Got in seinen Gebotten umb ein Pfennig; gleich als ein Nar, der gab ein Roß umb ein Pfeiffen.

31. Der Man stand im Halßeisen
Von Ernst das 31.

Der Man stand im Halßeisen.


Uf ein Zeit was ein Frau, die het beschult, das man sie offenlich straffen solt, als an etlichen Orten ist, und sie in das Halßyssin stellen und ir ein Brieff an die Stirn machen, daran ir Boßheit geschriben ston; in etlichen Stetten hat man ein Korb. Ir Man het sie zů lieb, darumb er billich bei den Narren ston sol, und überkam mit den Herren und gab Gelt für sie. Also er trůg den Lasterstein für sie, oder stůnd für sie in das Halßyssin. Wan es sich darnach begab, das sie uneins wurden und mit einander haderten, so verweiß sie es im und sprach dannocht auch vor den frembden Lüten: ›Ich bin doch noch nit in dem Halßyssin gestanden als du.‹ Das [25] war gar ein grose Undanckbarkeit, die Schand, die sie im uffhůb und verweiß, die sie hat verschult; sie solt die Straff gelitten haben, dy er leid.

Also gat es noch mit Christo dem Herren und mit unß. Wir haben beschult zů leiden und zů sterben mit unsern Sünden, und der Sun Gottes het menschliche Natur an sich gnumen umb der übertrefflichen Liebin willen, dy er zů unß hat, und hat für unß gelitten und gestorben des schantlichen Dotz. Und das verweissen im die Menschen, die Gotzlesterer und Gotzschwerer. Das geschicht, so du im sein Hirn, Lung, Kröß, Leber, Wunden, Onmacht unzimlich wider seinen Willen nennest, und me verflucht bist du dan Cham (Genesis 9). Wan Cham entblotzet die heimlichen Glider eines Menschen; du entblotzest die heimlichen Glieder Jesu deins Herren, der Got und Mensch umb deinet willen worden ist und umb deinet willen gecrütziget und gestorben. Darumb sein die Verßlin darüber gesetzt:


Est amor ingratus, cum non sit amator amatus. Illi pena datur, qui semper amat nec amatur.

32. Ein Nar überdisputiert ein Witzigen
Von Ernst das 32.

Ein Nar überdisputiert ein Witzigen.


Da Rom zů einem Teil gebauwen was, da schickten die Römer gen Athenis eerliche Botten uß dem Radt dar und entbotten in, sie solten ein Gesatz und Statuten und Ordnungen schicken, wan es was ein hohe Schůl da, und wie sie ir Stat wol regierten. Sie schickten ein hochgelerten Man gen Rom, der het der Stat Recht und ir Ordnung bei im. Doch so ward im befolhen, wan er gen Rom kem, so solt er inen die Ordnung und Satzung nit vorlesen noch geben, er solt sie vorhin beweren mit Disputieren, ob sie würdig weren die Ordnung zu empfahen, und solt doch die Disputacion geschehen mit Zeichen und Tüten.

Da die Römer das horten, da legten sie einem Narren ein kostlichen hübschen Rock an und satzten im ein hübsch rot hoch Baret uff. Und ob es Sach wer, das der Kriech sie überwünd, so het er nicht mee dan ein Narren überwunden; und wer es aber Sach, das der Nar den von Athenis überwünd, so hetten die Römer alle überwunden. Da nun die Stund kam, das man disputieren solt, und der Rat da was und sunst jederman, wer da wolt zůhören, da satzten die Römer den Narren uff den Sessel gegen dem Kriechen von Athenis. Dem [26] Narren ward befolhen, das er kein Wort solt reden. Der Kriech von Athenis achtet in für ein hochgelerten Man; wan er ansichtig was.

Der Kriech von Athenis fieng die Disputation an und hůb ein Finger uff, den Zöger, als wolt er verston, das nit me dan ein Got wer. Da verstůnd es der Nar und meint, er wolt im ein Aug ußstechen mit dem Finger; da hůb der Nar zwen Finger uff, als wolt er sprechen: ›So wil ich dir zwei Augen ußstechen.‹ Nun ist es gewonlich, wan einer zwen Finger uffstreckt, so streckt er den Dumen auch uß. Da nam es der Kriech von Athenis uff, er wolt zu verston geben die heilig Dreiheit in einem gewaren Gott; darumb so streckte er drei Finger uß. Darnach hůb der Kriech von Athenis eine flache offne Hand uff, als wolt er zů verston geben, das Got dem Herren alle Ding offenbar weren und kunt. Da nam es der Nar uff, er wolt im mit der flachen Hand eins an den Backen geben, und macht ein Faust, als wolt er in mit der Faust umb den Kopff schlagen. Da nam es der Kriech von Athenis uff und meint, Got het alle Ding in seinem Gewalt beschlossen, und die Urteil Got des Heren weren heimlich und aller Welt verborgen.

Also erkant der Kriech von Athenis, das sie würdig weren das Gesatz zů empfahen; wan sie hetten gelerte Leüt zů Rom, dieweil diser Nar stil schweig und nit ret. Da achtet in der Kriech von Athenis für ein weisen, hochgelerten Man; het er aber geret, so het er gleich wol gesehen, was er für ein Man wer gewesen. Als noch hützůtag sich vil Ratherren des gebruchen.

33. Einer danckt, wan man ihn klagt
Von Schimpff das 33.

Einer danckt, wan man ihn klagt.


Als dem Narren geschach, was auch uff ein Zeit ein Sun, dem starb sein Vatter. Da man in nun begraben het und man da stůnd, und jederman kam da zů im und klagten in, wie dan in etlichen Steten oder Dörffern Gewonheit und brüchlich ist. Und wan man dan in klagt seins Vatters halben, so sprach er: ›Got wöl, das euch euwer Vatter sterb; so will ich euch auch kumen klagen.‹ Also het man in auch witzig geacht, het er geschwigen.

Darumb ler jederman syns Munds warnemen und lůg, was er red. Wan bei seiner Zungen würt einer erkent, uß welchem Land er ist und was er für ein Mensch ist. Man spricht gemeinlich also: ›Man begreifft ein Ochsen bei den Hörnern, und den Man bei den Worten.‹

34. Wie einer der Narren spottet
[27] Von Schimpff das 34.

Wie einer der Narren spottet.


Es regnet uf ein Zeit, und alle, die der Regen anrürt, die wurden alle zů Kinden und zů Narren und triben Kinderspil und Narrenwerck. Es füget sich, das ein witziger Man da fürgieng und sahe, das die alten Lüt also Narrenwerck triben, als sie nackent lieffen und ritten uff Stecken und dergleichen Narrenwerck triben, und er achtet sie alle für Narren. Sie achteten in auch für ein Narren und lachten sein und schruwen über in und schlůgen die Hend zůsamen. Er fragt sie, wie sie darzů kummen weren, das sie also zů Narren weren worden. Die Narren sagten es im und sprachen: ›Es hat geregnet, und uff wen der Regen kumen ist, der můß also Kinderspil und Narrenwerck treiben.‹ Der weiß Man fragt sie, ob man nit des Regenwassers me finden künt. Da sprach der Narren einer: ›Nein.‹ Da sprach ein anderer Nar: ›Ja, da in dem Grüblin ist desselbigen Regenwassers.‹ Da legt sich der Witzig uff den Bauch nider und stieß das Maul in das Grüblin und tranck darauß, und darnach greiff er mit der Hand in das Grüblin und guß im des Wassers uff das Haupt und zwůg im selber darmit. Und gleich was er auch ein Nar worden und treib auch gleich Narrenwerck und Kinderspil.

Also mag das Exempel zů vil geistlichen Dingen gezogen werden, da einer jetz etwan Laster hasset, und bald darnach so treibt er die Ding auch und lert es von denen, bei denen er wont. Es kumpt auch offt, das die bösen Narren die gůten Narren schelten, darumb das sie inen nit gleich wollen sein; das sollen sie gern leiden. Es spricht Sanctus Paulus: (1. Corinth. 3. Si quis vult sapiens esse in hoc seculo, stultus fiat, ut sit sapiens.) ›Wer da wil witzig sein in diser Welt, der werd ein Nar, uff das er witzig sei.‹

35. Die Katz solt der Keß hüten
Von Schimpff das 35.

Die Katz solt der Keß hüten.


Es was einmal ein Buer, wol ein halber Nar, der het ein gůten Keß in einem Trog oder in einem Kensterlin. Da kamen im die Müß darüber und assen im den Keß. Der Bauer het ein grose Katzen, die satzt er in den Trog, sie solt im des Keß hüten. Die Katz fraß die Müß und den Keß.

Also thůn etwan die grosen Prelaten und Herren auch, die setzen etwan Amptlüt den armen Lüten zů gůt und etwan auch zů einer Straff, und den armen[28] Burgern das Ir nemen, wie sie mögen, und sie darzu umbringen und inen ir blutigen Schweiß ußsaugen. Als man etwan Banwarter setzt und Hüter, und niemans hütet aber ir; sie thůn den armen Lüten etwan den grösten Schaden, da in den Reben, da in den Gärten. Es wer Not, das mancher Decker das Dach deckt, das es nit uff das Dach regnet, damit man drucken in dem Hauß wonen möcht.

36. Einer ward wund und gesunt
Von Ernst das 36.

Einer ward wund und gesunt.


Es was uf einmal einer von einem Siechtagen von Sinnen kummen und zů einem Narren worden. Und uff einmal lieff er in der Stat hin und her, wie er dan vormals dick het gethon. Da lieffen junge Kind und Knaben, groß und klein, und sprungen und spotteten sein und reitzten in zů Zorn. Da erwüst er einen mit dem Har und raufft in. Da was ein anderer da, der schlůg den Narren mit einem Stecken uff den Kopff und schlůg im ein Wunden, das im ein Dampff und ein Rauch zů dem Kopff herußgieng. Und diser was augenblicklichen sinnig und witzig worden, und da er sich also sahe under sovil Knaben und Kinden ston, da schampt er sich. Und man fragt in, wie im were gewesen, da er also von Sinnen was und so vil Knaben umb in sahe. Da antwurt er, im wer nit anders gewesen, dan er meint, er wer Römischer Künig oder Kaiser und müst ein grosen Feltstreit beston, den der groß Alexander het gethon, und das weren alle seine Soldner und der reissig Züg etc.

Es ist kein bessere Artznei, den Narren zu Hilff zů kumen und unsinnig Lüt sinnig zů machen, dan einem den Kopff uffzůthun und das Dämpff darvon gangen. Es ist ein Verßlin darüber:

O medici, mediam capitis pertundite venam!

37. Einer verbrant das Hauß der Fliegen halb
Von Schimpff das 37.

Einer verbrant das Hauß der Fliegen halb.


Uf einmal was ein Nar, und die Fliegen thetten im uff ein Zeit me Unglückß an dan sunst alwegen, und was den Fliegen fast feind. Und stieß sein Hauß an und verbrant es von Ungedult, damit das er die Fliegen auch verbrant.

Also sein vil Menschen, die etwan gestochen werden von den hellischen Mucken, von Unküschheit, so fallen sie gleich in die Sünd und sein kleinmütig und nit [29] mögen leiden, das sie ein wenig unrüwig sein gegen inen selber. Es sein auch die, die ir Hauß, das ist iren Leib verderben mit unvernünfftigem Abbruch an Essen und an Trincken, das sie dester ee sterben, und brechen inen selber ir Leben ab, das sie der Anfechtungen abkummen. Das sein Narren. Wan es spricht David in dem Psalter: (Psal. 2. Erudimini, qui iudicatis terram) ›Ir sollen underwissen werden, die da das Erdtreich urteilen.‹ Das Erdtreich ist dein Leib, den solt ir leren zů urteilen, das es beschech mit Bescheidenheit. Als Sanctus Paulus spricht: (Rom. 12. Rationabile obsequium vestrum). Dis Exempel ist auch gůt wider die unzimlichen Recher, und ist dem gleich, wie obstot, der den Hassen verjagt (c. 25).

38. Zwen Narren schlugen einander
Von Ernst das 38.

Zwen Narren schlůgen einander.


Ich liß von einem Narren, der het die Gewonheit an im, wa er für ein Menschen anhin gieng, so schlůg er in mit einem Stecken, den er für ein Kolben in den Henden trug. Er thet aber niemans nit we, er rüret einen nur hübschlichen an und lacht und gieng damit für. Es füget sich uff ein Zeit, da ein frembder Nar in dieselb Stat kam, da der Nar in was, der trůg auch ein Stecken in der Hand und het auch dieselbig Gewonheit an im, wa er für ein Menschen anhin gieng, so schlug er in mit demselbigen Stecken und thet auch nieman we.

Uff ein Zeit gieng der Statnar für den frembden Narren anhin und schlůg in auch nach seiner Gewonheit. Der Stattnar schlůg den fremden Narren auch widerumb. Der fremd Nar schlůg den Statnarren auch widerumb. Und darnach der Statnar den frembden Narren, und schlůg je einer den andern, und je eins umb das ander, und wolt keiner der letst sein, und schlůgen die zwen Narren einander, biß das sie alle beid nichtz mer mochten, und lagen also neben einander, als ob sie schier dot weren. Darnach schlůg keiner keinen Menschen me. Und wan es sich dan begab, daß sie einander bekamen, so gieng einer ein andere Straß oder uff der anderen Seiten der Strassen anhin, und sprach jeglicher zu den Lüten, wan anders Lüt da waren: ›Das ist ein Nar; hüt dich vor im, er schlecht die Lüt.‹

Also sein vil Menschen Narren, und allermeist grose Herren, die nit Frid mit einander haben wöllen. So einem ein klein Verdriessen geschicht, so wil er es rechen, und ziehen über einander und verderben Land und Lüt und schlagen einander ihre Lüt zů Dot; und nach grosem mercklichen Schaden, als dan in [30] Kriegsleuffen gewonlich geschicht, so ret man dan darzwischen, und werden eins mit einander. Als dan das gemein Sprichwort ist: (Stultus post damnum pactum facit.) ›Nach dem Schaden macht der Nar Frid.‹

39. Frid vor dem Schaden
Von Ernst das 39.

Frid vor dem Schaden.


Man zoch uff einmal uß in einen Krieg mit grosen Büchsen und mit vil Geweren, wie dan Sit ist. Da stůnd ein Nar da und fragt, was Lebens das wer. Man sprach: ›Man zücht in die Reiß.‹ Der Nar sprach: ›Was thůt man in der Reiß?‹ Man sprach: ›Man verbrent Dörffer und gewint Stet und verderbt Wein und Korn, und schlagen einander zů Dot.‹ Der Nar sprach: ›Warumb geschicht das?‹ Man sprach: ›Das man Friden mach.‹ Da sprach der Nar: ›Es wer besser, man macht vorhin Friden, damit semlicher Schaden vermitten blib. Darumb so bin ich witziger, dan euwer Herren sein; wan es mir befolhen wer, so wolt ich vor dem Schaden Friden machen und nit darnach, so der Schaden geschehen ist.‹

40. Der Seilgenger fiel, der Narr weint
Von Schimpff das 40.

Der Seilgenger fiel, der Narr weint.


Deßgleichen thet auch ein Nar. Es was einer, der wolt gaucklen und uff dem Seil gon; wan er het vil Geltz mit uffgehebt. Uff einmal wolt er der Gemein zů Letz ein Stück schencken on Gelt; es dorfft niemans nichtz geben. Er het das Seil über die Gassen gespandt von einem Hauß zů dem andern. Der Obentürer treib sein Gefert und sprang uff dem Seil, je wy er die Sach übersahe, das er überabfiel und fiel fast übel. Und es lacht alle Welt und spottet sein, wie man dan thůt, wan ein felt, ußgenumen ein Nar, der auch da stůnd; der weint, das ein Trehen den ander schlůg. Man sprach zů im: ›Wie ist das ein Sach? Alle Welt lacht, und du weinst.‹ – ›Ja‹, sprach er, ›solt ich nit weinen? Man heiset mich ein Narren, und bin ich witziger, dan der ist. Got hat dem Menschen das Ertreich geben, das er daruff sol gon, und der wil in dem Lufft gon. Darumb wein ich.‹

Darumb sprach David (Psal. 113. Celum celi domini, terram autem dedit filiis hominum etc.)

41. Ein Narr schmecht ein mit der Nasen
[31] Von Schimpff das 41.

Ein Narr schmecht ein mit der Nasen.


Es ist in Franckreich geschehen, da was ein Apt, ein groser Her, der het ein Narren. Das was gar ein früntlicher Nar, der niemans betrübet, weder mit Worten noch mit Wercken, wie zornig man in macht. Nun fügt es sich uff ein Zeit, das der Apt, der Her ein frembden Erenman geladen het, der het gar ein fast grose Nassen, als es etwan kumpt, das einer ein Gebresten an der Nassen hat. Da man nun also zů dem Tisch saß und wolt anfahen essen, da sahe in der Nar stetz an und verwundert sich ab der grosen Nassen. Und so er in lang angesicht, da lag er für denselbigen Herren mit der grosen Nassen mit den Ellenbagen uff den Tisch, und sprach zů demselbigen Herren: ›Wie hastu so eine grose Nassen, wie kumpt es?‹

Ach lieber Got, der gůt Man schampt sich und ward fast rot. Der Her sprach zů den Knechten: ›Treiben den Narren hinuß!‹ Die Knecht schlůgen den Narren zů dem Sal hinuß und sprachen: ›Nar, das du die Trüß müsest haben!‹ Der Nar gedacht: ›Du hast es warlich verderbt, du můst es widerumb gůt machen‹. Da nun der Nar meint, es wer vergessen, da gieng er widerumb in den Sal und nam sich nichtz an und gieng um den Tisch herumb trossen, und hindennach legt er sich aber uff den Tisch und sprach: ›O wie ein kleins Neßlin hastu!‹ Da ward der Gast noch me geschent; man treib den Narren aber zů dem Sal hinuß. Nach langem kam der Nar widerumb wie vor und sprach zů im: ›Got geb, du habest ein Naß oder nit, was wil ich deiner Nassen!‹ Da het er es erst gantz verderbt.

Also geschicht allen Schmeichlern und Kutzenstreichern, wie dem Narren ist geschehen, die ein etwan loben und erheben, und meinen sie, sein Liebe zů haben und Gunst, und je me sie in loben, je feinder er inen würt; wan sie lieben sich wie ein Hund, der Heffen bricht.

42. Der Her hasset sein Knecht
Von Schimpff das 42.

Der Her hasset sein Knecht.


Es ward ein Her uff einmal gelobt von seinem Knecht. Der Her sprach: ›Was lobestu mich? Ich mein, du wöllest mich verkauffen, das du mich lobest, oder du bist ein Nar, oder du bist mir sunst untrüw. Sichstu meinen Gebresten nit, den ich an mir hab? Das ist ein Zeichen, das [32] du ein Nar bist. Sichstu aber mein Gebresten und Sünd, und warumb warnest mich nit vor Schaden? Da bistu mir untrüw‹.

Das was ein rechter Her.

43. Intervallum wüßt ein Nar
Von Ernst das 43.

Intervallum wüßt ein Nar.


Uf einmal was ein Nar zů Straßburg, der hieß Hanß Sontag. Wan man in dan fragt: ›Uff welchen Tag kumpt heur Sant Laurentzen Tag?‹ so sprach der Nar: ›Ich weiß es nit‹. Da sprach dan der ander: ›Du weist es wol‹. So solt er wol eine gantze Stund sagen, wie der sprach, der in fragt: ›Du weist es wol, du weist es wol‹. Der Nar wüst, wie lang es was zwüschen Weinachten und der Herren Fastnacht alle Jar, wan es schon Intervallum was. Er het es über zehen oder zwantzig Jar gewüßt, und het nit gefelt, das was von einem sundern Ynfluß des Himels.

Also die Schmeichler, die Zůdütler und die Dellerschlecker an den Herrenhöffen: was man sagt, und wie der Her spricht, so ist es alwegen ja. Ja sprech der Her: ›Das Wasser laufft den Berg uff‹, so spricht dan der Knecht: ›Ja, Her, ich hab es gesehen‹. So spricht dan der Her: ›Es ist warm‹. – ›Ja‹, spricht der Knecht, ›mir gat der Schweiß uß‹, so in schon frürt. Semliche Lüt regieren jetzund Land und Lüt.

44. Der Nar verbrant sein siechen Herren
Von Schimpff und Ernst 44.

Der Nar verbrant sein siechen Herren.


Es ist geschriben für ein Warheit, das da ist gewesen ein Edelman, der ein Fogtei erkaufft hat, vil Dörffer und Stetlin, als etwan die Herren im Land versetzen. Der Edelman nam das Land yn und ließ es im schweren von einem Dorff zů dem andern, und war er kam, da eerten in die erber Lüt und schanckten im Gaben, und einer dis, der ander yens. Nun het der Her ein Schreiber bei im, der zeichnet ire Namen uff mit iren Gaben. Die erber Lüt waren fro, das er es uffschreib, und meinten, er thet es darumb, das er es nit vergeß, und erkanten in in Danckbarkeit gegen einem jeglichen, und ye einer sagt es dem andern, und wolt keiner der minst sein. Das was aber nit; was man im zů dem ersten gab, das wolt er für ein Recht haben und für ein Gewonheit; darumb ließ er es auch uffzeichen. Er befalh auch seinen Schaffnern und Knechten, das sie das ynzügen und forderten von [33] einem jeglichen, wie er es uffgeschriben het. Es fügt sich uff ein Zeit, das der Edelman kranck ward, und het der reichen Lüt Siechtagen, wiewol vil armer Menschen denselbigen Siechtagen auch haben, das Podagra, das er ein Drit nit gon mocht, und ließ im ein Bet bereiten bei einem Kemmet, da man ein Feür macht, als in den Landen, da etwan kein Stuben sein.

Der Edelman het ein Narren, der in etwan zů lachen macht und im kurtzweilig was. Und uff einmal, da niemans daheiman was und ein Füer in dem Herdt was, da fieng der Nar an zů schimpffen mit dem Feür und legt Strau hinzů, und zůletzt von dem Feür zů dem Bet und zünt es an. Der Edelman fieng an zů schreien und sprach zů dem Narren: ›Nar, lesch das Feür! Wiltu mich verbrennen?‹ Der Nar wolt es nit thůn und sprach: ›Ich wil es nit löschen.‹ Der Edelman sprach: ›Warum wiltu es nit löschen?‹ Der Nar sprach: ›Darumb. Wan ich es jetzund läscht, so woltestu es für ein Gewonheit haben, und müst es morgen aber löschen. Das ist das Wort deiner armen Lüt: wer dir einmal het geben, der muß es dir alwegen geben.‹ Also kam das Feür in das Bet, und verbrant der Edelman in dem Bet.

(Sapientie 11) Warin einer sündet, darin soll er büssen. Das hat Got der Her gethon durch den Narren, als Seneca spricht in einer Epistel zů Sancto Paulo, das Got der Her etwan durch ein Narren redet. Also sagt dem der Nar, das sein böse Gewonheit ein Ursach wer, das er hie leiblich solt verbrent werden und dort ewiglich.

45. Den Kolben gab ein Narr seim Herren
Von Schimpff das 45.

Den Kolben gab ein Narr seim Herren.


Es was auf ein Zeit ein Edelman, der het ein Narren, der was im lieb. Er macht im ein hübschen lidern Kolben und sprach zů im: ›Nar, disen Kolben gib niemans, er sei dan nerrischer, dan du bist!‹ Der Nar sprach Ja.

Nun es fügt sich uff ein Zeit, das der Edelman kranck ward. Der Artzet kam allen Tag zů im und besache in, und wan er dan von im gieng, so fragten in die Frau und die Knecht, wie im der Her oder der Juncker gefiel; so sprach er dan: ›Er würd faren, er bleibet nit.‹ Der Nar stůnt darbei und hort die Wort, die der Artzet zů der Frawen und zů den Knechten ret. Und wan er dan hort sagen: ›Der Juncker würt faren, er bleibt nit‹, so lieff der Nar dan yn den Stal zů den Pferden und lůgt, ob man die Pferd auch sattelt, und zů dem Reißwagen und lůget, ob man in auch rüste und uffmutzt. Da er darzů kam, sahe er nichtz. [34] Und wan dan morgens der Artzet widerumb kam und widerumb von dem Junckern gieng, da fragten in des Junckers Knecht und sein Hußfrau aber, wie es umb in ein Gestalt het und wie er im gefiel. Der Artzt sprach zů den Knechten und zů der Frauwen: ›Haben Sorg zů im! Er würt nit bleiben, er würt fahren.‹

Der Nar lieff aber umb und lůgt, aber er kunt kein Rüstung sehen, und gieng selber zů dem Herren und fragt in: ›Her, sie sprechen, du wöllest faren, du bleibest nit. Wie lang wiltu ußbleiben, ein Jar?‹ – ›O lenger, lieber Gese!‹ ›Zehen Jar?‹ – ›O, lenger. Ich weiß nit, wie lang‹. – ›Nun sihe ich kein Uffrüstung in dem Hoff. Darumb wil ich dir meinen Kolben geben, wan du bist vil nerrischer als ich. Wan solt ich so lang uß sein, ich wolt etwas dorthin schicken, darvon ich zů leben het und nit Mangel lit. Darumb so hab du dir nun den Kolben! Er gehört dir von Rechtz wegen zů.‹

Der Edelman der nam die Wort uff und besseret sich und macht sein Testament und Selgerecht und rüstet sich zů faren, das er ein Kind der ewigen Selikeit war. Da hat Got auch durch den Narren geret.

46. Wie ein Narr nit in den Himel wolt
Von Schimpff das 46.

Wie ein Narr nit in den Himel wolt.


Es was auf einmal ein Ritter, der het ein Narren. Es fügt sich uff ein Zeit, das der Nar kranck ward, und wan sein Her für in gieng, so tröstet er in und sprach zů im: ›Heini, schweig stil, wir wöllen schier zů Got faren.‹ Da der Her das Wort offt und dick zu im gesagt het: ›Wir wöllen schier zů Got fahren‹, und uff einmal sprach der Nar zů dem Herren: ›Ich wil nit zů Got faren.‹ Da sprach der Her: ›Warumb wiltu nit zů Got faren?‹ Der Nar sprach: ›Darumb. Du wilt doch auch nit zu Got faren, du wilt in die Hel faren, da wil ich auch hinfaren. Wan wie ich uff disem Erdtreich bei dir bin gewesen, also wil ich in der Hellen auch bei dir bleiben.‹ Der Her sprach zu dem Narren: ›Wie weistu dan, das ich in die Hel würd kummen?‹ Der Nar antwurt dem Herren: ›Alle die Lüt, die in deinem Land sein, die sprechen, du seiest ein böser Man, du thüest das und das und dergleichen. Und kumpt je kein böß Mensch in das Himmelreich zů Got.‹ Der Ritter nam des Narren Wort an und bessert sich, und ward ein gerechter frummer Mensch daruß.

Also nim du auch das Gotzwort an, die Predig, die dir geschicht von den Priestern, die wol Narren sein, wan sie nit thůn, das sie dir sagen, und sich [35] nit hüten vor dem Schaden, vor dem sie dich warnen. Es ist umb dieselben Priester, als Sant Jeronimus ret in einer Epistel, wie umb ein warm Wasser, das durch Eschen laufft. Das verlürt sein Klarheit und würt Laug, noch so wescht es andere Menschen. Und ist umb sie wie umb das Wasser in dem Tauffstein. Das schickt das Kind zů dem Himelreich und ist von dem Ertreich verflůcht; noch so ist dasselbig Wasser nit zů verachten von dem, der zů Himel fiert. Also dy Warheit ist auch nit zů verachten, die ein Nar predigt, wiewol er zů der Hellen gat; wan ein Nar mag als wol die Warheit sagen als ein Weiser. Machabeorum 2. c. 8: Nicanor predigt, das Got die Juden beschirmpt.

47. Ein Nar verbrant ein Ketzer
Von Ernst das 47.

Ein Nar verbrant ein Ketzer.


Uf ein Zeit straffet Got ein Ketzer in dem Glauben durch ein Narren und beseßnen Menschen, als Cesarius schreibt. Es was ein Ketzer in dem Glauben, der hies Eligius Boogris in der Stat Camerach. Da kamen die Ketzermeister von dem Prediger-Orden dar und sůchten denselben Ketzer zů verbrennen, wie sie dan vil daselbst verbrant hetten. Damit das er inen entlieff, da nam er sich an, er wer von Vernunfft kumen und wer besesen von dem Tüffel. Da ward er von seinen Fründen gebunden und zů Sant Eucharium gefürt, da man dan zů demselbigen lieben Heiligen semliche Lüt pflegt zů füren, und sie derselbig lieb Heilig ledig macht. Da legt man denselbigen Beseßnen in die Kirch an ein Bet an ein Keten; da dan andere beseßnen Menschen me da lagen, waren Hüter geordnet, die ir hüten. Da was ein Clericus besessen; von der Ordenung Gottes ward er in der Nacht ledig von seiner Kethinen und gieng in der Kirchen hin und her, und alle Matzen und Breter, die er in der Kirchen fand, die legt er under das Bet des Ketzers und oben uff in. Das sach der Ketzer; aber er acht es nit, er gab seiner Taubheit und Unsinikeit die Schuld. Zů dem letsten gieng er über ein Ampel, wan vil Amplen da brunnen, und zünt ein Liecht an und zünt des Ketzers Bet an. Der Ketzer fieng an Mordio zů schreien. Die Wechter erwachten beide und lieffen herzů und wolten weren. Da was dem Clerico, dem Studenten ein Schwert worden ungefert; der wert und schlůg umb sich und treib sie hinder sich, biß das der Ketzer in dem Bet verbran. Darnach gab Got disem Studenten Gnad, da er Gotzlesterung gerochen het, das der böß Geist von im weich, und ward entledigt und kam wider zů seiner Vernunfft und Sinnen.

48. Ein Nar urteilt zu bezalen mit dem Klang
[36] Von Schimpff das 48.

Ein Nar urteilt zů bezalen mit dem Klang.


Es kan auch etwan ein Nar ein Urteil finden, das ein Weisser nit finden kan. Es schreibt Johannes Andree von einem Narren: Es kam uff einmal ein armer Man, ein Betler in eins Wirtz Hauß, da was ein groser Braten an dem Spiß. Der arm Man het ein Stück Brotz, das hůb er zwischen den Braten und das Feür, das der Geschmack von dem Braten in das Brot gieng; da aß er dan das Brot. Das thet der arm Man, biß das er kein Brot me het; da wolt er hinweg gon. Der Würt hiesch im die Urten. Der arm Man sprach: ›Ir haben mir doch nichtz zů essen noch zů trincken geben. Was sol ich bezalen?‹ Der Wirt sprach: ›Du hast dich gesettigt von dem Meinen, von dem Geschmack des Bratens; das soltu mir bezalen‹. Sie kamen mit einander an das Gericht, da ward die Sach uffgeschlagen biß uff ein andern Gerichtztag.

Da was der Gerichtzherren einer, der het ein Narren daheim, und ob dem Tisch da ward man der Sach zů Red. Da sprach der Nar: ›Er sol den Wirt bezalen mit dem Klang des Geltz, wie der arm Man ersettiget ist worden von dem Geschmack des Bratens.‹ Da nun der Gerichtztag kam, da bleib es bei dem Urteil. Das Urteil fand der Nar.

49. Ein Narr schlug den Bischof
Von Schimpff das 49.

Ein Narr schlůg den Bischof.


Wir lesen von eim Apt, der het ein Narren. Uff einmal was ein grose Hochzeit, das der Apt Officiator solt sein und die Vesper anfahen. Nun bettet man mit Schweigen vor der Vesper ein Pater noster, darnach so facht man die Vesper an. Also der Apt fieng die Vesper an zů singen: (Psal. 69. Deus in adiutorium meum intende). Der gantz Chor antwurt im, wie man dan thůt: (Domine, ad adiuvandum me festina.) Da gieng der Nar zů dem Apt und schlůg in an den einen Backen und gab im ein Gůtz und sprach: ›Das Geschrei hastu in der Kirchen gemacht‹.

50. Ein Nar urteilt Juristen zu den Artzet gon
[37] Von Schimpff das 50.

Ein Nar urteilt Juristen zů den Artzet gon.


Uf ein Zeit was zů Pafy ein Uneinikeit zwischen den Doctores des Rechten und der Artznei, und wolt ein jegliche Facultet der andern vorgon, und lagen mit einander in dem Rechten vor dem Hertzog von Meiland, der solt das Urtheil ußsprechen, ob die Juristen solten vorgon oder die Artzet. Der Hertzog het Rat mit gelerten Lüten, und kunten nit daruß kumen. Der Hetzog het ein Narren, der hort darvon reden, der sprach: ›Die Sach künt ich wol ußsprechen‹. Der Fürst sprach: ›Wolan wie?‹ – ›Also: es ist gewonlich, wan man ein ußfürt, so gat der Übeldöter vor, und gat der Hencker hinnach.‹

51. Wie ein Nar sein Herren versprach
Von Schimpff das 51.

Wie ein Nar sein Herren versprach.


Es het ein Bapst einem Keiser geschriben, wie dan gewonlich der Bapst Keisern und Künigen schreibt: (Dilecto in Cristo filio nostro). ›Unserem lieben Sun Friderico‹ etc. Da man den Brieff also offenlich laß, da het der Keiser ein Narren, der sprach: ›Das ist erlogen, er ist keins Pfaffen Sun. Ich hab sein Vatter und Můter kent, es sein frume erbere Lüt gewesen.‹

52. Ein Nar fraß ein berümpten Falcken
Von Schimpff das 52.

Ein Nar fraß ein berümpten Falcken.


Uf ein Zeit was ein Edelman, der het ein Sperwer, mit dem er beitzt und vil Fröd mit het. Ob dem Tisch, so er fremd Gest het, so lobt er alwegen den Fogel, wie gůt er wer. Uff einmal reit der Her hinweg. Der Nar thet den Fogel ab und briet in und aß in. Da der Juncker widerkam, da sprach der Nar zů dem Herren: ›Du hast mich betrogen; du hast gesagt, wie gůt der Fogel sei. Ich hab in gebraten; er ist nit gůt gewesen, er was als zech‹, etc.

Das bedüt, schleckerhafftige Menschen begeren seltzame Speiß.

53. Ein Bauer sucht zweihundert Eyer in eim Hun
[38] Von Schimpff das 53.

Ein Bauer sůcht zweihundert Eyer in eim Hůn.


Man lißt von einem Buren, der billich ein Nar sol gezelt sein, der het ein Hennen, die legt im alle Tag ein Ey. Der Buer gedacht: ›Sie hat freilich einhundert oder zwei in ir; hettestu sie alle einsmals, so möchtestu etwas mit schaffen; ein Ey mag dir nit erschiessen. Du wilt sie erstechen.‹ Er dötet sie und thet sie uff und fand nichts in ir. Also verlur er das Hůn und die Eyer.

Also geschicht den Geitigen auch, die bald reich wöllen werden; einer wil etwan zů vil, so würd im zů wenig, und dergleichen.

54. Von Ratzherrn, die dantzten
Von Ernst das 54.

Von Ratzherrn, die dantzten.


Es waren Leüt in einem Huß, die sungen und dantzten; wan sie hetten ein Brunnen in dem Hauß, wer des Wassers tranck, der můst iren Reigen dantzen. Es kamen vil Lüt dar, die zůlůgten; man bot inen den Eertrunck; sobald sie getruncken, da fiengen sie auch an zů dantzen. Da was einer, der was weiß, der flůcht inen, das sie also sungen und dantzten, und gat auch dar und wolt lůgen, was es doch für Lüt weren. Man bot im auch zů trincken; sobald er getranck, da fieng er auch an zů singen und zů dantzen; das er vor gescholten hat, das thet er selber.

Also ist es noch. Du findest einen, der den Herren in dem Rat flůcht und inen übel ret: ›Und wer ich in dem Rat, ich wolt also reden und nit daryn gehellen‹, und ist ein groß Geschrei. Und wan er in den Rat kumpt, so singt er eben dasselbig Liedlin und darff das Maul nit uffthůn, und spricht, wa er bei den Lüten ist: ›Bei meinem Eid, es můß also zůgon, es kan nit anders sein; ich het es nit geglaubt, het ich es nit gesehen.‹

5. Von Ordenslüten und guten Brüdern

55. Der Sauhirt ward ein Abt
Von Schimpff das 55.

Der Sauhirt ward ein Abt.


Uf ein Zeit was ein Apt, der het ein Edelman zů einem Kastenfogt. Der Edelman was dem Abt nit holt und kunt doch kein Ursach wider in finden; und beschickt den Apt und sprach zů im: ›Münch, [39] du solt mir drei Fragen verantwurten in dreien Tagen. Zů dem ersten soltu mir sagen, was du von mir haltest. Zů dem andern, wa es mitten uff dem Erdtreich sei. Zů dem dritten, wie weit Glück und Unglück von einander sei. Verantwurtestu die drei Fragen nit, so soltu kein Apt me sein.‹

Der Apt was trurig und kam heim und gieng uff das Felt spacieren und kam zů einem Sauhirten. Der sprach: ›Her, ir sein gar traurig; was brist euch?‹ Der Apt sprach: ›Das mir anligt, da kanstu mir nit helffen.‹ Der Sauhirt sprach: ›Wer weiß es? Sagen mir es!‹ Der Apt sagt es im: ›Die drei Fragen můß ich verantwurten.‹ Der Hirt sprach: ›Her, sein gůter Ding und frölich! Die Fragen wil ich alle wol verantwurten; wan der Tag kumpt, so legen mir ein Kutten an!‹

Der Tag kam, und der Apt mit seinem Brůder kam, oder er schickt in dar in seinen Namen. Der Edelman sprach: ›Eptlin, bistu hie?‹ – ›Ja, Juncker‹, sprach der Apt. ›Wolan, was sagstu uff die erst Frag, was haltestu von mir?‹ Der Apt sprach: ›Juncker, ich schetz euch für 28 Pfennig.‹ Der Juncker sprach: ›Nit besser?‹ Der Apt-Hirt sprach: ›Nein.‹ Der Juncker sprach: ›Warumb?‹ Der Apt sprach: ›Darumb. Cristus ward für 30 Pfennig geben, so acht ich den Keiser für 29 Pfennig und euch für 28 Pfennig.‹ – ›Das ist wol verantwurt.‹ Uff die ander Frag: Wa ist es mitten uff dem Erdtreich? der Apt sprach: ›Mein Gotzhauß ist mitten uff dem Erdreich. Wöllen ir es mir nit glauben, so messen es uß!‹ Uff die drit Frag: Wie weit ist Glück und Unglück von einander? der Apt sprach: ›Nit weiter dan über Nacht; wan gestert war ich ein Sauhirt; heüt bin ich ein Apt.‹ Der Juncker sprach: ›Bei meinem Eid, so můstu Apt bleiben.‹ Und bleib auch also Apt; er hielt aber den alten Apt auch in Eren, als auch billich was.

56. Die Münch wellen in allen Sachen die ersten sein
Von Schimpff das 56.

Die Münch wellen in allen Sachen die ersten sein.


Es was einmal ein Cardinal, der het ein Ordensman zů einem Caplan, der was im lieb. Uff einmal stůnd der Münch vor dem Herren vor dem Tisch, da sprach der Her zů dem Caplan, also: (Duidquid agit mundus, monachus vult esse secundus, id est quietus.) ›Was man anfacht, Leckerei oder Büberei, so wil der Münch der ander daran sein.‹ Der Münch sprach: ›Nein, würdiger Her, nit also. (Vult esse primus). Er wil nit der ander sein, er wil der erst sein, und nit der ander.‹ Der Her lacht und sprach: ›Du hast es wol verantwurt.‹

57. Ein Fasant solt nur ein Bein haben
[40] Von Schimpff das 57.

Ein Fasant solt nur ein Bein haben.


Es was ein Ritter, der het ein Ordenßman zů einem Beichtvatter zů Florentz, der dieselbig Fasten alle Tag gepredigt het daselbst, An dem Ostermontag wolt der Ritter dem Beichtvatter ein Eer anthůn und lůd in zů Gast, er solt mit im essen. Der Beichtvatter kam, ee das es in der Kirchen uß was, und der Her was noch in der Kirchen. Den Beichtvatter hungert, und kam in die Küchin, da sah er villerlei Gebratens an dem Spiß, Fasanten und Krench. Er sprach zů der Köchin: ›Das Gebratens wer jetz an dem allerbesten zů essen. Geben mir ein Kolben von dem Kranch, so mag ich warten‹. Die Köchin sprach: ›Warlich, ich darff es nicht thůn. Mein Her dörfft mich zů dem Huß hinußjagen, wan ich im das Wiltbret also geschent über den Tisch brecht. Aber nemen ir selber, so hab ich kein Schuld daran.‹ Der Beichtvatter mit dem Messer an den Braten und reiß den Kolben uß, und gab im die Köchin ein Weißbrot darzu und ein halbe Maß Weins. Der Beichtvatter schlempt es.

Da man nun zů dem Tisch saß und man das Bratens fürtrůg, da lag der Kranch uff der verwunten Seiten. Der Her sprach: ›Wa ist der ander Schenkel hin kumen?‹ und wolt fast zornig sein über die Köchin. Der Leßmeister wolt in begütigen und růmet im in ein Or, als er neben im saß, er solt zůfriden sein vor den Gesten; wan man gessen het, so wolt er im beweren, das der Fogel nit me dan ein Schenckel gehabt het. Der Her als ein vernünfftiger Man ließ es sein.

Da man gessen het, sprach der Ritter: ›Wolan, Her Leßmeister, wir wöllen spatzieren gon‹, und giengen für die Stat hinuß, da die Burgerskind und die Edlen lauffen und springen. Uff dem Weg sprach der Ritter: ›Her Leßmeister, ir haben gesagt, das der Fogel nit me dan einen Schenckel hat gehabt. Wy ist es dan ein Sach?‹ Der Leßmeister sprach: ›Das wil ich euch zögen‹, und fürt in uff ein Matten vor der Stat Florentz, da wol 30 oder 40 Krench stůnden; wan ir vil daselbst sein, als sie dan gewonlich ston uff einem Bein. Der Leßmeister zögt es dem Ritter und sprach: ›Sehen ir, Her, wie die Fogel schier alle nur ein Bein haben?‹ Der Ritter schlůg sein Hend zůsamen und jöcht sie; da erschracken die Fogel und strackten die Helß uß und den andern Schenckel. Da sprach der Ritter zů dem Leßmeister: ›Wie nun? Sehen ir, das sie zwen Schenckel haben?‹ Da sprach der Leßmeißer: ›Lieber Her, hetten ir die Hend auch also zůsammengeschlagen und also ob dem Tisch gejagt, so wer der ander Schenckel auch herfürgangen.‹

58. Nach der Geschrift Kappen zerlegen
[41] Von Schimpff das 58.

Nach der Geschrift Kappen zerlegen.


Uf ein Zeit ward ein Beichtvatter, ein Ordenßman von einem Edelman zů Gast geladen, er solt mit im essen. Da man nun zů Tisch gesaß und aß, da was er da und seine zwen Sün und seine zwo Döchteren, die sassen auch da. Da nun das Gebratens kam, da was ein Rebhůn oder ein gebratner Kappen, was es dan was. Der Edelman legt dem Ordenßman den Kappen uff seinen Deller, er solt in zerlegen. Der Ordenßman legt im den Kappen widerumb für und sprach: ›Ich kan nichtz damit; wer wolt mich leren Hüner zerlegen?‹ Der Edelman sprach, er müst in zerlegen, und legt im den Kappen widerumb uff den Deller. Der Münch sprach: ›Můß ich in zerlegen, so wil ich in nach der Geschrifft zerlegen.‹ Die Frau sprach: ›Ja, Her, das thůn, zerlegen in nach der Geschrifft!‹ Der Münch schneid dem Kappen den Kopff ab und legt in dem Edelman für. Darnach schneid er den Kragen ab, und legt in der Frawen für. Darnach schneid er die dy Flügel ab und legt sie den zweien Döchtern, den zweien Junckfrawen für. Darnach schneid er die zwen Schenckel ab und legt sie den zweien Sünen für; und den gantzen Kappen aß er allein und gab niemans nichtz davon.

Da der Münch nun den Kappen also allein uff het gessen, da sprach der Edelman: ›Her Beichtvatter, wa stot das geschriben, das man die Kappen also zerlegen sol?‹ Der Münch sprach: ›Juncker, in meinem Haupt stodt es geschriben. Ir sein das Haupt in euwerem Hauß, darum hat euch billich das Haupt von dem Kappen zůgehört. Mein gnedige Frau ist die nechst nach euch und das nechst nach dem Kopff, und hat ir billich der Kragen zůgehört. Und den Junckfrawen gehören dy Flügel zů, die fliegen in iren Sinnen hin und her und haben Sorg, was sie für Man überkummen und wie sie versorgt werden; darumb haben inen von Recht die Flügel zůgehört. Und den zweien Sünen gehören die zwen Schenckel zů, darumb das uff inen das gantz Geschlecht stot, und die Schenckel tragen den gantzen Kappen; darumb gehören inen billich die Schenckel zů. Nun ist es ein ungestalt Ding umb ein Fogel, der weder Kopff noch Kragen oder Flügel noch Schenckel hat. Und ein Münch in einer Kutten hat den Schnabel an dem Rucken, darumb so hat der Kap mir zůgehört.‹

59. Got was Bürg, ein Apt bezalt
[42] Von Schimpff oder Ernst das 59.

Got was Bürg, ein Apt bezalt.


Es was einmal ein Edelman, der het in einem Krieg eins Burgers Sun gefangen, und fůrt in mit im heim in sein Schloß und legt in in ein Turn. Da er ein Zeitlang in dem Thurn gelag, da ließ er den Junckern bitten, das er zů im kem, er het etwas mit im zů reden. Da er zů im kam, da sprach er: ›Lieber Juncker, ich lig hie und bin weder euch noch mir nütz; so wöllen mir meine Fründ die hundert Guldin nit schicken, darmit ich mich selbs lösen möcht. Und thůn als wol und lassen mich selbs heimziehen! In acht Wochen wil ich mich widerumb stellen und euch das Gelt bringen als ein frumer Gesel!‹ Der Juncker sprach: ›Wen wiltu mir zů einem Bürgen geben?‹ Der Gefangen sprach: ›Ich hab niemans; ich wil euch Got den Herren zů einem Bürgen geben und wil euch einen Eid schweren, bei demselbigen Bürgen das zů halten.‹ Der Juncker sprach: ›Den Bürgen wil ich annemen‹, und ließ in ein Eid schweren und ließ in heim faren.

Da fůr der arm Knecht heim und verkaufft alles sein Gůt, das er het, und bracht das Gelt uff, und mocht es doch nit zůwegen bringen in den acht Wochen, als er dan gelobt het, und bleib wol drei Wochen über das Zil uß.

Es fügt sich uff ein Zeit, das der Juncker über Felt reit, und zwen Knecht ritten mit im. Da begegnet inen ein Apt oder ein Prior uff zweien hübschen Pferden, mit einem Knecht. Und der Juncker sprach zů seinen zweien Knechten: ›Sehen, ir lieben Gesellen, wie reitet der Münch mit zweien reisigen Pferden, und reit als kostlich als ein Ritter! Er solt uff einem Essel reiten. Sein gewarnt, wir wöllen ein Dat thůn.‹ Da er nun zů inen kam, da greifft er dem Pfert in den Zaum und sprach: ›Her, wer sein ir, wer ist üwer Her?‹ Der Münch sprach: ›Ich bin ein Gottesdiener, und Got ist mein Her.‹ Da sprach der Edelman: ›So kumen ir mir eben recht. Ich hab ein Gefangen gehabt und hab in ledig gelasen, der hat mir euwern Herren zů Pfand gelassen und zů einem Bürgen geben. Nun kan ich im nichtz angewinnen, er ist mir zů mechtig; darumb so wil ich seine Diener angreiffen.‹ Und nam den Münch zů Fůß mit im uff das Schloß, und namen im, was er het.

Es fügt sich, das sein gefangen Man widerumb kam, und fiel dem Junckeren zů Fůß und wolt im das Gelt geben und saget, er het das Gelt nit ee von den armen Lüten mögen bringen, er solt nit zürnen. Der Juncker sprach: ›Gůt Gesel, stand uff unnd behalt dein Gelt unnd far, wahin du wilt! Wan dein Bürg hat dich wol gelösset.‹

[43] Das Exempel dient uff böse Exempel geben, als Ordenßlüt thůn, die etwan hohe Roß reiten, dadurch die Edlen etwan geergert werden, das man das Almůsen also zů Hoffart braucht und anderswahin dan Got zů Eren.

60. Der Gastmeister gelopt dem Apt zu vil
Von Schimpff das 60.

Der Gastmeister gelopt dem Apt zů vil.


Es was uff ein Zeit einer ein Apt worden in einem Kloster, der brach den armen Lüten das Almůsen ab, und die allerkargsten, zehesten Münch, die er het, denen befalhe er die üsserlichen Empter, als Gastmeister, Portner, Almůßner sein, und dergleichen Empter. Und begab sich uff einmal, das ein Sprecher, ein gůt Gesel benachtet und kam an das Kloster in dem Winter und begert Herberg. Man kunt es im nit versagen. Der Gastmeister fůrt in in die Hundstuben, die stanck fast übel, und bracht im ein arme Suppen und ein Stück rauchs Brotz und ein sauren essigten Wein und kein Liecht, und můßt also dunckel essen und můßt dieselb Nacht uff einem harten Banck ligen, bis das es Tag ward.

Da es nun wol Tag ward, da wolt er hinweg gon, da gedacht er: ›Wie bezalestu den Gastmeister und dancktest im der gůten Herberg?‹ Da er nun hinweg wolt gon, so findet er den Apt vor dem Kloster gon, und bettet. Da knüwet der Sprecher vor im nider und dancket im der Herberg und sprach: ›Groß Er und Lob wil ich von euch sagen. In zehen Jaren bin ich nie erlicher gehalten worden als hinnacht. Der Gastmeister hat mir nechtin groß und klein Fisch gesotten, und hat mir dreierlei Wein bracht und Weißbrot, und sein da bei einander gesessen in einer hübschen Stuben biß zů der Mettenzeit. Darnach da mir wol gelebt haben, da hat er mich schlaffen gewissen an ein gůt Bet, das was weiß und hübsch bereit und zůgerüstet, und hab ich ser wol geschlaffen, und jetz so ich hinweg bin gangen, da hat er mir ein hübsch Par Messer geschenckt. Darumb sol ich billich euwer Lob breissen.‹ Und fůr darmit darvon.

Der Apt der was fast zornig. Da man nun in das Capitel kam, da nam er den Gastmeister und hielt im das für, wie im der Gesel gesagt hat. Der Gastmeister leugnet es fast; es můst aber war sein, und ließ dem Gastmeister ein gůt Disciplin geben mit den Růten.

Also hat der Sprecher sich gerochen an dem Gastmeister, und man satzt in ab und macht ein andern Gastmeister, etc.

61. Den Roub trug ein Münch in seinem Buch heim
[44] Von Schimpff das 61.

Den Roub trůg ein Münch in seinem Buch heim.


Es was ein Ritter, der het ein Kloster Sant Benedicter Ordens, da er Kastfaut über was, wie der Apt Rinder, Fich und Sau zoh. Der Apt und der Edelman wurden uneins, das der Ritter dem Gotzhauß das Fich nam, Kü, Kelber, Ochsen, Schaff und Pferd etc. Wiewol sie kein Fleisch assen, hetten sie es doch für das Gesind und zů verkauffen. Der Apt was traurig des Schadens und schickt im zwen Herren, die allergelersten, die er in dem Kloster het, ob sie in möchten überreden Widerker zů thůn; sie schůffen nichtz. Der Apt schickt über ein Zeit zwen andere wolgelerte dar; sie schůffen auch nichtz. Darnach schickt er den allereinfaltigsten, schlechtesten Priester, den er het in seinem Kloster, zů im und sprach zů demselben Brůder: ›Brůder, so du zů dem Ritter kumest, so nim von Fleisch, was dir werden mag!‹

Da der einfaltig Brůder zů dem Ritter kam, da wolt er eben zu Tisch sitzen. Da sprach der Ritter: ›Her, sitzen daher zů dem Tisch und essen mit mir!‹ Der Brůder saß nider und aß allerlei Trachten, die man dar satzt, on Scham. Da man also aß und tranck, da sprach der Ritter zů disem Priester: ›Lieber Her, mich wundert, so ir kein Fleisch solt essen nach euwerem Orden, das ir dan jetz so lüstlich gessen haben. Haben ir nit wider euwere Regel gethon?‹ Der Münch antwurt und sprach: ›Nein, Her, ich bin meinem Apt gehorsam gewesen in dem Fleisch essen. Wan da ich von im gieng, da sprach er zů mir: Nim von Fleisch, was dir werden mag! Da hab ich wol gedacht, das mir nit me mög werden, dan ich in dem Bauch heim möcht bringen. Darumb so hab ich so geitiglichen yngeschoben.‹ Da lacht der Her und sprach: ›Wolan, ir müssen me heimtragen dan das in dem Bauch.‹ Und gab dem Gotzhauß widerumb, was im zůgehört het, und was er im genumen het.

Darumb Einfaltkeit etwan me vermag dan Kunst und Bescheidenheit.

62. Ein Apt ward abgesetzt
Von Ernst das 62.

Ein Apt ward abgesetzt.


Es was uff einmal ein Kloster in einem Fürstenthům, da was Gewonheit, das der Convent zwen erwölt und ußschůb zu einem Apt. Aber der Fürst nam uß den zweien, welchen er wolt, der was dan Apt. Es fügt sich, das der Apt starb und der Convent erwölt zwen andere, und satzten sie dar. Der Fürst solt ein erwölen, welcher im liebt, doch batten sie in, [45] das er den schlechtesten von dem Geschlecht und arm von Fründen wolt nemen, er wer geschickter zů der Geistlichkeit dan der ander. Nun het aber der ander dem Fürsten einhundert Guldin oder zwei geschenckt, wan er was Großkeller gewesen, das er in annem; das auch der Fürst thet umb der Schencke willen und umb seiner Fründ willen; wan er von dem Adel was. Da er nun Apt ward, da reit er mit 16 Pferden wie ein Graff und het kein Uffsehen uff die Geistlicheit.

Es mißfiel dem Fürsten, und sprach zů einem in seinem Rat: ›Es ist mir leid, das ich nit den andern München, den schlechten zů einem Apt hab genumen; so weren wir des alles vertragen. Het ich nit mer dan ein Ursach wider in, ich wolt den andern zů einem Apt setzen.‹ Diser Ratzher sprach zů dem Fürsten: ›Gnediger Her, ich wil euch wol ein Ursach wider in geben. Es ist ir Ordnung und Statut, das ein jeglicher in dem Kloster alle Zeit und alwegen ein Nadlen bei im tragen sol. So gon etwan in ir Capittel, so sie alle bei einander seind, und fragen den Apt, das er euch sein Nadel zög; so würt er sie nit haben. So heissen dan den andern, der Apt solt werden, sein Nadel zögen; der würt sie haben, wan er würt gewarnet werden. Dan so haben ir ein Ursach wider in. Ist er so farlessig und sumig in einem kleinen Ding, was ist dan er sumig in einem grosen Ding!‹ Das hůb im nun der Fürst für, und es ward geordnet, und thet der Fürst, wie im geraten ward; und gieng also mit der Nadel, und ward der abgesetzt, und ward der ander Apt.

Diß Exempel ist gůt zu fillerlei; besunders wan man einem übel wil, so bricht man ein Ursach ab einem Zaun.

63. Wie zu Meiland einem Doctor Essen ward geschickt
Von Schimpff das 63.

Wie zů Meiland einem Doctor Essen ward geschickt.


Es was zů Meiland zů den Barfůssern ein Doctor, ein Erenman, der vil groser Burger und Burgerin zů Beichtkind het, die etwan menichmal zů im sprachen: ›Her Doctor, wan ir etwan fremde Gest und fremde Vetter haben, so sagen es unß! So wöllen wir euch ein Essen oder zwei bereiten und gůten Wein darzů schicken.‹

Es begab sich uff einmal, das der Apt Gest het, und sprach zů einer frumen Burgerin: ›Bereiten mir etwas Gůtz, des ir und ich Eer haben! Ich hab Gest, und schicken es mir uff die Fiere, so man zů Nacht isset!‹ Die Burgerin sprach: ›Ja, es sol sein.‹ Sie thet es, wie sie es im zůgesagt het, und bereit ein gůten schwartzen Pfeffer und Wiltbret daryn und gab es irem Sun, er solt es irem Beichtvatter bringen, und ein Flesch mit gůtem Wein an den Hals. Der Knab [46] nam seinen Gesellen zů im, und frassen den Pfeffer und truncken den gůten Wein, und ward dem Doctor nichtz.

Der Doctor wartet stetz, es wolt aber nichtz kumen, und er ward zornig, und darnach verweiß er es der Frawen, sie het in zů Schanden gemacht und het im nichts geschickt. Die Frau sprach: ›Lieber Her, ich hab es euch geschickt bei meinem Sun.‹ Der Beichtvater sprach: ›Fragen in, wa er es hin hab gethon! Mir ist nichtz worden.‹ Die Frau fragt den Sun, war er es gethon het. Er sprach: ›Ich hab es in das Kloster getragen und hab nach dem Doctor gefragt; da ist einer kumen, der hat mir es abgenumen und sprach, er wer sein Diener, er wolt es im bringen.‹ Die Můter sprach, ob er in kant, wan er in sehe. Der Knab sprach Ja, er wolt in wol kennen.

Der Tag ward gesetzt, das sie alle bei einander waren, Priester und Brüder. Der Knab ward für sie alle gefürt, er solt sie wol besehen und zögen, welcher die Boßheit het gethon. Der Knab gieng einmal oder drei umbher, und zů dem letsten sprach er: ›Ich kan keinen vor dem andern erkennen; sie sein alle gleich grau bekleidt.‹ Also bliben sie alle und er auch bei gůten Eren.

64. Wie der Gardian nur ein Wort ret vor dem Fürsten
Von Schimpff das 64.

Wie der Gardian nur ein Wort ret vor dem Fürsten.


Es was zů Meiland ein Guardian zů den Barfůssern, der gar wol an dem Hertzogen was zů Meiland; und was im brast und anlag, so was der Hertzog sein Zůflůcht. Es fügt sich uff ein Tag, das der Guardian seinen Brüdern nichtz het zů essen zü geben und in der gantzen Stat nichtz wüßt zů überkumen. Es ward zů dem Hertzogen gezwungen zů gon und im das zů klagen.

Da er in das Schloß kam, der Hertzog saß in dem Radt in einem ernstlichen Handel mit seinen Doctoren und Edlen. Der Guardian kam für den Sal, da der Hertzog yn saß, und embot dem Hertzogen hinyn, er wer gern zů im. Der Her embot im, er het jetz zů schaffen. Der Guardian embot im widerumb, es wer umb ein Wort ze thůn. Der Hertzog embot im, er wolt im ein Wort losen; redt er me dan ein Wort, so wolt er im die Kutten lassen fol schlagen, und hieß in hinyngon. Da er für den Hertzogen kam, da neigt er sich und sprach: ›Suppa‹, und neigt sich aber dieff und gieng damit hinweg.

Der Fürst und andere Herren die lachten. Ee der Guardian heimkam, da was in dem Kloster Wein, Brot und Ancken und anders, das sie bedorfften; sie hatten nit allein zů dem Tag Essen und Trincken, sunder vil Tag hindennach.

6. Von Nunnen

65. Zwölf Nunnen für zwölf Pfaffen
Von Schimpf das 65.

Zwölf Nunnen für zwölf Pfaffen.


Uf das so wir vil von den München gesagt haben, so zimpt sich wol, das wir auch etwas von den Nunnen schreiben; wan als die Lerer sprechen, so gehören Münch und Nunnen zůsammen. Es was ein Kloster, sol man es anders ein Kloster heissen, ein Stifft, da waren Freifrawen yn, als ir vil in unsern Landen sein, der Edlen Spittal etc. Da was ein Edler, der dem Gotzhauß ab wolt ziehen und nemen, das sein Eltern dar hetten geben. Sie lagen in dem Rechten mit einander, und was vil daruff gangen. Der Eptissin ward geraten, sie solt fier die allerhübschesten Frawen, die sie het, wol ußstreichen und solt sie mit ir nemen und mit inen selber für den Fürsten kumen, sie würd ein gnedigen Herren finden. Sie volgt dem Rat.

Da sie nun also für dem Fürsten stůnd mit den fier stoltzen Frawen, da fragt sie der Fürst und sprach, wie vil gestielter und Chorfrawen het. Die Eptissin antwurt dem Fürsten und sprach mit Züchten: ›Unser sein 24 Frawen.‹ Der Fürst sprach: ›Wie vil haben ir Pfaffen und Caplön?‹ Die Eptissin antwurt und sprach: ›Gnediger Her, wir haben zwölff Pfaffen.‹ Der Fürst lacht und sprach: ›Das ist übel geordnet, es solt umbgekert sein.‹ Die Eptissin verstůnd, wa der Fürst hinuß wolt, und das er sie Hůren schatzt. Da sprach dy Eptissin: ›Nein, gnediger Her, es ist wol geordnet. Es sein zwölff Pfaffen, und hat jeglicher sein Frawen, und die überigen zwölff Nunnen sein für die Gest.‹ Da lacht der Fürst und sprach: ›Frau Eptissin, ir haben wol geantwurt. Gon heim, so wöllen wir mit dem Edelman verschaffen, das er euch mit Friden laßt!‹

66. Ein Atzel schalt ein Nun ein Hurensack
Von Schimpff das 66.

Ein Atzel schalt ein Nun ein Hůrensack.


Es schreibet Meister Felix Hemerlin, das ein Frau, die da sündet mit einem Fürsten, ist eben als wol ein Hůr geheissen, als het sie hundert Bauren gehebt, und ein Nun, die ein Pfaffen hat gehebt, heisset als wol ein Hůr, als het sie 40 Münch gehebt. Also einer, der in einer Dotsünd stirbt, ist als wol verdampt, als het er hundert Dotsünd gethon, als geschriben stot: (Jacob. 2. Qui offendit in uno, factus est omnium reus. etc.) Da schreibt er von einer Klosterfrawen, die het heimlich mit einem Man gesündt. Und uff [48] einmal da gieng sie für eins Burgers Huß anhin, der het ein Atzel, die schrei ůber die Klosterfrau: ›Hůrensack, Hůrensack‹, als dan die Atzlen den Frawen Hůren sagen. Die Klosterfrau erschrack und sprach zů ir selber: ›Wer hat dir mein Heimlicheit gesagt?‹ und meint, als geschriben stot: ›Der Himmel würt dein Sünd offenbaren‹, und bessert sich und thet nit me Unrecht.

7. Von Pfaffen

67. Wie ein Pfaff vier Guldin ußgab
Von Schimpff das 67.

Wie ein Pfaff vier Guldin ußgab.


Es was einmal ein Priester, der gab alle Jar dem Fischgal fier Guldin, das er im die Kellerin mitrůwen ließ. Das het er nun vil Jar geben. Hindennach thet er sie von im und lebt küschlich. Der Fischgal kam und wolt aber die fier Guldin haben. Der Priester sprach: ›Lieber Her der Fischgal, ich hab das Lehen nit me, von dem ich euch die fier Guldin geben hab. Ein anderer hat sie jetz; den heissen euch die fier Guldin geben!‹ (Faceta responsio.)

68. Der Priester gieng im Kot
Von Ernst das 68.

Der Priester gieng im Kot.


Uf einmal was ein Priester in einem Dorff, der het Kind und was ein Spiler, und worden seine Underthon von im geergert, und was ein gůter Predicant; aber die Menschen folgten seinen Wercken me dan seinen Worten. Der gůt Priester gedacht: ›Wie thetestu im, das du die Lüt uff den rechten Weg brechtest?‹ Und uff einmal gieng er mit dem Sacrament zů einem Siechen, und gieng die gantz Gemein dem Sacrament nach. Da gieng der Priester durch allen Treck und Kat, wa es an dem allerdieffesten was. Die erber Lüt giengen den subern Weg über die Blöcher und Stein, wie dan in den wüsten Dörffern sein. Da nun der Priester mitten in dem Dreck was, da kart er sich umb und sprach zu dem Folck: ›Lieben Underthonen, warumb gon ir mir nit nach?‹ Sie sprachen: ›Wir haben ein gůten subern Weg; was wolten wir in dem Kat thůn?‹ Da fieng der Priester an und predigt inen, also solten sie im auch nit nachfolgen in dem unreinen Weg der Laster, so sie den reinen Weg der Tugend hetten etc.

69. Wo der alt Neid herkume zwischen den Pfaffen und München
[49] Von Schimpff das 69.

Wo der alt Neid herkume zwischen den Pfaffen und München.


Uf ein Zeit fraget ein Ordenßman ein Leyen, ob er wißt, waher der alt Haß kem zwüschen den München und Pfaffen; wan die Leyen hassen die Pfaffen, so hassen die Pfaffen die Münch, und hassen die Münch die Pfaffen wider, und die Pfaffen den Leyen, und stat je eines dem andern für das Liecht, und hindern einander an ewiger Selikeit. Der Ley sprach, er wüst nit, waher es kem. Der Münch sprach: ›Es ist um der Eyer willen. Wan die Münch essen so vil Eyer, so essen die Pfaffen so vil Hüner. So machen die Pfaffen den München die Eyer theür, so machen die Münch den Pfafen die Hüner theür.‹

Das hat der Schreiber dis Bůchs, Frater Johannes Pauli Barfůsser beweret, er hat gerechnet, das man in dem Barfůsser Kloster zů Straßburg zů gemeinen Jaren ein Jar 22 tausent Eyer haben můß, und sein bei 60 Personen in dem Convent. Wie vil Eyer essen erst ander Klöster und Nunnen, besunder die Orden, die kein Fleisch essen, so weit die Welt ist! Wan nun die Eyer alle fürkemen und alle Hüner würden, so geb man 60 Hüner umb ein Schilling; wan dan die Hüner alle Eyer legten, so geb man tausend Eyer umb sechs Pfennig. Darumb so ist der Haß umb der Eier willen. Gib du ein ander Ursach, gefelt dir die nit!

70. Der Tüfel bracht Fisch zum Altar
Von Schimpff das 70.

Der Tüfel bracht Fisch zum Altar.


Es was ein Priester in einem Dorff, der het Gest, und het gar gůte Fisch kaufft. Die gab er seinem Schůler, er solt die ußnemen und die wol und recht sieden; so wolt er gon, wol bald Meß lesen, ein Jegermeß; wan dy Gest hinweg wolten und wolten vor Meß hören und dan zů Morgen essen. Da der gůt Pfaff über den Altar kam, da lagen im die Fisch stetz in dem Sin, und forcht, der Knab würde im die Fisch versaltzen, und capitlet sich selber: ›Ach, warum hastu sie nit selber gesaltzen! Sie sein doch nichtz wert, wan er sie versaltzt.‹ Und lieffen im die Fisch in dem Kopff umb. Da er nun an den Canon kam, da kam der Tüffel in seins Kochs Weiß zů dem Altar und bracht im die Pfan mit den Fischen zum Altar und sprach: ›Pfaff, versůch die Fisch, ob sie recht gesaltzen seien!‹

Darumb sol ein Priester kein Koch, kein Jeger, kein Spiler sein; wan im [50] semliche Sachen, darmit er umbgat, im fürkummen und in hindern, so er an dem allerandechtigesten sein sol; als so er Meß sol lesen. O wie grose Bereitung gehört darzů, so man das heilig Sacrament machen sol und niessen, so sich der Ley also bereit, einmal in dem Jar zů dem heiligen Sacrament zů gon, und die Priester schier allen Tag!

71. Der Priester solt vor dem Crütz gon
Von Ernst das 71.

Der Priester solt vor dem Crütz gon.


Uf einmal was ein Apt, der etlich Dörffer het. In denen het er ein Ordnung, welcher ein offenlicher Eebrecher was, als da einer usserthalb der Ee ein Kind macht, das der an eim Sontag offenlich vor dem Crütz müst gon, so man umb die Kirch gieng; darumb zů einer offenlichen Sünd ghört ein offene Straff. Es begab sich, das einem Bauren in dem Dorff ein Kind gegeben ward; der Bauer wolt nit umbgon vor dem Crütz. Der Priester mant in zwei oder drümal; der Bauer wolt nit daran. Hindennach verklagt er den Bauren seinem Herren, das er nit gehorsam wer. Da er also vor dem Herren stůnd, da kart sich der Bauer zů dem Pfaffen und sprach: ›Lieber Her, sagen mir es noch einmal, warumb haben ir mich verklagt vor meinem Herren?‹ Er thet es also und also. Der Buer sprach zů dem Priester: ›Lieber Her, die Kind, die ir haben, sein auch nit euwer eeliche Kind. Darumb nemen das Crütz und gon umbher! So wil ich euch nachgon.‹ Also schampt sich der gůt Her.

Darumb sprach der Catho: (Turpe est doctori, cum culpa redarguit ipsum.)

72. Man vergrub ein Hund an das Geweicht
Von Schimpff das 72.

Man vergrůb ein Hund an das Geweicht.


Uf einmal was ein Burger, der het ein Hund, der was seiner Frauwen und im gar lieb, wie die Mistbellerlin seind ettwan lieber dan Gott. Der Hund kunt sich wol lieben, das man sprach nach etlicher Irrung, er wer ein Mensch gewesen in der alten Ee. Da er nun starb, da kam der Burger in dem Dorff zů dem Pfarrer und bat in, er wölt im fier Guldin schenken, das er in den Hund ließ in dem Kirchoff begraben in das Geweicht; er wer weiser gewesen dan andere Hund. Der Pfarrer nam das Gelt und thet es und ließ in den Hund uff den Kirchoff begraben.

Es kam dem Bischoff für, wie der Pfarrer den Hund het an das Geweicht [51] begraben, und citiert den Pfarrer. Der gůt Priester erschrack und forcht, er kem umb die Pfrůn, und thet die fier Guldin, die im der Man geben hat, in ein Düchlin und thet noch zwen Guldin darzů und bracht sie dem Bischoff und sprach: ›Gnediger Herr, des Burgers Lew, (wie er dan hieß) der Hund hat euch das in dem Testament die sechs Guldin verordnet zů geben, das er in das Geweicht kem.‹ Der Bischoff sprach: ›Wie haben ir in begraben?‹ Der Pfarrer sprach: ›Er hat in mir in einem Sack bracht an dem Abent spat.‹ Da sprach der Bischoff: ›Das ist unrecht. Ir sollen mir noch zwölff Guldin geben, das ir den Hund nit mit dem Crütz geholt haben.‹ Der arm Priester můst im noch zehen Guldin geben.

Da sehen zů, was Gelt vermag! Het ich Gelts gnůg, ich wolt werden, was ich wolt; ich wolt die Lüt corrumpieren mit Gelt. Nem es einer nit, so nem es der ander; es ist niemans erleidt.

73. Einer buch ein Pfennig in die Hosty
Von Schimpff das 73.

Einer bůch ein Pfennig in die Hosty.


Es was einmal ein Bauer, der het die Gewonheit an im, das er alwegen zů den fier Opffern den bösten Pfennig, den er het, opffert. Der Priester ward es gewar, das der Bauer alwegen den bösten Pfennig opffert und gedacht: ›Wie brechtestu den Bauren von der Irrung?‹

Uff das österlich Zeit, da der Buer zů solt gon, da het der Priester ein semlichen bösen Pfennig in ein klein Hostien lassen bachen. Da nun der Buer kam an dem Ostertag mit andern Lüten und zů dem Sacrament gieng, da gab im der Priester dieselbig ungeweichte Hostien; wan er het sie nebenuß ligen. Da sie im nun der Priester gegab, da gieng der Bauer nebenuß und kunt die Hostien nit verschlucken und erschrack; er meint, der Tüffel wolt in hinfüren. Der Bauer winckt dem Priester und raumet im in ein Or und sprach: ›O Her, wie ein harten Got haben ir mir geben! Er wil mir nit hinab.‹ Der Her sprach: ›Würgen, ob er hinab wolt!‹ Der Buer sprach: ›Er wil nit hinab.‹ Der Priester sprach: ›Was Gestalt dunckt er euch, das er hab?‹ Der Bauer sprach: ›Mich dunckt, es sei ein Pfennig.‹ Der Priester sprach: ›Betracht dich, ob du dich in keinem Pfennig verschuld habest!‹ Der Bauer sprach: ›O Her, hören mich Beicht!‹ Er fürt in hinder den Altar und hort in Beicht. Und der Bauer sprach, er het alwegen böß Gelt geopffert, und het in Got jetzund gestrafft. Also gab er den Verseß und das nüw miteinander, und fůrt der Priester den Bauren für [52] den Altar und nam im den Pfennig uß dem Mund und gab im das recht Sacrament, und thet es nie me.

Diser Priester ist nit zů loben, das er durch den Betrug den Bauren uff den rechten Weg bracht. Es sein aber vil dem Buren gleich, die Got nichtz Gůtz geben, es sei in Zehenden, in Opffer, in Meßwein, in Almůsen geben. Hat ein Edelman ein Kind, das da schilhet, hinckt, kröpffig, lam oder ein Krüppel ist, so gibt es ein gůten Pfaffen oder ein Nunnen, ein gůten Münch, gleich als het Got auch nit gern etwas Hübschs. Ja, es sol nichtz in die Welt, sprichstu. Es was in dem alten Gesatz gebotten, das man Got kein Thierlin opffern solt, das ein Gebresten het noch Mossen. Also wir auch in unserm Gesatz.

74. Wie einer sein Gelt behielt
Von Schimpff das 74.

Wie einer sein Gelt behielt.


Es was ein Priester, der het vil Geltz und was reich und het vil Sorg, als dan der Geistlichen Art ist. Wa er es hinlegt und verbarg, da forcht er, es würd im genumen. Hindennach gedacht er, er wolt es in das Sacrament-Hüßlin legen, da wer es an dem allersichersten. Er stalt es daryn zů dem Sacrament und schreib darüber: (Dominus est in isto loco). ›Der Her ist in diser Stat.‹ Das verstůnd ein bescheide Katz und brach das Hüßlin uff und nam das Gelt hinweg und schreib darüber: (Surrexit, non est hic). ›Er ist erstanden und ist nit me hie.‹ Der Priester möcht vor Leid gestorben sein.

75. Zwen wetteten von kurtz Meß lesen
Von Schimpff das 75.

Zwen wetteten von kurtz Meß lesen.


Uf einmal wetteten zwen Priester mit einander umb ein Mal von Fischen; wellicher zů dem kürtzesten Meß het, der solt es gewunnen haben. Der ein was vil ee uß dan der ander. Da man ob dem Tisch saß und die Urtin bezalt was, da sprach der, der es gewonnen het: ›Ich hab das Patrem und Epistel underwegen gelassen; darumb bin ich ee ußkummen dan du.‹ Der ander sprach: ›Ich hab das halb Evangelium underwegen gelassen, das Patrem und die Secret, und hab es dannocht verloren.‹

Das waren ellend Priester.

76. Wie zwen Priester Meß lasen
[53] Von Ernst das 76.

Wie zwen Priester Meß lasen.


Es schreibt Raimundus in der Sum von der Meß, die metrice gesetzt ist, von der Meß, wie da sein gewesen zwen Priester; der ein het so lang Meß, das dy Lüt grosen Verdruß hetten, sein Meß zů hören, und giengen etwan uß der Kirchen, und mocht es niemant erwarten. Der ander het so kurtz Meß, das die Menschen darab geergert warden. Das kam dem Bischoff für. Er beschickt sie beid und fragt den ersten, warumb er so lang Meß het. Er antwurt: ›Wan ich in den Canon kum, so hab ich grose Süssikeit in den Worten und můß ein Wort nach dem andern betrachten, das ich nit kan noch mag ylen.‹ Er fragt dem andern, wie er so kurtz Meß künt lessen, es wer ein Schand. Er sprach: ›Wan ich über den Altar kum, so hab ich der seltzamsten Gedancken und Zůfel; waran ich sunst nimmer gedenck, das kumpt mir in der Meß für. Darum so liß ich kurtz Meß, das ich der Zůfel abkum und sie mich dester minder bekümern‹. Da sprach der Bischoff: ›Gon recht hin, und mach ein jeder nach seiner Andacht!‹

Also wan die Leyen semliche Messen sehen, so sollen sie nit geergeret werden; wer weiß, was jederman anligt!

77. Papam esse participium, bewert einer
Von Schimpff das 77.

Papam esse participium, bewert einer.


Auf ein Zeit was ein Apt, ein gůt, schlecht Schaff, nit fast gelert; der ward vor dem Bapst verklagt, wie er so ungelert wer; man wolt in absetzen und ein andern machen. Der Bapst schickt nach im und wolt in selber examinieren und fieng an in der Gramatica in den Dingen, die man die Kinder lert in der Schůlen. Wan er dan die kleinen Ding nit wüßt, so wer es dan wol ein Zeichen, das er die hohen Ding auch nicht wüßt und auch unwissen wer, und sprach der Bapst zů dem Apt: ›Papa que pars?‹ Der Apt unverzagt sprach: ›Est Participium.‹ Der Bapst sprach: ›Quare?‹ Der Apt sprach: ›Quia capit partem a clero, partem a seculari cum totius orbis doloris significatione sive modis et temporibus.‹ Der Bapst sprach: ›Weistu das, so weistu me. Ich bestedig dich in deinem Ampt.‹

78. Ein Priester und der Bischoff wolten mit einander permutieren
[54] Von Schimpff das 78.

Ein Priester und der Bischoff wolten mit einander permutieren.


Es was ein Priester, der ward verklagt vor dem Bischoff, wie er also ungelert wer. Der Bischoff schickt nach im und sprach zů im: ›Man sagt, wie ir so schlecht seien zů der Pfar, die ir haben; ir müssen permutieren und die verwandlen.‹ Der Priester sprach: ›Gern, Her. Lassen mich Bischoff sein, und nehmen ir die Pfar!‹

79. Man kunt nit drü Priester finden, die Junckfrawen waren
Von Schimpff das 79.

Man kunt nit drü Priester finden, die Junckfrawen waren.


Uf einmal was ein Priester besessen von dem bosen Geist. Nach langer Beschwerung sprach der böß Geist, er wolt nit weichen, man het dan ein Priester, der ein Junckfrau wer, der drei Messen celebriert. Die Fründ des Siechen hetten im gern geholffen, wan er wol het, und kamen zů den Predigern und begerten ein Brůder, der ein Jungfrau wer und drei Messen het, sie wolten im gern drei Guldin geben. Der Prior sprach: ›Lieben Fründ, semlich geistliche Brüder sein gar geschickt zů der Ler; sie sein zů Köln und zů Paryß uff der hohen Schůlen.‹ Die kamen zů den Barfůsern; es was nichtz, sie waren uff der Terminy und betletten. Sie kamen zů den Carthüsern und batten sie; die sprachen: ›Wir nemen unß semlicher weltlicher Sachen nichtz an.‹ Sie kamen in andere Klöster, die hetten sunst Messen zů lesen. Andere hetten sunst zů schaffen. Also mocht der Mensch nit ledig werden; wan kein Priester ward ein Junckfrau funden.

Man het sie vileicht wol funden, die nie kein Frawen hetten gehebt; sie waren darumb nit Junckfrawen. Es mag ein Dochter ir Junckfrauschafft wol verlieren an ein Man, und ein Man an ein Frau, dis gehört in dy Beicht. Es müssen nit alwegen zwei sein, wan man Dotsünd volbringt. Man můß hofflich davon reden, damit man niemans ergere; es ist auch Not, das man darvon sag, darmit das man wüß, wie ein Mensch mit Willen den Lust empfint, der in der Unküscheit ist, so er umb seinen Blůmen kumen ist und het Aureolam verloren, als die Doctoren davon schreiben in dem fierden Bůch Sententiarum.

80. In der ersten Meß ist ein Sel erlößt
[55] Von Schimpff und Ernst das 80.

In der ersten Meß ist ein Sel erlößt.


Es was ein heiliger Waldbrůder, der begert von Got, zů sehen dy Pen der Seelen. Uff einmal nam in der Engel und fůrt sein Geist in das Fegfeür zů sehen; da sach er mancherlei Straff under einander. Da sach er ein Seel, die leid nit me dan an einem Fůß, die weint und schrei und gehůb sich übel. Darneben was ein, die saß biß an den Hals in der Pen und lobet Got und danckt im, das er ir yngedenck wer gewesen, und was frölich. Da fragt der Brůder den Engel, was das bedüt. Da sprach der Engel: ›Die Seel in der grosen Pen, deren hat Got geoffnet, das hüt ein Kneblin geboren ist, das von irem Geschlecht ist, das sol Priester werden; und wan er sein erste Meß würt haben, so sol sy erlößt werden. Darumb ist sie also frölich und lobet Got.‹ Der Brůder sprach: ›Was bedüt das, da sich die Seel also übel gehebt und weinet ab der kleinen Straff?‹ Der Engel sprach: ›Sie weiß kein Zeit irer Erlösung, darumb truret sie.‹

Da wer jetz vil zů sagen von einer ersten Meß, warumb man also darzů laufet, als ob sie besser sei dan ein andere etc. Aber so vil nim darvon, das ein Priester nimer besser ist und andechtiger und sich me bereit dan uff die erst Meß; wan wen er lang Zeit Meß gelißt, so kumt er in ein Gwonheit, das er ir nit vil me achtet, und verschwint im sein Andacht, als den alten Meßnern oder Kirchwartern ir Andacht. Darumb sprach ein groser Predicant uff einmal, das man einem nüwen Priester nimmer baß möcht thůn, dan gleich wan er von dem Altar gieng, und in in ein Sack stieß und in ertrenckt; so stürb er in dem allerfrümsten und in dem allerbesten; wan solt man in vor essen lasen, so möcht er sich versünden.

8. Von dem bösen Geist

81. Wie der Tüfel ein Statknecht holt
Von Schimpff das 81.

Wie der Tüfel ein Statknecht holt.


Es gieng uf einmal ein Statknecht über Felt in ein Dorff und wolt Schult ynziehen von einem Bauren. Da kam der Tüffel zů im in eins Bauren Weiß, und gingen also mit einander. Da sie also durch ein Dorff giengen, da weint ein Kind, und ward die Můter fast zornig und sprach: ›Nun schrei, das dich der Tüffel holen müß!‹ Der Statknecht sprach [56] zů dem Tüffel: ›Hörstu nit, das man dir da ein Kind gibt? Warumb nimstu es nit?‹ Der Tüfel sprach: ›Der Můter ist nit ernst, sie ist zornig.‹ Sie kamen weiter; da was ein groß Hert Sau uff dem Feld, da was ein Sau weit nebenuß gelauffen, das der Hirt lieff und sie wider herumb treib und sprach: ›Das dich der Tüffel hol aller Sau!‹ Der Statknecht sprach aber zů dem Tüffel: ›Da gibt man dir ein Sau. Warumb holestu sie nit?‹ Der Tüffel sprach: ›Was wolt ich mit der Sau thůn! Wan ich sie nem, so müst sie der arm Hirt bezalen.‹

Sie kamen biß an den Hoff, da der Statknecht Gelt solt heischen; da stůnd der Buer in der Schüren und trasch. Da er den Statknecht sahe kumen, da sprach er: ›Wol her in aller Tüffel Namen, das dich der Tüffel holen müß!‹ Der Tüffel sprach zů dem Statknechten: ›Hörest du, was der Buer sagt? Dem ist Ernst; darumb můßtu mit mir.‹ Und fůrt in dahin.

Darumb so bedörffen gar wol die Statknecht und dy Schuldfögt, das sie sich segnen, war sie kumen Pfand ußzůtragen oder Schuld zů heischen; wan sie offt und dick dem Tüffel gegeben werden.

82. Der Lam lief belder dan der Grad
Von Schimpff das 82.

Der Lam lief belder dan der Grad.


Es spricht mancher: ›Der Tüffel ist nit als grusam, als man in malt; die Lüt in der Hellen gewonen der Tüffel, als wir einander hie gewonen, das es inen nichtz me zů schaffen gibt.‹ Davon hör dise Geschicht! Es waren zwen Dieb, die waren Gesellen mit einander und waren mit einander überkumen, das der ein solt ein Schaff stelen und der ander ein Sack mit Nuß (der was freilich ein Schwab). Und het jeglicher das sein ußgangen, und zů Nacht solten sie es stelen und solten einander warten und zůsamenkumen uff einem Kirchoff uff einem Grabstein in einem Winckel. Es fügt sich, daß der Schwab mit den Nussen ee da was, dan der mit dem Schaff, und saß uff dem Stein und aß Nuß und wartet seins Geselen.

Es gieng ein Gesel über den Kirchoff und hort, das einer Nuß knült und uffschlůg. Er erschrack fast übel und lieff in ein Wirtzhuß und schrei: ›Der lebendig Tüffel sitzt uff dem Kirchoff und schlecht Nuß uff; das hab ich gehört.‹ Da was in dem Huß ein Knab von 18 Jaren, lam von Můterleib, der sprach: ›Nun wolt ich doch gern einmal ein Geist hören‹, und überkam mit einem starcken Buren, der auch da was, er solt im ein halben Guldin geben, das er in uff seinem Halß über den Kirchoff solt tragen, das er auch einmal ein Geist hört. Der Bauer nam in uff sein Hals. Da er mitten uff den Kirchoff kam, da [57] sahe in der Dieb durch die Finsternis und meint, es wer sein Gesel, der brecht das gestolen Schaff uff seinem Halß, und sprach überlaut: ›Gesel, ist das Schaff feißt oder mager?‹ Da erschrack der Bauer so übel, das er den Lamen von im warff und sprach: ›Got geb, es sei feißt oder mager.‹ Und lieff wider in das Wirtzhauß. Da er in das Wirtzhauß kam, da was der Lam vorhin darin und hat dem Geraden fürlauffen. Wer es erst der Tüfel gewesen, wie angst wer inen dan worden!

83. Der Tüfel nam Aplosbrief und den Man
Von Schimpff das 83.

Der Tüfel nam Aplosbrief und den Man.


Zwen Burger giengen uff ein Zeit uß einer Statt gen Rom, Ablaßbrieff da zů überkumen. Der ein was reich und het vil Geltz und mocht sein Brieff wol lösen und an dem letzten zů absolvieren für Pen und Schuld. Der arm Man bycht schlechtlich zů Rom, und zohen mit einander wider heruß. Uff dem Weg gloriert der Reich von seinem Gewalt und seinen Brieffen, und was ein groß Ding.

Es fügt sich nach etlichen Jaren, das der arm Man starb und kam in die Hel. Nach etlichen Jaren starb der Reich auch und kam auch in die Hel. Der arm Man sprach zů dem reichen: ›Wie bistu auch hie? Wa sein deine Brieff, von denen du gloriertest? Haben sie dich nit geholffen?‹ Der Reich sprach: ›Loß, gůter Gesel, wie es mir gangen ist! Da ich solt sterben, da ist ein ungelerter Tüffel kumen und hat mich und den Brieff hinweg gefürt, und kunt den Brieff nit lesen, und sein mir die Brieff verbrunnen. Also bin ich auch hie.‹

84. Der Tüfel widerriet einer Junckfrawen, nit uff die Burg oder Schloß ze gon
Von Ernst das 84.

Der Tüfel widerriet einer Junckfrawen, nit uff die Burg oder Schloß ze gon.


Auf ein Zeit het ein Dochter gedient in einer Stat und leid vil Anfechtung von den Mannen; da wolt sie fliehen und dingt uff ein Schloß. Da sie hinuffgieng, da begegnet ir der Tüffel bei einem Eichbaum in der Gestalt eins Mans und fragt sie, was sie wolt. Die Dochter sagt es im. Der Tüffel sprach: ›Ich thet es nit; es sein můtwillig Lüt umb die Rüter; es würt dich gerüwen.‹ Sie sprach: ›Nein, ich wil mich wol vor inen hüten.‹

Ee ein halb Jar ußkam, da was sie schwanger worden und gieng mit einem Kind. Man gab ir Urlaub; wan sie die Arbeit nit erleiden mocht. Da sie den Berg herabgieng, da kam sie aber zů dem Eichbaum. Da was der Tüffel aber da und fragt sie, warumb sie weint. Die Dochter sprach: ›Ich gang mit einem [58] Kind; der Tüffel hat mir geraten, das ich je uff das Schloß gedinckt hab.‹ Da schlůg sie der Tüffel an ein Backen und sprach: ›Du lügst; ich hab dir es widerraten bei disem Eichbaum, da du hinuffgon woltest.‹

Also gibt man dem Tüffel offt die Schuld, so in zehen Meilen keiner da ist gewesen. (Temptatur unusquisque). Es würt ein jeglicher angefochten von seiner bösen Begirden, spricht Jacobus c. 1.

85. Ein Mensch ist des andern Tüfel
Von Ernst das 85.

Ein Mensch ist des andern Tüfel.


Wir lesen in Santt Anthonio, des grosen Aptz Legent, wie er uff einmal sprach zů dem bösen Geist: ›Warum anfechtestu also den Menschen und bringst in in Leiden und Trurikeit?‹ Er sprach: ›Ich thů es etwan; ich můß aber auch vil thůn, das ich nie thet. Es ist je ein Mensch des andern Tüffel und betriebt in‹ etc.

Er möcht war gsagt haben; es hat mencher sein Tüffel neben im an dem Bett ligen. Die Frau ist des Mans Tüffel, so ist der Man der Frawen Tüffel, und peinigen einander und sein etwan böser dan der Tüffel. Wan vor einem Tüffel mag man sich gesegnen, aber vor dem bösen Weib nit; du můst mit im essen und trincken, schlaffen und wachen. Got behüt mich vor dem gůten Leben!

86. Kein Frawenzierd wolt der Tüfel
Von Schimpff das 86.

Kein Frawenzierd wolt der Tüfel.


Es was einmal ein Dieb, der ward eins mit dem Tüffe, er solt im Glück geben zů stelen, er wolt sein Diener sein. Der Tüffel thet es. Der Dieb stal silberin Geschir, Speck, Genß, Enten, Wein, Korn und Gelt. Uff einmal kam er über ein Trog, der lag vol Frawengezierd, Hauben, Krentz, gelb Schleyerlin, Halßmentelin und dergleichen. Da was der Dieb fro und wolt da blundern. Da sprach der Tüffel: ›Nit, nit; ich wil sunst ein Geschrei machen, das du gefangen můst werden. Wan damit gewinnen wir vil Selen, es sein unsere Gewer, damit wir die Man fahen und bringen zů Unküscheit.‹

Darumb so hüten sich die Weiber mit irer hůrischen Geschmickten und Gezierden. Wer mag es ußgesprechen, was Übels von dem Gifft kumpt! Man treibt grose Hoffart an dem Kopff mit dem Flechten und grosen Köpffen, und wan sie heimkumen und sich abgethůn, so steckt etwan ein Baderhůtlin daryn.

87. Gens und Enten half der Tüfel stelen
[59] Von Schimpff das 87.

Gens und Enten half der Tüfel stelen.


Uf einmal was ein Dieb, der macht ein Packt mit dem bösen Geist, das es im glücklich solt gon und er solt im helffen stelen. Der böß Geist sprach: ›Kleine Ding wil ich dir helffen stelen, als Enten, Hüner, Genß, Öpfell und Biren und dergleichen kleine Ding.‹ Da er nun das lang getrieb und het gůt Glück, und uff einmal da het er so vil Genß gestolen, das er sie nit alle ertragen mocht; da stal er ein Pferd, das Gestolen daruff zů füren. An dem ward er ergriffen.

Da man in nun ußfůrt an den Galgen und wolt in hencken, da schrei er zů dem Tüffel, zů seinem Gesellen, das er im nicht gehalten het, das er im zů het gesagt. Da was der Tüffel da und het das Pferd an der Hand und nam des Pferds Maul und bog es nebenuß und zögt es im und sprach: ›Du soltest wol an dem Mul gesehen haben, das es kein Gans oder kein Entenmul was.‹ Also ward er gehenckt.

Also der Tüffel rat dir zů dem ersten, kleine Ding zů stelen, als Heller, darnach Pfennig, darnach Schillig, darnach Guldin und darnach grose Ding. Wan Got sicht nit an, was man stilt, aber das Gemüt, uß dem man stilt. Fünd einer me, er nem me. Die Welt ist auch also ein Dieb, sie rat dir, ein Jar ein gůt Gesel zů sein, darnach zwei Jar, und also für und für, und kumst also darhinder, als Cůntz hinder das Fich, und kanst nit me darvon kumen. Darumb (Principiis obsta etc.)

88. Der Tüfel ward uneins mit eim Diep in dem Stelen
Von Schimpff das 88.

Der Tüfel ward uneins mit eim Diep in dem Stelen.


Es gieng uff einmal ein Dieb über Felt, da kam der Tüffel zů im. Der Dieb sprach: ›Gůt Gesel, wahin, wahin?‹ Der Tüffel sprach: ›Ich wil gon den Einsidler erwürgen; er ist nechtig in einer Dotsünden schlaffen gangen ungerüwet. Wa wist du hin?‹ Der Dieb sprach: ›Ich wil gon demselben Einsidler sein Ků stelen.‹ Da sprach der böß Geist: ›Das ist recht; so sein wir Gesellen.‹ Sie giengen mit einander hin. Und da sie zů dem Hauß kamen, da wolt jeglicher sein Werck zů dem ersten thůn. Der Tüfel sprach: ›Ich wil in zů dem ersten döten.‹ Da sprach der Dieb Nein; er forcht, das ein Geschrei würd, das im die Ků entgieng, und er wolt zů dem ersten die Ků stelen. Da forcht der Tüfel, die Ků würde blerren und ein Gerumpel in dem Hauß [60] machen, das der Brůder erwächt und sich segnet, so het er keinen Gewalt me ůber in. Also zeptletten sie mit einander. Da fieng der Tüfel an dem Brůder zů rieffen und sprach: ›Es ist ein Dieb da‹; der wölt im die Ků stelen, er solt uffston rösch und bald, er wolt im helfen den Dieb fahen, als auch geschahe. Da ward der Dieb gehenckt. Da sprach der Tüfel zů dem Brůder: ›Sich zů, wie bistu mir so vil Gůtz schuldig, das ich dir dein Hauß so trüwlich behüt und beschirm!‹

Also die Früntschafft der bösen Menschen ist unbestentlich. Wa einem jenen etwas würt, das der ander gern het, so ist die Früntschafft uß, als die Testamentary etwan thůn. Also werden die Bösen eins wider den Gůten, als Pilatus und Herodes wider Cristum. (Quia non fit propter bonum honestum, sed propter utile vel delectabile.)

89. Der Tüfel erschein eim in Affen Weyß
Von Ernst das 89.

Der Tüfel erschein eim in Affen Weyß.


Es was ein Amptman eins Edelmans in einer Fogtei, der über etliche Dörfer etliche Jar gesetzt ward. Die Conscientz nagt in und sein Haußfrau, sie möchten in dem Ampt und in dem Stant nit selig werden, und worden eins mit einander, sie wolten das Ampt uffgeben, sie hetten on das genůg. Sie thetten es. Da sie also ein lange Zeit bei einander waren, da worden sy an die Fisch, Wiltbret, Fogel und andere gůte Schencken gedencken, die sie hetten in dem Ampt, deren sie jetz beraubt weren, und fiengen an wider umb das Ampt zů bitten. Es ward inen wider.

Und uff einmal, ee er das Ampt widerumb anfieng, da reit er über Feld, da fieng es an zů tunren, zů haglen und zů blitzgen, und erschien im der Tüfel uf seinem Roß in eins Affen Weiß und bleckt die Zen über in und spottet sein und sprach: ›Biß wilkumen in unser Land, biß wilkumen!‹ etc. Der gůt Man erschrack fast übel und nam die Warnung Gottes an, die im durch das Thier geschehen was, und fůr wider hinder sich und wolt weder des Amptz noch keins andern me.

Darum so lůgen zů inen selber dy Amptlüt der Herren! Sie sein gleich den Thieren, die die Keiben umbston, die grosen Thier, als Lewen, Beren etc. Die reissen groß Stück uß einem Keiben. Wan sie hinweg kumen, so kumen dan die kleinen Thierlin, als Hund, Rappen und Kreien, die rauben auch und lassen nichtz ligen dan Bein. Also die Herren nemen das Groß von den Underthonen, Gewerb, Steür und Frevel; so kumen dan die Amptlüt, die nemen [61] das Klein, als Fronen, Schencken und anders, damit dem armen Man die Haut kum an den Beinen bleibt. Und welcher Amptman allermeist bringt dan sein Fordern, der ist der liebst, den wil man behalten. Das mag kum on Sünd sein.

90. Der Tüfel wolt ein Kind holen
Von Ernst das 90.

Der Tüfel wolt ein Kind holen.


Es gieng uff einmal ein Dieb, der wolt einem Bauren ein Sau stelen. Uff dem Weg kam der Tüffel zů im, und in Beichtz Weiß offenbart er im, er wolt gon demselbigen Buren sein Kind erwürgen; wan die Můter alle Nacht, wan das Kind weint, im flůcht und es im gibt und spricht: ›Der Tüfel nem dich!‹ So wolt er es einmal holen. Der Dieb sagt im auch sein Heimlichkeit in Beichtz Weiß und sprach zů dem Tüffel: ›Gůt Gesel, sag mir, mag die Můter dem Kind nit zů Hilff kumen, wan sie im also flůcht?‹ Der Tüffel sprach: ›Ja, wan sie es gleich segnet.‹ Die zwen kamen an das Hauß. Das Kind erwacht und fieng an zů weinen; die Můter erwacht und fieng dem Kind an zů flůchen und gab es dem Tüfel und sprach: ›Das dich der Tüffel hol!‹ Den Dieb erbarmt das Kind und sprach zů der Můter: ›Benedicite, benedicite!‹ Da die Můter hort, das einer schrei Benedicite, da schrei dy Můter auch: ›Benedicite.‹ Da het der Tüfel keinen Gewalt me über das Kind. Da der Tüfel hort, das im sein Gesel sein Heimlicheit het geoffenbart, da schrei er überlaut: ›Diebio, diebio, fahen den Dieb! Er hat jetz der Sau den Strick an den Halß gelegt.‹

Also ist die Geselschafft der Bösen unbillich. Wan du ein Zeit dem Tüffel gedient hast und wilt von den Sünden ston und wilt nit mer sein Gesel sein und in der Beicht schreiestu über in, und wan du von im beichtest, so schent er dich auch gern widerumb, wan er es vermöcht. Oder du hast ein Metzen gehabt, ein Bůben oder ein Bůlen, die wil sich bessern und frum werden, in die Ee greiffen, in ein Kloster gon, so schmechstu sie, retst ir übel zů, das sie oder er von böser Geselschafft wil lassen.

91. Der Tüfel förcht das Kreutz
Von Schimpff und Ernst das 91.

Der Tüfel förcht das Kreutz.


Wir lesen von einem Heiligen, in Engenland eret man in, der heiset Sanctus Gollotus; der wolt uff einmal uß einer Krussen trincken, da was der Tüffel vor in die Krusen geschloffen. Nun het der Heilig die Gewonheit an im, als man gemeinlich thůt oder solt thůn, das er [62] ein Crütz über das Trinckgeschir macht, ee man getrinckt. Da er das Crütz über die Krussen macht, da mocht der Tüffel nit herußkumen; het er das Crütz under die Krussen gemacht, so het er nit mögen daryn bleiben.

Also geistlich, vil Menschen haben den Tüffel in inen, und wont in inen durch ir böß sündlich Leben, und zeichnen ire üsserliche Sinn und machen in hinder der Meß zů dem Evangelium und zů dem Pax domini so vil Crütz, an das Hertz ein Crütz, an die Augen zwei Crütz, an den Mund ein Crütz, an die Stirnen ein Crütz, an den Rucken ein Crütz und zeichnen sich wol, das der Tüffel, der Dot nit durch ire Sinn hinyngang, so ist er vorhin daryn, und zeichnen sich, das er nit heruß mag. Wan aber ein Mensch den Tüfel vor uß im trib durch ein erber frum Leben, so hülffen dan die Crütz, das er nit hinyn möcht. Sunst mag er nit heraußkumen vor dem Crütz.

92. Der Tüfel dienet eim Edelman und begert ein Glöcklein für sein Lon
Von Schimpff das 92.

Der Tüfel dienet eim Edelman und begert ein Glöcklein für sein Lon.


Cesarius schreibt, wie ein Edelman über Felt reit, und kam, der böß Geist zů im in Gestalt eins wolbekleidten Jünglings und bat in er wolt in uffnemen zů einem Knecht. Der Edelman nam in uff. Der Knecht dient im frumglich, trüwlich und wol. Der Edelman bedorfft nit me seins Knechtz, er was zůgegen, deßgleichen Knecht het er nie gehabt. Es füget sich, das sie uß můsten reiten und kamen an ein groß tieff Wasser. Da der Edelman sahe seinen Feint im nachylen wol mit sechs Pferden, da erschrack er fast übel und sprach: ›Ach, nun bin ich des Dotz. Da kumpt mein Feint; dem mag ich nit widerston, so mag ich nit durch das Wasser reiten.‹ Der Knecht, der böß Geist, sprach: ›Juncker, reiten mir nach! Ich kan durch das Wasser reiten, ich weiß den Furt.‹ Da kamen sie mit Heil durch das Wasser. Da nun die anderen Feind an das Wasser kamen, da segneten sie sich vor Wunder und sprachen: ›Der lebendig Tüfel hat in durch das Wasser gefürt‹, und sie kamen widerumb heim.

Ein Zeit darnach da ward die Haußfrau des Edelmans kranck, daß ihr kein Artzet wüst zů helffen. Der Knecht, der böß Geist, sprach: ›Wan wir Lewenmilch hetten und man sie damit salbt, so würd sie genessen.‹ Der Juncker sprach: ›Wa wolten wir Lewenmilch hie in Saxen überkumen?‹ Der Knecht, der böß Geist, sprach: ›Her, ich wil lůgen, das wir sie überkumen.‹ Der Knecht, der böß Geist, gieng hin und was villeicht ein Stund uß und bracht in einem Glaß Lewenmilch. Und man salbt die Frau damit, da ward sie gesunt. Der Juncker [63] sprach zů dem Knecht, zů dem bösen Geist: ›Wa hast du so bald Lewenmilch ůberkumen?‹ Der Knecht, der böß Geist sprach zů dem Junckern: ›Ich bin gewesen in Arabia, in Morenland in einer Hülin; da hab ich die jungen Lewen herußgejagt, und hab die alt Lewin gemolcken und üch die Milch herußbracht.‹ Der Juncker sprach: ›Ich sihe wol, das du ein Engel oder ein Tüffel bist.‹ Da anwurt der Knecht, der böß Geist: ›Also ist es; ich bin der Tüffel.‹ Der Juncker sprach: ›Was thüstu hie?‹ Der Tüffel sprach: ›Ich bin einer, der mit Lucifer von dem Himmel gefallen ist, und hab grosen Trost, wan ich bei den Menschen bin.‹ Der Juncker sprach: ›Du magst mir nicht me dienen, und hast mir wol gedient, und ich bin dir grosen Sold schuldig. Du hast mich von meinen Feinden erlößt und hast mir mein Hußfrau gesunt gemacht. Darumb so heisch ein Sold, den wil ich dir gern geben.‹ Der Tüffel sprach: ›Juncker, ich mein nit, das ir mir so Urlaub geben. So ir aber nit anders wölen, so beger ich ein Bar Guldin.‹ Da gab im der Juncker die zwen Guldin. Da er sie nun het, da gab sie der Tüfel dem Junckern widerumb und sprach: ›Juncker, kauffen ein Glöcklin darumb und hencken sie da uff dy Capel, und wan man Meß wil haben, das man sie lüt!‹ Da verschwan er vor seinen Augen und fůr da darvon.

Es was Gewonheit, das man allen Sontag und Feiertag Meß het in derselben Capel, und was noch kein Glock da. Da forchten die Lüt, sie versaumpten die Meß, und kamen alwegen frü dar, und betteten. Darumb wolt der Schalck ein Glock da haben hangen, das sie daruff losseten, das er zů dem minsten dasselbig Gebet hindert.

93. Der Tüfel fur mit eim in ein Turnier
Von Schimpff das 93.

Der Tüfel fůr mit eim in ein Turnier.


Uf einmal beschwůr man eine junge Dochter. Da was ein Ritter, ein Weltkind, der wolt uff ein Turnier in einer Faßtnacht, die die Edlen in dem Land hatten angeschlagen, und was im das Ort an dem Weg, da man sie beschwůr; er wolt auch dar. Da er noch weit von dem Dorff was, da lacht der Tüfel durch die Dochter und sprach: ›Mir würt schier ein gůter Frünt kumen.‹ Man sprach: ›Wer ist der?‹ Die Junckfrau sprach: ›Ir werden in wol sehen über ein Weil; er ist nit weit, er kumpt.‹ Da er zů der Kirchen yngieng, da stůnt dy Dochter uff und gieng im entgegen und bot im die Hand und hieß ihn wilkumen sein und sprach: ›Das ist mein Frünt, von dem ich gesagt hab.‹ Der Ritter sprach: ›Was bekümerstu die arme Dochter? [64] Du soltest mit mir in den Turnier faren‹. Der Tüffel sprach: ›Erlaub mir, in deinen Leib zů faren! So wil ich mit dir‹. Der Ritter sprach Nein. Der Tüffel sprach: ›Laß mich in deinen Sattel faren!‹ Der Ritter sprach Nein. Der Tüffel sprach: ›Wahin wiltu mir dan erlauben?‹ Der Ritter erbarmt sich über die Dochter und het sie gern ledig gemacht und sprach: ›Wiltu mir ein Eid schweren, das du bei mir on Schaden wilt sein, und wilt von mir weichen, wan ich wil, so wil ich dir erlauben, in ein Falt an meinem Rock an dem Rucken zů faren.‹ Der Tüffel sprach Ja und schwůr im ein Eid. Also weich er mit einem grosen Gethön von der Dochter und fůr dem Ritter in seinen Rock.

Da der Ritter nun uff das Stechen kam, da lag er allen Edlen ob; er stach Roß und Man nider und legt grose Eer yn. Und wan der Ritter das geweicht Wasser nam, so sprach der Tüffel: ›Lůg, das du mich nit treffest!‹ Der Ritter sprach: ›Mit Willen wil ich es nit thůn.‹ Und wan der Ritter zů lang in der Kirchen betten wolt, so sprach der Tüffel: ›Wie lang wiltu murmlen? Es ist dolme gnůg‹ etc.

Da nun alle Ding uß waren und der Ritter wider heim kam, da sprach er zů dem Tüffel: ›Ich gib dir Urlaub. Far hin on Schaden, als du mir verheissen hast!‹ Da sprach der Tüffel: ›Warumb? Du hast doch Glück und Heil, Eer und Lob von mir gehabt.‹ Der Ritter sprach: ›Es ist war, aber ich wil mich in ein ander Leben schicken. Wan der Schimpff zů dem allerbesten ist, so sol man uffhören.‹ Der Tüffel sprach: ›Ich můß mein Eid halten; darumb so far ich darvon.‹ Diser Ritter bessert sein Leben und wolt des Tüffels Frünt nit me sein, und wan er zů geistlichen und gelerten Lüten kam, so sprach er in Schimpfes Weiß: ›Wir Stecher, Rüter und Turnierer sein recht Lüt; wir treiben die bösen Geist uß, und sein unß gehorsam.‹

Hie sollen wir leren des bösen Geists müsig gon und deren, die mit im umbgon und Rat von im nemen, als die Warsager gestolen Gůt widerbringen, wiewol es nützlich möcht sein. Du solt ee manglen und siech sein dan des Tüfels Hilff sůchen; wan er Gotes Feint ist, und Got hat gebotten, man sol nichtz mit im zů schaffen haben. Wan einer diser Stat Feint wer, und du hest vil Gemeinschafft und Heimlicheit mit im, wiewol er dir nützlich wer, noch so hüw man dir den Kopff ab. Also hie auch.

94. Der dem Tüfel ein Liecht uffzünt
[65] Von Schimpff das 94.

Der dem Tüfel ein Liecht uffzünt.


Es was ein Bauer, der zünt allemal ein Meßliechtlin an für das heilig Sacrament und gieng dan hinder den Altar, da stůnt der Tüfel gemalet an einer Taflen, dem zünt er ein Liecht an. Der Priester het das etwan dick gesehen und meint, er wer nit gůt Cristen, und nam in darumb für. Der Bauer sprach: ›Ich thů es nit von Unglauben, als ir meinen, lieber Her. Ich thü es uß gůter Meinung; ich zün Got dem Herren ein Liecht uff, das er mir Gůtz thü, und zün dem bösen Geist eines uff, das er mir nichtz Böß thüg.‹

Also sollen die Menschen nit dorechter sein dan diser. Du nimst etwan der Stat Soldner und Knecht in dein Hauß, das sie dir nichtz Böses zůsiegen; so nim ein Armen, ein Geistlichen, der Gottes Diener ist, auch in dein Huß, das dir Got Gůtz thüg!

9. Von ungelerten Lüten

95. Der Bapst fragt, ob ein hübsch Fich oder Tier auch edel wer
Von Schimpff das 95.

Der Bapst fragt, ob ein hübsch Fich oder Tier auch edel wer.


Es kamen uf einmal vil edler Lüt uß tütschen Landen gen Rom, zů Sant Peter und Sant Paulum zů sůchen. Es kam dem Babst für; da wolt er inen ein Er anthůn, das sie dan hie ussen möchten sprechen, sie hetten den Babst gesehen, und schickt nach inen. Sie kamen. Nachdem und sie im seine Füß geküsset hetten und Er entbotten, als billich was, darnach stůnden sie vor im. Er sahe sie an und ret jetzt mit disem, dan mit jem. Sie kunten schier alle Latin und retten vernünfftiglichen mit dem Babst. Da was einer under inen, der die andern alle übertraff in Person, in Kleidung, in Hübsche; mit dem wolt der Babst insunderheit reden und fraget in in Latin, wer er von dem Geschlecht wer. Da antwurt einer under inen: ›Heiliger Vatter der Babst, er kan kein Latin noch Welsch.‹ Da sprach der Babst: ›Es ist ein hübsch Fich.‹

Das namen die anderen in ire Oren, und sollen es billich alle Edellüt in ire Oren nemmen, da sie ire Kind zů Schůl sollen thůn, das sie Zucht und Kunst leren, und wa sie hinkumen, das sie mit den Lüten künnen reden, und stet wol bei einander Zucht und Kunst. Wan wer zůnimet in der Kunst, und nit [66] in Zucht und in Sitten und Geberden, der hat me abgenummen dan zůgenummen, me vergessen dan gelert; das ist Aristoteles Wort. (Qui proficit in scientia et deficit in moribus, plus defecit quam profecit).

96. Wie fil Fuchsschwentz an Himel gon
Von Schimpff das 96.

Wie fil Fuchsschwentz an Himel gon.


Es kam auff einmal ein Doctor von Paryß in ein andere Stat. Und in derselbigen Stat da was ein groser Her, ein Fürst oder ein Graff, der was den Pfaffen fast feint. Der hort sagen, wie ein hochberümpter und ein gelerter Doctor dar kummen wer. Den berůfft er und lůd in zů Gast und satzt an in und sprach: ›Lieber Her Doctor, wie vil müst man Priester haben in disem Flecken, und wie vil da in dem Dorff und dergleichen, darmit das Folck gnůg het? Es sein zů vil Klöster und Pfaffenhie.‹ Der gelert Doctor verstůnd die Sach wol, warumb im der Fürst die gegablete und gehürnte Frag an in legt, und wan er sprech ›so vil‹ und ›so wenig‹, so het der Fürst die überigen Pfrůnden genummen, als dan ander me thůn, die da dem Gotzdienst abnemen und in mindern, das ire Eltern gestifft haben.

Der Doctor zögt sein Kunst und wolt in abweissen mit einer andern Frag und sprach zů dem Fürsten: ›Gnediger Her, wie vil müst man Fuchßschwentz haben, die biß an den Himmel giengen?‹ Der Fürst antwurt dem Doctor: ›Das weiß ich warlich nit. Welcher Tüffel wolt es mir sagen!‹ Der Doctor sprach: ›Die Fuchßschwentz dy sein ungleich; einer ist lang, so ist der ander kurtz; wan sie aber lang gnůg weren, so het man mit dreien genůg. Also hie auch. Die Bauren die sein ungleich in iren Sinnen und Köpffen, und man fint ein Buren, der allein zwentzig oder dreisig Priester bedörfft, ee man in uff den rechten Weg bringen würd. Und sein darnach dargegen fiertzig oder fünfftzig, die alsamen mit einem Pfaffen gnůg hetten. Darumb so sagen mir, lieber Her, wie die Lüt alsammen gesittet sein in euwerer Stat, so wil ich euch sagen, wie vil sie Priester bedörffen.‹ Da het er ein Antwurt, er mocht reiten, wan er wolt, und wüst als vil als vor.

97. Wan einen ein Lauß oder Floch beißt
Von Schimpff das 97.

Wan einen ein Lauß oder Floch beißt.


Wan das ist die recht Weiß und Maß für semliche gestiflette Doctores und gestreiflette Leyen, die etwan semliche hohe seltzame Fragen an die gelerten Lüt thůn, als die Edlen etwan thůn. So ein [67] Doctor an ein Hoff kumpt und wil etwas umb den Fürsten erwerben, so laden sie in und fragen in seltzame Fragen und wöllen in versůchen, was er kün. Und sprechen: ›Wa was Got, ee er Himmel und Erdtreich beschůff? Und wie kan so ein groser Man, als Cristus ist, in dem heiligen Sacrament sein under so ein kleiner Hostien?‹ Und dergleichen Frag legen sie an ein. So kan er sie nit baß verantwurten und inen ir Narheit erzögen, dan das er auch dorrechte Fragen an sie leg.

Als dem würdigen Doctor Keisersperg uff einmal geschach, der also versůcht ward, wie jetz gered ist. Da fragt er sie widerumb und sprach: ›Ir lieben Herren und Junckern, sagen mir eins! Wan euwer einen ein Lauß beißt, so würt ein Blatter da, ein Bühelin, und wan einen ein Floch beisset, so würt ein Rotzbletzin da, und wan einen ein Muck beisset, so würt nichtz da, wie kumpt es?‹ Sie sprachen alle, sie wůßten es nit. Da sprach er: ›So sollen ir euch schammen, das ir die Heimlicheit Gottes wöllen erfaren in dem Himmel, und wißen die dorechten kindlichen Werck nit.‹ Also sol man semliche gestiflette Doctores geschweigen.

98. Keiser Sigmund het Baretlislüt lieb
Von Ernst das 98.

Keiser Sigmund het Baretlislüt lieb.


Keiser Sigmund der het gelerte Lüt fast lieb und het lawegen Doctores bei im und in seinem Rat. Das verdroß syne Edlen und Ritterschafft, das er die Doctores als in grosen Eren het, und sprachen uff einmal zů im: ›Gnediger Her, warum halten ir so vil Baretlißlüt? Sein wir nit als witzig, als sie sein?‹ Der Keiser sprach: ›Ir kunnen fechten und stechen etc. Aber in Urteilen und Gerechtikeit gegen den Armen da bedarff ich groser Kunst; dy můß ich sůchen, wa ich sie sind.‹ Die haben die Doctores; darumb so hab ich sie lieb und halt sie in Eren; wan ir künnen mir die Kunst nit geben. Die alten Künig und Keiser haben Kunst und gelert Lüt, Baretlißlüt auch lieb gehabt, ire Sün inen befolhen, inen Meister zů geben. Trajanus het Plutarchum, Nero het Senecam, Alexander het Aristotilem. Wan da Alexander geboren ward, da schreib im sein Vatter Philipus ein Epistel: ›Mir ist ein Sun geboren, des danck ich den Götten, als wol das er zů der Zeit deines Lebens geboren ist, als wol das er geboren ist. Ich hoffe, er sol von dir gelert und underwissen werden, das meinem Reich nutz und gůt sei.‹ Es spricht Seneca: (Discendo ne defeceris.) ›Du solt nit ufhören lernen; der letst [68] Tag deines Studieren sol sein der letst Tag deins Lebens.‹ Darumb sprach einer uff einmal: ›Wan ich schon ein Fůß in dem Grab het und den andern noch hie uß, noch so wolt ich leren.‹

99. Einer zerleit ein Hun und sprach: Quantum patimus propter ecclesiam
Von Schimpff das 99.

Einer zerleit ein Hůn und sprach: Quantum patimus propter ecclesiam.


Es was ein großer Prelat (umb seiner Höhe willen sol er nit genent werden), der wolt uff einmal ein gebraten Hůn zerlegen, da brant es in an die Finger. Da wolt er auch Latin reden: (O quanta patimus propter ecclesiam Dei etc.) Sprach einer: (Reverendissime domine, non patimus, sed patimur). Da sprach er daruff: (Sive patimus, sive patimur, idem est; utrumque ist genitivi casus.)

100. Was die zwen Spitz bedeuten an dem Bischoffshut
Von Schimpff das 100.

Was die zwen Spitz bedeuten an dem Bischoffshůt.


Es fraget einer uff einmal ein Man, was die Infel uff dem Bischoffßhůt und die zwen Spitzen bedüt, die oben uff der Inflen sein, dy die Bischoff uff haben. Er antwurt: ›Die zwo Spitzen bedüten, das ein Bischoff sol beide Testament künnen, das nüw und das alt Testament. Sie sollen gelert sein; darumb so fraget der Bischoff, der in weicht: (Scis utrumque testamentum?)‹ So spricht er Ja, er wüßt nit Testamentum cuius generis. Er fragt weiter: ›Was bedüten die zwei Dinglin, die hinden an der Inflen hangen?‹ Er antwurt: ›Sie bedüten, das etlich entweders das noch jens nit wissen.‹

101. Wie drei Studenten Latin redten
Von Schimpff das 101.

Wie drei Studenten Latin redten.


Es fůren drei Studenten mit einander uß und wolten gen Papie uff die hohe Schůl und kamen an ein Wasser, das heißt Ticin. Da sie also an dem Wasser lagen und warteten, wan man sie hinüber wolt füren, da sahe der ein den Himel an und sprach: (Pluit; pluibit, si iste tempus manebit.) Der ander wolt den strafen und noch gelerter sein dan er und marckt, das das Adjectivum und Substantivum nit zůsamen wolten sagen, und sprach: (Ultra Ticinum non transibit iste latinum.) Der drit Student wolt [69] noch gelerter sein dan die beid und wolt es noch besser machen dan sie beid und sprach: (Grossos latinas perlumstis ambas.)

Darumb sol man vor die Jungen leren Gramatica, ee man sie uff die hohen Schůlen schickt; sie wöllen etwan fliegen, ee sie Federn haben. Solt man sagen und schreiben, was man erfert, so man examiniert und man weihen sol, was seltzamer Kunst und Expositiones da herfürkumen, es würd ein eigen Bůch werden.

102. Expositio Vitis vera et pater
Von Schimpff das 102.

Expositio Vitis vera et pater.


Man wolt zů Costentz einmal ein nit lasen Priester werden, man het in dan vor examiniert. Da wüst er wol sein hohe Kunst, das man in nit het zůgelassen; da ward er zů Rom Priester und kam wider heruß, doch wolt man in nit zůlassen, man wolt sein Kunst hören und was Nüwes von im leren. Es was nach Ostern, da man in examiniert, da warff man im das Evangelium für zů derselben Zeit: Joh. 15 (Ego sum vitis, et pater meus agricola est.) ›Expone‹, sprach der Schůlmeister. ›Ego sum, ich bin; vitis vera, das gewar Leben; et, und; pater meus agricola, und mein Vatter ist ein Orleplin.‹ Agricola und auricula ist nit eins.

103. Als einer laß: Tibi unum, Moysi etc
Von Schimpff das 103.

Als einer laß: Tibi unum, Moysi etc.


Uf ein Zeit weicht man ein Priester, und ist Gewonheit, das man dem letst Evangelier oder Epistler, dem laßt man den Levitenrock uff dem Halß ligen, und můß der dan dem Bischoff das Evangelium singen oder die Epistel. Dem andern stoßt man den Rock nur an den Halß. Und was das Evangelium an dem Samstag in der Fronfasten in der Fasten, da stůnd zů underst an dem Blat ›taberna‹, und zů dem öbersten an dem Blat da stůnd ›cula‹; und kunt lang das Blat nit herumkeren und kam lang mit dem cula hernach. Der Weihebischoff ward zornig, das er das Wort also teilt, und sprach: ›Ein Dreck!‹ Da sprach der, der das Evangelium (Math. 17) sang, als in dem Buch stůnd: ›Tibi unum, Moisi unum et Helie unum.‹ Da lacht jederman.

104. Welches besser sei, thun, das man weißt, oder etwas lernen
[70] Von Ernst das 104.

Welches besser sei, thůn, das man weißt, oder etwas lernen.


Zu Pariß waren uff ein Zeit etliche Doctores in einer grosen Disputacion, als man examiniert ad licenciaturam. Da kam ein Obentürer, ein gemachter Schalcksnar in die Schůl hinyn und stůnd also vor dem, der uff dem Stůl da oben saß, und sah in an. Derselb Doctor der kathedriert und sprach zů im: ›Gesel, woltest etwas fragen?‹ Er sprach: ›Ja Her, ich hab ein grose hohe Frag zů thůn. Welches ist besser, das ein Mensch thů, das er weiß, oder das eins ler, das er nit weiß?‹ (Quid horum melius est facere, quid scit, vel discere, quid nescit?) Die Doctores sahen einander an, und wurden opiniones under inen; einer meint jens, der ander dis. Aber der merer Teil waren daruff, das es besser wer, das ein Mensch thet, was er wüst, dan das er leren wil, das er nit weiß. Da sprach er: ›So sein ir alle grose Narren, das ir stetz wöllen leren, das ir nit wissen, und euwer keiner thůt das, das er weiß.‹ Und kart sich umb und gieng zů der Schůlen hinuß. (Hoc exemplum in oculo habetur morali.)

105. Trincken oder essen, welches das best sei
Von Schimpff das 105.

Trincken oder essen, welches das best sei.


Es fragt einmal einer Magistrum Jordanum, welches besser wer, orare oder legere, betten oder lesen. Der Magister antwurt: ›Welches ist besser, Essen oder Trincken?‹ Er antwurt: ›Sie sein beide gůt. Wan einer mir zů essen geb und nit zů trincken, so wer es mir nit so angenem, er geb mir dan auch zů trincken.‹ – ›Desgleichen also hie auch. Wan du ein Weil hast gebettet, so liß dan ein Weil, und wan du ein Weil gelessen hast unnd bist müd worden, so bet ein Weil!‹

Das ist wider die, die stetz lesen und ob den Büchern ligen und sich selten zů dem Gebet keren, so man in dem Betten auch gelert würt. Sant Bernhart schreibt von im selber, das er me bei den Baumen mit Gebet gelert hab dan uß den Büchern. Deßgleichen Sant Augustin, Sant Thomas, Sant Bonaventura und Sant Franciscus. Da ein hochgelerter Doctor von im sagt, da er ein Frag verantwurt het: ›Die Theology Sancti Francisci die flügt in dem Himmel, die unsere krücht uff dem Boden.‹

Ich hab manchen gesehen, der stetz ob den Büchern lag und nichts dester besser noch witziger noch gelerter was. Ich hab auch manchen gelerten Narren gesehen, [71] aber nie kein witzigen Narren. Kunst und Narheit stot wol bei einander, aber Weißheit und Narheit stot nit wol bei einander. Ist der nicht ein gelerter Nar, ein Doctor, da einer zů einer Irrung kumpt des Glaubens und daruff stot biß in das Feüer? Andere umb ir Sünd willen und Mißhandlung verbrent sein; andere hinder Metzen kumen und den Hůren anhangen und, wan man sie darvon treiben wil oder dy Unfletter selber ein frůntlichen Abzug nemen, sich also bekümmern und in Widerwertikeit kumen, das sie verdrüsset zů leben, und sich selber von der Welt richten mit dem Strick oder mit dem Brotmesser. Weißheit het sy wol darfür behüt, aber nit die Kunst, darumb sie billich gelert Narren sein, aber nit witzig Narren geheißen sein. Also nant Franciscus Petrarcha ein gelerten Narren, der in geschmecht het, und schreib also zů im: (Litterato stulto nil importunius. Habet enim instrumenta, quibus suam ventilet ac defendat amentiam, quibus ceteri carentes parcius insaniunt).

106. Ob Doctores uber die Ritter sein
Von Schimpff das 106.

Ob Doctores ůber die Ritter sein.


Uf einmal was ein Künig, der het Doctores und Ritter in seinem Rat. Nun was ein Doctor, den schlůg er zů Ritter, als man manchen fint, der Doctor und Ritter ist. Uff ein Tag da het er seine Rät beriefft, und stůnden die Doctores uff einer Seiten, dy Ritter uff der andern Seiten. Diser, der Doctor und Ritter was, da er in den Rat kam, da stalt er sich zů den Rittern. Da er ein Weil in dem Rat gesessen was, da sprach der Künig: ›Her Doctor, ir solten nit da sein, ir solten euch zů den würdigern stellen. Ein Doctor übertrifft ein Ritter; wan ich kan in einer Stund hundert Ritter machen, aber meiner hundert künten nit einen Doctor machen.‹

107. Ein Künig gab sechs Doctoribus sechs Fragen uff
Von Ernst das 107.

Ein Künig gab sechs Doctoribus sechs Fragen uff.


Es was ein Künig, der beriefft sechs die gelertesten Philosophos, die er in seinem Künigreich het, und aß bei inen zů Imbis. Und het die sechß getheilt; drei sassen hinder dem Tisch und drei da vornen, und er zů dem Obersten; und sprach zů den dreien hinder dem Tisch: ›Ir sollen mir sagen, was üch zů dem allerbesten gefelt uff Ertreich. Darnach wil ich disen dreien auch ein Frag uffgeben.‹

Der erst sprach: ›Mir gefelt zů dem basten, das der Wil des Menschen nit [72] het, das er gern het. Wan so die Welt jetz böß ist und die Menschen zů Boßheit geneigt sein, wan dan der Mensch het, was er gern het und was er begert, so wer er zů dem bösten. Sunst so můß er vil underwegen lassen, das er sunst thet.‹

Der ander sprach: ›Mir gefelt, das aller zeitlicher Lust ist vermischt mit Bitterkeit, als offenbar ist in allen zeitlichen Fröden, ist etwas bitters darin. Wan wa das nit wer, so weren die Menschen noch vil böser und lustsiecher.‹

Der drit sprach: ›So gefelt mir wol, das alle Boßheit und Leckerei und Můtwil bald ein End hat. Wan wen sie alwegen wert, so wer den Bösen baß uff Ertreich dan den Gůten.‹ – Da sprach der Künig zů den andern dreien: ›Ir Herren sollen mir sagen, wes ir euch allermeist uff Ertreich verwundern?‹

Der erst sprach: ›Mich wundert, das dy die weissesten geachtet sein, und sein doch die allergrösten Narren. Das bedarff me zů erkleren. Wan sie ewige Güter, geistlich Ding Gottes zů dem allerminsten achten; het es sich geleibt, es selet sich etwan; achten nichtz, dan das sie sehen.‹

Der ander sprach: ›Mich wundert, das die, die zů dem hübschesten, zů den geistlichen Dingen reden, und zů dem allerunreinsten und wüstesten sein mit siren Wercken.‹ (Qui pulchrius loquuntur, peius faciunt.) Der ret auch wol. Wan die Gleißner, Predicanten, Beichtvetter reden hübschlich von Mesigkeit, so mag inen kein Füllerei entgon; von Demüt, nieman ist hoffertiger; von Küscheit, so sein etliche Bůben hinden und fornen; also von Armůt, niemans ist geitiger.

Der drit sprach: ›Mich wundert, das ein Mensch lebt in einem Stand, in dem er nit sterben darff. Wan wen er in den Stand stürb, so wer er verdampt.‹ Der Künig lobt sie, das sie also wol hetten geret. Uß disen sechs Stücken möcht einer ein gantz Bůch schreiben.

108. Jurista, ein Haß machet Ferß und het auch Penssion
Von Schimpff das 108.

Jurista, ein Haß machet Ferß und het auch Penssion.


Es kam auff einmal ein Haß zů einem Lewen als zů seinem Künig und sprach: ›Her, ich bin zů Paryß uf der hohen Schůlen gestanden und hab verstudiert, was ich hie und daheimen hab, und bin ein gelerter Gesel. Ich beger, ir wöllen mir ein Dienstgelt, ein Pension oder ein Wartgelt geben, das ich Narung mög haben; wan ein Künig gelerter Lůt bedarff und besunder Juristen und Redner.‹ Der Lew sprach: ›Du sagst recht. Ich [73] wil aber dich vor beweren, ob du gelert seiest und was du gestudiert habest. Darumb so kum mit mir in die Welt!‹

Da sie nun also durch den Walt giengen, da sahen sie ein Jeger, der het das Armbrust gespannen und wolt entweders ein Fuchs oder ein Beren schiessen, die er bei einander sahe. Der Fuchs der lieff und sprang hin und her und bleib nit an einem Ort stil ston. Der Ber gedacht an sein Stercke und meint, er wolt den Jeger einsmals zerreissen und sprang gegen im. Der Jeger truckt das Armbrust uß und traff den Beren an das Hertz, und was gleich dot. Da sprach der Lew zů dem Hasen: ›Nun mach mir ein latinisch Verßlin daruff, und mach mir es darnach zů tütsch!‹ Der Haß der was behend da mit seinem Bůch und schreib daryn:


Valet plus ad ictum mortis

Esse sapiens quam fortis.

Weißheit weit fůr Stercke godt,

So mit unß schirmen ist der Dodt.


Der Lew lobt die Verßlin, und gefielen im wol. Sie kamen in ein Stat; da sahen sie ein Herren, der het zwen Knecht. Und was der Her den einen Knecht hieß, das thet er alsamen, und was er den andern Knecht hieß, das wolt er nit thůn und flůcht dem Herren übel und gab im stoltze Wort. Der Her ließ denselben Knecht übel schlagen und jagt in von im und gab im Urlaub. Da sprach der Lew zů dem Hasen: ›Davon mach mir auch ein Verßlin zů latin, und darnach mach mir es auch zů tütsch!‹ Der Haß der was behend da mit seinem Bůch und schreib daryn:


Multum melius est tacere

Quam male respondere.

Besser Schweigen ist fürwar

Dan ůbel Antwurt geben zwar.


Der Lew erhůb und macht groß das Verßlin. Zů dem dritten kamen sie in ein Dorff, da sahen sie, wie ein Buer zwen Ochsen zůsamenwettet under das Joch und wolt zů Acker gon und band inen ein Burde Heu uff die Kopff. Der ein Ochs trůg sein Hewlin, sein Speiß mit Gedult. Der ander Ochs murmlet wider den Buren und sprach: ›Was sol unß so wenig Heu! Es mag doch unß nit ersettigen und die Büch füllen. Ich wil sein nit,‹ und warff es von im. Da es nach mittem Tag was worden, und zů Acker waren gangen, da aß der Bauer zů Abent und gab dem Ochsen sein Hewlin auch, das er sich damit erlabte, als er auch thet. Der ander Ochs het nichtz sich zů frischen und zů stercken und můst in dem Pflůg ziehen biß Nacht. Er lag, das er starb. Der Lew sprach: ›Davon [74] mach mir ein Verß zů latin und zů tütsch!‹ Der Haß schreib behend in sein Bůch also:


Melius est possidere

Parvum quam nihil habere.


Besitzen etwas besser ist

Dan nichtz haben zů aller Frist.


Der Lew sprach zů dem Hassen: ›Du bist recht und wol gelert und hast dein Zeit nit verloren. Da nim die Pension und das Gelt! Du bist sein würdig.‹ Und macht im auch ein Verßlin also:


Qui vult esse sublimatus,

Prudens fiat et sensatus.


Der hoch daran wil sein hie uff Ert,

Der lůg, das im vil Weißheit werd.


Darumb so sol man gelert Lüt ziehen und sie uffbringen; wan vil sein, die Klöster buwen, Korn, Gült, Wein, Pfenniggelt kauffen; es ist gebauwen. Wan man aber nit gelert Lüt bauwet, die das alles in Wesen behalten, so ist es umbsunst. Darumb der best Bauw ist gelerte Lüt bauwen.

Es schreibt Franciscus Petrarcha von einem Fürsten, der hasset gelerte Lüt und schwůr dazů, das er tausent Guldin wolt geben, das kein gelerter Man in seinem Land wer und nie keiner daryn kummen wer. (O vox saxei pectoris!) – Er schreibt darnach von einem andern, der hieß Lucinius, der hasset auch gelerte Lüt, als von im geschriben stot, so nent er gelerte Lüt, sie weren Gifft und ein offenlicher Schaden des gemeinen Nutz. Aber durch sein Grobheit und Bürischeit, wan er ein Buer was, so ist er entschuldigt, und wan er schon ein Keiser wer worden, so wer er dannocht von bürischer Art gewesen. Wan als Flaccus spricht: (Fortuna non mutat genus. Franciscus Petrarcha, De librorum copia, dialog. 43).

10. Von Roßtüschern

109. Der einschlug Ballen, der ander Sporen
Von Schimpff das 109.

Der ein schlůg Ballen, der ander Sporen.


Es ritten uff einmal vil Kauflüt mit einander gen Franckfurt in die Meß, etwan zehen oder zwölff, und was auch ein Roßtüscher under inen. Und uff ein Nacht, da man schlaffen solt gon, als man etwan zwen zůsamen legt, wan man nit Bet gnůg hat, da lag der Roßtüscher auch bei einem, der sprach: ›Gůt Gesel, ich bin ein Ballenschlager, und etwan traumt mir, wie ich die Ballen schlag. Ob ich dich hinnacht etwan uff die Naß treff, so wiß, das es ungefert geschicht und in dem Schlaff!‹ Der Roßtüscher [75] antwurt: ›Ich gang vil mit Pferden umb. Dann traumt mir, wie ich sie bereit uff den Kauff und sie stupff mit den Versen‹, und verstůnt dy Sach. Der Roßtüscher als ein einfaltig Scheflin stůnd uff, als wolt er seinen Wein ablassen, und legt sein Sporen an seine Fůß. Da der umb die Mitternacht die Ballen anfieng zů schlagen und den Roßtüscher traff, da fieng der Roßtüscher an zů reiten und stach den Ballenschlager mit den Sporen in den Rucken und in die Schenckel, und wa er in traff, da lieff das Blůt heruß.

Da ward war, das David sprach: (Psal. 41. Abissus abissum invocat.) Das ist: Es ist böß Fuchs mit Fuchs fahen.

110. Für 26 Ducaten, zehen bar, kauft einer ein Pferdt
Von Schimpff das 110.

Für 26 Ducaten, zehen bar, kauft einer ein Pferdt.


Zů Florentz kam einer zů eim Roßtüscher und wolt im ein Roß abkauffen, das bot er im umb 26 Ducaten. Und sie marckten mit einander, das der zů dem Roßtüscher sprach: ›Ich wil dir das Pferd abkauffen mit dem Geding, ich wil dir geben zehen Duckaten bar, die andern 16 wil ich dir schuldig bleiben.‹ Der Roßtüscher sprach: ›Nim es hin!‹ und schlůg es im dar.

Es stůnt wol ein Monat oder drei, diser wolt nit kumen mit dem Gelt. Der Roßtüscher kam zů im und hiesch im das Gelt, die 16 Duckaten. Dieser sprach: ›Ich beken es, ich bin sie dir schuldig.‹ Sie kamen an das Gericht. Diser thet dar, er wolt bleiben bei dem Geding, als er es kaufft het, und sprach: ›Ich hab das Roß kaufft umb 26 Duckaten und hab im 10 bar geben; die andern sol ich im schuldig bleiben. Und wan ich sie im nun geb, so blib ich sie im nit schuldig und blib nit bei meinem Geding.‹ (Et causa adhuc pendet sub iudice.)

111. Der Leybrüder sprach, die Warheit blibe in dem Faß
Von Ernst das 111.

Der Leybrüder sprach, die Warheit blibe in dem Faß.


Uf ein Zeit was ein Roßtüscher, der wolt in dem Alter sein Leben bessern und gieng in Sant Bernhartz Orden und ward ein Brůder, ein Berting. Uff einmal sprach der Apt zů im: ›Brůder, nemen das Pfert, das Gromenlin und füren es in die Stat, da ist ein Jarmarckt, und verkauffen es! Es ist ansichtig, es solt zů dem minsten noch zwölff Guldin gelten.‹ Der gůt Brůder, als er ein Roßtücher was gewesen, der fůr zů Marck mit dem Pferd. Da man es besahe, da fragten sie den Brůder: ›Wie wöllen ir [76] das Pferd geben?‹ Der Brůder antwurt: ›Umb zwölff Guldin.‹ Man sprach: ›Ist es jung?‹ Der Brůder sprach: ›Nein, es ist wol 16 Jar alt.‹ Man sprach: ›Gesicht es wol.‹ Der Brůder sprach: ›Nit fast wol.‹ Er sagt alwegen die Warheit. Es wolt es nieman kauffen, er fürt es widerumb heim. Der Apt sprach: ›Warumb hastu das Pferd nit verkaufft?‹ Der Brůder sprach: ›Es wil es niemans kauffen, da ich inen sagt, wie jung es was, wie es Brillen uff die Nassen bedörfft‹. Der Apt sprach: ›Warumb hastu es dan gesagt?‹ Der Brůder sprach: ›Ich hab in der Welt gelogen und betrogen, und bin in den Orden gangen, mein Leben zů bessern, und mein Seel ist mir lieber dan ein alt Roß. Ich wil niemans me betriegen; darumb bin ich geistlich worden.‹

112. Das Roß gieng über kein Baum
Von Schimpff das 112.

Das Roß gieng über kein Baum.


Es kaufft einer uff einmal ein Roß von einem und sprach zů im: ›Gůter Gesel, weistu etwas Gebrestens an im, die heimlich sein, so sag sy mir, das ich nit verfar! Ich bin ein armer Knecht.‹ Der Roßtüscher sprach: ›Ich weiß kein Gebresten an im, dan das es nit über die Böm ußgat.‹ Der Gesel sprach: ›Ich wil es über keinen Baum ußreiten,‹ und kaufet im das Roß ab und bezalt es. Da er zů der Stat wil ußreiten, solt er es erstochen haben, so kunt er das Pferd nit über die Bruck zů dem Thor hinußbringen. Da was die Bruck gemacht von Bömen, als man dan thůt, und über die Böm gieng es nit. Da meint aber der, der das Roß kaufft het, es gieng nit über die Böm uß, die uffrecht stünden, und nam den Roßtüscher mit Recht für. Und ward mit Recht erkent, das es ein Betrug wer. Und der Roßtüscher solt dem sein Gelt widergeben, und solt er sein Roß nemen.

Das was ein recht Urteil. (Fraus nulli debet patrocinari.) Beschiß und Falscheit sol niemans zů Hilff kumen. Ja, sprechen die Leyen, wer da kaufft, der lůg, wie es laufft. Es ist ein jeglicher Roßtüscher oder wer ein Fich verkaufft, schuldig bei seiner Selen Selikeit, sagen die Lerer der heiligen Geschrifft, auch die Juristen, zů offenbaren die Gebresten der Thier, die heimlich sein, die man nit sehen noch greiffen kan. Aber Bresten, die man sehen kan und offenbar sein, die bedarff man nit zögen; einer lůg selbs, was er zů schaffen hab. Würt darüber einer betrogen mit heimlichen Gebresten, das ist der Verkauffer schuldig widerzůkeren; wan er hat wider brüderliche Liebe gehandelt und einem andern gethon, das er nit wolt, das man im das thet. (Cum bona ratione etc.)

11. Von Urteil und Urteilsprechern, von Notarien und Richtern

113. Die Witfrau solt 500 Gulden keim on den andern geben
Von Ernst das 113.

Die Witfrau solt 500 Gulden keim on den andern geben.


Es waren uf einmal zwen Gesellen, die hatten ein Gůt gemein uff 500 Guldin. Das Gelt legten sie hinder ein arme Witwen, und solt inen das behalten, und das Gelt solt sie keinem allein geben; sie solten beid bei einander sein, wan sie das Gelt von ir geb, und ich glob, das sie ir ein erliche Schencke auch gaben, das sie inen semlich Gelt behielt. Darnach fůren sie hinweg irem Gewerb nach.

Da ein halb Jar herumbkam, da kam der ein zů der Witwen und sprach: ›Mein Gesel ist leider von diser Zeit gescheiden. Geben mir das Gelt, das wir hinder euch gelegt haben, die fünffhundert Guldin!‹ Die gůt Frau was so einfaltig und nam nit Rat von andern weisen Lüten und gab es im. Da schier aber ein halb Jar hinkam, da kam der ander auch und sagt, sein Gesel wer gestorben, sie solt im das Gelt geben. Die Witwen sprach zů im, wie sein Gesel das Gelt hinweg het, der het auch gesaget, wie er gestorben wer. Der Gesel sprach: ›Mir nit also. Ich wil mein Teil haben.‹ Sie kamen mit einander an das Gericht. Die erber Lüt kunten nit darauß kumen, und man was daruff, das man solt die Frawen gefangen legen. Da was ein weiser gelerter Man und ein gelerter Philosophus, der hieß Demostenes, der erbarmpt sich über die Frawen, der gieng mit ir an das Gericht und bat, man solt im vergünnen, der Frawen das Wort zů thůn. Die Rät waren fro und sprachen Ja. Da sprach er also: ›Dise Frau gestot des Gedings, sie sol das Gelt keinem allein hinweggeben. Er gang hin und sůch sein Gesellen und bring in her. Wan sie beid da sein bei einander, so wil sie inen das Gelt geben und das verloren haben, das sie voruß hat geben.‹ Das ward auch erkent mit dem Urteil.

Das kunten sie nit finden, biß das der Redner Demostenes inen das zů verston gab. Wan das ist ein Ampt des Fürsprechen, das er die Richter bericht der Urteil mit der Warheit. Wan der Fürsprech sol gůt, frum und warhafftig sein, als Tullius spricht: (Orator est vir bonus, arte dicendi peritus.) Wan wen er ein Lügner wer, so wer kein Fürsprech, kein Redener geheissen, er hieß ein Klaperer, ein Schwetzer. Wan ein Redner ist ein frumer Man, der reden kan; wan er nur lügt, so ist er unfrum und des Namen Redner nit wert.

114. Zwo Frawen kriegten umb Garn
[78] Von Schimpff das 114.

Zwo Frawen kriegten umb Garn.


Es waren einmal zwo Frawen in eins Webers Huß und wolten zetlen; die ein was reich und die ander arm. Und die zwo Frawen wurden uneins umb ein Knüwlin Garns, jegliche sprach, es wer ir. Sie kamen mit einander für den Schultheissen und verklagten einander umb das Garn; jegliche sprach, es wer ir. Der Schultheiß wolt die Warheit sůchen und berůfft die reichst und fragt sie heimlich und sprach: ›Waruff haben ir euwer Garn gewunden?‹ Sie sprach: ›Uff ein weiß Düchlin.‹ Er fragt die arm auch, waruff sie ir Garn gewunden het. Sie sprach: ›Uff ein klein Steinlin‹. Also gebot der Schultheiß, das man das Garn solt abwinden. Da es nun abgewunden was, da was es der armen Frawen; wan es was uff ein kleines Steinlin gewunden.

Also sol ein Richter die Warheit sůchen mit allem Fleiß und sol nit darvonylen, als vil Richter thůn, und sol die Sach ansehen und nit die Sächer. Darumb den Richtern vor Zeiten verband man ire Augen, das sie hörten und nicht sehen.

115. Untreu schlug ein Zimerman, als er 800 Guldin fand
Von Ernst das 115.

Untreu schlůg ein Zimerman, als er 800 Guldin fand.


Es het sich auff ein Zeit begeben, als warhaftig Lüt gesagt haben, umb die Jar ungeferlich da man zalt 1506, da ist ein Kauffman geritten gen Franckfurt in die Meß, da ist im der Wetschger von dem Sattel empfalhen, daryn waren achthundert Guldin. Da ist ein Zimmerman kumen und hat denselbigen Wetschger funden und hat in mit im heimgetragen. Und da er heim ist kumen, da hat er den Wetschger uffgethon und hat gesehen, was darin was, und er hat in heimlich behalten, ob jeman darnach fragen würd.

An dem nechsten Sontag darnach hat der Kircher in demselbigen Dorff, da der Zimmerman in daheim was, uff der Kantzlen verkündet, es seien achthundert Guldin verloren worden, und wer dieselbigen funden hat, dem wil man hundert Guldin schencken, wan er es widerker. Und der Zimmerman ist nit in der Kirchen gewesen zů demselbigen mal, und da man über Tisch saß, da sagt sein Hußfrawe, wie achthundert Guldin verloren weren. ›Ach‹, sprach sie, ›hetten wir den Sack funden, das unß die hundert Guldin würden!‹ Der [79] Man sprach: ›Frau, gang hinuff in unser Kamern! Under dem Banck bei bei dem Tisch, uff dem Absatz von der Mauren, da ligt ein lidern Sack. Den bring herab!‹ Die Frau gieng hinuff und holt in und bracht in dem Man. Der Man thet den Sack uff, da waren die achthundert Guldin darin, wie der Priester verkünt het. Der Zimmerman gieng zů dem Priester und sagt im, wie er verkünt het, ob es also wer, das man einem hundert Guldin schencken wolt. Der Priester sprach Ja. Da sprach der Zimmerman: ›Heissen den Kauffherren kummen! Das Gelt ist da.‹

Da was der Kauffher fro und kam. Nachdem als er das Gelt gezalt, da warff er dem Zimmerman fünff Guldin dar und sprach zů im: ›Die fünff Guldin schenck ich dir. Du hast selber hundert Guldin genumen, und hast dir gelont. Es sein neunhundert Guldin gewesen.‹ Der Zimmerman sprach: ›Mir nit also! Ich hab weder ein Guldin noch hundert genummen, ich bin ein frumer Man.‹ Das Gelt ward hinder das Gericht gelegt, und sie kamen mit einander an das Gericht. Nach manchem Gerichtztag ward ein Tag gesetzt des Ußspruchs.

Da kamen vil fremder Lüt dar, die wolten den Ußspruch hören. Und man fragt den Kauffman, ob er das Recht dörfft darumb thůn und ein Eid schweren, das er neunhundert Guldin verloren het. Der Kauffman sprach Ja. Da sprach das Gericht: ›Heb uff und schwer!‹ Der Kauffman schwůr. Darnach fragt das Gericht den Zimmerman, ob er ein Eid möcht schweren, das er nit me dan achthundert Guldin funden het. Der Zimmerman sprach Ja und schwůr auch ein Eid. Da erkanten die Urteilsprecher, das sie beid recht hetten geschworen, der die neunhundert Guldin verloren het, und der Zimmerman, der nur achthundert Guldin funden het. Und solt der Kauffman einen sůchen, der neunhundert Guldin funden het, es wer nit der Sack, er het nit rechte Wortzeichen gesagt; und der arm Zimmerman solt das Gelt bruchen, biß das einer kem, der achthundert Guldin verloren het.

Das Urteil lobt jederman, und ist auch zů loben. Wan Untrüw schlůg seinen eignen Herren, und ward das Sprichwort war: Wer zů vil wil, dem würt zů wenig.

116. Der ein drin Ochsen erdacht
Von Ernst das 116.

Der ein drin Ochsen erdacht.


Das was auch ein recht Urteil, da ein Tiran einem Tirannen, einem Künig ein nüwe Martir erdacht het, die übelthetigen Menschen [80] zů foltern und zů peinigen. Er het ein küpfferin Ochsen gegossen, der was inwendig hol und het in einer Seiten ein Thür, da solt man den armen Menschen hinynstossen und ein Feüer mit Kolen darunder machen, das er über ein Weil heisch würd. Wan dan der arm Mensch der Hitz empfind, so würd er schreien, so wer es gleich, als wan ein Ochs hült. Aber der Tiran, der Künig, der da hieß Falerius, erschrack von der unmenschlichen Pein. Und den, der den Ochsen erdacht het, der hieß Perillus, als Orosius schreibt, den stieß er zů dem ersten in den Ochsen und bewert den an im, wie es thönet, wie bald er der Hitz gewar möcht werden.

117. Die Seu wolten nit in das Wasser
Von Schimpff das 117.

Die Seu wolten nit in das Wasser.


Kein elender Mensch ist uff Erden neher dem Tüfel und weiter von Got, dan da man mit Falscheit an dem Gericht umbgat, als etwan die Advocaten und Fürsprechen mit den Richtern thůn. Es was ein solcher Fürsprech, ich mein, er wer ein Doctor, des Hauß was an einem Wasser, da man die Süw weschet, wan man sie mesten wil. So gon sie zů dem ersten Mal gar ungern in das Wasser, biß sie sein gewonen. Da kam einer, der bracht wol zehen oder zwölff Sau, die wolten nit in das Wasser. Er treib sie wol ein halb Stund, sie lieffen als nebenuß. Da kam einer, der sprach: ›Gib mir ein Maß Wein! Ich wil dich leren, das sie selbs hinynlauffen!‹ Er gab sie im, da sprach er: ›Sprich also: Ir Schwein, üch můß als Not in das Wasser sein, als den falschen Notarien und Fürsprechen in die Hel ist.‹ (In nomine patris et filii et spiritus sancti, amen.) Diser Sawtreiber sprach also, da fielen die Sau in das Wasser, als wolten sie einander zertrucken, als wolt jegliche die erst sein. Das sahe als der Doctor, der ein Fürsprech was, und ward davon bekert und verließ die Welt und ward ein Barfůsser, ein groser Predicant, und hieß Johannes Parens und ward ein General nechst nach Sant Franciscen, ein heiliger Man.

118. Die Haut ward uff ein Schemel gespant
Von Ernst das 118.

Die Haut ward uff ein Schemel gespant.


Es sollen auch semliche Richter yngedenck sein des Künigs, der ein Richter schinden ließ, der falsch geurteilt het, und ließ die Haut weiß gerwen und spant sie uff den Fůßschemel, da gewonlich der Schultheiß und der Richter uff saß, und satzt sein Sun an dasselbig Ampt uff denselbigen Stůl, das er seins Vatters yngedenck wer, das er recht urteilt.

119. Die Sach hangt noch am Gericht
[81] Von Schimpff das 119.

Die Sach hangt noch am Gericht.


Es schreibt Doctor Felix Hemerlin, wie Eusebius schreibt von einem Redner und Sophista maximo. Der hieß Prothagarus an dem Rechten. Der het ein Discipulum der hieß Euthalus, der het sich zů seinem Meister verdingt für 20 Duckaten, er solt in leren in seiner Kunst, das er auch an dem Rechten künt reden, und wan er ein Urteil gewinn, solt er im die 20 Duckaten verfallen sein. Der Euthalus lert und nam zů in den Künsten; aber er gewan kein Sach. Seine Sachen, da er ret, die gewunnen alwegen Unrecht; er kunt keins gewinnen. Das stůnd ein Jar oder zwei. Der Lermeister nam in mit Recht für und sprach: ›Das Urteil gang für mich oder wider mich, so soltu mir das Gelt geben. Ist das Urteil für mich, so soltu mir das Gelt geben; wan es ist mit Recht erkent. Ist dan das Urteil wider mich und du gewinst es, so bistu mir das Gelt aber schuldig von dem Pack, den wir gemacht haben, wan du ein Urteil gewinst, so soltu mir das Gelt verfallen sein. Nun hastu das Urteil gewunnen, darumb so solt du mir das Gelt geben.‹ Der Discipel Euthalus antwurt seinem Lermeister und sprach: ›Lermeister, leren von mir, der Sententz gang wider mich oder für mich, so bin ich dir nichtz schuldig. Gat das Urteil für mich, das ich dir nichtz schuldig bin, so bin ich mit Recht ledig erkant. Gat aber das Recht wider mich, das du es gewinst, so darff ich dir nichtz geben; wan ich noch kein Sententz gewunnen hab.‹

Also satzten sie die Sach zů dem Rechten. Der Richter mit seinen Umbsitzern sassen ůber die Sach, und da sie also verstrickt was und irrig, sprachen sie zů inen, sie solten heimgon; und wan sie die Urteil fünden, so wolten sie wider nach inen schicken. Also sollen sie noch nach inen schicken, und hanckt die Sach noch in dem Rechten, und sie můß noch lang hangen; sie ist jetz wol drüdausent Jar gehangen.

120. Einer küsset eins Fürsten Dochter
Von Schimpff und Ernst das 120.

Einer küsset eins Fürsten Dochter.


Es bewert Valerius Maximus, das ein Richter auch me geneigt sol sein zů Gütikeit dan zů Hertikeit. Das bewert er durch ein Exempel von Filacarto, der da was ein Fürst zů Athenis, der het gar ein schöne Dochter. Da was ein Gesel, der ward des Fürsten Dochter so hold und gewan sie so lieb, das er kein Růw het, und wan er sie sehen mocht, so was [82] im wol. Es fügt sich uff einmal, das die Dochter mit der Fürstin, irer Müter in die Kirch wolt gon. Da was der jung Gesel auch uff derselbigen Straß ungeferdt, und da mocht er sich nit enthalten und lieff zů ir, und vor aller Welt fiel er ir umb den Hals und küsset sie. Die gůt Dochter fieng an und weint, und die Fürstin, ir Müter, hieß den Gesellen fahen und ließ in in den Thurn füren, und morgens ließ man den Gesellen für den Fürsten bringen.

Der Fürst ward fast zornig und sprach zů im, er het im sein Dochter geschmecht vor aller Welt. Der jung Gesel sprach, er begert der Dochter weder zů Eren noch zů Uneren, er wüßt wol, das er ir nit Genoß wer; er het ein natürliche Liebe zů ir und zů allem irem Geschlecht. Der Fürst wolt in lassen richten von dem Leben zů dem Dot. Da sprach die Fürstin: ›O Her, wolten wir die döten, die unß lieb haben, was wolten dan wir denen thůn, die unß hassen!‹ Der Fürst ließ den jungen Gesellen gon und in Frid hinfaren.

Darumb sol ein Richter me geneiget sein zů Gütikeit dan zů Hertikeit. Darumb wan ein Urteil geteilt ist, als wan der Halbteil ein armen Menschen wil ledig lasen und der ander Halbteil wil in döten, so sol der Richter uff dem Stůl, an dem es stot ußzůsprechen, fallen lassen uff den miltern Teil. Wan es spricht Crisostimus: Es ist besser Got antwurten von zů vil Senfftmůtikeit wegen dan denen, dy zů vil hert sein. (Quia humanitatis dulcedo etiam effrenata barbarorum ingenia et crudeles hostium oculos emollivit. Hec Valerius etc.)

121. Welchem der Ochs heimgieng
Von Schimpff das 121.

Welchem der Ochs heimgieng.


Es waren zwen Bauren, die zanckten mit einander an dem Rechten umb ein Ochsen; und ein jeglicher sprach, er wer sein. Die erbern Lüt erkanten, man solt in über den gewonlichen Brunnen füren zů trincken und im die Augen verhencken, und wan er getruncken het, so solt man im die Augen wider uffthůn und in selber lassen gon, und wem er heimgieng, des solt er sein. Also gieng er dem rechten Herren heim.

122. Der Richter wolt nit unrecht richten
Von Ernst das 122.

Der Richter wolt nit unrecht richten.


Es sol auch in Urteilsprechen einer nieman ansehen. Es het einer ein gůten Gesellen, der ward ein Richter oder ein Schultheiß; da gewan sein Gesel ein Sach vor im zů schaffen und bat in, er wolt [83] uff seiner Seiten sein; er het nit zů dem allerrechtesten. Der Richter sprach: ›Das wöl Got nit, das ich wider Recht jeman thůn.‹ Diser sprach: ›Was sol ich mit deiner Geselschafft thůn, wan ich ir nit geniessen sol!‹ Da antwurt er und sprach: ›Was sol mir dein Geselschafft, wan ich umb deintwillen sol Got den Herren erzürnen und mein Sel verdamen!‹

Diser was zů frum zů einem Menschen, besunder jetzundan, als diser in dem nachgonden Exempel auch was.

123. Der verlor das Roß umb die Warheit
Von Ernst das 123.

Der verlor das Roß umb die Warheit.


Es was ein Edelman, der het etliche Dörffer, und waren zwen Doctores, gelerte Man. Die berůfft er und hůb inen die Frag für und sprach, so ein Edelman eigen Lüt und Dörffer hat, ob nit ire Güter auch sein eigen weren, und sagt, welcher Doctor da zů dem nechsten zů dem Zil schüß in Antwurt geben uff die Frag, dem wolt er ein Pfert schencken; das was etwan 40 Guldin wert. Der erst sprach, nein, ir Gůt wer nit sein. Der ander sprach, ja, es wer sein; warumb nit ir Gůt sein wer, so die Lüt sein weren? Dem gab er das Pfert umb des falschen Urteils wilen. Da sprach der erst mit dem rechten Urteil:


Duia dixi equum, perdidi equum. Wan ich recht gesprochen hon, So hab ich mein Pfert verloren schon.

124. Die Frau salbet dem Richter die Hend
Von Schimpff das 124.

Die Frau salbet dem Richter die Hend.


Uf ein Zeit was ein arme Witwen, die hat lang ein Sach an dem Rechten gehebt hangen; sie kunt nie naher kumen, als man dan etwan ein Sach laßt hangen sechs oder zehen Jar; und wan man Got nit förcht, so solt man sich doch vor der Welt schamen. Wan aber die Sach ire Frünt antrifft, so můß es von stat gon bald, das man ab der Sach kum, oder wan man inen Schencke und Gaben gibt. Diese Witwen saß bei andern Frawen uff der Gasen und ward der Sach zů Red. Da sprach eine under inen: ›Ir solten dem Richter einmal die Hand schmieren oder salben.‹ Die gůt Frau verstůnd es nach dem Bůchstaben und kont nit vil Gloß machen. Und uff einmal da hat sie ein Heflin mit Ancken und kam zů dem Richter. Da ir nun [84] der Richter die Hand bot, da salbt sie im die Hand mit dem Ancken. Da sprach der Richter: ›Frau, was machen ir da?‹ Da sprach die Witwen, wie man sie gelert hat. Da schampt sich der Richter und gab der Sach ein Ußtrag.

125. Der ein schenckt ein Wagen, der ander zwei Pferd
Von Schimpff das 125.

Der ein schenckt ein Wagen, der ander zwei Pferd.


Es was ein Burger, der het ein Sach an dem Rechten hangen und kam zů dem Richter und schanckt im ein nüwen Karren oder Wagen. Sein Widerpart ward es gewar, das sein Widerteil dem Richter geschenckt hat; da schanckt er im zwei Pferd für den Wagen. Da es zů dem Sententz kam, da gieng das Urteil wider den, der dem Richter den Wagen geschenckt hat. Da sprach er: ›O meins Wagens, du gast nit recht.‹ Da sprach der Richter: ›Er kan nit anders gon, dan in die Roß ziehen.‹

Also nemen die Richter und Fürsprechen Gaben und sein Zungenkremer und beriemen sich, sie wöllen Gelt von einem nemen und helffen ein Sach gewinnen, und wöllen darnach Gelt von im widerumb nemen und im die Sach widerumb helffen gewinnen, und in ein jeglichen Brieff wöllen sie ein Loch reden. Das sein die, von denen Isaias (am 5.) ret: ›We euch, die das Gůt böß machen und das Böß gůt.‹ Die thůn nit, als einer uff einmal thet.

126. Der Legat gab im geschencktes Pfert wider
Von Ernst das 126.

Der Legat gab im geschencktes Pfert wider.


Uf einmal ward ein Legat von Rom in Tütschland geschickt, und ein Apt schanckt demselbigen Legaten ein hübsch Pfert. Da nun der Legat widerumb gen Rom kam, da kam der Apt über etliche Zeit auch gen Rom und růfft den Legaten an umb Hilff an dem Rechten. Der Legat gab im das Pfert widerumb und sprach zů dem Apt: ›Ich hab nit gewißt, das du ein Sach zů Rom an dem Rechten hettest zů schaffen.‹

127. Alle Sachen verlor ein Fürsprech
Von Schimpff das 127.

Alle Sachen verlor ein Fürsprech.


Also was auch einmal ein Notarius oder ein Procurator an einem Rechten, der verlor gar selten ein Sach. Darumb het er vil Kunden an im, und wer etwas an dem Rechten zů schaffen het, der [85] lůgt, das er denselbigen Fürsprechen oder Procurator überkam. Und als dan die Fürsprechen ir Sach setzen, das sie nur Lob und Eer davonbringen, das sie doch nit möchten, wan sie Got und die Warheit ansehen. ›Ja‹, sprechen die Procuratores und die Fürsprechen, ›ich bin meiner Parthei das best schuldig.‹ Das ist war, es můß aber mit der Warheit geschehen, dieweil einer meint, das sein Parthei recht hab, mit gůter Gewißne. Wan aber der Procurator oder Fürsprech merckt und verstot, das sein Parthei nit Recht hat, so sol er ir raten, das sie abstant, und sol er auch abston. Aber sie schammen sich mer vor der Welt dan vor Got dem Herren, der dan der gerechtest Richter ist, und fahen dan an zů liegen, das das Ertreich möcht erzitern, und verflůchen den Leib, die Seel und auch das Gůt, und sein auch schuldig, dem Geschedigten seinen Schaden widerzůkeren, wöllen sie anders in das Himmelreich zů Got dem Herrn kummen. Nun ad propositum!

Diser Fürsprech oder Notarius der wolt sein Leben bessern und ward ein Brůder in einem Kloster Sant Benedicterorden, und wan dieselbigen Münch etwas an dem Rechten zů schaffen hetten, so schickt der Apt disen Brůder dar, als er dan der Sach bericht was; wan er es vor gebraucht het und was Procurator an dem Rechten von des Conventz wegen. Und aber er gewan selten ein Sach an dem Rechten. Und der Apt sprach uff ein Zeit mit andern Herren zů dem Brůder: ›Es wundert unß, das ir in der Welt selten ein Sach haben verloren; jetz so gewinnen ir selten ein.‹ Der Brůder sprach: ›Es sol euch nit wunderen; wan in der Welt hab ich gelogen, das Erdreich möcht erzittern; jetzund so lüg ich nit me. Darumb bin ich in den Orden gangen, das ich mich hab wöllen bessern und nit me liegen.‹

128. Das Ferlin trank die Milch aus
Von Schimpff das 128.

Das Ferlin trank die Milch aus.


Es was ein armer Man, ein Bauer, der het ein Sach an dem Rechten und kam zu seinem Fürsprechen und schenckt im ein gůte Brockt, ein gůte Milch. Der ander kam und schanckt im ein Sugferlin, ein Spanferlin, das gůt zů braten was. Das Urteil gieng wider den, der dem Fürsprechen die Milch het geben. Da sprach der Bauer: ›Wa ist mein gůte Milch hinkumen?‹ Da sprach der Notary, der Fürsprech: ›Das Sugferlin hat es ußgetruncken. Das Sugferlin was besser dan die Milch; darumb hat er me Rechtz dan du.‹

Es ist umb die Zungenkremer und Fürsprechen gleich als umb ein Wag. [86] Ein wag hat zwo Schüßlen, uff jeglicher Seiten eine, und hat oben ein Zůnglin, das neigt sich stetz dem schwerern Teil nach. Also der Fürsprech hat zwo Hend, und wan er die zwen Arm ußstreckt und die Zung stotoben in dem Mund als in der Wag, und in welche Hand du allermeist legst da sencket sich die Zung hinnach. Und wan du ein Pfund in die linck Hand legst und legest darnach zwei Pfunt in die recht Hand, so gat die Zung der rechten Hand nach; und wan du darnach drei oder fier Pfunt in die recht Hand legst und legest darnach fünff oder sechs in die lincke Hand, so gat die Zung der lincken Hand nach. Also ist war, was der Prophet sagt: (Isaie 1. Omnes diligunt munera.)

129. Der einen erstach on Sünd
Von Ernst das 129.

Der einen erstach on Sünd.


Man lißt von einem Edelman, der was ein Amptman, ein Richter in der Stat, der niemans übersach, und was nach Gottes Gerechtikeit hiesch, dem gieng er nach. Und uff ein Zeit ward er kranck. Da er also an dem Bet lag, da hort er ein Dochter, ein Junckfrau schreien. Er fragt seinen Diener einen, der da fürgieng, warumb die Dochter also geschruwen het, er wolt es wissen. Der Knecht sprach: ›Euwer Veter, euwers Brůders Sun hat mit ir geschimpfft‹ etc. Der Edelman verstůnt es wol und nam ein Brotmesser und legt es unter das Küssin. Uff einmal erblickt er in, da er für die Kamer anhingieng; er růfft im und hieß in zů im kumen, und er kam zů im. Und er truckt in an sein Brust und stach im das Messer zů dem Rucken hinyn in das Hertz und stach in zů Dot und stieß in von im und hieß in vergraben.

Und sein Siechtagen nam zů, und begert zů beichten und des Sacramentz. Der Priester kam und hort in Beicht. Der Edelman beichtet mit groser Andacht, er gedacht aber des Dotzschlags nit. Der Priester sprach, ob er den Dotschlag, den er gethon het, nit auch beichten wolt. Der Edelman sprach: ›Ich hab es für kein Sünd. Was sol ich daran beichten?‹ Der Priester sprach: ›So wil ich euch das Sacrament nit geben.‹ Der Edelmann sprach: ›Ich hab es nit von Neid gethon; mir ist nie kein Knab lieber gewesen dan der allein; ich hab es in Straffs Weiß gethon.‹ Der Priester wolt im das Sacrament nit geben und trůg es wider hinweg. Und da er zů der Thür kam, da růfft im der Edelman wider und sprach: ›Her, sehen mir in den Mund!‹ Da lag im das Sacrament uff der Zungen, und sprach: ›Den ir mir nit haben wöllen geben, der hat sich mir selber geben.‹

Daryn mag man auch erkennen, wie Got in gerechten Richtern ein Wolgefallen hat und sie lieb hat.

130. Der Fürst ward geladen in das Tal Josaphat und kam auch
[87] Von dem bittern Ernst das 130.

Der Fürst ward geladen in das Tal Josaphat und kam auch.


Also mißfallen Got die falschen Richter, die uß Neid und Haß richten. Es schreibt Felix Hemerlin von einem Fürsten von Ostereich, der hieß Hertzog Růdolpff, der hasset ein Ritter und ließ in fahen, damit das nit vil Gefertz würd, und ließ in in ein Sack stosen, und ertranken in. Da stůnd der Fürst in einem Huß in einem Laden und lůgt zů, wie man in in einen Sack wolt stosen und in über die Bruck abwerffen. Da er mit den Füßen in den Sack stack, da schrei er überlaut: ›Hertzog Růdolpff, ich lad dich in das Thal Josaphat für den erschreckenlichen Stůl Gotz, in einem Jar mir zů sagen, warumb du mich also mit einem langen bittern Dot last döten.‹ Der Hertzog veracht es und sprach: ›Ja far hin! Ich wil kumen.‹ Also ward er über die Bruck abgeworfen.

Da nun das Jar herumbkam und der letzt Tag des Jars was, da was der Hertzog uff ein Schloß geritten, da Lust zů haben, und nach dem Essen stieß in ein kleiner Ritten an, ein klein Feber. Da sprach er: ›Meines Lebens ist nit me, ich můß an das Gericht, das Jar ist herumb.‹

O wie streng ist Gotes Urteil den falschen Richtern. Er was gelingen und gleich dot, dem Ritter Antwort ze geben. Darumb semliche Ladung sein nit zů verachten. Diß kurtz Werck mag auch nit erleiden zů schreiben von den falschen Fürsprechen und Richtern; es würd ein eigen Bůch.

12. Von dem herten Orden der Ee. Von ersamen Frawen

131. Eine warff zwen Häfen zum Fenster uß
Von Schimpff das 131.

Eine warff zwen Häfen zum Fenster uß.


Es kam einer zů einem Philosopho und sprach zů im: ›Her, ich bin ein junger Eeman und bitt euch, ir wöllen mir ein Ler geben, das ich wol Huß halt.‹ Der Philosophus sprach: ›Kumen mit mir heim!‹ Da er heimkam, da bleib er unden an der Stegen ston und růfft sein Eefrawen und sprach: ›Nim den grösten Baumölhaffen und würff in zů dem Fenster hinuß!‹ Die Frau thet es. Da sprach er: ›Nim den andern Haffen und würff in auch zů dem Laden hinuß!‹ Da sprach Socrates zů dem jungen Eeman: [88] ›Jetz gang heim, und wan du dein Frau lerest, das sie dir als gehorsam ist, als mir die meine, so haltestu wol Hauß.‹

Die Man sprechen jetzt iren Frawen Meister, etwan hiessen die Man Meister, und müssen thůn, was die Frawen wöllen. Sie zieren sich, wie es inen geliebt, wie gemein Metzen, mit ußgeschnitnen Röcken biß in den Rucken hinab, mit gelen Schleierlin, mit Hůrenschůhen. Kan ein Man das nit weren? Ja, er wert es wol, wolt er ein Blotterspil in seinem Huß haben und bei seinem Weib an dem Bet ligen, als die Essel vor einer Mülin ligen.

132. In 30 Jaren nie eins gewesen
Von Schimpff das 132.

In 30 Jaren nie eins gewesen.


Es was uff einmal ein Bauer ob einem Tisch bei erbaren Lüten; da warde man zů Red, wie das man Frid und Unfrid in der Ee het. Da sprach der Bauer: ›Ich bin 30 Jar in der Ee gewesen; ußgenumen den ersten Tag so hon ich und mein Frau ein Willen und ein Sin nie gehabt dan uff einmal. Da bran das Huß, und da wolt jegliches das erst sein zů der Haußthür hinauß.‹

Und die Frau het auch freilich iren Man in den 30 Jaren nie das Har gestrelt, so het er sie nie gesegnet, wan er über Felt gieng, noch sie in heissen wilkumen sein, wan er widerkam.

133. Drei Briedersfrauen wurden eins
Von Schimpff das 133.

Drei Briedersfrauen wurden eins.


Es spricht Terentius: (Omnes nurus oderunt socrus). Alle Sunsweiber hassen ires Mans Můter, ire Schwiger. Wa aber zweier Brüder Weiber bei einander sein, da ist nimer Frid. Ich liß, wie drei Brüder hielten Huß mit einander in einem Dorff, und het jeglicher ein Frawen, die waren selten eins. Es fügt sich uff ein Zeit, das vil Feiertag waren kumen; der eldest Brůder sprach zů den Frawen: ›Ich und mein Brüder wöllen gon uff den Acker, und ir Frawen sollen bachen, das wir Brot haben über die Feiertag; und wan der jüngst Brůder zů Morgen gessen hat, so kumet er hernach.‹ Die zwen Brüder giengen mit einander uff den Acker. Die Frawen haderten mit einander; die ein sprach: ›Ich hab zů dem nechsten gebachen, und bach du jetz!‹ Dise sprach: ›Wiltu nit bachen, so laß es underwegen!‹ Und hůreten einander. Der Brůder, der noch daheim was, der ward fast zornig, und nam ein [89] Bengel und schlůg seine Frau zů dem ersten und darnach die andern zwo auch und schlůg sie recht wol und gieng darnach uff den Acker zů den andern Brüdern und sagt es inen und forcht, sie würden zornig, das er ire Weiber geschlagen hat. Da sprach der eltst Brůder: ›Ich wil gon heim, und wan sie dan noch kriegen, so wil ich im auch also thůn.‹ Er thet es und schlůg sie auch und kam wider uff den Acker. Der drit gieng heim und thet im auch also. Also ward jegliche drümal geschlögen, und saß eine hie, das ander dort in einem Winckel und weinten. Eine under den dreien sprach: ›Das unß Botz Hůer schend, was sein wir für Wyber, das keine der andern nichtz wil vorthůn, und müssen es dannocht thůn und darzů geschlagen sein! Und thůn unß die Man eben recht.‹ Und sprach zů inen: ›Verzeich eine der andern, und lassen uns einander helffen bachen!‹ Die ander sprach: ›Du sagest warlich war.‹ Die drit sprach auch also. Und also schlůgen sie ein Fridmal an und bůchen Struben und Kůchlin und assen also mit einander. Und was nur bald gekocht, ee das die Man kamen, und das best Faß stachen sie an und waren gůter Ding mit einander, ee das die Man kamen.

Der ein Brůder sprach zů den andern zweien: ›Lieben Brüder, wir haben unsere Frawen geschlagen; sie werden unß nichtz kochen. Ich riet, wir giengen zeitlich heim, und wan sie unß nichtz gekocht hetten, das wir dan selber kochten.‹ Es gefiel inen allen wol, und giengen mit einander heim und loßten vor dem Hauß, wie sie sich hielten, und funden sie ob dem Tisch sitzen, und lebten wol. Da sprachen die Brüder zů inen: ›Essen ir ein Fridmal mit einander, so wöllen wir äuch eins mit euch essen.‹ Und schlůgen erst recht zů und sutten und brieten junge Hüner, und was sie haben mochten, und assen also die Man und die Frawen mit einander. Und darnach wurden sie nit me uneins, die Frawen und die Man, und was eine wolt, das wolt die ander auch; hulffen also einander und warden wol eins und blieben in gůtem Friden mit den Mannen.

Also auch, wan ein Mensch weiß, das er ein Ding můß thůn, so thüg er es gern und mach uß der Not ein Tugent, als Franciscus Petrarcha spricht: (Si non vis cogi, volens facito.) ›Wiltu nit gezwungen werden zů gon, so gang gern und mit Willen!‹

134. Ein böß Weib tugenthafft zu machen
[90] Von Schimpff das 134.

Ein böß Weib tugenthafft zů machen.


Zů den Zeiten Salomonis, da er das Urteil funden het mit den zweien Metzen und dem lebendigen Kind, als ein Epistel sagt in der Fasten, da gieng sein Lob seiner Weißheit uß durch alle Land; und waren etliche Stund in dem Tag gesetzt, das er jederman Audiens gab und jederman hort. Es waren auch Lüt im Harnisch und Knecht geordnet, wan einer dem Künig sein Sach het entdeckt und der Künig im ein Antwurt gab, als er dan kurtz Antwurt gab; wan dan der den Künig weiter fragen wolt, so waren dan da die Diener und rissen in von dem Künig und wisen in zů der Thür hinuß und liessen ein andern hinyn. Es kam einer, der klagt dem Künig, wie er das allerböst Weib het, wie er es dan erklert. Der Künig sprach: (In verbis, herbis et lapidibus est magna virtus.) ›In Worten, in Krütern und in Steinen ist grose Krafft.‹ Der gůt Man wolt den Künig erst fragen, wie er das verston solt, da waren die Diener da und zugen in, den gůten Man von dem Künig und fůrten in zů der Thür hinuß.

Der Man gedacht den Worten nach und wolt sie alle drü versůchen, und versůcht die Wort zů dem ersten. Da er nun wider heimkam, da kam die Frau aber an mit bösen Worten nach ir Gewonheit. Der Man gab ir die allerbesten süssesten Wort. Und je bessere Wort er ir gab, je böser sie ward, als dan der rechten bösen Weiber Art ist. – Der gůt Man gedacht: ›Du wilt die Krüter auch versůchen,‹ und gieng uff ein Wochenmarckt und kaufft 20 Büschelin Kraut umb 20 Pfennig, Rosenmarin, Salbei, Meieronen, Rauten und dergleichen allerlei Krüter, und het sie an dem Arm und trůg sie mit im heim. Und da er zů dem Hauß yngieng, da fieng die Frau aber mit im an zů hadern und sprach, ob er das Gelt sunst nienen zů bedörfft, dan das er es umb das Narrenwerck het ußgeben. Da erwüst der Man die Frawen und truckt sie in ein Winckel und hůb ir ein Büschelin nach dem andern für die Nassen, und het keins kein Krafft, sie tugenthafft zů machen.

Der gůt Man wolt die Stein auch versůchen. Uff einmal da wüßt er wol, das er aber ein Kappen můst haben; da gieng er und holt seinen Bůsen und Ermlen vol gůter Kißling und trůg sie mit im heim und gieng zů dem Hauß hinyn. Die Fraw hadert aber mit im und sprach: ›Du Bub, du Lecker, was wiltu mit den Steinen thůn?‹ Der Man nam ein gůten Stein und warff in der Frawen uff die Brust. Da fieng die Fraw an zů schreien und sprach: ›Du Mörder, wiltu mich ermörden?‹ Da nam der Man je einen Stein nach dem [91] andern und warff sie damit. Da lieff die Frau zů der Hußthür hinuß, und der Man lieff ir nach und warff sie stetz mit Steinen. Die Frau gedacht: ›Du můst hüt sterben‹, und kart sich umb und fiel uff das Erdtreich nider für den Man und sprach ir Schuld, sie wolt sich bessern und semlichs nit me thůn. Da hort der Man uff werffen. Darnach lebt die Frau mit dem Man in dem Friden. Da sprach der Man: ›In Worten, in Krütern und in Steinen mag wol Krafft sein; aber ich wil dem Künig Zügnis geben, das gröser Krafft ist in den Steinen dan in Krütern noch in Worten.‹

Es sol Frid und Liebe sein in der Ee, sunst ist weder Glück noch Heil da.

135. Wie die Frawen böß wunderlich Man sollen tugenthafftig machen
Von Schimpff das 135.

Wie die Frawen böß wunderlich Man sollen tugenthafftig machen.


Es was ein Frauwe, die het gar ein wunderlichen Man, und sie kam zů einer alten Frawen, die manchem geholffen het, es wer an einem Fich oder an einem verloren Gůt. Die Frau gedacht: ›Sie kan mancherlei; villeicht kan sie dich auch leren, das dein Man tugenthafft würt.‹ Sie kam zů derselben Frawen und klaget ir ire Not, sie solt ir helffen. Die Frau sprach: ›Ich kan es nicht; aber ich kan euch wol weisen, da man es euch lert; es můß euch aber etwas kosten.‹ Da sprach die Frau: ›Ach, das schat nichtz. Wie můß ich im thůn?‹ Die alt Frau sprach: ›Ir müssen an dem Sontag frü, alsbald man das Thor uffthůt, hinuß für die Stat gon in den Hanffacker, da der Baum yn stot, und als weit als ir gewerffen mögen, darvon ston. Und drü Stück Speck müssen ir bei euch haben, und eins můß gröser sein dan das ander. Das erst můß ein Pfunt haben, das ander drü Pfunt, das drit fünff Pfunt. Und müsen dreimal werffen und zů jeglichem Mal sprechen: O Alrun, ich rüff dich an, das du meinen Man tugenthaft machst. Und so gibt die Göttin dir kein Antwurt biß zů dem dritten Mal.‹

Nun die gůt Frau wolt thůn, als man sie geheissen het. Da gieng das alt Weib vor ußhin und satzt sich hinder den Baum, da sie die Frau hin bescheiden het. Die gůt Frau kam und thet also, wie sie die alt Frau geheisen het. Und da sie zů dem dritten sprach: ›O Alrun, ich rüff dich an, das du meinen Man tugenthafft machst,‹ da sprach die alt Frau hinder dem Baum: ›Gang heim und biß deinem Man gehorsam, und war du gast, so kum bald wider! So würt er tugenthafft.‹ Also het sie den Speck und was Alrun gewesen.

Ich mein, wan ein Frau die Ding thet, so würd der Man tugenthafft, er wer dan gantz ein Haderer und ein Bůb gegen ir. Wan ein Man sei, wie [92] tugenthafft er wöl und fridsam, wan sie die drü Ding nit thůt, so můß er Grollen gegen seiner Frawen tragen. Das erst sprach Alrun: ›Biß deinem Man gehorsam‹, verstandt in eelichen Wercken, das die Frau dem Man und der Man der Frawen schuldig sein zů thůn, und nit als etliche Frawen thůn, und nit als Sanctus Vincentius von einer schreibt, Predigerordens.

136. All Nacht het ein Frau Entschuldigung
Von Schimpff das 136.

All Nacht het ein Frau Entschuldigung.


Es was ein Frawe ein Götlerin; wan der Man sein eelich Werck begert, so het sie alwegen Entschuldigung. An dem Samstag zů Nacht was es nit recht, an dem Sontag was der heiligen Dreiheit Tag, an dem Montag was aller Selen Tag, an dem Zinstag aller Engel Tag, an dem Mitwoch ward Cristus verkaufft, an dem Durnstag hat der Her Blůt geschwitzt, an dem Freitag was der Her gestorben etc. Der Man gedacht: ›Wie thetestu?‹ und bestalt ein Metzen und legt sie zů im an das Bet, als zwo Betstat in der Kamern waren. Die Frau kam und wolt fast zürnen und die Metzen schlagen. Der Man sprach: ›Frau, ir sein ein heilig Frau; wir sein arm Sünder. Darumb gon ir von unß!‹ Darnach wolt die Frau kein heiligen Tag me machen.

Weiter davon zů sagen gehört in die Beicht, desgleichen das ander: wahin sie gat, so sol sie bald widerkumen. Wan ein Frau sol ein Zuber mit Wasser holen, so ist sie zwo Stunden uß; was sol ein Man gedencken! Das drit, sprach Alrun, schweigen. Wan ein Man etwan zornig ist, schwige die Frau, so wer er bald zůfriden. Aber für ein Wort 20 Wort geben und alwegen wil das letst haben, das macht vil Zanckens. Ja, sprechen sie, ein Frau hat kein ander Schwert dan die Zung. So sol man sie uff die Scheid schlagen, uff den Trüssel, das sie das Schwert darin laßt. Mancher Man mag seiner Frawen Zungen nit erleiden, darumb etlich mit irer Frawen Zungen geschimpfft haben in dem rechten Ernst.

137. Frawenzungen weren gesund zu essen als Schwantzstück
Von Schimpff das 137.

Frawenzungen weren gesund zů essen als Schwantzstück.


Es was ein Burger kranck, dem verbot der Artzet schweinin Fleisch, Milch, Fisch, Ops etc. Da sprach der Burger: ›Ich möcht es als wol meiden on die Fisch; ich bin ein Fischman!‹ Der Doctor sprach: ›Von dem Schwantzstück erlaub ich euch zů essen; wan es ist gesunt, es [93] bewegt sich stetz in dem Wasser.‹ Der Burger sprach: ›So solt wol meiner Frawen Zungen gůt zů essen sein; wan sie sich stetz bewegt, sie gat Tag und Nacht.‹ Und folgt dem Doctor nit.

138. Die Frawenzung was das Schwerst
Von Schimpff das 138.

Die Frawenzung was das Schwerst.


Es was einer uf einmal mit seiner Frawen in einem Schiff. Das Schiff was überladen, das jederman über das Schiff ußwerffen můst, was er het, das das schwerest was, Stück für Stück. Da es an in kam, da sprach er: ›Das Schwerest, das ich hab, das ist meiner Frawen Zung; die mag ich noch alle meine Nachburen nit ertragen.‹

139. Einer schreib seiner Frawen etwas an einen Zedel
Von Schimpff das 139.

Einer schreib seiner Frawen etwas an einen Zedel.


Uf einmal was einer, der het ein frume Frau, die dem Man vorgieng als ein Schalen an dem Ey und het gern recht gethon, damit sie in gůtem Friden wer gewesen mit irem Man; aber er was also ein letzer Meyer, das er nichtz für gůt wolt haben. Sie sprach: ›Lieber Hußwirt, schreib mir uff ein Brieff, was ich sol thůn, das ich dir recht thů!‹ Der Man sprach: ›Ich wil es thůn,‹ als er auch thet. Es fügt sich, das sie mit einander uff ein Kirchwei giengen in ein Dorff zů iren Fründen und waren gůter Ding. Der Mann lůd me Weins, dan er getragen mocht, und ward truncken. Und da sie nun heim wolten gon, da müsten sie über ein Steg gon, über ein Bächlin. Der gůt Man fiel über den Steg ab, da schrei er: ›Haußfrau, kum mir zů Hilff!‹ Die Frau sprach: ›Ich wil vor heimgon und wil lůgen, ob es auch in meinem Brieff stand, ob ich dir helffen sol.‹ Also da im das Wasser in das Maul gieng, da kroch er selber heruß. Und da er heimkam, da zerreiß er seiner Frawen den Brieff und sprach: ›Thů selber, was du meinst, das recht sei!‹ Und lebten darnach wol mit einander.

Such me von der Moralisatz von den Hunden da hinden, (c. 429) da kumpt es.

140. Einer sach einen für zwen an
[94] Von Schimpff das 140.

Einer sach einen für zwen an.


Also was auch ein anderer Man dem schier gleich, der auch mit seinem Schaden witzig ward und zů Friden kam mit seiner Hußfrawen. Es was ein Man, wan er truncken ward und heimkam, und was er in dem Huß sahe, so ducht in, es wer zweiffaltig. Uff einmal kam er und was vol Weins, da saß sein Frau und span und het ein Licht uffgezünt. Da sprach der Man: ›Hastu nit gnůg mit einem Liecht, můst du zwei Liechter uffstecken?‹ Die Frau sprach: ›Ich hab doch nit me dan ein Liecht. Wiltu mich blint machen?‹ Uff ein andermal kam er aber, und lieff ir Kneblin, das sie hetten, in der Stuben. Der Man sprach: ›Wem ist das ander Kind, das da laufft?‹ Die Fraw sprach: ›Es ist mit me dan unser Kind da.‹

Es begab sich uff ein Sontag, das er zů Abent gezert het, und kam heim, da man zů Nacht essen wolt, und gieng in die Küchin, da stůnd der Haffen mit Fleisch bei dem Feüer, und sprach: ›Wir wöllen wolleben. Was hastu in dem andern Haffen? Ich sihe wol zwen Heffen da ston?‹ Da sprach die Frau: ›Ich hab ein gůt verdempft Hůn. Wolan ich wil einen Haffen nemen, und nim du den andern!‹ Die Frau greiff nach dem rechten Haffen, und der Man greiff nach dem andern und fiel mit den Henden in das Feüer und verbrent die Hend fast übel. Darnach wolt er nit me zwei Ding für eins ansehen und het Frid mit seiner Frawen.

141. Die Römerin glorigiert in iren Kindern und nit in Gezierden
Von Ernst das 141.

Die Römerin glorigiert in iren Kindern und nit in Gezierden.


Es was ein Frau zů Rom, die hieß Cornelia, die was ein Dochter des grosen Affricani. Zů deren kam uff einmal ein andere grose Frau und bleib über Nacht bei ir. Da sie also bei ir saß, da het sie hübsche Ring an den Fingern. Die Cornelia besach die Ring und lobt sie. Die ander Frau wolt noch me gelobt sein und thet iren Seckel uff und warff hübsch Kleinet, Ring mit kostlichen Steinen heruß und andere guldinen Spangen nach dem heidischen Sitten. Da sie es als gezögt het, da wolt sie Corneliam damit reitzen, das sie ire Kleinet auch solt zögen. Da verzoch sie ir Red, biß ire Sün und Döchter uß der Schůl kamen. Und da sie kamen, da stalt sie sie für sich in einer Ordnung, und waren ir etwan 10 oder 12, und was je eins lenger und elter dan das ander, und waren zů der Zeit klein, es sein aber grose Lüt daruß worden, und sprach zů ir: ›Das sein meine Kleinetter, die mir mein Man geben hat.‹ [95] Also sollen die Mütern in iren Kinden Er sůchen, sie auch leren Sit und Zucht, das sie erhaben werden; aber sie glorieren in Ringen, Paternoster, Agnusdei. Es müst ein Frau wol fünfftzig Elen Důchs haben zů einem Mantel, ee sie das korallen Paternoster verdeckt; es můß ewiglich herfürhangen, man můß es sehen. Und haben Agnusdei daran hangen, darin sein kleine Spieglin, da lůgen sie in, wan sie betten, das sie sehen, das sie das Maul nit zů weit uffthüen, und lachen etwan darvor und lůgen, wie es inen anstand. Und haben Büchlin, daruß sie betten, die hat man inen geschriben und gedencken etwan me an den Schreiber dan an Got. Und die geistlichen Vetter sůchen etwan den Beginen, den Nunnen und den jungen Witwen die Rosenkrentz an den Armen oder in dem Bůsen. Uß an Galgen Spiegel!

142. Das böß Weib ruckt hinder sich
Von Schimpff das 142.

Das böß Weib ruckt hinder sich.


Es was gar ein irrig Weib, und was ir Man sie hieß, so thet sie das Widerspil. Er gedacht ein Sinn, das er ir abkem. Und in einem Garten het er ein Mal zůgericht und Gest geladen, und lieff ein groß Wasser an dem Garten anhin. Da het er den Tisch nit fast weit von demselben Wasser bereit und den Stůl, daruff sie sitzen solt, also gestelt, das sie dem Wasser den Rucken kert. Da man nun in dem besten Essen was, da sprach der Man zů der Frawen: ›Haußfrau, ruck baß zů dem Tisch!‹ Sie sprach: ›Ja ich,‹ und ruckt hinder sich mit dem Sessel. Je me der Man sprach: ›Ruck herzü,‹ je me die Frau hinder sich ruckt, bis das sie in das Wasser fiel und ertranck. Die Lüt kamen mit Rechen und Hacken und sůchten sie das Wasser ab. Der Man kam auch dar und sprach: ›Was sůchen ir sie das Wasser ab? Sůchen sie das Wasser uff! In irem Leben ist sie irrig und widersinnig gewesen; so ist sie freilich nach irem Dot auch irrig. So ander Lüt das Wasser abfliessen, so flüßt sie das Wasser hinuff.‹

Also sein etlich Frawen, die verkert Adelheit, denen niemans recht kan thůn, weder das Gesind noch der Man. In dem Winter kumt es etwan, das seine gůten Gesellen, seine Zünfftbrüder bei einander sein. So spricht der Man: ›Haußfrau, ich solt hinnacht bei den Gesellen sein; sie haben mich geladen.‹ So spricht dan die Frau: ›Gang nur anhin! Ich weiß doch wol, das du nit gern bei mir bist.‹ So spricht dan der Man: ›So wil ich doch wol daheim bleiben.‹ Und wan man dan ob dem Tisch sitzt und isset und der Man nit gleich gůter Ding ist, wie sie meint, so spricht sie: ›Es wer eben als gůt, du [96] werst uff der Stuben; du gedenckst doch stetz daran.‹ Begibt es sich dan, das er den gantzen Tag gewerckt hat und wil mit den Gesellen ein Schlafftrunck thůn und gat etwan heimlich hinweg und thůt die Thür hübschlich uff und zů, so spricht dan die Frau: ›Loß, unser Man gat diebisch hinweg; er wil aber an den Galgen.‹ Gat er dan offenlich hinweg und schlecht die Thür dapffer zů, das die Fenster klinglen, so spricht sie: ›Loß, wie schlecht er die Thür zů! Er hat aber Grollen in dem Kopff stecken.‹ Und wie er thůt, so ist es nit recht.

143. Die Nachburin verbrant ir die Hend
Von Schimpff das 143.

Die Nachburin verbrant ir die Hend.


Es waren zwen Nachburen in einem Dorff, und deren zwei Weiber waren einander feint, und was sie einander zů Leid kunten thůn, das thetten sie. Es waren zwo frume Frawen, aber böß und zankecht. Sie heten ire Gärten hinder den Hüsern, und was Wůsts die eine macht in irem Huß, als wan man das Huß fegt, den warff sie der andern in iren Garten. So kam dan die ander Frau und warf es mit den Henden wider in iren Garten. Das triben sie ein lange Zeit. Die ein Frau gedacht, wie sie der andern Frawen ein Boßheit thet. Uff ein Zeit het sie kleine Steinlin heiß gemacht und thet sie in ein Zuber mit heisser Eschen. Und da die ander Frau in irem Garten was, da kam dy Frau mit den heissen Steinen und schüt sie ir über den Zaun in iren Garten. Da die Frau das hort, da lieff sie bald herzů mit den blossen Henden, wie sie vor offt het gethon. Da verbrent sie ire Hend in der heissen Eschen und an den heissen Steinen. Da spüwet sie an die Finger und bließ daran und sprach: ›Pfuch, pfuch‹, als eins thůt, wan es sich brent. Darnach schütteten sie einander nichtz me in die Gärten.

Es spricht Franciscus Petrarcha, das aller Neid nur zwüschen den Nachburen ist, und die weit von einander sein, die neiden einander nit. Das sichstu wol in den Künigen. Der Künig von Franckreich hasset nit ein Künig in Siria, er thůt im kein Schaden; aber einer, der neben im ist, als der von Hispania, von Engelant, und die seine Nachburen sein, die hasset er, und verdrüßt in, das er nit der allermöchtigst Fürst ist. Die Fürsten füren einander under den Armen und sein einander spinnenfeint, einer mag des andern Reichtumb nit erleiden. Darumb Fürstenblůt geb böß Würst, es wil nit bei einander bleiben. Deßgleichen ist einer in einem Rat, den man zů dem Künig oder Keiser schickt oder sunst zů Tagen, und einer uffwüscht, der geschickter ist dan er, und man laset in růwen, so neid er denselben. Er ist nahe bei im; [97] wer er in einer andern Stat, so neidet er in nit. Also in unß Geistlichen ist es auch also. Wer ein gůter Predicant 40 Meilen von mir, so haßt ich in nit; wan aber einer neben mir stünd in einer Stat, der mir für das Liecht stünd und mir Schaden thet an meinen Eren, dem wer ich neidig.

Also auch under den Frawen, wan ein hübsche Frau ist in einer Gassen, die man gern sicht, als es ein lüstig Ding ist zů sehen eine hübsche Frau und ein hübschen Offen in einer Stuben. Darumb, wa ein heschlich Frau in einem Huß ist, da sol ein hübscher Offen in sein. Und wan frembde Lüt in das Huß kumen und sehen das ungeschaffen Weib, und so kert man sich gleich umb zů dem Offen und spricht: ›Das ist bei meinem Eid ein hübscher Offen.‹ Und ist ein hübsche Frau zů Köln und ein hübsche zů Straßburg, so neiden sie einander nit; wan sie aber neben ir ist und man sie lobt über sie, so ist sie ir feint. Darumb sol man mit den Nachbauren Frid haben, im selber Gewalt anthůn und inen übersehen, die im Leitz thůn.


Wer da wöl wissen, wer er sei, Der erzürn seiner Nachburen zwen oder drei.

144. Einer het gern gewißt, wie sich sein Frau wolt halten nach seim Dot
Von Schimpff das 144.

Einer het gern gewißt, wie sich sein Frau wolt halten nach seim Dot.


Es was uff einmal ein Frau, die sich fast fründtlich erzögt gegen irem Man, wie lieb sie in het, und sagt es im allemal und wolt gern vor im sterben, wan er sterben solt, sie möcht dach seinen Dot nit erleiden. Der Man gedacht: ›Nun woltest du doch gern wissen, wan du dot werest, wie sie sich doch stellen wolt.‹ Und uff einmal het sie ein grose Wesch allein ußgeweschen und verzohe sich, biß das es zehene schlůg, und het noch nichtz gessen. Und da er sie sahe kumen, da legt er sich in die Stuben an den Rücken und streckt die Hend von im, als ob er dot wer, und hielt den Athem an sich. Da die Frau kam, da erschrack sie und ret mit im; aber er wolt ir kein Antwurt geben. Sie leget im die Hend uff das Hertz; aber sie fielen wider herab, als ob sie geragt weren. Sie meint, er wer gelingen gestorben. Die Frawe gedacht in ir selber: ›Wie wiltu im thůn? Soltu ein Geschrei machen, so bist du noch naß und hast noch nit zů Morgen gessen. Du wilt dich vor trucken anlegen und zů Morgen essen.‹ Die Frau legt sich trucken an und bůch ir ein Pfan mit Eyer, die aß sie uß; und ein Stück gesaltzen Fleisch was an dem Abent über bliben, das aß sie auch. Und da die Frau nun gessen het, da geriet sie auch zů dürsten und nimpt ein halbmesig Kentlin und lieff mit in den Keller [98] und holt zů trincken. Und ee es vol was, da klopfft man ungestimlich an der Hußthür, das sie nit Zeit het zů trincken, und lieff schnel uß dem Keller und stalt das Kentlin mit dem Wein uff dy Steg und thet die Thür uff. Da was ir Nachbürin da und sprach: ›Was bedüt es, das ir das Huß also beschliessen? Ich forcht, euch brest etwas.‹ Da fieng die Frau an zů weinen und sprach, ir Meister wer gelingen gestorben. Andere Nachbauren lieffen auch herzů, und warden ir wol 20 und stůnden also al umb den doten Man, und redt jederman sein Pfenigwert darzů. Die gůt Frau sprach: ›O lieber Man, wie ist es mir so übel gangen, was sol ich nun anfahen!‹ Und wand ire Hend. Der Man gedacht: ›Des Schimpffs ist gnůg,‹ und richt sich uff und sprach: ›Frau, du hast zů Morgen gessen, so ist dir nichtz nöters dan zů trincken. Du hast on das das halbmesig Kentlin uff der Kellerstegen lassen ston.‹ Also was der aller Leid, die umb in stůnden, in Fröd verwandlet, und was der Man gewar worden, wie sich die Frau gehalten het.

Also sein deren mer, die gern wolten wissen, was ire Frawen an wolten fahen nach irem Dot. Spricht Franciscus Petrarcha: Sie würt rüwig sein und küsch bleiben, oder würt ein anderen Man nemen; den laß darnach sorgen, was sie thůn werd! Wan sie dir trüw ist, dieweil sie lebt, so hat sie das Ampt einer frumen Frawen erfült. Meinstu, das sie deiner kalten Eschen, (gelido cineri) als Vergilius spricht, solt trüw bleiben? Es sein vil Erenfrawen, die ander Man nemen in irem Gemüt, dieweil ire Man noch leben. Ja, gedencken sie, stürben ire Man, wa woltestu ein hübschern, tugenthafftern, reichern Man überkumen dan den? Und schat inen an iren Eren nichtz; wan man spricht: Gedencken ist zolfry. Es kan kein Man seiner Frauen gedencken weren, wiewol es einer thet.

145. Einer verbot seiner Frawen Dencken
Von Schimpff das 145.

Einer verbot seiner Frawen Dencken.


Wir lesen von einem Man, der verbot seiner Frawen, das sie nichtz solt gedencken. Es fügt sich uff ein Zeit, das sie in seinem Abwesen ein Hůn briet, das aß sie allein, und mit Forteil ließ sie die Hünerbeinlin uff dem Tisch ligen. Da der Man kam, da sahe er sie an und sprach: ›Frau, du möchtest mir doch etwas von dem Hůn behalten haben.‹ Die Frau sprach: ›Du hast mir doch dencken verbotten; darumb so dorfft ich nit an dich gedencken.‹ Also ließ er das Verbot ab.

Es sein vil Man, die gern wolten wissen, was ire Weiber würden thůn nach irem Dot, und sie wissen nit, was sie thůn, dieweil sie noch leben und bei [99] inen in dem Huß sein. Sie erzögen einander grose Liebe, dieweil sie noch bei einander sein, und ist aber bald uß nach irem Dot. Ee eins recht kalt würd, so haben sie ein andern Man oder ein andere Frawen.

146. Ein Geist vexiert den Man zu nacht, der Vatter bei Tag
Von Ernst das 146.

Ein Geist vexiert den Man zů Nacht, der Vatter bei Tag.


Es was ein Ritter, der erzögt seiner Hußfrawen grose Liebe mit Worten und mit Wercken. Es fügt sich, das die Frau starb. Und bald darnach nam der Ritter ein ander Frawen, und die erst Nacht, da er bei ir lag, da hort er etwas gon, das zoch im die Decke ab. Der Ritter erschrack fast übel und segnet sich und sprach: ›Was bistu?‹ Der Geist sprach: ›Ich bin dein forige Frau, und bin kumen, dich zů straffen, das du meiner Liebe so bald vergessen hast und ein andere genummen. Mein Vatter, der noch lebt, der můß dich durchechten und mit dir kriegen; so wil ich dich zů Nacht betrieben und vexieren, das dir die nüwe Frau nit sol zů lieb werden.‹ Das geschach.

Also thůt unß Got der Her auch; er wil allein von unß liebgehebt sein. Wan wir nun nüwe Liebe sůchen in der Bůlschafft oder in andern Dingen, so verbittert er es unß, das wir Tag und Nacht kein Růw haben, mit Pestilentzen, Thüre, Armůt, und zů Nacht traumpt unß Widerwertigs.

147. Einer nant sein Frawen sein Fröd
Von Ernst das 147.

Einer nant sein Frawen sein Fröd.


Es was ein Man, der het sein Frawen fast lieb und also lieb, das er sie sein Fröd nant. Wan er uß dem Rat kam, oder wa er her kam, so sprach er nit anders dan: ›Wo ist mein Fröd?‹ Es fügt sich uff ein Zeit, da der Man hinwegfür ein Zeit lang, die Frau gewan ein andern Man auch lieb. Des Mans Gesellen schriben im, wie sein Frau Huß hielt; wan man merckt einem ein Ding gar bald ab. Es ist ein Sprichwort: Es bleibt kein Bůlschafft über ein Fierteil Jar verschwigen; eintweders die Kellerin oder die Junckfrau můß es wissen. Es ist umb ein Mantel zů thůn; wan du ir schon den Mantel gibst, so schweigt sie dannocht nit, dan so sie allein ist.

Da nun der Man widerkam, da lieff im die Frau entgegen mit uffgethonen Armen und hieß in wilkumen sein und wolt in umbfahen und halsen etc. Der Man wolt nit umbfangen sein und stieß sie mit der Faust von im und thet frömd ab ir und sprach: ›Frau, wer sein ir?‹ Die Frau sprach: ›Kennen ir [100] mich nit?‹ Der Man sprach: ›Nein.‹ Die Frau sprach: ›Ich bin euwer Fröd.‹ Der Man sprach: ›Dieweil ir mein Fröd waren, da kant ich euch wol; aber so ir eins andern Fröd sein worden, so ken ich euch nit me.‹

Diß Exempel gibt ein Erklerung der Wort des heiligen Evangeliums (Matth. 25) von Junckfrau Nescio, was Ich ken euwer nit. Got kent ein Menschen wol, spricht Nicolaus de Lira, in zwen Weg. (Est noticia cognitionis et approbationis.) Got kent ein Menschen künstlich, günstlich; er erkent alle Menschen künstlich nach Kunst, wer wir sein, wie wir sein, aber nit günstlich, das er im in angenem laß sein; sein Thůn und sein Lassen ist approbationis. Also diser Kauffman kant sein Frawen wol künstlich, aber nit günstlich; er het kein Wolgefallen an irem Empfahen.

148. Der Man wolt vor der Frawen sterben
Von Ernst das 148.

Der Man wolt vor der Frawen sterben.


Franciscus Petrarcha schreibt von einem, der gieng uff einmal spacieren in seinen Garten, daryn het er ein Brunnen, der wallet uff. Da saß er und sein Hußfrau und andere also by dem Brunnen und wolten zeren. Da kam dem Man an jegliche Hand ein Schlang, an die Hand ein Menlin, und an die ander Hand ein Weiblin, und bliben im daran hangen. Da erschrack der Man übel. Und da was ein Warsager auch in demselben Garten, den bat der Man, er solt im sagen, was die zwo Schlangen bedüten; wan sie vil uff semliche Ding hielten. Da sprach der Warsager: ›Es bedüt so vil: schlechstu das Weiblin zů dem ersten zů Dot, so würt dein Frau vor dir sterben; schlechstu das Menlin vor zů Dot, so würstu vor deiner Frawen sterben.‹ Der gůt Man het sein Frau also lieb, das er vor ir sterben wolt, und schlůg das Menlin zů Dot und sprach: ›Ich bin alt, ich stürb on das hüt oder morgen; so ist mein Frau noch junck; sie mag noch wol mer Kinder machen, davon noch vil Gůtz dem gemeinen Nutz geschehen mag.‹ Also starb er, ee acht Tag verschinen.

Sant Paulus (Eph. 5) spricht: ›Ir Man haben lieb euwere Frawen, als Cristus die heilig Kirch lieb hat gehabt, für die er gestorben!‹

149. Einer liebet sein Frawen nie und ward enthauptet
Von Ernst das 149.

Einer liebet sein Frawen nie und ward enthauptet.


In Engellant warde einer in der Reiß gefangen, und da man im den Kopff ab wolt schlagen, da sprach er: ›Ich hab den Dot nienen mit verschuld, dan das ich mein Frau nie lieb hab gehabt.‹

13. Von den Zauberern

150. Der Hafen sod, die Tesch lieff heim
Von Schimpff das 150.

Der Hafen sod, die Tesch lieff heim.


Es fůren uff einmal vil Kauflüt mit einander. Und des einen Kauffmans Frau het einem alten Weib ein Guldin geben, sie solt sie leren, das ir Man ir auch nach müst gon, und sprach, sie het gehört, wie man es den Mannen an künt thůn, das sie den Frawen nach müsten laufen. Das alt Weib lert sie es. Uff einmal satzt die gůt Frau an den Man, er solt ir Har von den Augbragen geben, und da sie in lang het darumb gebetten, da sprach der Man: ›Ja, biß Samstag gang ich on das zů dem Scherer, so wil ich es empfahen, und wil es dir bringen.‹ Nun trůg man zů derselbigen Zeit langgeharte Teschen, als die Köcher sein; da schneid er das Har ab und thet es in ein Papeierlin und bracht es der Frawen.

Die Kauflüt ritten hinweg, und da sie zů Nacht an die Herberg kamen, da henckt er die Tesch an die Wand und saß über Tisch. Die Frau macht ir Gefert daheim mit dem Har; die Tesch fieng an der Wand an zů dantzen, die andern Kaufleut sprachen: ›Sihe, wie thůt dein Desch!‹ Über ein Weil thet sie noch vil letzer, und zů dem dritten sprang sie von der Wand. Der Kauffman sprach: ›Thůn die Thür uff! Sie wil villeicht widerumb heim.‹ Die Tesch walet sich umb eins über das ander, biß sie widerumb heimkam, und da sie zů der Haußthür kam, da rumplet sie an der Thür. Und da es die Frau hort, da lieff sie bald zů der Thür und meint, ir Man wer da, so war es sein Desche. Da sahe sie wol, das sie betrogen was.

Und da es nun Tag ward, da reit der Kauffman widerumb heim und schlůg die arm Frau fast übel, das sie wol gewar ward, das ir Man widerumb kummen was.

151. Das Weib segnet sich vor dem Pfaffen
Von Schimpff das 151.

Das Weib segnet sich vor dem Pfaffen.


Es gienge uff einmal ein alt Weib an einem Morgen frü zů der Kirchen. Da begegnet ir ein Priester; da macht sie wol sechs oder acht Crütz für sich. Der Priester sprach zů dem Weib: ›Warumb segnen ir euch also vor mir? Ich bin doch nit der Tüffel.‹ Die Frau sprach: ›Es hat mir nie gefelt, wan mir ein Priester bekam an eim Morgen frü, das mir nit [102] denselben Tag etwas Widerwertigs zů Handen ist gangen.‹ Der Priester sprach: ›Es můß euch hüt auch nit felen‹, und nam sie bei dem Kopff und warf sie in das Kat und trat sie mit den Füssen und sprach: ›Hab dir das, biß dir me würt, und dir geschehe nach deinem Glauben!‹

152. Der Wolff fraß ein Pferd
Von Schimpff das 152.

Der Wolff fraß ein Pferd.


Es für uf einmal ein Bauer in das Holtz mit einem Karren, und saß der Knecht uff dem Pferd, und saß der Meister hinder dem Pferd uff den Baumen. Der Knecht sprach: ›Meister, sehen, da laufft unß ein Haß über den Weg!‹ Der Meister sahe in auch und sprach: ›Ker wider heim! Es ist gar unglücklich, wan ein Haß über den Weg laufft. Wir wöllen hüt etwas anders thůn.‹

Der Knecht fůr widerumb heim, und morgens fůren sie widerumb hinuß, und da sie schier zů dem Wald kamen, da sprach der Knecht: ›Meister, es ist ein Wolff fůr uns gelauffen.‹ Der Meister sprach, er het in wol gesehen, es wer ytel Glück, und fůren in den Wald und spanten das Pferd uff die Weid, und giengen sie in den Wald und machten Holtz. Und da sie das Holtz gemachten, da gieng der Knecht und wolt das Pferd und den Karren holen, das sie lüden und heimfüren. Da sahe der Knecht, wie der Wolff das Pferd het gefelt und fraß es. Der Knecht růfft den Meister und sprach: ›Meister, das Glück steckt in dem Pferd.‹ Der Meister sprach zů dem Knecht: ›Was sagestu?‹ Der Knecht sprach zů dem Meister: ›Das Glück steckt in dem Pferd.‹ Der Meister verstünd es nit, und da er darzů kam, da sah er, das der Wolff in dem Pferd stack und fraß es.

Dem geschahe auch nach seinem bösen Glauben, der Haß het im das Pferd nit fressen.

153. Ein Brief an Hals hencken für Augenwe
Von Schimpff das 153.

Ein Brief an Hals hencken für Augenwe.


Uf einmal kam ein erfarner Schůler, als etwan mit den Fischgernlinen gangen seind, ein Lütbescheisser in ein Huß, da was ein Frau in, deren thetten die Augen we. Er sprach zů derselben Frawen, wolt sie im ein Guldin geben, so wolt er ir ein Brieflin an den Hals hencken, das ir kein Aug me we thet, so lang und sie an dem Hals trüg, sie [103] solt es auch niemans zögen. Die Frau was fro und gab im den Guldin. Der Schůler gab ir das Brieflin yngenegt und hieng es ir an den Hals.

Die Frau trůg es wol drü oder fier Jar an dem Halß. Und da sie uff einmal beichtet, da fragt sie der Priester, ob sie kein Abergloben het. Sie sprach, ir wer ein Brieflin geben, wie sie so heilige Namen an dem Hals trůg für das Augenwe. Der Priester wolt sie nit ußrichten, sie ließ in dan den Brieff lesen. Als er es laß, da lacht er. Da sprach die Frau, wes er lacht. Der Priester laß es, das sie es auch verstůnd. Da stůnd es also: ›Der Hencker stech dir die Augen uß, und der Tüffel scheiß dir in die Lücken!‹ Die Frau wolt es nit glauben, das also in dem Brieflin geschriben stünd, und nam es und trůg es zů dreien oder zů fieren. Da můst es die Frau wol glauben, und da zerreiß sie das Brieflin, da fiengen ir die Augen widerumb an we zů thůn.

Der Tüffel kan wol Siechtagen machen uffhören ein Zeit lang. Liß Doctor Keiserspergs Omeiß, daryn findestu Bericht.

14. Von dem Glauben

154. Ein Jud mußt Gott in einer Mistlachen suchen
Von Ernst das 154.

Ein Jud mußt Gott in einer Mistlachen sůchen.


Uf einmal kam ein Cristen und ein Jud zůsamen. Wie sich die Red begab, das der Jud sprach: ›Ich möcht wol vil glauben, das ir Cristen in euwerm Glauben haben, ußgenumen, das ir glauben, das Got der Her in Maria sei gewesen, das kan ich nit glauben.‹ Da sprach der Crist: ›Warumb? Es ist leicht zů glauben. Glaubestu nit, das Got an allen Orten ist?‹ Der Jud sprach: ›Ja, ich glaub es.‹ Der Cristen sprach: ›Ist Got in dem Stein?‹ Der Jud sprach: ›Ja.‹ Der Cristen sprach: ›Ist Got in der Katlachen?‹ Da sprach der Jud: ›Ja.‹ Der sprach der Cristen: ›Verflucht seiestu! Glaubestu, das Got in der Katlachen sei und nit in der reinen Junckfrawen Maria?‹ Und nam in bei dem Hals und warff in in die Katlachen und sprach: ›Gang und süch Got in der Katlachen!‹

155. Der Bauer teuft ein Kind, und der Sun bracht ein Kalb
Von Schimpff das 155.

Der Bauer teuft ein Kind, und der Sun bracht ein Kalb.


Uf einmal was einem Buren ein Kind worden, das můst man notteiffen, das teifft er selber. Wan wen ein Man da ist, so sol es kein Frau teiffen, wan ein Geweichter da ist oder ein Priester, so sol es [104] derselb teůffen. Doch so sol einer nit sein eigen Kind teuffen. Da es nun getaufft ward, da starb es. Der Buer thet es in ein Schindellad und bracht es dem Priester und sprach zů seinem Sun: ›Nim das Kalb in dem Stal an einem Seil und bring es hernach!‹ Da der Buer mit dem Kind zů dem Priester kam da bat er in, er solt das Kind in das Geweicht vergraben, er het es getaufft. Der Priester sprach: ›Wie sprachstu, da du es taufftest? Ich wil es wissen.‹ Der Buer sprach: ›Also sprach ich: Ich tauff dich in dem Namen des Vatters und des heiligen Geists, amen.‹ Der Priester sprach: ›Wa bleibt der Sun?‹ Der Buer sprach: ›Der Sun kumpt hernach und bringt ein Kalb, das wil ich euch schencken, das ir es mir in dem Kirchoff vergraben.‹ Der Priester nam das Kalb, das Kind was im wol getaufft, und ließ es vergraben.

156. Der Sauhirt glaubt nit in den Geist
Von Schimpff das 156.

Der Sauhirt glaubt nit in den Geist.


Uf einmal reit ein Bischoff über Feld mit 20 Pferden. Da er also über das Feld reit, so sicht er einen Sauhirten, der lent sich uff den Stecken und hüt der Sau. Der Bischoff sprach zů seinen Dienern: ›Ich můß reiten zů dem Hirten und můß mit im disputieren.‹ Der Bischoff reit zů dem Sauhirten und grüßt in und sprach zů im: ›Bistu auch ein Cristen?‹ Der Hirt sprach: ›Ja, solt ich nit Cristen sein?‹ Der Bischoff sprach: ›Glaubestu auch in die Dreifaltikeit, in den Vatter, Sun und den heiligen Geist?‹ Der Hirt sprach: ›Ich glaub wol in den Vatter und in den Sun, wan die Sau sein ir; aber in den heiligen Geist glaub ich nit, es ist keiner in unserem Dorff, der der heilig Geist heißt.‹ Der Bischoff lacht und sprach: ›Du hast wol geantwurt.‹

15. Von der Hoffart

157. Constancius duckt sich under den Bogen
Von Ernst das 157.

Constancius duckt sich under den Bogen.


Es was ein Keiser, der hieß Constancius, ein kleines Menlin von Person. Da er zü Rom solt ynreiten, wie dan ein Keiser solt, da er nun ynreit, da empfiengen in die Römer mit einer hoflichen Red, wie es dan billich war. Und darnach dancket der Keiser Constantius inen auch hoflich, wie sie weise Lüt weren und es wer keiner wider in, er wer würdig selber Keiser zu sein, und streich inen wol das Helmlin durch das Maul. Nun was Rom also gebuwen, wa man durch die Bogen und Gewelb triumphales reiten [105] solt, das einer ein langen Spieß uffrecht het mögen darunder anhin füren. Wan aber der Keiser under eim anhin reit, so duckt er den Kopff. Das sahen die Römer und lachten sein.

Der Keiser Constantius was ein grose Ganß; wan er der Ganß Eigenschafft het. Ein Ganß, wa sie zů dem Schürethor yngat, so duckt sie den Kopff, sie förcht, sie stoß oben an. Und ist gewonlich, das kleine Lüt strack uffrecht gon, die hofertig sein. Es sein Man von dreien Stücken, tragen hoch Hüt uff den Köpffen und hoch Holtzschůch oder Pantoflen, sein von dreien Stücken, unden hültzin und oben filtzin. Die Frawen gan auch gestrack uffrecht. Man legt den Frawen zů, sie haben einer Witz me dan ein Ganß; wan es regnet, so gon sie an das Trucken. Ich wil inen noch ein Weißheit geben, das sie zwo Weißheit me haben dan ein Ganß. Ein Ganß duckt sich wan sie zů dem Schüerthor yngat; aber die Frawen gon alwegen strack und uffrecht; sie sein die weissen Genß, uff dem Kopff weise Schleier; inwendig sein sie freilich ein rechter Wůst. Mancher Man ist auch weiß uff dem Kopff, weiß Har, graw Har, Kirchoffblůmen; wer er auch weiß in dem Kopff!

158. Den Bischoff überdisputiert ein Paur
Von Schimpff das 158.

Den Bischoff überdisputiert ein Paur.


Es reit uff einmal ein Bischoff über Feld wol mit 40 Pferden, der sach ein Bauren zů Acker gon, der ließ den Pflůg ston und lent sich uff den Stecken und sach den Rütern zů. Der Bischoff reit zů im und sprach: ›Lieber, sag mir die Warheit, was hastu gedacht, da du mich mit meinem Züg sahest reiten?‹ Der Buer sprach: ›Her, ich hab gedacht, ob Sant Kilian zü Würtzburg auch sei also geritten mit 40 Pferden.‹ Der Bischoff der sprach: ›Ich bin nit allein ein Bischoff, sunder auch ein weltlicher Fürst. Jetz sichstu ein weltlichen Fürsten. Wiltu ein Bischoff sehen, so kum uf unser Frawen Tag gen Würtzburg, so würstu in sehen.‹ Da fieng der Buer an zů lachen. Der Bischoff sprach, was er lacht. Der Buer sprach: ›Wan der Fürst des Tüffels würt, was thůt der Bischoff darzů?‹ Da reit der Bischoff von im und het sein gnůg.

159. Der Tüfel wolt selbs weichen
Von Ernst das 159.

Der Tüfel wolt selbs weichen.


Man wolt auff einmal ein Tüffel uß einem beseßnen Menschen treiben. Der Tüfel sprach: ›Ich wil selber weichen, das man nit sprechen kan, man hab mich vertriben.‹

[106] Also thůn die Kellerin und die Knecht, wan sie mercken, das man inen Urlaub wil geben, so nemen sie es selber, das sie die Eer haben. ›Ja,‹ sprechen sie, ›ich wolt nit me an dem Dienst bleiben.‹

160. Die Huren wandlen zu einander
Von Schimpff das 160.

Die Hůren wandlen zů einander.


Es sprach uf einmal ein Frau uff dem Weinachttag und sprach zů irer Kellerin, deren het sie auch Urlaub geben: ›Kellerin, weistu, was Tags morgen ist?‹ Die Kellerin sprach: ›Es ist Sant Steffans Tag.‹ Die Frau sprach: ›Nein, es ist der Tag, das die Hůren wandlen.‹ Die Kellerin sprach: ›Ja, von einer Hůren zů der andern. Hüt so bin ich bei euch, morgen so bin ich bei euwer Schwester.‹

161. Dein Vatter tregt ein Kron und ist doch kein Künig
Von Schimpff das 161.

Dein Vatter tregt ein Kron und ist doch kein Künig.


Uf einmal zanckt eins Priesters Sun, der gar ein stoltz und hoffertigs Kind was, mit eins Burgers Sun. Nach langen bösen Worten, die sie mit einander teilten, da sprach des Burgers Sun zů des Priesters Sun: ›Du darffest dich nit erhöhen und also hoffertig sein; du bist noch dannocht keins Künigs Sun, wiewol dein Vatter ein Kronen uff dem Kopff tregt.‹

162. Ein Künig wolt ein Guldin geben umb ein Par Bantoflen
Von Schimpff das 162.

Ein Künig wolt ein Guldin geben umb ein Par Bantoflen.


Es was ein Künig in Engellant, der sprach zů seinem Schaffner: ›Gang hin und kauff mir ein Par Pantoflen!‹ Der Schaffner kaufft im zwo Pantoflen und bracht sie im. Der Künig sprach: ›Was kosten sie?‹ Der Schaffner sprach: ›Fier Plaphart.‹ Der Künig sprach: ›Das dich diß und jens angang, sol ein Künig für ein solch schnöd Gelt Pantoflen tragen? Gang und kauff mir zwen andere Pantoflen und nim du die!‹ Der Schaffner gieng und kaufft im eben also zwen. Und da er sie bracht, da fragt der Künig, was sie kosten. Der Schaffner sprach: ›Ein Guldin.‹ Da sprach der Künig: ›Die gehören unß zů.‹ Dise waren nit als gůt als die ersten, nach dem schlůg er Kleider an, wie er wolt.

163. Ein Apt het eng Schuch an
[107] Von Schimpff das 163.

Ein Apt het eng Schůch an.


Es was ein hoffertiger Apt, ein stoltzer Münch, als man ir noch vil fint. Da was ein Edelman, der dem Gotzhuß etwas abziehen wolt. Der Apt kam zů dem Fürsten in dem Land und klagt es im, wie der Edelman seim Gotzhuß, das fast arm wer, Schaden thet, und bat in, er solt mit im verschaffen, das er im sein Gotzhuß bleiben ließ. Der Fürst wolt den Apt Demůt leren und im sein Hoffart zögen und sprach: ›Her der Apt, man sicht wol an euwern Schůhen, das euwer Gotzhuß arm ist, das sie so eng ein, das ir nit ein par Schůh vermögen zů kauffen, da Leders gnůg an wer, das üch die Zehen nit also uff einander legen.‹

Het man erst da Schůh getragen, wie man es jetz tregt, da die Schůh kum die Zehen decken, und wan sie nit an die Hossen gehefft weren, so möchten sie nit an den Füsen bleiben. Und wie die Reißknaben und andere Leyen Schůh tragen, also wöllen es jetz die Münch auch tragen und die Pfaffen. Das doch den Priestern übel anstot, wan einer in semlichen Schůhen Meß ließt. Man hat etwan Schůh getragen mit langen Schneblen und klopften mit, wa man mit gieng; und welcher die lengsten Schnebel het, der solt der hübschest sein, und stack etwan ein Pfunt Wercks oder Kuder darin. Jetz so kan man sie nit kumpff gnůg machen, und me einem Kalbßmaul gleich dan einem Schůh; und kan man in den Schůhen kein Mittel haben als wol als in andern Dingen.

164. Eine zögt eim zwen Mülstein
Von Schimpff das 164.

Eine zögt eim zwen Mülstein.


Uf einmal kam ein Edelman von seim Schloß zů eim andern Edelman uff sein Schloß als zů seim Geselen. Da bracht er im herfür und wolt von im gelobt werden, sein Kleinetter und seiner Hußfrawen Ring, da waren edel Gestein in, und was einer drühundert Guldin wert, der ander sechshundert Guldin. Und da er lang gloriert in den Steinen, da sprach der Edelman: ›Lieber, was Nutz bringen dir die Stein, wan sie lang da ligen?‹ Er sprach: ›Keinen Nutz.‹ Der Edelman sprach: ›So bin ich über dich; ich hab zwen edler Stein, die gewinnen mir alle Jar me dan drühundert Guldin.‹ Und kam der ander Edelman uff einmal zů im, die Stein zů besehen. Da fürt er in in sein Mül und zögt im die Mülstein und sprach: ›Von denen hab ich ein Jar so vil.‹

[108] Es gloriert mancher uß den edlen Gesteinen, wie kostlich sie seien. Sie sein eben als kostlich, als man sie achtet; sie haben grose Macht und Krafft, und wer im einen uff ein Aug truckt, es lieff Wasser heruß. Es spricht Franciscus Petrarcha, das sie grose Krafft haben, ja verstant die Ledlin und Secklin zů leren, daryn die reichen Lüt ire Guldin haben, in den Kisten, die zů leren. Wan mancher fünfftausent Guldin umb ein Stein gibt, er geb nit fünftausent Heller Got umb sein Himelreich armen Lüten.

165. Alexander wolt nit lauffen
Von Schimpff das 165.

Alexander wolt nit lauffen.


Wir lesen von dem grosen Alexander, da er ein Knab was, da kam er auch uff ein Matten, da lieffen die jungen Edlen und Burgerssün der Herrenbar und hetten Kurtzweil mit einander. Da sprach Alexander: ›Ach, weren das als Künigskinder, so het ich ein Lust, mit inen zů lauffen.‹

Das was ein gůte Hoffart, das er nit mit denen lauffen wolt, die minder waren dan er, und sich höher und zů gůt achtet, dan das er mit Seinsgleichen lauffen wolt. Was bringt etwan me Verachtung dan zů vil heimlich sein den Underthonen! Ein Fürst sitzt etwan zů spilen mit Spilbůben, mit Burgern, ein Ritter mit dem Stalknecht, die Frawen mit den Mannen. Es solt jeglichs Seinsgleichen sůchen.

166. Ein Keiser was jederman früntlich
Von Schimpff das 166.

Ein Keiser was jederman früntlich.


Wir lesen von einem römischen Künig oder Keiser, der redt mit jederman. Er was jederman gemein, er redt mit den Kinden uff der Gassen. Es sprach ein Ritter uff einmal zů im: ›Her, ir machen euch selber zů nichtz und machen, das man euch veracht. Warum sein ir jederman also früntlich?‹ Der Künig sprach: ›Ich wolt gern mit jederman sein, als ich wolt, das ein Keiser mit mir wer, wan ich wer, als sie sein.‹

Diser het auch ein gůte Meinung oder villeicht ein Hoffart daryn in seiner Demüt, das er daryn gelobt wolt werden. Der weiß Man ret von dem: ›Bistu Künig, ein Oberer, veracht nieman, biß under inen als einer von inen!‹

167. Domicianus verfolget Christen
[109] Von Schimpff das 167.

Domicianus verfolget Christen.


Es kumpt etwan, das Alleinsein, Solitudo ist ein Hoffart. Als wir lesen von einem, der hieß Domicianus, dem Keiser, der alle Tag etliche Stunden allein was, damit das man solt gedencken, das er etwas het zů betrachten zů dem gemeinen Nutz der Stat Rom; und die Zeit ließ er nieman zů im. Seine Diener hetten gern gewißt, was er doch die Zeit thet; so er allein wer, und borten ein Loch oben durch die Büne und lůgten, was er thet. Da sahen sie, das er ein spitz Höltzlin het gemacht und sůcht die Fliegen an den Wenden, und wa er sie fand, da stach er sie mit dem Höltzlin zů Dot. Das was ein keiserlich Werck Mucken stechen. Der Muckenstecher het die ander Durchechtigung verbracht in dem Cristenglauben; Nero die erst, Domicianus die ander etc. Es kam uff ein Zeit einer und fragt, wa der Keiser wer. Man sprach, er wer in seiner Kamern. Da fragt er, ob er allein wer. Man sprach: ›Ja, er ist allein; es ist nit ein Muck bei im.‹ Damit schmecht er den Keiser, das er sie alle erstach; darumb so wer niemans bei im.

Das ist auch ein Hoffart der Weiber, das sie daheim bleiben, das etwan, so sie uff ein Hochzeit, uff eine erste Meß geladen sein, und nit kumen, so ires Gleichen nit dar kumen, als sie meinen. Wan aber Frawen dar kumen, die reicher, höher sein dan sie, so kemen sie gern, das sie sich berümen möchten, das sie zů semlichen reichen und kostlichen Lüten auch geladen weren etc.

168. Zwen stritten umb ein Ochsenkopf
Von Schimpff das 168.

Zwen stritten umb ein Ochsenkopf.


Uuff einmal kam ein hoffertiger Gentilomen, ein Edelman von Florentz gen Meyland in eines Scherrers Huß, da fand er ein Ochsenkopff in einem Schilt in einem Fenster mit allen Farben und Gestalt, wie sein Schilt und Zeichen was. Er sprach: ›Wer fürt den Schilt hie in der Stat?‹ Das Zeichen wer sein, er wolt nit, das es ein anderer fürt. Da was ein Edelman da, der lag uff dem Lotterbetlin, der sagt, das Zeichen wer sein; er wolt es auch füren, das es im leid wer, er het es von seinen Eltern ererbt. Diser Florentiner bot im uß, zů kempfen umb das Leben. Diser sprach: ›Ich wil dein nit verzagt sein.‹ Der Tag des Kampfs und Streitz ward gesetzt, Schrancken und was darzů gehört, warden gemacht.

[110] Da der Tag kam, da kam der Florentiner uff den Plon mit seinem Harnisch und Gewer, und was eine grose Welt da. Der Meylander kam in einer marderin damastin Schauben mit einem Knecht on Gewer. Der Florentiner sprach: ›Verachtestu mich, das du also schlechtlich kummest on Harnisch und werloß?‹ Der Meylander sprach: ›Wir sollen da mit einander fechten umb das Leben, und hat keiner dem andern nie Leitz gethon. Warumb sollen wir kempffen?‹ Der Florentiner sagt: ›Das du mir mein Zeichen fürst.‹ Der Meylander sprach: ›Was ist dein Zeichen?‹ Der Florentiner sprach: ›Ein Ochsenkopff.‹ Der Meylander sprach: ›Das mein ist ein Kükopff.‹ Und het der ander gesprochen, es wer ein Kükopff, so het der gesagt, es wer ein Ochsenkopff. Also was der Krieg gericht.

Es wer aber wol hie zů leren, was ein Mensch leiden solt umb der ewigen Eer willen, umb das ewig Leben. Da der umb ein Zeichen in dem Schilt also fechten wolt, wie fechten wir umb das Himelreich? Wir hetten es gern unverdient, den Lon on Arbeit. Nun würt unß nichtz umbsunst geben, wir sein gleich einem Reißknecht.

169. Einer wolt Streich teilen
Von Schimpff das 169.

Einer wolt Streich teilen.


Zwen Man fůren einmal mit einander in die Reiß und schwüren zůsamen, und was einer gewün, das solt er mit dem andern teilen. Da sie schier dahin kamen, da macht sich der eine kranck und was erschrocken. Der ander fůr für sich, und gieng im wol, und bracht wol drühundert Guldin darvon. Da er wider zů seinem Gesellen kam, da füren sie wider mit einander heim. Der kranck Man wartet, als wan sein Gesel das Gelt mit im teilen wolt. Er sprach uff ein Zeit zů im uff dem Feld: ›Gesel, bistu yngedenck des Packs, so wir mit einander gemacht haben? Du solt mit mir teilen.‹ Da sprach er: ›Es ist war, Gesel. Ich hab zwei Ding in dem Krieg gewonnen, Wunden und Gelt. Sol ich nun das Gelt mit dir teilen, so ist es billich, das ich die Wunden auch mit dir theil.‹ Und von Leder mit dem Schwert. Da der kranck Man das sahe, da sprach er: ›Güt Gesel, behalt dein Gelt und dein Wunden selber! Ich wil nichtz also haben.‹

Also wir auch. Nun spricht Sanctus Augustinus: ›Wer nit wil leiden, was die Martires und die Heiligen gelitten haben, der mag nit zů ir Fröd kumen.‹

170. Ein Mulesel gloryert von seim Vater
[111] Von Schimpff das 170.

Ein Mulesel gloryert von seim Vater.


Uf einmal warde ein Maulessel gefragt, was er von Geschlecht eins Tiers wer. Der Maulessel antwurt und sprach, er wer edel, wan des Künigs Pferdt von Hispania wer sein Vatter, und gloriert stetz uff seinen Vatter. Und einer fragt in, wer sein Můter wer; das wolt er nit sagen, wan es was des Müllers Essel.

Wan die Mulessel sein unfruchtbar, sie sein zů hitzig, verbrent als in inen; Maulessel kumen, wan ein Pfert mit einem Essel laufft. Also sein vil, die glorieren uß irem Adel von irem Vatter, der etwan ein Ritter ist, und dy Můter ein Bürin. Darumb als vil einer Hoffart treibt des Vatters halb, als fast sol er sich demütigen der Můter halb. Also ist es mit unß allen. Wir sein alle edel von dem Vatter, wir sein alle von Got, wir haben einen Vatter; wir haben auch ein Můter, das Erdtreich, von deren wir kumen, von deren wir leben, und in die wir wider gon, und die unß auch widerumb geberen würt an dem jüngsten Tag zů dem Leben oder zů dem Dot. Darumb biß demütig und veracht niemans!

171. Das Ertreich küsset einer
Von Schimpff das 171.

Das Ertreich küsset einer.


Es waren drei Brüder Künigssün, da wer jeglicher gern Künig gewesen nach seins Vatters Dot. Sie kamen al drei zů dem Bild Apollinis und fragten es, welcher regieren würd nach seins Vatters Dot. Apollo sprach: ›Der zů dem ersten sein Můter küsset.‹ Da fiel der ein nider und küsset das Ertreich, unser aller Můter. Derselb ward auch Künig.

172. Ein Hasenstosser gloryert uß eim Hasen
Von Schimpff das 172.

Ein Hasenstosser gloryert uß eim Hasen.


Sterla in Latin, das heiß ich ein Hasenstosser, der het uff einmal ein grosen Hasen gefangen. Wiewol in übel hungert, noch so was er der Eren so geitig, das er gieng und vil Foglen den Hasen zöget, und gloriert daruß, wie er so ein gůt Speiß het gefangen. Der Haß gefiel den Falcken und den andern Föglen so wol, das sie dem Hasenstosser den Hasen namen und frassen in und flůgen mit hinweg. Da sprach der Hasenstosser: (Qui vult rem suam pandere, cupit illam perdere.)

[112] Also ist es auch geistlich, welcher etwas Gůtz thůt und wil von der Welt gelobt sein, der beraubt sich selbs des, der Seligkeit.

Es spricht Gregorius: Der wil beraubt sein, der seinen Schatz offenlich tregt. Die ire gůten Werck rümen, die thůn gleich als ein Henn; wan sie ein Ey gelegt hat, so facht sie an zů gaucksen und verrat sich selber und bringt sich selber umb das Ey. Hüt so fast ich, jetz so můß ich schwygen und deßgleichen. Der weltlich Rům ist ir Lon, und sollen kein Lon von Got warten sein.

Es spricht Crisostimus: In einem jeglichen gůten Werck sein zwei Ding (Honor et Premium) Eer und Lon. Eer und Rům gehört Got zů, der Lon gehört unß zů. Wan du nun Got dem Herren das sein nimest, das ist Eer in gůten Wercken, so wil er dir das dein auch nemen. Darumb so laß Got das sein, das ist Eer, so laßt er dir auch das dein, das ist der Lon. Gregorius spricht: (Sic fiat opus in publico, ut intentio maneat occulta.)

173. Ein Wolf ließ ein Kitzlin tantzen
Von Schimpff das 173.

Ein Wolf ließ ein Kitzlin tantzen.


Es spricht Esopus, wie uff einmal en Wolff het ein feißt Kitzlin gefangen und wolt es fressen. Das Kitzlin sprach zů dem Wolff: ›Gůt Gesel, ee das du mich issest, man sagt, wie du so wol pfeiffen künst, mit dem Maul wißplen, pfeiff! So wil ich darzů dantzen.‹ Der Wolff ließ das Kitzlin gon und fieng an zů pfeiffen, das Kitzlin fing an zů schreien. Das erhorten die Hund und erlößten das Kitzlin von dem Wolff.

Also werden wir hie gelert, wan wir etwas Gůtz haben oder thůn, so sol man es mit Schweigen thůn. Man spricht: Das ist ein weiser Man, der seinen Nutz verschweigen kan und seinen Schaden sagen. Mir würd Bapeier gebresten, solt ich schreiben von denen, die Gelt, Gold und Schetz funden haben und haben es nit mögen verschweigen und haben sich sein beriempt und sein darnach darumb kumen. Etwan so hat es die Herschafft genumen, etwan verrechtet. Liß Nicolaum de Lira von dem Schätzfinden, wes es ist, über das Evangelium de thesauro abscondito in agro de viduis, Mathei 13.

174. Ein Wind warf ein Eichbaum umb
Von Ernst das 174.

Ein Wind warf ein Eichbaum umb.


Es was ein groser Eichbaum, der ward von dem Wind umbgeworffen in ein Weyer, da wůchsen fil Ror und Kolben in. Der Eichbaum sprach zů den Roren: ›Wie gat es zů, das ich so groß bin, und [113] der Wind würfft mich umb uß dem Grund, und ir Ror sein so schwach, und thůt euch nichtz, und bleiben ston?‹ Die Ror gaben im Antwurt und sprachen: ›Thetestu wie wir, so ließ der Wind dich auch mit Friden. Wan der Wind kumpt, so neigen wir unsere Heupter; so laufft er über unß hin, und wir demütigen unß gegen im; und wan er wider hinwegkumpt, so richten wir unsere Heupter wider uff. Aber du und andere grose Beum sein hoffertig und wöllen dem Wind Widerstant thůn; darumb würfft er euch umb. Neigten ir aber euwere Höpter als wir, so bliben ir auch uffrecht ston.‹

Also geistlich. Die frumen Menschen demütigen sich hie uff Erden gegen dem Wind, der Straff, es sei von Got oder von den Menschen; das lassen sie über gon, sein gedultig und schweigen, demütigen sich hie durch Penitentz. Darumb an dem letsten Urteil so werden sie ire Höpter frölich uffheben und werden lůgen, wa die Hoffertigen ligen und umbgeworffen sein, die sich hie nit haben wöllen demütigen durch die Penitentz.

175. Dedalus lert Icarum fliegen
Von Schimpff das 175.

Dedalus lert Icarum fliegen.


Man lisset in fabulis poetarum, wie da was ein Man der hieß Dedalus, der kunt fliegen. Der het ein Sun, der hieß Icarus; der bat seinen Vatter, er solt über Meer fliegen und solt in mit im nemen, das er auch lernt fliegen. Der Vatter sagt es im zů und gab seinem Sun Icaro ein Ler und sprach: ›Ich wil dir vorfliegen, und flüg du mir nach! Und wan du zů hoch flügest, so verbrenstu die Federn von der Sonnen; und flügestu dan zů nider, so würdestu dich stossen an die Thürn und an die Glockenhüser. Darumb so halt das Mittel und flüg mir nach!‹ Der Vater Dedalus flog. Und Icarus sein Sun flog im nach, unnd es thet im so wol, das er fliegen kunt, und vergaß die Ler seins Vatters und flog zů hoch und verbrant die Federn und fiel in das Mer und ertranck. Da der Vatter hort, das seins Suns Leib also blumpt in das Wasser, da sahe er umb sich und sahe, das Icarus in dem Wasser ertranck. Da sprach er zů im:


Icare nate, bibis, iam nunc sine patre peribis.

Jam tibi dixi bis: medio tutissimus ibis.

Jussa paterna pati, medium tenuere beati.

Icarici fati memores estote, prelati.


Das sollen alle hoffertigen Menschen betrachten, das sie Hoffart meiden. Wan sie entsprungen ist von dem Lucifer, der da sprach: ›Ich wil uffsteigen [114] gen Aquilo und wil dem Obersten gleich sein.‹ Aber er ist in die Hel gestosten worden. Und sein gleich dem Icaro, der seinem Vatter nit folgen wolt, was er im predigt. Also sein vil, die den Predicanten auch nit folgen und iren Vättern, sie wöllen höher kumen, dan sie waren; sie lassen sich nit beniegen mit irem Erbteil, sie wöllen eins Graffen Gůt haben, sie weiben oder mannen under den Adel, das sie auch edel seien, oder sie wöllen uff der Edellüt Stuben gon, da sie stubenedel geschetzt werden, oder sie machen andere Kleider, nüwe Find, oder ziehen lang Bert, und wan ein Bart ein frum mecht, so wer ein Geiß frum, ee sie geboren wer; sie wöllen je etwas haben, das ire Väter nit hetten.

In der Geistlicheit ist es auch also, es sei in der Kleidung oder in den Kronen uff den Heuptern, es můß je ein Underscheid da sein. Deßgleichen man wil nüwe Opiniones haben, und wöllen nit der alten Doctores Opinion und Meinung halten; wir wöllen etwas Sunders haben, das heisen etwan Doctores non famosi sed fumosi. Waher sein die Behemer kumen und Hussiter etc!

16.Von der Geitigkeit

176. Einer wolt ein Tag dot sein
Von Schimpff das 176.

Einer wolt ein Tag dot sein.


Es was uf einmal ein geytiger Man, der lag uff ein Nacht und kunt nit schlafen und warff sich hin und her in dem Bet. Sein Frau sprach: ›Hußwirt, wie ist dir, das du so unrüwig bist?‹ – ›Ach,‹ sprach der Man, ›das mir anligt, das möchtestu mir wol wenden.‹ Die Frau sprach: ›Gern.‹ Der Man sprach: ›Ich hab unser Huß versorgt mit Wein, Brot, Saltz, Fleisch, Schmaltz und mit allem dem, das in ein Huß gehört, bis uff einen Tag; und wan wir ein Tag ungessen möchten sein, so hetten wir für das gantz Jar gnůg. Nun hab ich ein Sinn erdacht, wie wir denselben Tag überkemen. Wan unser Gsind, Knecht und Megt uff das Feld kumen, so wil ich mich annemen, ich sei dot, so můstu das Dottendůch und Crütz, Kertzen und Wasser da hon und bei der Leich sitzen klagen; und wan sie dan heimkummen, so werden sie vor Kumer und Leid nit essen.‹ Es was der Frawen lieb, und man rüsts also zů.

Und da das Gesind von dem Feld kam, da saß die Frau bei der Leich und klagt und weint und sprach, ir Meister wer gelingen gestorben. Das Gesind erschrack, und bettet jeglichs fünff Paternoster und fünff Avemaria. Da das [115] Gebet uß was, da sprach das Gesind: ›Frau, wir müssen gessen haben.‹ Die Frau sprach: ›Wollen ir auch essen bei dem grosen Hertzleid, das ich hab?‹ Das Gesind sprach: ›Leid hin, Leid her; wir wöllen essen, das wir wider uff das Feld kumen‹, und rüsten behend zů. Und da sie nun ob dem Tisch sassen und assen, da gedacht der dot Man: ›Dein Anschlag ist falsch; und wan du dich jetz uffrichtest, so würden sie übel erschrecken, das ein Dot solt ufferston, und würden vor Schrecken nit essen.‹ Der dot Man richtet sich uff; da erwüscht der Knecht einer sein Axt, die er neben im het ston, und schlůg in zů Dot. Da schrei die Frau über denselbigen Knecht: ›Du Mörder, du hast mir mein Man zů Dot geschlagen.‹ Der Knecht sprach: ›Nein, Frau; ir haben doch gesagt, er sei dot. Der Tüffel hat den Leib wöllen vexieren, den hab ich vertriben.‹ Also hat der sein Lebtag genůg gehebt.

Also verlürt mancher sein Leben leiblich und das ewig Leben von dem leiblichen Leben. Es ligt an dem Tag als ein Buer an der Sonnen. Der laufft in den Krieg, das er Gůt überkum; er würt erstochen. Der Kauffman treibt dis, der ander das, damit das er sein Leben verlürt; von dem ewigen Leben ist es auch offenbar.

177. Allermeist Menschen werden verdampt umb der Geitikeit willen
Von Schimpff das 177.

Allermeist Menschen werden verdampt umb der Geitikeit willen.


Uf einmal beschwůr man ein beseßnen Menschen. Der Priester fragt den Tüffel, durch welche Sünd allermeist die Menschen verdampt würden. Der Tüffel fieng an zů lachen und sprach: ›Es ist nit, als ir meinen. Ir meinen, es werd allermeist verdampt umb der Unküscheit willen. Nein, aber umb der Geitikeit willen.‹

Und sagt war, wan umb der Unküscheit willen macht im etwan ein Mensch ein Conscientz und Gewißne, aber selten umb der Geitikeit willen. Das magstu sehen in den Priestern und in den Eebrechern. Wan ein Priester etwan ein Dorheit thůt, solt er on Beicht Meß lesen, er meint, der Tüffel fůrt in ob dem Altar hin. Welcher beichtet aber sein Geitikeit, es sei mit vil Pfründen, mit Simony oder mit andern Dingen, die Gelt bringen? Ein Eebrecher auch, er haltet es für grose Sünd, noch gat er nachin, wie das Ferlin neben dem Wolff anhinlaufft zů dem Wald zů und wintzlet; noch so gat es. Dein Gewißne wintzlet wider dich, du soltest es nit thůn, noch lauffestu dar. Aber für dein Wůcher und falschen Gewerb, Betrug, Vermischen eins under das ander, da ein Pfennig den andern gewint, ein Guldin den andern, da wintzlet dein [116] Conscientz nit wider dich, du hast es für ein Recht. Darumb so werden me Menschen verdampt umb der Geitikeit willen dan umb keiner Sünd willen. Dan wan ein Mensch Gelt hat, so bringet er zewegen, was er wil. Der Weiß spricht: (Eccle. 10. Pecunie omnia obediunt.) ›Dem Gelt sein alle Ding gehorsam.‹

178. Uff eim Bret betten, zwei Unglück
Von Schimpff das 178.

Uff eim Bret betten, zwei Unglück.


Alwegen můß ein Sparer ein Güder haben, der es kün verthůn, das er erkratzt und erspart an im und an andern Lüten zů Eren. Es was ein Burger in einer Stat, der het ein Cappel in seinem Hoff, da bettet er offt in und knüwet uff einem Bret. Darunder het er ein Hafen vergraben, und was er mocht sparen, das thet er daryn und bettet uff demselben Haffen, das in Got nit wolt lassen sterben, er het dan den Haffen mit Gelt gefült. Das geschahe. Da der Haffen vol was, da starb er. Die Frau nam ein andern Man, als sie selten das best anfahen. Der Man fand den Haffen mit dem Gelt under dem Bret und bett uff demselben Bret, das in Got nit ließ sterben, er het dan den Haffen mit dem Gelt verzert. Das geschahe auch.

Es sein ellende Menschen, die stetz geifen uff das, das sie nit haben, und das sie haben, das dörffen sie nit bruchen. Es fröwt sie nichtz, dan das es da in dem Trog und in dem Schranck ligt. Die sein gleich einem Hund uff einem Heuhuffen, der isset das Heu nit und wil es die Ochsen und das ander Fich auch nit lassen essen, bilt über sie und beißt sie hinweg. Franciscus Petrarcha spricht: (Apud multos ociosa pecunia est nihilque agit aliud, quam quod occupat locum atque animum; apud plures male atque improba operosa, apud paucos demum fructuosa est, li. 2, ca. 13.) Bei vilen Menschen ligt Gelt da müssig und thůt nichtz anders, dan das es das Gemüt und das Ort, da es ligt, bekümert; und bei vilen Menschen würt das Gelt übel und bübisch angelegt, aber wenig sein, die das Gelt nützlich und wol bruchen.

179. Im Wald fand einer ein Schatz
Von Schimpff das 179.

Im Wald fand einer ein Schatz.


Es gieng einer uff einmal durch ein Wald mit einer Hawen. Wie er under einem Baum růwet, da sahe er ein Guldin da ligen, er hůb in uff und grůb also mit der Hauwen und fand einen grosen Haffen fol Guldin. Er gedacht: ›Soltu das Gelt heimtragen, so würt es langsam zůgon; [117] es möcht dieweil einer kumen und möcht es finden.‹ Er hort Buren uß seinem Dorff, seine Nachburen Holtz hawen, die hetten drei Seck und waren drei. Er berůfft sie und sprach, jeglicher solt im ein Sack mit Guldin heimtragen in sein Huß, er wolt inen wol lonen. Er grůb und kratzet das Gelt herfür und fült ein Sack. Der Buer trůg das Gelt in sein Huß, der ander trůg es auch in sein Huß, der drit auch. Da nun der Buer heimkam, der das Gelt funden het, da fand er nichtz in seinem Huß. Er fragt die Buren, die im das Gelt heim hetten getragen, wa sie es hin hetten gethon; es wolt keiner nichtz darvon wissen. Also bleib im nichtz dan die Arbeit, das er es ußgegraben het.

Also würt den Geitigen nichtz dan die Arbeit, das sie es gesamelt haben und sich unwert gemacht gegen andern Lüten, die sie gebant und gepfent haben, und dienen also dem Gelt. Es wer besser, das Gůt dient inen. Und ein Pfennig, der inen entgat, betrübt sie me, dan 40 Guldin, die da in dem Trog ligen, sie fröwen. Und wan sy sterben sollen, so werden sie mit dem Gelt, irem Got, umbgon, als du hernach bei den Wůchern Exempla findest (c. 201).

180. Einer bat Got, was er anrürt, das solt alles Gold werden
Von Ernst das 180.

Einer bat Got, was er anrürt, das solt alles Gold werden.


Aristoteles schreibet von einem, der het Got gebetten, das alles das, das er anrürt, zů Gold würd. Das geschach, er ward erhört. Also můst er Hungers sterben; dan was er von Speiß und Tranck mit seinen Henden und Zungen anrürt, das was alsamen Gold.

Darumb kumpt es dick, das ein Mensch etwas begert, das wider es ist; darumb sol man es als Got befelen. Her, ist es mir nutz und gůt, so gib mir es! (Domine, sicut scis et vis.)

181. Der Künig starb Hungers halb
Von Ernst das 181.

Der Künig starb Hungers halb.


Wir lesen von einem Künig, der kriegt wider ein andern Künig, der het vil Guldin in einem Pfennigthurn ligen. Das wüßt er nun wol, groß Kisten und Trög vol; noch so was im das Gelt so lieb, das es in turet ußzůgeben und Soldner zů bestellen, das er Widerstand thet, als er dan wol het mögen thůn. Der Künig, der sein Feint was, gewan im das Land ab, und legt in gefangen in den Thurn, da sein Gold und Silber [118] inen was, und sprach: ›Seitmal du das Gelt lieber hast gehebt dan dich selber und hast es nit wöllen ußgeben, damit du dich und dein Land hettest mögen beschirmen, so heiß dir jetz auch helffen!‹ Und gab im weder Essen noch Trincken hinyn und sprach, er solt das Gelt essen. Also můst er Hungers sterben; das was sein rechter Lon.

182. Im Traum fraß einer Jesum
Von Ernst das 182.

Im Traum fraß einer Jesum.


Wir lesen von einem Tyrannen, der seinen armen Lüten hert was, Got wolt in mit einem semlichen Traum darvon ziehen. Im traumet uff einmal, wie er vor unser lieben Frawen Altar knüwet, und in kam ein groser Hunger an, und nam das Kindlin unser lieben Frauwen von irem Schoß und beiß im den Kopff ab, und aß es biß uff die Schultern, darnach aß er es biß uf die Bein, und darnach die Füß. Und da er erwacht, da erschrack er fast übel; und da es Tag ward, da gieng er zů seinem Beichtvatter und ließ im den Traum ußlegen. Da legt er im in also uß. Das Kindelin Jhesus wer der gantz Leib Cristi, der Cristenmenschen, die in seiner Herschafft weren, das Haupt und die Schultern weren die Prelaten in dem Land. Die andern Glider bedüten die ander undern Menschen, die er alle freß durch sein unzimliche Schatzung. Der Tyran glaubt im und bessert sich darab.

183. Der ander fraß ein Crutzifix
Von Ernst das 183.

Der ander fraß ein Crutzifix.


Uf einmal was ein Tyran, dem traumet, wie er zů einem Crucifix kem und nem Cristum herab von dem Crütz und eß im ein Hand; und so er im die ander Hand auch wil essen, so schlecht in Cristus mit derselbigen Hand an ein Backen, das er in ein Grůb fiel. Und da er erwacht und da es Tag ward, da ließ er im den Traum ußlegen. Da sprach der Ußleger: ›Du hast jetz die Priesterschafft geschetzt; das ist die ein Hand Gottes, die hastu gessen. Jetz so understastu die ander Hand auch zů essen; das ist, du gedenckst den armen gemeinen Man auch zů schetzen. Sihe für dich, das dich Got nit schlag, das du in die Grůb, in das Grab fallest, ee das du es volbringst!‹ Der Tyran bessert sich nichtz darab; aber ee er es zůwegen bracht, da was er dot, mit Achab (3. Regum 20), der auch tyrannizieren wolt, und vil andern, denen es mißgangen ist, die nieman hat mögen erfüllen.

184. Vespasianus het gemein Beschlagen
[119] Von Schimpff das 184.

Vespasianus het gemein Beschlagen.


Von Vespasiano dem Keiser lesen wir, der Jerusalem belegert, das er über die Maß geitig ist gewesen. Es was einer, der wer gern für den Keiser gewesen, das er personlich mit dem Keiser geret hat und im sein anligent Sach erzelen. Nun verhůten die Diener des Kaisers, das er nit für in kunt kumen. Und thet sich zů dem Fůrman des Keisers, wan er uff einen Wagen fůr, und verhieß im etwan 40 Duckaten zů geben. Der Fůrman wolt im helffen und sprach: ›Uff den Tag würt der Keiser da hinuß; und wan ich für des Schmitzs Huß kum, so wil ich sprechen, mir sei ein Ysin abgefallen. So gang du dan zů dem Wagen und red, was dir not ist!‹ Und wie es der Roller oder Fůrman anschlůg, also gieng es.

Und da man heimkam, da sprach der Keiser: ›Ich hab deinen Anschlag wol gemerckt vor der Schmiten; ich wil auch gemein und Teil an dem Beschlagen haben.‹ Also müst er dem Keiser die Schencke halber geben; aber der ander was wolfeil, wan er seiner Sach ein Ußtrag gab.

185. Vespasianus ret mit seim Bruder
Von Schimpff das 185.

Vespasianus ret mit seim Brůder.


An dem Hof Vespasiani was einer, der kam zů dem Keiser und bat in für ein, der wer sein Brůder, er wolt im die Fogtei leihen, und was ein anderer geb, das wolt er auch geben. Der Keiser nam sich zů bedencken und schickt nach dem, fůr den diser so fleißlich bat, und sprach zů im: ›Was hastu dem verheissen, deinen Brůder, das er dir das Wort so ernstlich thůt, das ich dich zů einem Fogt mach?‹ Er sprach: ›Er ist nit mein Brůder, ich hab im drühundert Guldin verheissen, wan mir die Fogtei würd.‹ Der Keiser sprach: ›Zel das Gelt da uff den Tisch, so ist die Sach schon richtig.‹ Der zalt das Gelt behend dar. Also gab im der Keiser Brieff und Siegel, das er Fogt was. Der für den gebetten het, der wüst nichtz umb die Sach; er kam uff einmal aber an den Keiser, und thet seinem Brůder das Wort umb die Fogtei. Der Keiser sprach: ›Gang hin und süch ein andern Brůder! Dan der, von dem du sagest, der ist mein Brůder.‹ Also kam der nit me zů betten.

186. Ler Mucken stechen!
[120] Von Ernst das 186.

Ler Mucken stechen!


Es ist ein Lob Tibery des Keisers, was er thet, das thet er langsam mit wolbedachtem Müt und Gemüt und übersach dem gemeinen Folck, darin das er seine Fogt lang ließ bleiben an iren Emptern. Er verwandlet es nit, er müst es dan thůn, das einer gestorben wer oder sunst grose Klag über in gieng. Seine Rät und seine Diener strafften in darumb, und meinten, es solt ein anderer auch etwas überkumen, ob einer es allein haben solt. Der Keiser sprach: ›Es ist der Gemein nit nůtz und gůt; vil nüwer Amtlüt verderben den gemeinen Man. Es sein hungerige Mucken, sie stechen übel.‹ Das mercken in diesem Exempel!

Es lag ein armer blateriger Man an der Sonnen, der was so kranck, das er im der Fliegen nit weren mocht, und saß vol groser Fliegen. Es gieng einmal einer für in anhin, der erbarmpt sich über in und wert im der Fliegen. Der Kranck sprach: ›Ach, was grosen Schaden hastu mir gethon! Die Mucken sein jetz so vol gewesen und haben mich hübschlich gestochen; und jetz so kumen die hungerigen Mucken, die werden mich erst übel stechen.‹ Also ist es mit den Amptlüten auch. Es sein auch etlich geitige Herren, wan ire Schaffner und Amptlüt reich werden und vil Gůtz überkumen, so brechen sie ein Ursach von einem Zaun wider sie, das sie es im nemen und Brotlöffel uß inen machen. Wan man ein Brotlöffel gebrucht, so ißt man in dan auch.

187. Vespasianum solt man in Tyber werfen
Von Schimpff das 187.

Vespasianum solt man in Tyber werfen.


Man ward uf einmal zů Red, das die Begrebtnis eins möchtigen Römers het wol 60 Guldin gekostet. Der Keiser Vespasianus der fragt, was wol sein Begrebnis würd kosten, wan er gestürb. Sein Schaffner und Pfennigschreiber oder Finantzer, wie sie dan heissen, sprach: ›Dreihundert Duckaten.‹ Da sprach derselbig Keiser: ›Zelen mir drühundert Duckaten daher und werffen mich in die Tiber und begon mir kein Lüpffel!‹

Also geitig was er, noch hat er den Eren nachgelebt. Noch sein zwen Punckten, die wil ich auch hieher setzen, wiewol sie nit von seiner Geitikeit sagen; aber so wir on das in dem Reden sein, so wöllen wir die zwen Punckten auch sagen.

188. Ein Frau küsset Vespasianum
[121] Von Schimpff das 188.

Ein Frau küsset Vespasianum.


Es was ein Frau, die gewan den Keiser natürlichen lieb, und wa sie in mocht sehen, da het sie ein Fröd. Uff einmal gieng er oder saß vor irem Huß, da fiel im die gůt Frau umb den Hals und küsset in. Der Keiser Vespasianus het wol von ir hören sagen, wie im ein Frau also hold wer, und sprach zů seinem Ynnemer oder Seckelmeister, wie man sie dan heißt: ›Geben ir 60 Duckaten!‹ Die gůt Frau was fro und nam das Gelt und fůr damit darvon. Darnach da fragt der Seckelmeister den Keiser Vespasianum, wie er das Gelt an solt schreiben. Der Keiser sprach: ›Schreib es also: (Vespasiano adamato.) Vespasiano dem Geliebten.‹

189. Vespasiano sagt ein Sprecher kurtz
Von Schimpff das 189.

Vespasiano sagt ein Sprecher kurtz.


Auch lesen wir von dem Keiser Vespasiano, als Franciscus Petrarcha von im schreibt und auch sein eigen Angesicht selber anzögt, das geschlagen ist uff den küpfferin Pfennigen, so het er alwegen gesehen als einer, der uff dem heimlichen Gemach sitzt oder Sprachheüßlin, wie man es dan nent, und den Bauch wil leren, der da trucken můß, also sauer sahe er alwegen. Und es kam uff ein Zeit ein Abenthürer oder ein Sprecher über des Keisers Vespasianus Tisch, da er mit dem Fürsten aß, und macht ein Spruch also, das er alle die berüret in seinen Reimen und Sprüchen, die da mit dem Keiser Vespasiano zů Tisch sassen, und einem jeglichen Herren sagt er etwas, als dan semliche Sprecher wol künnen, und übersahe den Keiser umb seiner Majestat willen. Da sprach der Keiser Vespasianus: ›Gůt Gesel, sag unß auch etwas!‹ Der Abenthůrer sprach: ›Wan du uffhörest den Buch reinigen‹ (cum alvum purgare desieris). Da het er im schon ein Schlampen gesetzt.

17. Von den Wucherern

190. Einer mocht Seinßgleich erlupffen
Von Schimpff das 190.

Einer mocht Seinßgleich erlupffen.


Es was ein Wůcherer gestorben, der was also schwer, das in nieman erlüpffen mocht. Hindennach sprach einer: ›Es ist an etlichen Orten Sit, das die, die da von einem Handtwerck sein, einen tragen, [122] als Schneider, Haffner. Aber bestellen hie fier Wůcherer, die in tragen! Was wöllen ir wetten, sie werden in erlupffen und werden in tragen.‹ Sie bestalten fier, die lupfften in uff als leicht als ein Federlin.

191. Der Tüfel ketschet die Wucherer
Von Schimpff das 191.

Der Tüfel ketschet die Wůcherer.


Es was ein Wůchrer in der Predig gewesen. Da er von der Predig gieng, da was er zornig und flůcht. Es begegnet im ein gůt Gesel, der in kant, der sprach zů im: ›Her, warumb sein ir also zornig?‹ Der Wůcherer sprach: ›Über den Münch; der hat gepredigt, der Tüffel werde die Wůcherer all in die Hel tragen.‹ Der Gesel sprach: ›Das ist erlogen. Geben mir ein dicken Pfennig, ich wil wider in ston under allem Folck und wil sagen, er hab nit recht gesagt.‹ Der Wůcherer gab im den dicken Pfennig. Der Gesel gieng in die Kirch und stůnd für die Cantzel. Der Wůcherer gieng auch hinyn. Der Gesel sprach zů dem Predicanten: ›Her, haben ir gepredigt, der Tüffel werd die Wůcherer in die Hel tragen?‹ Der Predicant sprach, ja, es wer war. Der Gesel sprach: ›Es ist nit war.‹ Der Predicant saget: ›Warumb?‹ Der Gesel sprach: ›Darumb. Er würt inen nit so vil Eer anthůn, das er sie trag; er würt sie bei den Füssen nemen und würt sie hinynschleiffen.‹ Da lacht jederman, und het er das Gelt verdient, und ward der Wůcherer noch zorniger.

192. Ein Wucherer kunt nit zükumen
Von Schimpff das 192.

Ein Wůcherer kunt nit zükumen.


Es waß ein Wůchrer an der Predig gewesen, da predigt der Predicant so hart von dem Wůcher, wie groß Sünd es wer, und von der Straff des Wůchers. Nach der Predig beschickt der Wůcherer den Predicanten und sprach zů im: ›Her, da gib ich euch ein Guldin; rüren den Wůcher etwan me, als ir jetz haben gethon!‹ Der Predicant sprach: ›Man sagt doch, ir seien auch ein Wůcherer.‹ Der Wůchrer sprach: ›Es ist war, ich kan vor den andern nit zůkumen. Darumb het ich gern, das sie abstünden, das ich auch hinzů künt kumen.‹

Darumb hat der recht gesagt, es weren fier Geschlecht nit gnůg uff Erdtreich. Es sein nit Priester gnůg, es bedörfft sunst einer nit sechs oder siben Pfrůnden haben. Es sein auch nit gnůg Edler, es wolt sunst nit ein jeglicher [123] Buer edel sein. Es sein auch nit Hůren gnůg, Eefrawen und Nonnen dörfften sunst nit Hůrenwerck treiben. Es sein auch nit Juden gnüg, die Cristen bedörfften sunst nit wůchern.

193. Die Wucherer geben kein Antwurt
Von Schimpff das 193.

Die Wůcherer geben kein Antwurt.


Uf einmal prediget ein Predicant wider den Wůcher, und inmitten der Predig sprach er: ›Ir lieben Kind, die Schantlicheit des Wůchers wil ich euch zögen; und was Hantwercks ich nen, die geben mir Antwürt! Sein Schneider hie?‹ Sie sprachen: ›Ja, Her, wir sein hie.‹ ›Sein Schühmacher hie?‹ Sie sprachen ja. ›Ist nit der Nachrichter hie?‹ Er sprach ja. ›Sein nit Schölmenschinder hie?‹ Sie sprachen ja. Zů dem letsten fragt er: ›Sein nit auch Wůcherer hie?‹ Da gab im keiner kein Antwurt. Da sprach der Predicant: ›Sehen ir, das kein schnöder Ampt ist dan Wůcherei treiben? Wan sie sich beschamen und sunst kein Handtierung künnen.‹

194. Den Segen teilt der Predicant uß
Von Schimpff das 194.

Den Segen teilt der Predicant uß.


Es was ein anderer Predicant, der sagt im Sermon, in der Predig, er wolt den Segen geben sunderlich etlichen Geschlechten. Darumb sprach er: ›Die Brotbecker standen zůsamen, das sie den götlichen Segen empfahen!‹ Sie stůnden uff und giengen dahin. Und also nent ervil Hantwerck, das sie zůsamen stienden und den götlichen Segen empfiengen. Zů dem letsten sprach er: ›Standen uff die Wůcherer und empfahen den Segen Gottes!‹ Da wolt keiner uffston. Da keiner uff wolt ston, da sprach er: ›Ich weiß, das Wůcherer hie sein und wöllen nit uffston, das sie haben den götlichen Segen. So sitzen stil und haben den Flůch Gottes, der über euch kumen würt an dem jüngsten Tag!‹

195. Ein Wucherer het ein guten Bart
Von Schimpff das 195.

Ein Wůcherer het ein gůten Bart.


Es ist ein Lant, da ist ein Gewonheit yn, wan einer gestirbt, so tregt man in nit uß dem Huß, es můß vor einer kumen, der můß in klagen, loben und rümen etlicher Tugent halb, die er an im gehebt hat. Es fügt sich, das ein Wůchrer starb, dem alle Welt feint was, und het manchen [124] frumen Man verderbt, und niemans kunt im wol reden. Da er gestarb, da kam niemans, der in lobt; man kunt in auch nit vergraben, er wer dan gelobt. Zů dem letsten kam sein Scherer, der halff im in das Erdtreich und lobt in und sprach, er het nie kein Bart geschoren, der als gůt zů scheren wer gewesen, als des Mans Bart. Da für man mit im zů dem Huß hinuß; er leg sunst noch da.

196. In die Held ward einer getragen
Von Ernst das 196.

In die Held ward einer getragen.


Uf einmal was ein Wůcherer gestorben, den wolten seine Fründ in den Kirchoff legen. Da wolt es der Priester nit gestatten, als er auch billich thůn solt; wan das Erdreich ist geweicht und ist Gottes; keiner, der des Tüffels ist, sol da begraben sein. (De usuris ex concilio Lugdunensi, und ist Gregorius. 10.) Da wolten in seine Fründ uff die Strassen vergraben, das wolt des Künnigs Fischgal und Amptman auch nit lassen und sprach: ›Das Erdtreich ist des Künigs; der Schalck sol in des Künigs Erdtreich nit vergraben werden.‹ Da stůnd der böß Geist da und sprach: ›Geben ir in mir her! Ich wil in tragen, da sein rechte Begrebniß ist, das ist die Hel.‹ Und nam in uff sich und für mit im darvon. Das was sein Pfar; in die hat er gedient, in deren solt er auch vergraben sein.

Semliche Exempel und andere Zeichen, die groß sein, zögt Got zů Schanden dem Wůcherer und ir Begrebniß.

197. An Galgen ward einer gefürt
Von Schimpff das 197.

An Galgen ward einer gefürt.


Uf einmal was ein Wůchrer gestorben, da was der Priester und seine Fründ wider einander mit der Begrebniß. Der Priester sprach: ›Lieben Frünt, lassen den Leib uff ein halben Wagen legen und spannen zwen Ochsen darfůr, und lassen uns Got wol getrüwen, sie werden in ziehen, wa er wil, das sein Begrebniß sei!‹ Es was seinen Fründen lieb. Also on alle menschlich Weisung giengen die Ochsen under den Galgen und wolten nit weiter gon. Da wolt in Got vergraben haben; er het sich uff Erdtreich begangen als ein Dieb; darum da die Dieb vergraben sein, da solt er und Seinsgleichen vergraben werden.

Der Prophet spricht: (Jeremia 22. Sepultura asini sepelietur).

198. Prediger wolten kein Brod
[125] Von Ernst das 198.

Prediger wolten kein Brod.


In einer Stadt in Franckreich, heißt Zevon, da was ein Wůcherer, der hort sagen, wie das die Predigermünch kein Brot hetten in irem Kloster. Da fült er ein Korb mit Brot und sprach zů seinem Knecht, er solt das Brot dem Prior bringen in dem Kloster. Da sprach der Prior zů dem Knecht: ›Trag es deim Herren wieder heim! Er hat kein Gůt, sein Gůt ist alsamen frembd Gůt, und von fremdem Gůt mag man nit Almůsen geben.‹ Da der Wůcherer das hort, da bessert er sich und kert wider biß uff den Bettelstab.

Es wer noch besser, das die Geistlichen die Warheit sagten semlichen Wůchern und anderen, die ir Gůt übel gewinnen, das sie widerkerten und behalten würden, dan das sie schmeichlen und Gůt von inen nemen, mit inen essen und trincken und über Privilegia und Freiheit von dem Bapst erlangen, das sie von semlichen Lüten Almůsen und Gotzgaben nemen mögen.

199. Wucherers Gut verschwand
Von Ernst das 199.

Wůcherers Gut verschwand.


Es was ein Ordenßman, der ward von einem reichen Man geladen mit etlichen seinen Brüdern. Da der Prior das Benedicite solt machen, da sprach er also: ›Was von rechten Zügen und gůtem Gůt hie ist, das wöl Got gesegnen und sei gesegnet fruchtbar und gůt denen, die es niesen und essen; was aber nit rechtfertig ist, das verschwind als der Wind!‹ Da der Prior das geredt, da was nichtz me uff dem Tisch, es was Silbergeschir und ander Gezierd da, es was alles hinweg. Da der Hußwirt das sahe, da bessert er sich und kart wider.

200. Unrecht Gut, Bulschaft verdampt vil
Von Schimpff das 200.

Unrecht Gůt, Bůlschaft verdampt vil.


Geenseit des Mers da beschwůr man ein beseßnen Man. Da fragt der Priester den Tüffel, in welcher Sünd er den Menschen an dem allerliebsten anfecht. Der Tüffel sprach: ›In Gewinnen unfertigs Gůtz und in der Unkůscheit. Wan wir einen darzů bringen, das er unrecht Gůt hat, so sein wir schier sicher, das er unser ist. Wan under Dusenten [126] kum einer recht widerkert in unfertigem Gůt. Und in der Unküscheit; wan sie selten die Sünd gantz verlassen, sie bekümern sich etwan mit den Gedencken und mit den Lüsten.‹

201. Widerkeren kunt einer nit
Von Ernst das 201.

Widerkeren kunt einer nit.


Es was ein Wůchrer, der ward an dem letsten, da er sterben solt, ermant von seinen Fründen, er solt widerkeren und seiner Selen Heil schaffen. Der Wůcherer thet eben, als hört er es nit. Da im sein Fründ lang darvon sagten, da sprach er mit groser Ungedult: ›Mit disem Hertzen kan ich nit widerkeren. Gib mir ein ander Hertz!‹

Also gat es; alsbald Gelt und Gůt geseckelt ist, so kumpt es kum wider heruß.

202. Widerkerung thun hindert Stelen
Von Ernst das 202.

Widerkerung thůn hindert Stelen.


Damit widerstund ein frumer Man seiner Anfechtung, der angefochten ward, das er nach Gůt stellen solt oder Gelt ußleihen. So sprach er alwegen zů im selber: ›Wan du es schon überkemst, so müstu es hüt oder morgen widerkeren, woltestu anders selig werden. Es ist besser, du lassest es vor underwegen.‹

Der Weiß spricht: (Ecclesiasti. 9: Sicut capiuntur pisces.) Wie die Fisch mit dem Angel oder Garn gefangen werden, also werden die Menschen mit dem Zeitlichen und der Geitigkeit gefangen. Ja, noch vil mer ist der Mensch nerrischer dan der Fisch; wan wen der Fisch den Angel oder das Garn sehe, so kem er nit daryn, oder wan er schon gefangen würd, o wie gern macht er sich wider ledig, wan er möcht! Aber die Geitigen thůn entweders. Die Cristenmenschen wissen, wy sorglichen es ist unrecht Gůt zů überkumen, oder möchten es wissen, wan sie wolten zů Predig gon; noch so gewinnen sie Gůt etwan unrecht, und wan sie es nur gewunnen haben und gefangen sein, so möchten sie sich wol widerumb ledig machen durch Widerkerung und die Sünd durch die Beicht widerumb von in werffen und ir Herz widerumb gesund machen; aber sie thůn es nit. Das kumpt etwan her, das derselb also ein Güder ist und milt, gibt reilich uß; so er gern wolt widerkeren, so hat er es nit und hat es verthon und geb lieber Almüsen, dan das er widerkert. Oder er ist karg und geitig, und was im in das Hertz kumpt, das beschlüßt es und laßt es nit me heruß. Da [127] sein dieselben der Hellen gleich (Proverbio. 1: Degluciamus eum.) Wir wöllen in verschlucken als die Hel, die nit laßt, was sie einmal ergreifft; als ein Mensch in Wassernot, was er da ergreifft, das laßt er nit gon.

203. Ein Testamentari ward ze Dot geschlagen
Von Ernst das 203.

Ein Testamentari ward ze Dot geschlagen.


Es sol es auch niemans sparen uff seine Fründ und Testamentary, das sie nach seinem Dot widerkeren. Es ist in kurtzer Zeit geschehen zů Metz, da was auch ein Wůcherer, der an dem letsten ein Burger bestalt, der im ein Eid schwůr, das er wolt das Gůt widerkeren, wie er es uffgeschriben het, nach seinem Dot. Da kamen seine zwen Sün und brachten vil Geltz, zweihundert Guldin, die wolten sie demselben schencken, er solt sie das Testament ires Vatters uff lassen richten. Der Burger sprach: ›Euwer Vatter hat mir sein Seel befolhen, er hat sie üch nit wöllen vertruwen. Ich kan es nit thůn; es wer seiner und meiner und euwer Selen Verdampnis.‹ Die zwen Sün sprachen als die Juden vor Pilato: ›Wir wöllen die Sünd uff unß nemmen.‹ Der frum Man wolt es nit thůn. Da schlůg der Sün einer den Man zů Dot.

Das waren frume Sün, die hetten iren Vatter lieb; mocht sich der arm Vatter wol in jener Welt fröwen, das er so grose Arbeit het uff Erdreich gehabt, das er sie reich mecht. Was meinen ir, das sie irem Vatter Gůtz nach hetten gethon, het inen ir Vatter die Sach befolhen? Also sein das nerrisch Lüt, die iren Weibern, iren Kinden und Fründen befelhen ir Selenheil. Wie sie es ußrichten, das sichstu alle Tag wol.

18. Von dem Eebruch, von ersamen Frawen

204. Ein Frau het 12 Kind und 12 Väter
Von Schimpff das 204.

Ein Frau het 12 Kind und 12 Väter.


Franciscus Petrarcha schreibt, wie in Britania sei gewesen ein Man, der het 12 Döchterlin. Es fügt sich, das die Frau kranck ward, und empfand, das ires Lebens nit me was, und schickt nach irem Man und sprach: ›Lieber Hußwirt, es ist gewonlich, wan man sterben wil, so sagt jederman die Warheit. Bestel ein Schreiber, ein Notarien und Zügen, ich wil dir etwas Nüws sagen.‹

[128] Da alle Ding bereit waren und der Schreiber da was, da fieng sy an und sprach: ›Lieber Hußwirt, ich hab zwölff Kind, und ist keins dein dan das erst, des du sicher bist. Wan das erst Jar bin ich frum gewesen; darnach bistu selten bei mir gewesen und hast mein wenig geachtet, ob ich zů beissen oder zů brechen, zů essen oder zů trincken het. Und so hab ich mich begangen, wie ich mocht. Das ander Kind mit Namen ist des Edelmans.‹ Da was ein kleins Döchterlin, auch ir Kind, das saß da ussen bei dem Feüer und aß Keß und Brot; das hort, das sein Můter jeglichem Kind ein eignen Vatter gab. Das Döchterlin legt den Keß und das Brot nider und lieff in die Stub und knüwet für das Bett nider und strackt seine Armlin uff das Bet und sprach: ›O hertzliebe Můter, gibestu meinen Brüdern und Schwestern jeglichem einen eignen Vatter, so gib mir einen reichen Vatter, der mich wol erziehen mög!‹ Da es uff dasselb Kind kam, da gab sie im ein reichen Kauffman und nant in. Das Kind sprach: ›Můter, hab Danck! Du hast mir ein reichen gůten Vatter geben, der mich wol erziehen mag. (Es het etwan von im hören sagen). Ich wil jetz gon mein Keß und Brot vol essen; ich hab ein reichen Vatter.‹

Die Frau het zwölff Kind und het zwölff Vetter darzů und sagt die Warheit. Aber unser ersamen Frawen geben einem Kind wol zwölff Vetter, sie treuwen jeglichem fier oder sechs Guldin ab, und sprechen: ›Ich bin schwanger; ir haben mir ein Kind gemacht, es ist niemans anders dan euwer.‹ Lieber Got, so sein es etwan Erenlüt, geistlich und weltlich, und förchten weltliche Schand und dencken: ›Die Frawen haben grose Freiheit an dem Rechten; kanstu es mit Gelt behüten, so bistu wolfeil.‹ Und gibt der Frawen ein halben Schilling Guldin. So gat sie zů dem andern auch und spricht auch also zů im, und gat also von einem zů dem andern, und zů dem letsten gibt sie es einem; und wer es ein Ganß, es wer nit ein Feder daran sein. Da gehört ein nüwer Sack zů, und ein Sack in den andern gestosen und in das Wasser geworffen.

205. Das Habermus uff ein Seit
Von Ernst das 205.

Das Habermůs uff ein Seit.


Es zücht ein Man wol ein frume Frawen, er zücht auch wol ein unfrume wie diser Man. Und blib mancher Man bei seiner Frawen und werckt, so thet die Frau auch das best. Aber wil er in den Krieg lauffen und Weib und Kind lassen sitzen, sol sie stelen? Es sein darnach etlich Bůben daheim, die Tag und Nacht in dem Wirtshuß sitzen zů spilen und Wein zů suffen und wöllen nichtz thůn und wöllen dannocht daheim auch vol sein; [129] die Frau můß in ziehen, und wan die Man etwas bei inen gewar werden, so wöllen sie dye Frawen dot haben, sie müsen ire Kleider versetzen. Etlich sein dannocht besser und frümer; die achten nit, was sie thüen und waher es kum, dieweil sie nur vol sein.

Es was also ein Frau, die het uff einmal ein Tisch bereit, und uff einem Ort het sie ston ein Habermůß und ein Krůg mit Wasser, und uff dem andern Ort ein gebratnen Kappen, Weißbrot und ein Kanten mit gůtem Wein, und sprach zů irem Man: ›Hußwirt, nun sitz, an welches Ort du wilt an dem Tisch! Wiltu zů dem Habermůß sitzen, so wil ich dir helffen wercken, das mir das Blůt zů den Neglen ußgat, wiltu anders auch wercken. Wiltu aber zů dem Kappen sitzen, so můstu mich lassen gon an die Ort und End, da ich sie überkum.‹ Der Man sprach: ›Gang, war du wöllest! Ich wil zů dem Kappen und zů dem Wein sitzen.‹

Du solt wol Schelck finden, die die Hußthür zů Nacht uffheben, das sie nit kirren, so die Frawe uff die Bůlschafft wil gon etc.

206. Ein Keiserin stieß ir Hand in das Maul Vergilii
Von Schimpff das 206.

Ein Keiserin stieß ir Hand in das Maul Vergilii.


Virgilius hat zů Rom ein Angesicht an einen Stein gmacht, da bewert man die, die da Eid schwüren. Wan einer unrecht geschworen het, so beiß das Angesicht dem die Hand, wan er im die Hand in das Maul stieß; het er recht geschworen, so geschach im nichtz. Also warden vil überwunden, das sie meineidig waren. Es begab sich, das ein Keiser die Keiserin in dem Argwon het, wie das sie schimpfft mit einem Ritter. Der Keiser strafft sie offt mit Worten, wan im etwas gesagt ward. Uff einmal sprach er: ›Frau, die Sachen gon nit recht zů. Wöllen ir euch vor dem Stein Virgilii purgieren und reinigen, das ir schweren und die Hand in das Maul stossen, so wil ich euch glauben.‹ Die Frau sprach Ja. Der Tag ward gesetzt, das es geschehen solt.

Da der Tag kam, da kam der Keiser mit seiner Ritterschafft dar; die Keiserin was auch uff dem Weg mit iren Junckfrawen und Frawen, die ir das Geleit gaben, und lieffen die Lüt schier alle herzů, die in Rom waren, und was ein groß Wesen. Es begab sich, da man also anhin zoch, da kam ein Nar in einem Narrenkleid, der trang durch alle Frawen hinzů und fiel der Keiserin an den Hals und andern Frawen auch und küsset sie vor aller Welt. Die Keiserin weint und gehüb sich übel. Der Nar ward verloren. Da nun die[130] Keiserin kam zů dem Stein, da der Keiser stůnd, da schwůr sie also sprechende: ›Als warlich als kein Man mein Leib berürt hat dan allein der Keiser und der unselig Nar, der mich da vor aller Welt geschent hat, so gewarlich stoß ich mein Hand da hinyn.‹ Und hůb sie lang daryn. Da het der Keiser ein frumme Frawen etc. Sie het recht geschworen; der Nar was derselbig Ritter in dem Narrenkleid.

Dis Exempel dient uff vil Stück, als ein jeglicher wol verston kan, sich wol verhüten und solchs zů mercken.

Es kam uff einmal einer zů dem Petrarcha und klagt im, wie sein Hausfrau bůlt und ir Ee brech und iren Glauben. Petrarcha sprach: ›Betracht, ob du deiner Frawen nie Glauben gebrochen habest, ich wil geschweigen andern Lüten! Es ist nichtz Gemeiners dan der Eebrůch. Woltestu dein Fraw allein haben? Es hat den höchsten Lüten nit allein zů unsern Zeiten mögen widerfaren, ja vor langen Zeiten haben sie es müsen leiden. Ich wolt dir wol grose Herren und Fürsten, Kůnig und Keiser nennen, die Hůren haben neben inen gehebt ligen. Claudius was ein Keiser, der het zwo Frawen gehebt, die waren beide Hůren; eine hieß Messalina, die lieff von dem Keiser und lieff in das Frawenhauß und thet Sachen, die hübscher sein geschwigen dan geret. Lůg, ob es nit ein Hoffart sei, das sie nit wöllen leiden, das die grösten Künig oder Keiser haben můsen leiden! Doch wie dem sei, so sol es dir dein Leiden erleichtern und dein Kumer, das sie gleich Leiden haben mit dir. Über alle Ding ist der almechtig Got nit frei. (Rapida libido). Man nimpt Beginen und Nonnen, die im vermehelt sein. Der Eebruch der Frawen (nec permitti, nec prohiberi protest) mag nit erlitten noch vermitten werden.‹

207. Anthonius leid ein Eebrecherin
Von Schimpff das 207.

Anthonius leid ein Eebrecherin.


Anthonius der Keiser het ein Frau zů der Ee, die was ein Bůlerin. Seine Fründ sprachen zů im, er solt sie zů Dot schlagen oder solt sie von im jagen. Der Keiser sprach: ›Sol ich sie lassen zů Dot schlagen, das wer ein grose Grimikeit. Sol ich sie dan von mir schlagen, so müst ich ir auch ire Morgengab geben und dasjen, das sie zů mir bracht hat.‹ Das was das Römisch Reych. Und sprach: ›Es ist nichtz bessers dan gelitten.‹

Darumb so ist eelicher Stat ein verbitteretter Stat; würt zůgegleicht einem Habermůß, das wol gebrent ist und vil Fliegen und Mucken darin ligen. Und wan der Man sechs Fliegen an der Frawen findet, die im mißfallen, so findet [131] dy Frau 20 an im, die ir mißfallen. Darumb so můß man Pacientz haben. Sanctus Bernhardus setzt in einer Epistel zů einem grosen Herren, wie man soll Huß halten, und spricht also, und ist auch Franciscus Petrarcha in vil Capitlen de remediis fortune.

Es sprach einer zů im: ›Ich wil ein Weib nemen.‹ ›Was wiltu nemen?‹ ›Ein Junckfrawen wil ich nemen.‹ ›Filleicht so wůrt sie, wie du wilt.‹ ›Ich wil eine nemen, die hat vor ein Man gehebt.‹ ›So thů du, was sie wil.‹ ›Ich wil eine nemen, die hat vor zwen Man gehebt.‹ ›So gürt ir das Schwert umb!‹ ›Ich wil eine nemen, die kan wol reden.‹ ›Künt sy wol schweigen?‹ ›Ich wil eine nemen, die ist reich.‹ ›So nimpt Geitikeit Gelt zů der Ee.‹ ›Ich wil eine nemen, die ist hübsch.‹ ›Es ist hart zů behüten, das die Lüt lieb haben und begeren.‹ ›Ich wil eine nemen, die ist ungeschafen.‹ ›Es ist leidlich zů haben, das niemans begert.‹ ›Ich wil eine nemen, die würt vil Kind machen.‹ ›Vil Kind haben ist ein schwere Bürde; kleine Kind kleine Sorg, grose Kinder grose Sorg.‹ ›Ich wil eine nemen, die würt kein Kind machen.‹ ›Was sol ein Baum, der keine Frucht bringt?‹

Also ist der Tüffel in allen Orten in dem Kraut. Wer ein Frau nimpt, die hübsch ist, der hat sie nit lang lieb; wan die Hübsche bleibt nit lang, als wenig als Mertzenblüt, Winterschön, Volmon, Favor populi und Pfaffenstreit bleiben nit lang.

208. Glacies Ißschmarr hieß das Kind
Von Schimpff das 208.

Glacies Ißschmarr hieß das Kind.


Es was ein Kaufman zů Venedig, der fůr etwan uß und bleib ein Jar oder drü uß, als da man in die Heidenschafft fert. Und uff einmal was er so lang ußgewesen; da er widerumb kam, da fand er ein hübsch Kneblin in seinem Huß lauffen, das het ein weiß Härlin. Der Man sprach: ›Wes ist das Kneblin? Das ist doch warlich ein hübschs Kindlin.‹ Die Frau sprach: ›Hußwirt, es ist mein. Sol ich dir nit grose Ding sagen, wie es mir mit dem Kind ist ergangen? In dem Winter bin ich in den Garten gangen und hab an dich gedacht also mit groser Begird, das ich bei dir bin gewesen, und hab ein Yßschmarren von dem Dach da herabgenumen und hab in gessen, und ist das Kind daruß worden. Das zů einem Zeichen so heißt es Glacies Yßschmarren.‹ Der gůt Man schweig stil und wolt nit vil daruß machen; wan wen ein Man sein Eefrawen schent, so ist er vor geschent. Er gedacht auch: ›Werestu bei ir gewesen, so wer semlichs nit geschehen. Hastu anderßwa fremde [132] Heffelin zerbrochen, so hat sie daheim Krüg zerbrochen.‹ Der Yßschmarren wůchs also uff und ward groß.

Der Vatter sprach einmal zů seiner Frawen: ›Wie rietestu, wan ich unsern Glacies Yßschmarren einmal mit mir nem, das er auch etwas lert?‹ Die Frawe sprach: ›Du můst aber Sorg zů im haben.‹ Der Man fürt in mit im hinweg und verkaufft es uff dem Mer. Und nach langem, da er widerumb heimkam, da kam das Kind nit. Die Frau sprach: ›Ach, wa hastu den Yßschmarren hingethon, unser Kind?‹ Der Man sprach: ›Es ist mir seltzam mit dem Kind Yßschmarren ergangen. Es ist uff einen Tag über die Maß heiß gewesen, da wir uff dem Mer sein gefaren. Und ich hab im verbotten, das er nit barhaupt in dem Schiff solt sitzen, und es hat es nit gethon, und hat in die Sonn so heiß gestochen uff sein Haupt, das es zerschmoltzen ist und ist in das Mer geflossen. Und wie es von dem Wasser ist kumen, also ist es widerumb zů Wasser worden.‹

Also betriegen die Eelüt einander in der Ee.

209. Kellerin nanten die Knecht Kapunen
Von Schimpff das 209.

Kellerin nanten die Knecht Kapunen.


Uf den Schlössern und Burgen haltet man es hoch, wan sie daruff bůlen; sie müsen Küscheit daruff halten und das auch geloben, wan sie trüwen Dienst verheissen. Es fügt sich, das zwo oder drei Kellerin mit Kinden wurden gon. Der Herr uff dem Schloß sprach zů den Rütern und Knechten: ›Ir Gesellen, ist das trüwer Dienst gehalten, das ir also mit den Kellerin geschimpfft haben und sie zů Hůren gemacht?‹ Die Knecht sprachen: »Her, wir sein nit schuldig daran. Sie haben unß kein Růg wöllen lassen, sie haben unser gespottet. Wa wir für sie sein gangen, so haben sie gesprochen ›Kap, Kap‹ und haben unß für Kappunen gehalten. So haben wir inen gezögt, das wir kein Kappunen sein, sunder Hän.« Also jagt der Her Hůren und Bůben zů dem Schloß hinuß, Hän und Hennen.

Es gat noch also in den Hüsern zů, da der Knecht und die Kellerin, ja dy Frau und der Knecht, oder der Meister mit der Kellerin schimpfft. Und wan schon die Knecht frum wöllen sein, so reitzen sie die Weiber. Wa sie für einander gon, so stossen die Metzen die Knecht mit den Ellenbogen in die Seiten, und etwan so thůt es der Knecht der Frawen. So spricht dan die Frau: ›Knecht, du wilt nit Růw haben; weistu nit, das es der Meister verboten hat?‹ Und ist wol ußgericht. Hastu ein hübsch Weib, so darffestu ir nit förchten vor [133] den Schnapphannen, die uff der Gassen gon und das Har büffen und ir hofieren. Förcht ir vor deinen Knechten, und etwan vor denen, die den Stal misten oder die Schüßlen weschen in der Küchin, und Kemetfegern. Wan warumb? Wan es brint, wan man nit Wasser hat, so löscht man mit Mist.

210. Von dem starcken Athem des Römers
Von Schimpff das 210.

Von dem starcken Athem des Römers.


Es was ein Man in dem Rat oder Senat zů Rom, der het gar ein schweren herten Athem, das den Geschmack keiner erleiden mocht, und wolt keiner neben im sitzen, und flohen von im. Er fragt uff einmal einen in dem Rat, warumb man also von im flühe. Da sprach derselb: ›Ir haben ein so stinckenden Athem, das sie es nit leiden mögen.‹ Da er heimkam, da wolt er sein Frawen schlagen und was fast zornig über sie und sprach: ›Warumb hastu mir nit gesagt, das mir mein Athem stinckt?‹ Die Frau sprach: ›Ich weiß nit, ob euch der Athem stinckt oder nit; ich mein, alle Man schmecken also.‹

Das was ein erliche Frau, die was nie so nahe zů keinem Man kumen, das sie sein Athem het mögen schmecken. Aber unsere Frawen und Junckfrawen, wan sie mit den Mannen reden, so stosen sie ire Müler inen schier in ir Angesicht; ir Athem ist Feüer und brent. Und etwan in der Beicht, es sei Frau oder Man, so wöllen sie dem armen Priester ire Trüssel und Müler in die Nassen stossen, und einem stinckt der Athem oder die Naß, oder hat sunst Knobloch und Ziblen oder gebrenten Wein gessen, und kuchen den Beichtvatter an, besunder so er nüchtern ist, im möcht geschwinden. Ich hab zů einem gesprochen: ›Lieber, ich hör nit zů der Nassen yn, ich hör zů den Oren yn. Red mir zů den Oren, und nit zů der Nassen oder zů dem Mund!‹

211. Ein Junckfrau het Bulschaft versucht
Von Ernst das 211.

Ein Junckfrau het Bůlschaft versůcht.


Uf einmal was ein Junckfrau, die wundert sich so fast, und thet ir der Fürwitz, was Lusts doch in der Bůlschafft wer, das man sich also darumb schlecht und ir nachlaufft, und het es gern gewißt. Da sie es gewar ward und es empfunden het, da sprach sie: ›Ist es nichtz dan das?‹ Und kam in ein semlichen Mißfal und Rüwen, das sie darumb ir Junckfrauschafft verloren het, das sie sich schier selber gehenckt het.

212. Eine wolt nit zwen Sün haben
[134] Von Ernst das 212.

Eine wolt nit zwen Sün haben.


Es was ein Junckfrau, umb die wurben vil Burgerssün zů Eren. Sie veracht sie alsamen und sprach: ›Mir ist meine Junckfrauschafft so lieb, wan ich schon wůßt, das ich zwen Sün solt machen, die als heilig weren als Sant Johannes und Sant Jacob, so wolt ich dannocht keinen Man haben.‹ Ee das Jar herumkam, da het sie zwen Sün zů Uneren, und waren weder Sant Johans noch Sant Jacob.

Darumb stot Demüt wol bei Küscheit. Die Junckfrau Marie wer nůt gewesen, wer sie nit auch demütig gewesen. Wir tragen ein grosen Schatz in einem gleßnen Geschir, wir sein bald beraubt. Es wer auch hübsch zů sagen, wie Unküscheit ist ein Straff der Hoffart. Got laßt die Hoffertigen in Unküscheit fallen, das sie sich selber erkennen. Da ist die Geschrifft vol Exempel.

213. Züch, Jäcklin, züch! Züch, Metz, züch!
Von Schimpff das 213.

Züch, Jäcklin, züch! Züch, Metz, züch!


Es het einer uf einmal gelobt zů Sant Jacob zů gon und verzoh es etwan lang. In dem Winter was es im zů kalt, in dem Sumer was es im zů heiß, in dem Glentzen het er zů seyen, in dem Herbst het er zů herbsten. Es kam in uff einmal an, das er daran wolt. Da er zwo oder drei Meil kam, da stůnd er uff die Straß und strackt beide Arm uß, einen gegen Sant Jacob, den andern gegen seinem Dorff, und schrei: ›Züch, Jecklin, züch! Züch, Metz, züch! Züch, Jecklin, züch! Züch, Metz, züch!‹ Aber die Metz zohe me dan Sant Jacob, und kart sich umb und gieng wider hin heim.

Da ward das Sprichwort war, das einer Frawen Har me zücht dan einer Glocken Seil, und man hat die Bübin lieber dan die Eefrawen; und leidet manche von dem Eebrecher Streich, Verweisen und Armüt, übel Essen und Trincken; sie lidt den zehenden Teil nit von irem Eeman, das sie von dem Bůben leit. Und ist dannocht ein Wunder, das einer einer semlichen leichten Frawen trüwet, das sie sich an im halt und im getrüw sei, die irem Eeman nit trüw ist. Es sein etlich Eeman, die sprechen, als einer uff einmal sprach.

214. Einer nam seine Frau um Gotz willen
[135] Von Schimpff das 214.

Einer nam seine Frau um Gotz willen.


Es was ein Eeman, der sprach: ›Ich hab mein Eefrau umb Gottes Willen genumen. Mich hat nie kein Almůsen übeler gerůwen; wer weiß, wie ir in irem Hertzen ist!‹ Er sprach auch: ›Ich hab mein Frau lieber dan mich selbs und alle meine Fründ. Wan ich wolt, das sie in dem Himel wer, ich wolt aber nit auch da sein, ich bin meiner Frawen nit würdig; Got solt sie haben.‹ Also gat es. Der Man wolt, das die Frau ein Wolf wer; so wolt die Frau, das der Man ein Schaff wer, so wölt sie in essen.

215. Quos Deus coniunxit, nemo separet
Von Ernst das 215.

Quos Deus coniunxit, nemo separet.


Es ist ein Frage: Wie kumpt es, das die, die der Tüffel zůsamenfůgt in der Bůlschafft, in eins Sanckß Weiß, die kan niemans von einander bringen, und die Got zůsamenfügt, die kan niemans bei einander behalten? (Math. 19. Quos Deus coniunxit, homo non separet.)

216. Ein Doctor kam hinder Evam Wescherin
Von Schimpff das 216.

Ein Doctor kam hinder Evam Wescherin.


Uf einmal was ein Doctor in einer Stat, der was ein Pfarrer. Nun was Wein und Korn fast thüer; da was ein Frau, die het ein hübsche Dochter, die was ein Wescherin, die erdacht ein Sinn, das sie auch ein Ußkumen het. Uff einmal, da der Doctor allein heim was, da schickt sie die Dochter zů im, die solt in fragen, ob er etwas ze weschen het, ir Můter wolt im Wesch ynlegen. Der Doctor sprach Ja und gab ir, was er het; wan er het kein Kellerin und hielt eerlich Huß. Die Dochter kam zů der Můter; die Můter sprach: ›Wie ist es ergangen?‹ Die Dochter sprach: ›Wol; er hat mich umbfangen und mir ein Schmützlin geben.‹ Die Můter sprach: ›Das ist recht; nun haben wir die Sach wol halber gewonnen.‹ Da nun die Dücher geweschen, getrücknet und zůsamen waren gelegt und der Doctor aber allein daheim was, da kam die Dochter mit dem geweschnen Důch, und wurden des Kauffs eins, und kam so weit darhinder, das er die Můter auch in das Huß nam, und kunt sie niemans me von einander bringen.

[136] Die Herren des Rats strafften in darumb. Da sprach er dan: ›Eva in dem Paradyß hat Adam betrogen; hat dan die Eva mich betrogen, das ist kein Wunder.‹ Das Metzlin hieß Eva; also kunt sie niemans von einander bringen.

Also ist es noch, das mancher gat, so er aller Schan vergißt, allein das er seinem unordenlichem Lust gnůg sei. Darumb was der Tüffel zůsamenbringt, das kan niemans scheiden; wan er das Feüer unordenlicher Liebe so groß macht und daryn blaßt, das es für und für brent. Wan sie aber Got zůsamenfügt in dem Sacrament der heiligen Ee, so macht der böß Geist das Feüer der Liebe in dem Anfang der Ee groß, und brint doch klein. Wan wen sie einander für und für lieb hetten als den ersten Tag, und dieweil das Hochzeitbrot wert, so würden sie nimer uneins. Das Feüer erlöscht der böß Geist; er macht, das es abnimpt von Tag zů Tag, biß sie einander spinnenfeint werden und gantz kalt in iren Hertzen.

217. Fründ kamen in die Ee
Von Schimpff das 217.

Fründ kamen in die Ee.


Es was ein Bischoff; in derselben Stat waren zwey Menschen, die hielten Huß mit einander, die waren nahe Fründ, man bant und strafft sie, man kunt sie nit von einander bringen. Sie embotten dem Bischoff, er wolt sie zůsamengeben, das sie Eelüt weren, und begerten einander zů der Ee. Der Bischoff sprach, es möcht nit sein, es wer in dem dritten Grad. Nit lang darnach gab er sie zůsamen in die Ee und dispensiert mit inen. Es stůnd nit acht Tag, da wurden sie einander spinnenfeind und kamen zů dem Bischoff und begerten beide Divorcium, das er sie scheiden wolt. Der Bischoff thet es auch und sprach: ›Sehen ir, lieben Kind, durch die grose Krafft des Sacramentz der heiligen Ee ist der böß Geist ußgetriben worden, der vor da wont.‹

Darumb spricht Franciscus Petrarcha: Es ist sorglich Weiben oder Mannen, ein Ding, das so lang weren sol, des solt man nit so bald müd werden; und ein Ding, das sorglich ist, wie es geradt, solt man nit mit semlichen Fröden anfahen, als die Ee ist, mit Springen und Singen etc.

19. Von den Bulern

218. Etlich essen Gisselmal, sunst Mal
Von Ernst das 218.

Etlich essen Gisselmal, sunst Mal.


Der Bůler usserthalb der Ee sein dreierlei. Die ersten sein dy, die kein eigne Metzen haben; die nechst die best, sie bůlen die gantzen Wochen, und an dem Sontag lauffen sie in das Frawenhuß. Die werden zůgegleicht denen, die das Pfennigwert zeren, wa sie darzů kumen.

Die andern Bůler sein die, die da eigne Metzen haben, denen halten sie Trüw und sitzen etwan in einem Winckel oder in einem Wirtzhuß und halten nit Huß mit inen, sie kumen etwan zů acht Tagen oder zů fiertzehen Tagen einmal zůsamen. Die gleich ich denen, die das Mal essen in einem Wirtzhuß, gemeine Mal.

Die dritten Bůler sein die, die eigne Metzen haben, den halten sie Trüw und leben gleich wie Eelüt mit einander, haben Kind oder nit Kind. Die sein gleich denen, die da Gisselmal essen, kostliche Mal, etwan für ein dicken Pfennig. Das heissen Gisselmal, da man etwan uff ein Stat oder uff ein Edelman mit einem reisigen Hengst leistet; dy essen kostliche Mal, damit das groser Kosten uffgang, das man sie dester fürderlicher bezal und ußricht, warumb man dan leistet. Das Recht erdacht und funden hat dem Adel zů Leid Hertzog Bechtoldus von Zeringen, wan der Adel im zwen Sün mit Gifft erdöt hat und vergeben, die zů Soloturn in einem Sarch ligen zů Sant Urßlen, als Felix Hemerlin schreibt.

Nun fragstu, welcher under den dreien Bůlern sei allerweitest von Got und der Penitentz, die zů wircken. Ich gib dir Antwurt: Der drit, der sie bei im in seinem Huß hat. Der erst und der ander kumen selten zů Sünden. Aber die sie bei inen in dem Hauß haben wie Eelüt, hüten sich, allermeist die geistlichen Officiäl und Priester, die sie offenlich bei inen haben sitzen, in iren Hüsern kintbettern, das doch nit sein solt. Aber sie sein verblent und geben den andern Frawen böse Exempel. Es hebt hert, sie bleiben bei einander biß in das Alter, so werden sie dan dem Tüffel zuteil. Ker wider, etc. Die, die also bei einander seind, denen ist es nur umb ein Wincken zů thůn, so ist die Sach richtig. Wan wen einer ein Kanten mit Wein in dem Keltwasser hat also ston, so trinckt er, wan er wil, oder haben die Flesch an dem Bet bei inen hangen. Wan sie dan von im wil, so erbarmen sie die Kind. Wil er sich dan bessern, so gedenckt er: ›Wer zücht die Kind? Wie kan ich inen Bapen kochen?‹ Und also bleiben sie kleben 10 oder 20 Jar und sterben also; und wan sie zweihundert Jar solten leben, so bliben sie stets bei einander. Hüt dich!

219. Der stum Diener der Fürstin
[138] Von Schimpff das 219.

Der stum Diener der Fürstin.


Es reit uf einmal ein Fürst durch sein Land mit seiner Hußfrawen, und bliben bei einem Edelman uff seinem Schloß zů Herberg. Der Edelman het ein Sun, der was ein Stum. Da man aß, da dient der Stum so hoflich und so adelich zů Tisch, und stůnd im alles wol an, was er det. Der Fürst wolt mit im reden. Der Vatter sprach: ›Gnediger Her, er kan nit reden, er ist ein Stum.‹ Die Fürstin gedacht: ›Das wer ein Diener für dich; der wer verschwigen, vor dem dörffestu dich nit schamen.‹ Sie lag dem Herren an, er solt ir den Stumen erwerben zů einem Diener. Der Edelman kunt es dem Fürsten nit versagen.

Die Fürstin nam den Stumen mit ir heim. Und wan der Fürst darnach hinwegreit, so trůg der Stum der Frawen Wein uff, und kam da der Man, da der Ritter, der Edelman. Da sahe der güt Stum wol, was die Růben gulten.

Und nach einem Jar oder zweien reit der Fürst aber zů des Stumen Vatter und nam den Stumen mit im, das er einmal seine Fründ sehe. Der Stum dient dem Fürsten aber zů Tisch. Der Fürst sprach zů seinem Vatter: ›Ist dein Sun ein Stum von der Art oder von einem Siechtagen, oder wie ist es im ergangen?‹ Der Vatter sprach: ›Er ist kein Stum, er kan wol reden. Aber er kan nit schimpffen, er sagt heruß, was er weiß, und schmecht die Lüt, er sagt die Warheit. Da hab ich im uff einmal verbotten, er sol schweigen; also halt er Schweigen.‹ Der Her sprach zů dem Vatter: ›Lieber Her, lassen in reden! Ich bit euch darumb.‹ Der Vatter sprach: ›Wolan, Sun, sag unserm gnedigen Herren etwas!‹ Der Sun sprach: ›Her, euwer Frau ist die allergröst Hůer, die in dem Land ist.‹ Der Fürst sprach: ›Schweig! Du hast zů vil geret; ich hab es vor wol gewißt.‹

220. In einem Baum lag einer, da kam der Engel und der Tüfel
Von Schimpff das 220.

In einem Baum lag einer, da kam der Engel und der Tüfel.


Es was ein Burger, der het drei Döchter. Die zwo waren fast hübsch, die wurden bald in die Ee versorgt, und die drit war fast ungeschaffen und het keinen Werber. Es was ein alter reicher Man in der Stat, der erbarmpt sich über sie und nam sie zů der Ee. Sie hielt in wol und het in lieb; also verschreib er ir als sein Gůt. Er starb, und nach dem dreisigsten kamen vil Bůler und Werber und gedachten: ›Da ist gůte Narung.‹ [139] Man hoffiert zů Nacht vor dem Huß mit Singen, Pfeifen, Lautenschlagen, und ein Schar mocht der andern kum entgon. Die Nachburen murmleten darüber, sie heten kein Růw irethalb. Die gůt Frau nam sich der Hofierer nichtz an, sie was frum; sie gedacht: ›Wan sie sehen, das nichtz an der Sach ist, so hören sie selber uff.‹ Die Hoffierer zogen ab biß uff drei, die wolten nit ablassen und kamen alle Nacht für das Huß und hoffierten ir. Der ein hoffiert ir zwůschen siben und achten, der ander zů 9, der drit zů 10.

Dise junge Witwen gedacht, wie sie der dreier auch abkem, und gieng zů einer alten Matronen und fragt sie Ratz, welchen sie under den dreien nemen solt, sie wolten nit uffhören hoffieren. Der ein was ein Student, der ander was ein Edelman, der drit was eins Burgers Sun in dem Regiement. Wan wie die Frawen sprechen: ›Ich hab in genumen, das ich sein abkem.‹ Ja, du bist sein wol abkumen; du hast in erst zů dir an das Bet gelegt. Die alt Frau sprach: ›Das euch Botz Jamer schend, ir sollen deren keinen nemen, sie sůchen nit üch, aber üwer Gůt. Da ir in euwers Vatters Huß waren und ir arm waren, da kam keiner; jetzund; so euch Got beraten hat, so lauffen sie euch nach.‹ Die Witwen sprach: ›Wie kem ich aber der Hoffierer ab?‹ – ›Also thů im!‹ wie hernach folgt. Und sie rüstet alle Ding zů etc.

Da nun der erst kam an dem Aben, da nam sie in in ir Huß, und was der Tisch bereit mit Essen und Trincken, und sprach zů im: ›Du hoffierst mir. Hetestu mich gern zů den Eren, so wil ich dich beweren, ob du etwas umb meinetwillen darffest thůn. So wil ich dir eine gůte Antwurt geben. Da ich arm was, da kamstu nit.‹ Der jung Gesel sprach: ›Frau, was mir müglich ist zů thůn, das wil ich umb euwertwillen thůn und wil biß in den Dot gon.‹ Die Frau sprach: ›Leg das weiß Kleid an über die Hosen und gang zů dem Gerner! Da stot mein Nachbuer in einem Dottenbaum und ist gestorben. Schüt in uß dem Baum und leg du dich daryn, biß man Mettin lüt in der Pfar an dem Morgen, und nim den Sack und stoß den Dotten daryn und bring mir in her! So wil ich dir ein gůte Antwurt geben; es můß Ja sein.‹ Der gůt Gesel sprach: ›Das wil ich gern thůn; das ist mir ein kleine Sach.‹ Und thet, wie sie im befolhen het.

Der ander Hoffierer kam auch zů seiner Stund. Mit dem ret sie auch also und legt im ein engelisch Kleid an und gab im ein geweichte Kertzen in sein Hand und schickt in auch anhin, er solt bei der Leichen bleiben sitzen biß an den Morgen, wan man Mettin lütet. ›Und wan ir den Dotten bringen, so můß es Ja sein.‹ Er zohe also anhin und thet, wie sie in bescheiden het. Der in dem Baum lag, der sahe durch die Spelt uß und sahe den Engel kumen und gedacht: ›Da wil es sich machen.‹ Und der Engel bleib also da sitzen.

[140] Die Frau schickt den dritten Hoffierer auch dar und gab im ein Feüerhocken in die Hend. Der in dem Baum sahe den Tüffel kumen, da ward im so Angst, das er in die Hosen scheiß. Der Tüffel wolt den Engel mit dem Hocken über das Ding abziehen. Da segnet sich der Engel und stieß im die geweicht Kertz in das Angesicht, und kempfften mit einander. Der in dem Baum gedacht, es wer um sein Seel zů thůn, und wüst uff in dem Baum und stieß den Deckel uff und zů dem Baum hinuß. Der Engel und der Tüffel lieffen darvon, einer hierher, der ander dorthin. Also kam die gůt Frau der Hoffierer ab.

Die Frau mag bedüten ein jegliche Seel des Menschen, die in der Fasten hübsch ist worden. Wan sie ist gereinigt von den Sünden, reich worden von den Tugenden, jetz so kumen die drei Hoffierer, dein Leib, die Welt und der böß Geist, und underston dich wider zů Sünden zů bringen. Hüt du dich! (Applica, ut scis et vis etc.)

221. Ein alter Buler het noch als vil
Von Schimpff das 221.

Ein alter Bůler het noch als vil.


Uf einmal was ein alt Man, ein Witwer, der was reich gewesen und was abkumen, das er doch also ein Brang treib, als wer er noch wolhaben. Der bůlet umb ein hůbsche Dochter zů den Eren; die Dochter wolt sein kein Gnad haben, sie het lieber ein jungen Gesellen gehabt. Der Man het eins alten Gesellen Rat, wie er im thůn solt, das er das jung Weiblin überkem, Der Gesel sprach: ›Ich wil dir das und das leihen, so sitzestu on das in einem hübschen Hoff; das zög ir dan! So würt sie vil daruff halten.‹

Der gůt alt Nar, der alt Bůler lůd iren Vatter uff einmal und die Můter und die Dochter, und het ein gůt Abentbrot bereit. Nun het er ein Knecht, mit dem legt er an, wan er den Gesten etwas zögt und wan man uß der Kamern gieng, so solt er sprechen: ›Das ist nichtz, er hat noch vil me.‹ Und ee dan man aß, da giengen die Gest mit einander und wolten das Huß besehen und kamen in den Keller, da lagen grose Faß mit Wein in, da 10 oder 20 Fůder in sein; sie waren aber nit sein. Da man den Keller beschloß, da sprach der Knecht: ›Er hat in einem andern Huß wol noch me.‹ Sie kamen über ein Trog, da lagen vil Frawenröck und Mentel in, das thet man heruß. Es was hübsch Ding, es gefiel der Junckfrawen wol. Man beschloß; der Knecht sprach: ›Ja, er hat noch als vil.‹ Man besahe das zinnin Geschirr, es was noch als vil in der Küchin, Kessel und Pfannen; das silberin Geschir in einem Kensterlin, es was alwegen noch als vil da. Sie giengen in das Kornhuß; als was aber [141] noch als vil da. Da man nun über den Tisch kam und aß, der gůt alt Man was müd worden und ward im heiß und fieng an zů hůsten und zů kodern, das er schier erstickt wer. Man schlůg in uff den Rucken, ob im etwas in die unrecht Kel kumen wer. Also kam er wider zů im selber und sprach zů der Junckfrawen, die neben im saß: ›Junges Mensch, achten des Hůstens nit! Es ist ein Zůfal.‹ Da sprach der Knecht: ›Nein, es ist noch als vil; er treibt es Tag und Nacht.‹ Da het er es erst als verhönt; da wolt die Junckfrau des alten Koderers nit me, und het er noch als vil Gůtz gehebt.

Es gat noch also uff Erdtreich zů, das etwan ein Frau oder ein Man meint in der Ee zů finden Lust, Fröd und Gůt; so finden sie Unlust und Schuld. So facht dan der Hoppertantz an, und fahen an zů zancken, zů kriegen und zů verweißen. Darumb wer nichtz bessers uff disem Erdtreich, dan Kůscheit und Junckfrauschafft behalten und Got dem Herren und seinen lieben Heiligen dienen, die auch kůschlich uff disem Erdtreich gelebt haben, und ist das best und das rüwigest Leben. Man spricht also: ›Wer einmal ein gůt Leben wöl haben, der nem ein hübsches Meitlin und ein gebraten Hůn. Wer zweimal wöl gůt Leben haben, der brat ein Ganß; an dem Morgen isset er die Ganß, und zů Nacht isset er das Meglin und das Kreglin. Und welcher ein Wochen wöl gůt Leben haben, der nem ein Ferlin ab, so hat er Kotfleisch und auch Würst zů essen. Wer ein Monat wöl gůt Leben haben, der nem ein Ochsen. Wer ein Jar wöl gůt Leben haben, der nem ein Eefrawen, wert es anders also lang. Wer aber alwegen wöl gůt Leben haben, der leb küschlich und rein, als wir Priester und Ordenßlüt solten thůn. Wöllen wir aber Eelüt darzů sein, so müssen wir auch dy Bürdin der Ee tragen.‹

222. Von dreien Witfrawen
Von Ernst das 222.

Von dreien Witfrawen.


Also schreibt Sant Jeronimus von dreien Witwen, die also gůt Leben wolten haben und wolten zů dem andern mal mannen. Die erst Frau sprach: ›Ich find keinen Man, der mich wöll nemen; sie sůchen nur das Mein.‹ – Die ander sprach: ›Dieweil mein Man noch in meinem Hertzen lebt, so ist er noch nit dot; so wil ich keinen andern.‹ – Die drit sprach: ›Ich hab vor einen gütigen Man gehebt; nem ich ein andern, der würd gůt oder böß. Wer er böß, so wer es mir hart, nach einem gůten ein bösen zů haben. Wer er dan gůt, so müst ist stetz förchten, das im etwas widerfür, und wan er mir dan stürb, als ich jetz hab gehebt. Wir wöllen recht Witwenstat Got ze Lob halten.‹

20. Von der Straff des Eebruchs

223. Von eim Kaufman, der ein Kopff mit Bart ob eim Tisch het gesehen
Von Ernst das 223.

Von eim Kaufman, der ein Kopff mit Bart ob eim Tisch het gesehen.


Es was ein Kaufman, der wolt in ein Meß reiten gen Leon und kam in ein Walt, da hat ein Edelman gejagt, und fůrt man Hirtzen und Reher hernach. Der Kauffman lobt den Edelman gegen seinen Knecht, wie er so ein schöner Man wer, und sagt vil Gůtz von im. Es gefiel dem Knecht wol, und reit hinfür zů seinem Herren, der ein Ritter was, und sagt es im und sprach: ›Her, es reit ein Kaufman uß fremden Landen hernach; der ret euch als wol, wie ir selig uff Erdtreich seien. Thůn im ein Eer an!‹ Der Ritter fügt sich zů dem Kauffman und fabuliert mit im, wa er her kem und wa er hin wolt etc. Da man schier zů der Stat kam, da sprach der Ritter: ›Her Kauffman, wa wöllen ir hinnacht zů der Herberg sein?‹ Der Kauffman sprach: ›Ich frag zů dem besten Wirt zů.‹ Der Ritter sprach: ›Ir sollen hinnacht mein Gast sein.‹ Der Kauffman sprach: ›O Her, es wer zů vil.‹ Je er reit mit im.

Da man in den Hoff reit, da empfieng ein Knecht dem Kauffman sein Pfert und sprach: ›Her, ir dörffen kein Sorg für das Pfert haben; wir wöllen es versorgen.‹ Da er hinuffkam in die Stub, da waren gleich subere Hemder da und füchse Röck, als dan die Walhen hoflich Lüt sein. Da man nun essen solt, da kam des Ritters Frau mit zweien Döchtern wol uffgeziert und empfiengen den Gast. Man saß zů Tisch. Der Kauffman sahe die Frau an und die zwo Döchtern und die Kredentz und gedacht: ›Wie kan einem Menschen baß uff Erdtreich sein dan disem Ritter! Er hat, was er wil.‹ Und man trůg vil Trachten daher; er aß und tranck. Darnach bracht man in zweien silberin Blatten eins Mans Haupt mit einem langen Bart. Der Kauffman erschrack und gedacht: ›O we! Morgen würt man dein Haupt auch also zů Tisch tragen.‹ Man trůg es bald wider hinweg und bracht ein andere Tracht. Der Kauffman mocht nit mer essen. Die Frau tröstet in und leget im für. Und da man gessen het, da zert man ein Schlafftrunck.

Darnach wiß man in schlaffen, und gaben im ein Liecht und sprachen, er solt an ein Bet ligen, an welchs er wolt, sie sein alle bereit. Man thet den Rigel ußwendig an der Dür für. Der Kauffman thet den Rigel inwendig an der Thür auch zů. Nun waren vil Umbheng an den Wenden. Der Kauffman wolt alle Ding erneissen; da waren Armbrost, da Harnesch, da Bantzer, da [143] Spieß, da Köcher. Und in einem Winckel da was auch ein Umbhang, da lůgt er auch; da hiengen zwen Jüngling darunder, die waren erstochen. Diser Kauffman meint, man würd in auch dar hencken. Das Liecht gieng im uß, er legt sich in den Kleidern uff das Bet, und was im die Nacht lang. Da es Tag ward, da thet man das Riglin wider uff, der Kauffman rüstet sich uff sein Fart.

Da man im zů Morgen essen gab, der Ritter kam und sprach: ›Her Kauffman, wie haben ir hinnacht geschlaffen?‹ Der Kauffman antwurt: ›Ich hab übel geschlaffen, mein Leben lang hab ich nie kein lengere Nacht gehebt dan dise.‹ Der Ritter sprach: ›Warumb? Sein die Leilachen nit suber gewesen?‹ Der Kauffman sprach: ›Nein, es ist als sauber und schön gewesen; aber darumb: ich hab wöllen lůgen, was hinder den Umbhengen wer, und hab es als gesehen und hab zwen funden hangen in dem Winckel, die waren dot, und hab gedacht, man würd mich zů inen hencken. Und wan mir die Augen sein zůgangen, so ist mir das Haupt mit dem Bart fürkumen und die zwen Doten, und hab ein lange Nacht gehebt. Und lieber Her, ich bit euch, das ir mich in dem Friden lassen hinfaren.‹ Der Ritter sprach: ›Ir sein Leibs und Gůtz sicher.‹ Der Kauffman sprach: ›Wissen aber ir, was die Ding bedüten?‹ Der Ritter sprach: ›Ir haben zů meinem Knecht gesprochen und auch gedacht, wie ich so glücklich uff Erdtreich sei, ich hab, was zů einem gůten Leben gehör, und wissen nit, was mir anligt. Das Haupt mit dem Bart ist ein Ritter gewesen da uff dem Schloß, den hab ich ergriffen in dem Eebruch und hab im den Kopff abgeschlagen und bring in allen Tag ůber den Tisch, das mein Frau gedenck, was sie gethon hab, und ernüwer ir den Eebruch. Die zwen, die under dem Umbhang hangen, das sein meines Brůders Sün gewesen, die haben die Fründ desselbigen Ritters erstochen, die unschuldig sein. Sie haben mich nit künnen umbringen, darumb haben sie die umbbracht. Die hab ich dahin gehenckt und gang alle Tag dar, sie zů besehen, das ich ergrimpt werd, das unschuldig Blůt zů rechen. Nun betrachtu, was gůten Lebens ich uff Erdtreich hab, wan ich den Eebruch vor mir sihe und das unschuldig Blůt der zweier in dem Umbhang! Darumb, lieber Kauffman, far hin und urteil keins Menschen Leben me gůt und böß, du habest es dan baß erfaren dan das mein!‹ Also fůr der Kauffman darvon und sagt, wie es im ergangen wer.

224. Von der Frawen Gangolfi
[144] Von Schimpff das 224.

Von der Frawen Gangolfi.


Sant Gangolf ist ein Graff gewesen, den eret man in oberen Burgund. Der het ein Frawen, die het den Caplan lieber dan in; wan er ein Gotesfründ was. Der Her strafft die Frawen offt und sprach, sie wer ein Eebrecherin. Die Frau versprach sich, sie wolt alwegen unschuldig sein. Sie giengen uff einmal in einen Garten, da was ein Brunnen in, der was nit tieff, der qual uff, und sassen also bei dem Brunnen. Der Her Gangolf sprach: ›Frau, dörffen ir mir das rot Steinlin bieten, das da in dem Brunnen ligt, ich trüw, Got der Her werd euwer Unschuld und Schuld offenbaren.‹ Die Frau sprach: ›Ja, solt ich es euch nit dörffen langen?‹ und streifft dy Ermlin hinder sich und erwischt das Steinlin, und so sie den Arm wil herußziehen, so bleibet die Hand in dem Brunnen ligen, und zücht den Stumpff heruß. Da erkant man ir Schuld des Eebruchs.

Nit lang darnach schlůg der Bůl iren Herren zů Dot. Sant Gangolff fieng an grose Zeichen zů thůn, und wan ein Zeichen geschah, so lütet man alle Glocken. Und uff den Freitag het er aber ein Zeichen gethon, da lůtet man. Da sprachen die Frawen, die bei ir waren: ›Euwer Her hat aber ein Zeichen gethon.‹ – ›Ja‹, sprach sie, ›er zeichnet eben, wie mein Hinderer reden kan.‹ Da fieng sie an zů fartzen und ließ ein Scheiß über den andern, und wan sie oben redet, so redt sie unden auch.

Sehen ir, wie Got den Eebruch mit einem semlichen klarlichen Exempel mit Verlierung der Hand an den Tag bracht!

225. Zwen Ebrecher müsten grau Rök tragen
Von Ernst das 225.

Zwen Ebrecher müsten grau Rök tragen.


Wir lieben Kinder, solt man einem jeglichen Eebrecher ein Hand abhawen, so würd das Důch fast thür werden. Warumb? Es wůrden nit vil Spinnerin sein. Ich Schreiber dis Büchs bin ein Leßmeister gewesen in einer Stat, da waren zwen Brüder, und het jeglicher ein Frau, die hetten zwo Metzen überkumen. Man warnet sie offt; dannocht lieffen sie hinweg mit inen und liessen Weib und Kind sitzen. Die Herren der Stat liessen inen nachylen und liessen sie fahen, und under andern Straffen müsten sie schweren, kein andere Farb zů tragen dan lange grawe Röck. Da ich uff einmal predigt in derselben Stat in dem Münster, da sprach ich: ›Sol es darzů [145] kumen, das ein jeglicher Eebrecher sol ein grawen Rock tragen, wa wil dan ich armer Münch ein Kutten überkumen! Dan es sein wol also vil Eebrecher und Eebrecherin, das das grau Důch also thüer würd werden.‹

226. Eim Ebrecher beid Augen ußstechen
Von Ernst das 226.

Eim Ebrecher beid Augen ußstechen.


Es was ein Künig, der het in seinem Land ein Ordenung gemacht, wer in dem Eebruch begriffen würd, es wer Frau oder Man, dem solt man beide Augen ußstechen. Es warden vil Augen ußgestochen Frawen und Mannen. Es fügt sich, das des Künigs Sun ergriffen ward. Der Künig wolt in straffen wie ein andern; das gemein Folck mit dem Rat batten für in. Der Künig wolt es nit thůn; sie lagen im so lang an, das sie den Künig erbatten. Da sprach der Künig: ›Damit das nieman geergert werd und dem Gesatz kein Abbruch geschehe, so můß man dem Sun ein Aug ußstechen und mir auch eins.‹ Das was ein frumer Her.

227. Das kalt Eisen brant eine
Von Schimpff das 227.

Das kalt Eisen brant eine.


Es was ein Man, der het ein Frawen, die bůlet. Dem Man kam etwas für; wan der Hußvatter alwegen der letst ist, der ein Ding erfert, als Juvenalis spricht. Er warnet sie offt und sprach: ›Frau, dörfftestu dich reinigen und dein Unschuld zögen durch das heiß Ysin und darffestu das tragen?‹ Die Frau sprach Ja. Der Tag ward gesetzt. In der Zeit fügt sie sich zů dem Priester und beichtet und thet Penitentz und verhieß sich zů bessern. Da die Zeit kam, da trůg sie ein Schin Ysin in beiden Henden. Der Man was fro, das er ein frume Frawen het.

Es fügt sich, das sie widerumb fiel in den Eebruch. Der Man sprach: ›Frau, die Sachen gefalen mir nit. Der ist hůt aber hie gewesen, dieweil ich in dem Rat bin gewesen.‹ Die Frau sprach: ›Du bist sunst ein Yfferer und unrüwig, nun stot doch noch da die Schin Ysin, die ich glüend getragen hab, und hat mich nit gebrendt.‹ Und nam die Stang Ysin in ire Hend, da brandt sie das kalt Ysin, das sie Mordio schrei und bließ in die Hend und lieff zů dem Wasser und wolt sie leschen, und die Haut gieng ir ab von dem Brant. Da sahe der Man wol, wie frum sein Frawen was. Das heißglüende Ysin brant sie nit in die Hand, aber das kalt Ysin brant sie.

228. Der Koler sach ein Frawen
[146] Von Ernst das 228.

Der Koler sach ein Frawen.


Es was ein Graf von Muerdini, derselb was gar ein frummer Man. Der het ein Koler, der was im lieb; wan er etwas Anligens hat, so hort er in, und het ein freien Gang zů im. Uff einmal kam er zů dem Graffen; der Graff meint, er het etwas Anligens. Der Koller sprach: ›Wan ich Kolen bren, so sihe ich etwas, ich wolt, das ir es auch sehen.‹ Der Graff sprach: ›Was sichstu?‹ Der Koler sprach: ›Wan es umb dy Mitnacht würt, so rent einer uff einem Pferd und hat ein bloß Schwert in der Hand, und laufft ein nackend Frau vor im anhin, und wan sie zůsamenkumen, so hawet er sie in der Mitten entzwei und würfft sie in den Brunnen, und felt Pferd und Man hinnach.‹ Der Graff sprach: ›Ich wil hinnacht mit dir gon, wir wöllen aber vor beichten.‹ Und da sie gebeichteten, da giengen sie mit einander biß an das Ort, da solchs geschehen solt. Umb die Mitnacht da jaget der dort her etc., wie dan der Kolbrenner het gesagt. Der Graff sprach: ›Ich beschwer dich bei dem lebendigen Got, das du mir sagst, wer du seiest und was du hie thügest.‹ Der hielt stil mit dem Pferd und sprach: ›Ich bin der Ritter mit Namen, und die Frau ist des Ritters Frau gewesen, und wie wir in dem Eebruch gesündet haben, und also müssen wir einander wider martern und peinigen. Und laß dich nit wundern, das Got den Eebruch also hertigklich wil straffen zeitlich und ewiglich, so also vil Übels und grose Schand und Schad darvon entstot!‹

Solt man die Übel mit iren Straffen schreiben, es würd ein eigen Bůch werden. Aber das was vor des Ritters und seins Bůls Fegfeüer, ee sie behalten warden.

229. Ein Buler dötet ein Eeman
Von Ernst das 229.

Ein Bůler dötet ein Eeman.


Es schreibt Rupertus de Licio, ein Barfůsser in seiner Fastenpredig, wie zů Assin ein Eebrecherin sei gewesen, die het den Bůlen gern zů der unseligen Ee gehebt, und schlůgen an, sie wolten den Eeman zů Dot schlagen. Uff einmal da der gůt Eeman heimkam und zů dem Huß yngieng, da umbfieng in sein Eefrau und hůb im die Armen so starck, biß der Morder kam, der verborgen lag, mit der Axt in zů Dot schlůg, und vergrůben in in ein alt Huß. Und des Morgens frů gieng die Frau zů [147] der Kirchen und sagt seinen Fründen, ir Man wer hüt frü zu Sant Jacob gangen und het sie alle gesegnet. Es wundert die Fründ, das er also heimlich hinweg wer und inen nichtz gesagt het, und besunder seiner Můter, und sie hetten ein bösen Argwon uff sie und schwigen doch.

Nit lang darnach uf einmal schrei und weint die Frau in dem Huß, das es die Nachburen horten und fragten sie, was ir gebrest. Sie sprach: ›Ein Jacobsbrůder hat mir gesagt, mein Man sei uff der Strassen gestorben‹, und kant sie den Jacobßbrůder nit. Die Fründ sahen, wie der Bůl bei ir uß und yngieng, und erkanten die Boßheit der Frawen und sagten es den Herren. Man fieng die Frau. Die Frau saget, wie sie den Man het umbbracht. Man fand den Man, der Mörder lieff hinweg, und man verbrant sie. Da stůnd der Bůl uff einem Berg, das er es wol sehen kunt, und kam in semliche Fantasy uff die Frawen, das er hinzůgieng. Die erbern Lüt hiesen in hinweg gon, er würd sunst auch gefangen; er wolt es nit thůn oder kunt es nit thůn und ward gefangen. Und morgens an demselben Ort schlůg man im den Kopff ab. Also ward der Eebruch gestrafft.

230. Der Eman hüw dem Bulen und seiner Frawen die Köpff ab
Von Ernst das 230.

Der Eman hüw dem Bůlen und seiner Frawen die Köpff ab.


Da Frater Johannes Pauli dis Bůch schreib, da zalt man 1518 Jar, da er Leßmeister was zů Than, ist ein Dorff, das heißt Geberschweiler, ein Meil von Kolmar in dem Elsaß. Uff ein Durnstag, so Wochenmerckt ist zů Kolmar, da hat ein Frau wöllen zů Merckt gon umb ires Bůlen willen, der was ein Zimerknecht in demselben Dorff. Der Eeman ist ir nachgeschlichen und hat sie in dem Werck des Eebruchs funden und ist zů inen kumen, das sie es nit gewar sein worden, wan sie hetten anders zů schaffen, und hat in einem Streich inen die Köpff beid abgehawen und der Frawen ein Hand; wan sie het ein Arm umb in geschlagen. Der Eeman ist in das Dorff gangen und sagt es dem Folck, wie er gewerckt het, und man legt sie zůsammen in das Ungeweicht beide in ein Loch.

O we den armen Selen, dye also in Dotsünden für den strengen Richter bracht werden, so doch das Recht spricht: (Qualem te invenio) ›Wie ich dich find, also urteil ich dich.‹

231. Rosimunda erdötet zwen Man
[148] Von Ernst das 231.

Rosimunda erdötet zwen Man.


Wir lesen in der Histori Longobarborum, der Langenbärter, das sie ein Künig hetten, der hieß Alkuinus. Der überwand den Künig von Italien und schlůg in zů Dot und nam sein Hirnschal, und ließ sie heimlich in Silber fassen und macht ein Kopff darüber. Der Künig het ein Dochter verlassen, die nam Alkuinus zů der Ee. Uff einmal waren sie zů Verona, Dietterichs Bern, da was Alkuinus der Künig frölicher dan anderemal und het baß getruncken und nam denselben Kopff und bot in seiner Frawen Rosimunde und sprach: ›Trinck mit deinem Vatter!‹ Die Frau tranck und verstůnd das Wort nit. Da sie es gewar ward, das sie uß irs Vatters Kopff het getruncken, da ward sy dem Künig irem Man über die Maß feint.

Nun was ein Junckfrau under iren Eerjunckfrawen, die bůlet ein Ritter; das wüst die Frau wol. Uff einmal, da der Künig hinweg was geritten, da sprach Rosimunda zů derselben Junckfrawen: ›Heiß dein Bůlen hinnacht kumen! So wil ich in dein Bet ligen in dein Stat, ich hab etwas mit im zů reden.‹ Die Junckfrau thet es. Da der Ritter kam und seinen Willen mit ir volbracht het, da sprach Rosimunda: ›Weistu, wer ich bin?‹ Der Ritter sprach: ›Bistu nit die meine?‹ Die Frau sprach: ›Ich bin Rosimunda.‹ Der Ritter erschrack und sprach: ›Frau, was thůn ir hie?‹ Die Frau sprach: ›Du hast deinen Willen mit mir volbracht. Du můst mir mein Man erstechen, oder meins Mans Schwert můß dich erdöten. Mein Man hat mir mein Vatter zů Dot geschlagen und hat mir uß meins Vatters Haupt zů trincken geben, und du můst mich an im rechen.‹ Der Ritter sprach: ›Ich wil es nit selber thůn, ich wil aber schaffen, das es geschicht.‹ Die Frau spräch: ›Du můst es selber thůn, und die Nacht würstu die Kamer offen sinden. So wil ich alle Schwerter verknipffen, das keins ußgat, und wil es anbinden, das keins von der Wand gang.‹ Also wie sie es anschlůgen, also gieng es, als dan die grosen Herren Amplen, Liechter zů Nacht bei inen haben. Der Ritter kam zů der Kamerthür hinyn. Der Künig ersahe in und wüst nackent von dem Bet uff und greiff nach dem Schwert, da mocht es im nit werden. Da erwůst er den Schemel, der vor dem Bet stünd, und wört sich manlich. Aber der Ritter het Harnisch an, das im der Künig nichtz mocht abgewinnen. Da erstach in der Ritter. Rosimunda nam, was von Golt und Gelt und Kleinetter da waren, und lůden zwei Pfert und fůren mit einander hinweg und bliben zů Ravenna und namen einander zů der Ee.

Etlich Jar darnach, da sahe sie ein jungen Edelman zů Ravenna; dem ward [149] sie hold und wer des Mans auch gern abgewesen. Und uff einmal hiesch er zů trincken, da bereit sie im Gifft in Wein. Sobald der Man getranck, da empfand er des Giftz und sprach: ›Du Mörderin, du hast mir Gifft zů trincken geben; dů můst auch trincken.‹ Die Frau wolt es nit thůn; also zwang sie der Ritter mit dem blosen Schwert zů trincken. Also bliben sie beid dot bei einander; das was ir rechter Lon des Eebruchs und des Dotschlags.

232. Einer zu Rom wolt einen erschiessen, und was hundert Meil von im
Von Ernst das 232.

Einer zů Rom wolt einen erschiessen, und was hundert Meil von im.


Es was ein Man gen Rom gangen, Sant Peter und Sant Paul zů sůchen. Und da er hinweg kam, da ward sein Frau einem andern Man hold, als man sie nent erfaren Schůler, der begert ir zů der Ee. Die Frau sprach: ›Mein Man ist gen Rom gangen. Wer er dot oder du küntest in umbbringen, so wolt ich dich haben für alle Man.‹ Er sprach: ›Ja, ich kan in wol umbbringen‹, und kaufft wol sechs Pfunt Wachs und macht ein Bild daruß.

Da diser frum Man zů Rom in der Stat gieng, da kam einer von Rom zů im und sprach: ›Du Sun des Dotz, was gastu hin und her? Hilfft man dir nit, so bistu hüt lebendig und dot.‹ Der Man sprach: ›Wie wer das eins?‹ Er sprach: ›Kum in mein Huß, ich wil dir es zögen.‹ Da er in heimbracht, da het er im ein Wasserbad zůgericht, daryn satzt er in und gab im ein Spiegel und sprach: ›Lůg daryn!‹ Und saß neben in und laß in einem Bůch und sprach zů im: ›Sihe in den Spiegel! Was sichstu darin?‹ Der Man in dem Bad sprach: ›Ich sihe, wie in meinem Huß einer ein wächsen Bild an die Wand stelt und gat und nimpt das Armbrust und spant es und wil in das Bild schiesen.‹ Da sprach er: ›So lieb dir dein Leben sei, so duck dich under das Wasser; wan er wil schiessen!‹ Der Man thet es. Der laß aber in dem Bůch und sprach: ›Sihe, was sichstu?‹ Der Man sprach: ›Ich sihe, das er gefelt hat und ist fast trurig, und mein Frau mit im. Der erfarner Schůler rüst zů und wil zů dem andern Mal schiessen und gat zů dem halben Teil hinzů.‹ – ›Duck dich, wan er schiessen wil!‹ Er duckt sich. Er sprach: ›Lůg, was sichstu?‹ Der Man sprach: ›Ich sihe, das er gefelt hat und ist fast trurig und spricht zů der Frawen: Fel ich nun zů dem dritten Mal, so bin ich des Dotz, und rüstet zů und stot so nahe zů dem Bild, das er nit felen mag.‹ Da sprach der, der in dem Bůch laß: ›Duck dich!‹ Der Man duckt sich zů dem Schutz. Er sprach: ›Sihe uff, was sichstu?‹ – ›Ich sihe, das er gefelt hat, und ist der Pfeil in in gangen, und ist dot, und mein Frau vergrebt in unden in [150] das Huß.‹ Da sprach diser: ›Jetz stand uff und gang hin!‹ Der Man wolt im vil schencken; da wolt er nichtz haben und sprach: ›Bit Got für mich!‹

Da der Burger wider heimkam, da wolt in die Frau früntlich empfahen, da wolt er ir kein Gnad haben und lůd und berůfft ire Fründ und sprach zů inen, was sie im für ein Frawen hetten geben, und saget es inen, wie sie gehandlet het. Die Frau lögnet es stetz. Da fůrt der Man die Fründ, da sie in hin vergraben het, und grůb in wider uß. Da fieng man die Frau und verbrent sie. Das was ir rechter Lon.

21. Von der Trunckenheit

233. Einer het nie kein Wein truncken
Von Schimpff das 233.

Einer het nie kein Wein truncken.


Es gieng einmal ein Schwab gen Rom, und da er in das Welschland kam, und man im des gůten welschen Weins darsatzt und er sein Leben lang nie kein Wein getruncken het und nit wißt, was es was, da růft er den Wirt und rumet im in ein Or und fragt in, was Safftz das wer, das er im da fürgesetzt het. Der Wirt sahe wol, was er für ein Gast het, und sprach: ›Es sein Gotz Trehen.‹ Da hůb der Schwab die Augen uff in den Himel und sprach: ›O Got, warumb hastu nit auch in unser Land geweint?‹

234. Der Becher het einen gestochen
Von Schimpff das 234.

Der Becher het einen gestochen.


Es was einer, der het zů vil getruncken, das er kranck ward und schickt nach dem Artzet. Der Artzt kam und greif im die Puls, da sahe er wol, das er sich übersoffen het, und sprach: ›O lieber Sun, der Becher hat dich gestochen.‹ Da sprach der Kranck: ›O lieber Her, het ich es gewißt, so wolt ich uß einem Glaß haben getruncken.‹ Das Geschir mißfiel im, aber der Wein nit.

Also geistlich. Manchem Menschen mißfelt dise Welt. ›Ja‹, spricht er, ›es ist kein Trüw in der Welt, nichtz dan Untrüw und Falscheit.‹ Die Welt mißfelt inen, aber das Gelt, Gold, hübsche Frawen, Fressen und Suffen das gefelt inen, und ist inen etwan leid, das sie nit me suffen mögen; und essen nichtz, das dem Durst wert, aber man můß inen Würst braten und geröcht Fleisch geben, das sie mögen trincken. Das ist grose Sünd.

235. Uff dem Mör aß einer fil Saltz
[151] Von Schimpff das 235.

Uff dem Mör aß einer fil Saltz.


Also thet einer uf dem Mer, da was man in grosen Sörgen des Schiffbruchs, das jederman schrei und betteten; etlich wolten beichten und forchten, sie würden undergon. Da was ein Abentürer in dem Schiff, der nam sein Sack herfür, da het er Keß und gesaltzen Fleisch in; das aß er und aß vil Saltz darzů. Die erber Lüt sprachen zů im: ›Was meinstu darmit, das du also vil Saltz issest und hörst, das wir alle Mordio schreien? Wir meinen, du seiest nit witzig.‹ Der Abentürer sprach: ›Ich mein, ir seien nit witzig. Ich můß hüt vil trincken; darumb můß ich wol etwas Gesaltzes essen, das ich trincken mög.‹

236. Von dem Feber wolt einer entlediget werden, aber von dem Durst nit
Von Schimpff das 236.

Von dem Feber wolt einer entlediget werden, aber von dem Durst nit.


Es was einer, der het das Feber, das er von Hitz wegen vil tranck. Es kam einer zů im, der sprach: ›Fründ, wilt du, ich wil dich wol gesund machen.‹ Er sprach: ›Her, ich beger, das ir mich gesundt machen von dem Feber. Aber den Durst sollen ir mir nit vertreiben; dan es thůt mir wol, wan es also kalt hinynlaufft.‹

237. Wan einer badet, so durst in
Von Schimpff das 237.

Wan einer badet, so durst in.


Uf einmal sprach einer: ›Ich hab alwegen Durst.‹ Ein anderer sprach: ›Wie kumet es?‹ Der sprach: ›Wan ich in das Bad gang, so dürst mich acht Tag darnach. So gang ich alle acht Tag einmal daryn; darumb so dürst mich alwegen.‹

Es ist ein Sprichwort: ›Welcher nit schlaffen mag, der sol zů der Predig gon; welcher nit betten kan, der sol uff das Mer faren; welcher nit trincken mag, der sol in das Bad gon.‹ Das fierd gehört uff den Rolwagen, da man gůte Schwenck treibt: ›Wer nit Öpffel mög essen, der sol im ein Blatten lassen scheren oder ein Kutten anlegen.‹ Wan man in der Welt frum und küsch ist, sobald man Priester würt und die Blat uff den Kopff kumet und die Kut an den Hals, so ist nieman unküscher dan dieselbigen. Hüt dich!

238. Der Zunftmeister lag im Mist
[152] Von Schimpff das 238.

Der Zunftmeister lag im Mist.


Zwen Gesellen waren mit einander bei dem Wein gewesen und waren beid vol worden. Da alle Welt was schlaffen gangen, da wolten sie auch schlaffen gon. Der ein gab dem andern das Geleit heim, der disem auch widerumb, und triben das Geleiten, biß sie beid uff dem Mist bliben ligen, und meinten, sie legen an iren Betten. Und da es an dem Morgen frü ward und man zů der Kirchen gieng, da sprach einer: ›Wer hie, wer hie?‹ Da antwurt einer: ›Wir Süw sein hie.‹ Er wolt wissen, wer sie weren, und da er den einen recht besahe, da sahe er, das es ein Zunfftmeister was, und sprach: ›Sihe, Her Zunfftmeister, sein ir das?‹

Ich mein, man solt der Zunfftmeister me finden in den Stetten. Da mögen sich die armen Frawen wol fröwen, die also Trunckenböltz haben, und treiben es dannocht nit für den Herter, und wan sie zů Nacht heimkumen, so stincken sie von dem Wein, das ist eben, als legen sie in einem Scheißhuß; und an dem Morgen ist inen das Maul bitter und sawer. Jeglicher erkenn sich selber!

239. Der Esel was witziger dan sein Her
Von Schimpff das 239.

Der Esel was witziger dan sein Her.


Ein semlicher fůret uff einmal sein Esel zů trincken über den Brunnen. Da der Esel gnůg getruncken het, da wolt er stetz heim. Diser bat den Esel, er solt me trincken. Der Esel wolt stetz heim. Da sprach der Man: ›Bei meinem Eid, du bist witziger dan ich. Wan du gnůg getruncken hast, so hörestu uff; wan ich schon genůg hab, so fahe ich erst wider an umb der Gesellen willen zů trincken.‹

Es ist ein Wort: Mesikeit stat wol in allen Dingen. Es solt keiner trincken, er solt ein Aberzil haben, damit er nit zů vil trincke. Aber was ist ir Aberzil? Der ein trinckt, biß das nichtz mer in dem Glaß oder in der Kanten ist; der ander trinckt, biß im die Augen überlauffen; der drit, biß er kein Atem me hat; der fierd, biß im der Wein biter würt in dem Mund. ›Ja,‹ sprechen sie, ›wir sein mesig; wir trincken ein Maß in einem Trunck uß.‹ Semliche Unfleter sein einem Land schedlicher dan ein kleiner Reiff. Hüt sich jederman vor Trunckenheit! Wa einem truncknen Menschen etwas widerfür und er also stürb, so wer er doch on alles Mitel verdampt; wan er sein Vernunfft nit [153] bruchen kan und kan nit sprechen an dem letsten End: ›O Got, erbarm dich über mich!‹ Sanctus Paulus (1. Cor. 6) spricht: ›Truncken Lüt besitzen Gottes Gericht nimer.‹

240. Der Hirtz brach ein Bein entzwei, wolt kein Wein mer trincken
Von Schimpff das 240.

Der Hirtz brach ein Bein entzwei, wolt kein Wein mer trincken.


Es het einmal ein Edelman ein Hirtzen, der was zam und gieng also vor dem Tisch mit seinem schönen Gehürn und kunt Wein und Bier trincken. Uff einmal het er zů vil getruncken, das er frölicher was dan sunst, das er sprang und gumpet, und wie er die Sach übersahe, das er in die Blöcher sprang, das er ein Bein zerbrach. Darnach wolt er sein Lebtag weder Wein noch Bier getrincken.

Der Hirtz was auch witziger dan mancher Mensch, die sich selber siech sauffen oder sunst inen Schand anlegen, und darnach sauffen sie wie in dem Anfang. Franciscus Petrarcha schreibt in Epistola 35 vil von der Trunckenheit (de rebus famili.): Der erst Becher vol, den man trinck, der gehört zů dem Durst (ad sitim). Der ander zů Fröden, der drit zů dem Glust, der fierd zů der Trunckenheit, der fünfft zů Zorn, der sechst zů Zancken und Kriegen, der sibent zu Grimikeit, der acht zů dem Schlaff, der nünd zů dem Siechtagen.

241. Ein truncken Weib weiß nichtz me
Von Ernst das 241.

Ein truncken Weib weiß nichtz me.


Valerius Maximus schreibt von einem Man, der het ein Frawen, die ward uff einmal truncken. Es ward dem Man gesagt, da schlůg er sie zů Dot; wan er meint, wa ein Frawen truncken wer, so wißt sie nit, was man mit ir handelt. Diser Man würt gestrafft von seiner Grimigkeit.

242. Trunckenheit ofnet me dan die Beicht
Von Ernst das 242.

Trunckenheit ofnet me dan die Beicht.


Es was ein Frau, die het in der Jugent etwas gethon; villeicht was ir ein Windel empflossen. Da sie in die Ee kam, da saß sie allemal zů süfzen. Der Man sprach: ›Was ligt dir an?‹ Die Frau wolt es im nit sagen, doch schnalt sie einmal, wie das sie etwas uff ir het, das wol ein Dotsünd wer, und het es nie gebeicht. Der Man gedacht: ›Wie brechtestu die Sünd[154] heruß, das sie auch gebeichtet würt?‹ Und macht sie uff einmal vol Weins, das sie gantz truncken was. Da sie so gaucklecht was, da ließ sie heruß, was sie in der Jugent gethon het. Da es Tag ward, da sprach der Man: ›Frau, kum! Wir wöllen gon beichten.‹ Die Frau sprach: ›Wa kumstu jetz mit der Beicht her?‹ Der Man sagt ir, wie sie im in der Nacht gesagt het, was sie gethon het, das sie nie gebeichtet het; sie solt es jetz recht beichten, das es ir ab dem Hals kem. Da die Frau hort, das sie es gesagt het und es der Man wüßt, da schampt sie sich so übel, das sie sich selber henckt.

Der Weiß (Prov. 31) spricht: Wa Trunckenheit ist, da ist kein Heimlicheit. Darumb sol man keinem truncknen Pfaffen beichten, er sei geistlich oder weltlich; wan sie mögen nichtz verschweigen. Man solt auch die truncken Lüt nit in den Räten haben; wan sie verbergen nichtz. Es solt auch ein Mensch für sich sehen, das Trunckenheit nit mechtiger wer dan das Sacrament der Beicht, das sie das offnet, das die Beicht nit offnen mag.

243. Ein Bruder erwelt Trunkenheit, ward ein Eebrecher
Von Ernst das 243.

Ein Brůder erwelt Trunkenheit, ward ein Eebrecher.


Es was ein geistlicher Brůder zů Huß bei einem Burger und dient Got, und er leid grose Anfechtung von dem bösen Geist. Er sprach uff einmal: ›Sag an, du böser Geist, was begerstu von mir, das ich doch Frid hab?‹ Der Tüffel sprach: ›Hab dir die Wal under dreien Stücken! Brich die Ee mit der Frawen, bei deren du zů Huß bist!‹ Der Brůder wolt es nit thůn. Der Tüffel sprach: ›So schlag den Man zů Dot!‹ Der Brůder wolt es nit thůn. Der Tüffel sprach: ›So würd aber einmal vol Weins!‹ Der Brůder sprach: ›Das wil ich thůn‹, und ward uff einmal vol Weins und brach dy Ee und fiel in Unküscheit mit derselbigen Frawen. Da kam der Man darzů und wolt in schlagen; da schlůg der Brůder den Man zů Dot und thet die Ding alle drü.

Hüt dich!

244. Noe schut fiererlei Blut zu den Reben
Von Schimpff das 244.

Noe schut fiererlei Blůt zů den Reben.


Wir haben in dem Bůch der Geschöpfft an dem 9.: Da Noe nach dem Sindtfluß die Weinreb fand und sie buwet und tranck des Weins und wißt nit sein Krafft und entschlieff und lag bloß mit seiner Scham. Spricht der Meister in den Hystorien (Sicut repletionem): Wie der [155] Fül der Speiß gat nach böser Glüst, also folgt nach der Trunckenheit Entblösung der Hüfften. Da lesen wir in andern Hystorien, da Noe die Reb wolt setzen, da macht er fier Grůben; zů der einen schüt er Affenblůt, zů der andern Süwblůt, zů der dritten Scheflinblůt, zů der fierden Lewenblůt. Deren Thier Eigenschafft haben die truncken Lüt an inen.

Die ersten sein wie die Affen; sie springen und sein gůter Ding; und sol einer wol ein Rip in dem Leib entzwei fallen, er würt sein nit gewar biß an dem Morgen, so er nüchtern worden ist. Das sein Affen; was sie sehen thůn, das wöllen sie auch thůn. Die andern sein Süw; wan sie truncken sein, so spüwen sie und kotzen und ligen eben als mer under dem Banck als daruf und bleiben in dem Mist ligen wie die andern Süw. Die dritten sein Lemlin; wan sie vol sein, so sein sie an dem geistlichsten und sagen von Beichten, von der Hel und beweinen ir Sünd, ja das truncken Ellend, sie wöllen alle Welt reformieren, und morgens wissen sie nichtz darumb. Die fierden sein wie die Lewen; wöllen fechten, stechen und hawen und wöllen alle Welt dot haben. Da nem jeder Exempel, welchem er gleich sei.

245. Man het im Capitel dispensiert
Von Ernst das 245.

Man het im Capitel dispensiert.


Es giengen uf einmal Ordenßlüt mit einander über Feld, die waren auch uß der Weinlüt Zunfft, das gar ein grose Zunfft ist, als sie uff Erdtreich ist, die da gern Wein trincken. Die Ordenßlüt kamen in ein Wirtzhuß, und der Wirt satzt inen ein gůten Wein von ersten dar, darnach bracht er inen einer ander Lei und sprach: ›Lieben Väter, versůchen den Wein auch!‹ Dem Obersten under inen schmeckt der erst Wein fast wol, und sprach: ›Lieber Wirt, wir dörffen nit zweierlei Wein trincken, es ist wider unsere Statuten; wir lassen es bei einerlei Wein bleiben.‹ Er gedacht wol, das kein besserer kam. Der Wirt gedacht: ›Ich wil euch ein andermal nit me semlichen gůten Wein darsetzen.‹ Die Ordenßlüt fůren hinweg und wolten zů Capittel faren, und da das Capittel uß was und sie wider heim wolten faren, da rechnetten sie alle Tag uß, wan sie wider zů dem Wein kemen.

Da sie nun wider zů demselben Wirt kamen, da satzt inen der Wirt ein suren schlechten Wein dar, und da in die Münch versůchten, da rumpften sie sich darab, und sahe je einer den andern an. Da sprach der Prior: ›Wirt, haben ir kein miltern und bessern Wein, dan der ist? Das ist nit des nechsten Weins.‹ Der Wirt sprach: ›Dasselb Faß ist uß. Ich hab noch wol bessern Wein, aber ich [156] darff in euch nit geben. Wan ir haben zů dem nechsten gesprochen, es sei euwer Orden, das ir nit me dan einerlei dörffen über dem Tisch trincken.‹ Da sprach der Prior: ›Nein, Wirt, lassen ůch das nit irren, bringen unß nur den besten Wein her! Wir sein in dem Capitel gewesen, und man hat über den Artickel dispensiert; man spricht, der Geist wil vol sein.‹ – ›Ach‹, sprach der Wirt, ›so wil er auch unküsch sein‹ etc.

Paulus spricht: (Eph. 5. Nolite inebriari). Jeronimus spricht auch: (Venter mer). Merck uff etc.

246. Der ward trunken von dem Versuchen
Von Schimpff das 246.

Der ward trunken von dem Versůchen.


Auch liß ich von einem, der zert nit mit den Gesellen; er gieng aber sunst hin und her und versůcht den Wein von einem zů dem andern und ward also truncken, das er nit me gon kunt. Einer sprach zů im: ›Du bist truncken; lůg, wie gastu!‹ Er sprach: ›Ich hab doch nit gezert.‹ Der ander sprach: ›Es ist war, du hast aber den Wein versůcht, biß das du vol bist worden.‹

Die Exempel ist wider die Menschen, die dy Werck der Unküscheit nit wöllen thůn; sie wöllen es aber versůchen, das ist Lust in den Gedencken haben, davon Dotsünd entspringen mag. Darumb in dem Anfang der Gedencken sol man Widerstand thůn; wan von den Gedencken kumpt man zů den Wercken. Wer nit wil von einem Fleisch essen, der sol auch der Briegen nit trincken. Wa der Schlangen der Kopff hinyngat, da gat der gantz Leib auch hinyn. Die Gedencken sein das Haupt der Schlangen. (Ecclesiasti. 21. Quasi a facie colubri fuge.)

247. Uß keim andern Becher wolt er trinken
Von Schimpff das 247.

Uß keim andern Becher wolt er trinken.


Ich liß auch von einem, der ließ nieman uß seinem Trinckgeschir trincken; es tranck auch nieman uß seinem Trinckgeschir. Es fügt sich, das er uff dem Mer was; da kam ein Wind in das Mer, das sie forchten, sie müsten undergon und ertrincken. Da was einer auch in dem Schiff, der wüst des Mers Eigentschafft und sprach zů im: ›Es sei dir lieb oder leid, so můstu hüt mit andern Lüten uß irem Geschir, und andere werden auch mit dir trincken.‹ Da meint er das Mer, wan sie ertrüncken.

Also sein vil Menschen, die groß Fröd sůchen nit allein in dem Trincken, auch [157] in dem Geschir und in der Weiß des Truncks. Der ein surflet, der ander saufft, der drit trinckt und sugt den Wein durch die Zen hinyn, das im das Trincken lang wol thü. Da einer trinckt, so in dürst, das ist recht; da einer trinckt, so in nit dürst, und den Wein einsmals in das Mul schüt und das Mul uff und zůthůt, das ist nit recht.

22. Von Essen

248. Der Pfaff warff das Femoral in Kessel
Von Schimpff das 248.

Der Pfaff warff das Femoral in Kessel.


Es was ein Priester, ein Schmarotzer, der mit allen Priestern aß, wie Scevola, und nieman aß mit im. Es fůgt sich, das er ein Ferlin het abgenumen, und waren alle Ding abweg, und het die Köchin Bletzer und Kuttelwürst in einen grosen Kessel gethon und wolt sie sieden und erwellen, wie man dan thůt. Da kam ein anderer Priester in das Huß zů im und sahe den Kessel ob dem Feüer hangen und sprach: ›Was hastu in dem Kessel ob dem Feüer hangen?‹ Er sprach: ›Mein Kellerin hat ir Fürdücher und Hemder darin und wil sie weschen.‹ Und er förcht, der Priester würd mit im essen. In dem klopfft man an der Thür, da gat er hinuß und wil in ynlassen. So zücht der Priester sein Underhembd, sein Femoral uß und wil es auch in den Kesel werffen, und so er es eben in den Kesel wil werffen, so schreiet der Schmarotzer: ›Nit, nit! Du verderbst mir das Nachtmal.‹ Da sprach der Priester: ›Was Nachtmal ist es?‹ Der Schmarotzer sprach: ›Es sein der Kellerin Küchinlumpen.‹ Aber im ward das Kotfleisch nit zů lieb.

249. Von eim grossen Fresser zu Meiland
Von Schimpff das 249.

Von eim grossen Fresser zů Meiland.


Der Hertzog von Meiland Franciscus der hort von einem grosen Esser sagen mit Namen Sifronus von Ast, den lůd er uff einmal. Und da er fier gebratner Kappen het gessen und fier Rephüner und 40 herter Eyer und ein Pfunt altz Keß und vil anders, das im die Knecht für hetten gesetzt, das man es nit glaubet, wan man es sagt, und da er das alsamen fressen het und der Fůrst im het zůgesehen, und da er hinweggon wolt, da sprach er: ›Großmechtiger Fürst, ich bit euch, ir wöllen mir verzeihen, ob ich nit so essig wer gewesen, als es sich zimpt. Ich bin dise Nacht nit wol geschickt gewesen, und hernach so wil ich es bessern.‹

250. Von Milo, wie er starb
[158] Von Schimpff das 250.

Von Milo, wie er starb.


Valerius Maximus, deßgleichen vil andere Historiographi und Aristotiles schreiben von einem Man, der hieß Milo, der was ein Jünger Socratis, der was so starck, das er ein Ochsen uff seinem Hals trůg und einsTags 30 Meil mit lieff und den Ochsen mit flacher Hand zů Dot schlůg, und den Ochsen uff einmal aß. Und da er alt ward, da gieng er durch ein Wald, da lag ein eichner Baum, da het ein Buer eichne Speidel daryn geschlagen. Da wolt der Milo sein Stercke versůchen und thet beide Hend in den Spalt und wolt den Baum von einander reissen. Da sprungen die Speidel heruß, und schnalt der Baum zů und ergreiff im beide Hend, und er bleib also gefangen. Da kamen die wilden Thier und frasen in.

Sihe Franciscum Petrarcham an De remediis fortune lib. 1, cap. 5. Da fragt Aristotiles, wan man das Mittel solt sůchen, wie vil einer essen solt. Seine Jünger meinten, Milo solt herabgangen sein und den halben Ochsen haben gessen, und der ander, der so wenig aß, der solt uffgon, das er den andern halben Ochsen het gessen, das wer das Mittel gewesen. Da sprach Aristotiles: ›Nein, nit also. Das Mittel sol in der Vernunfft funden werden, das ein jeglicher Mensch nem Speiß und Tranck, als vil im Not ist zů seiner Uffenthaltung. Das, das einem zů wenig ist, das wer einem andern zů vil; ein Hantwerck můß auch me gessen haben dan das ander, ein Gerwer můß me essen dan ein Schneider, wan er in dem Wasser werckt. Darumb sůch jederman sein Mittel.‹ Wer von dem Fraß wolt schreiben, der mächt wol ein eigin Bůch darvon, und ist die war Geschrifft.

251. Ein Tracht kostet dausent Guldin
Von Schimpff das 251.

Ein Tracht kostet dausent Guldin.


Es kam ein Künigin, das was ein Witwin, gen Rom uß Egiptenland, Rom zů besehen, die hieß Cleopatras, und ein groser Römer mit Namen Anthonius. Und sobald sie zůsamenkamen, Cleopatra und Anthonius, da warden sie der Sach eins; da wolt Anthonius der Künigin ein Eer anthůn und rüstet ein köstlich Mal zů und lůd andere Erenlüt darzů. Und da man nun zů Tisch saß, da trůg man köstliche Trachten herzů. Da gedacht Cleopatras: ›Das ist einem Burger zů vil; einem Künig gehören semliche Mal zů zů geben.‹ Da man nun gessen het, da danckt die Künigin Cleopatras [159] dem Römer Anthonio und sprach: ›Her, wir haben kostlich gelebt, es ist aber noch nichtz, als ich euch Trachten wil fürsetzen; ein Tracht die můß dusent Duckaten wert sein.‹ Der Römer sprach: ›Das ließ ich zweidausent Duckaten gelten, wa ir mir ein Trachten fürsetzen, die dusent Duckaten wert sei.‹ Die Künigin sprach: ›Her, es gelt‹, und schlůgen es einander dar, und sprach sie: ›Wer sol aber darüber erkennen und das Urteil sprechen?‹ Der Her sprach: ›Nemen da ein alten Ritter, der erfaren ist!‹ Es ward einer erwölt.

Da nun der Tag kam und man zů Tisch saß, und der Urteilsprecher mit den andern Herren auch da saß, da trůg man kostliche Trachten heryn, etwan eine für 40 oder 50 Guldin, vil einander nach. Anthonius gedacht: ›Die Künigin würt es verlieren, sie mag es nit gewinnen.‹ Da man schier gessen het, da nam sie ein silberin Schal, und gab es einer Junckfrawen und hieß ir Essich bringen und thet ein wenig in ein ander Schal, und greiff an die recht Seit ires Hauptz und nam von dem Krantz ein groß Berlin und legt es in den Essich. Da zergieng es, und ward ein Teiglin oder ein Müßlin daruß, das supfft sie yn. (Berlin zergon in Essich, und Korallen zergon in Surauch, Erbselensafft, als man sagt.) Darnach greiff Cleopatras die Künigin zů dem Haupt uff die ander Seiten, da was auch an dem Krantz ein semlich groß Berlin, das wolt sie auch gessen haben. Da greiff ir der alt Ritter zů der Hand und wolt es nit lassen geschehen und sprach zu ir: ›Gnedige Frau, ir haben es gewunen; das Berlin ist besser dan dusent Duckaten.‹

Da merck: Der Minder weich dem Merern. Also sůchen wir auch nach Eer und Lob in villerlei Speisen und kostlichen Trachten, das doch nit jederman zůgehört. Wan der gemein Man Gest hat und einer Trachten me hat, dan so er allein ist, so ist es gnůg. Die grosen Herren müsen es thůn. Solten sie leben wie der arm Man, so würden sie veracht. Kostliche Trachten haben und schleckerhaftige Speiß, wan das Sünd sei oder nit, da wer anzůsehen die Person, die Meinung, die Zeit und die Gewonheit desselbigen Lands.

252. On Lust wolt einer essen, verzweiflet
Von Ernst das 252.

On Lust wolt einer essen, verzweiflet.


Jacobus de Vitriaco schreibt von einem Man, der satzt im für, Got zů dienen und sich selber von der Welt ziehen, von aller Kurtzweil und weltlichen Dingen, und meint; er wolt kein Lust me uff Erden weder in Essen noch in Trincken hon. Da er sahe, das er nit kunt essen und trincken on Lust, da kam er in Verzweiflung und meint, er möcht nit selig werden.

[160] Das was falsch. Es spricht nit on Ursach der Weiß: (Eccl. 7. Noli esse nimis iustus) ›Du solt nit zů vil gerecht sein.‹ Wan es ist nit ein kleine Anfechtung und ein kleine Muck in dem Habermůß, sunder ein grose Brem des Feinds, sich wöllen hüten vor allen Dotsünden. Die da inen machen ein Conscientz umb ein jeglich Ding, kumen zů dem letsten in ein irrige Conscientz und wissen weder uß noch yn und glauben keinem Beichtvatter nichtz, er sei wie gelert, wie erfaren er wöl. Und was er inen sagt oder rat, so ist ir Duncken uff der Suppen die best, und die gesaltzest, und die andern müssen alle unden ligen und haben die Beichtsucht. Gedenck in dich!

253. Nieman sol essen on das Benedicite
Von Ernst das 253.

Nieman sol essen on das Benedicite.


Sanctus Gregorius schreibt in Dialogo von einer Klosterfrawen, die aß ein Lattichblat on das Benedicite, oder on das heilig Crütz, da für der Tüfel in sie; deßgleichen vil ander. Wir finden in der Geschrifft, die besessen sein worden, das sie es ongesegnet haben gessen. Darumb so leren euwere Kind vor dem Essen betten mit Worten und mit Wercken, thůn es auch selber! Wan in moralibus so bewegen me die Exempel dan die Wort. Zů dem minsten ein Paternoster oder den Namen der Heiligen Dreiheit (In nomine patris et filii et spiritus sancti amen) oder den Tittel an dem heiligen Crütz (Jesus Nazarenus ein Künig der Juden) oder Jesus nennen, so möcht euch nit Schedlichs widerfaren. Aber ir beschammen euch über den Tisch zů betten; gleich als ein Sau zů dem Trog, zů dem Mul zů, und thůn die Wamisch uff und die Gürtel und rumen den Sack, den Buch, das vil daryn gang. Es wer besser, du gürtest dich eng zů, wan du über den Tisch giengest, und essest dich vol, und wan man gessen het, thetestu dan den Gürtel wider uff; so werstu nit zů vol und wer dir eben recht. Versůch es doch einmal umb der Gesellen willen! Es fert doch einer umb der Gesellen willen gen Baden, oder laßt sein Blůt in einer Geselschafft. Aber wir machen die Ermlen uff und wetzen die Messer und rüsten unß über den Tisch, als wolten wir ein Ochsen schinden. Deßgleichen ob dem Tisch betten und Got dancken umb die Speiß, die er unß beschert hat, und nit darvon lauffen eben als ein Sau von einem Eichbaum, die nur lůgt, wa die Eichlen sein, und hebt nimer kein Aug uff, das sie den Baum ansehe, der ir die Eichlen gibt. Ja wol wir das Gratias betten; ja vor keinem Fürsten, dy sich grose Herren duncken, darff man kein gantz Gratias betten, als nur drü oder fier Wort.

[161] Was ist euwer Leyen-Gratias, wan ir ein Hochzeit haben? Wolan, Pfeiffer, schlag uff, mach bumerlin bum, bumerlin bum! so man dan umher fert wie die Juden umb das Kalb, da sie zů vol waren; wan mit nichterem Buch ist nit gůt dantzen. Was ist unser Priester-Gratias, wan wir etwan beieinander sein uff einem Jarzeit oder in einem Capittel und wir die Presentz haben empfangen, und wan man dan das Pro defunctis gebet hat? Gerat es wol, so kumpt einer daher, der bringt zwo Blatten ůber einander gestirtzt; und wan man sie uffhebt, so ligen drü oder fier Kartenspil darunder, und etwan 10 oder 12 Wirffel. Das sein ire Brevier, und spilen umb die Presentz, wer sie gantz nem, als die Juden umb den Rock Christi spilten. Das ist unser Gratias. Hüten euch!

23. Von dem Zorn und von Gehe des Zorns

254. Male cuncta ministrat impetus. F. Petrarcha
Von Ernst das 254.

Male cuncta ministrat impetus. F. Petrarcha.


Franciscus Petrarcha spricht: (Male cuncta ministrat impetus etc.) Kein Werck mag die Yl erleiden, es sei gůt oder böß; schnel spilen, so můß man vil übersehen; schnel betten, so můß man halbe Wort machen. Catho spricht: (Ira impedit, quod non potest cognoscere verum.) Darumb gehe Lüt solten Esel reiten.

255. Sant Martin sprach: Eylestu, so kumst du nit dahin
Von Ernst das 255.

Sant Martin sprach: Eylestu, so kumst du nit dahin.


Wir lesen von Sant Martin, da er einmal von Paryß herußgieng mit etlichen Priestern, da begegnet im ein Wagen mit Wein, schwer geladen. Der Fůrman was nie zů Paryß gewesen und wüst nit, wie nahe oder wie fer es was, und fragt sie: ›Lieben Herren, mag ich noch geen Paryß kumen?‹ Es was gegen dem Abent. Sant Martin sprach: ›Ferstu gemach, so kumest du wol dar; ylestu dan fast, so kumest du nit dar.‹ Der Fůrman ward zornig und treib die Roß und wolt ylen und sprach: ›Ich mein, die Pfaffen seien vol Weins. Solt ich nit ee dar kumen, so ich dapffer far, dan so ich langsam far?‹ Und wie er also ylet, da brach im ein Rad, das er ein ander Rad můst holen und kam den Tag nit gen Paryß. Da sahe er, das man im war het gesagt.

Man spricht: ›Ylen thet nie kein Güt‹, man spricht auch: ›Wan einem not ist, so gerat es im allerminst. Wil einer schnel ein Schloß uffschliessen, so kan einer das Loch nimer finden.‹ Das ist von Überylung gesagt.

226. Keiser Otto was am Ostertag gech
[162] Von Ernst das 226.

Keiser Otto was am Ostertag gech.


Von dem Keiser Otto lesen wir, der het uff den Ostertag seinen Fürsten und Räten ein Mal lassen zůrichten. Ee das man gesessen was, da het man Essen uff den Tisch gesetzt. Da was eins Fürsten Kind, ein hübschs Kneblin, das der Fürst mit im dar genumen het. Wie dan die Kind thůn uß Einfaltikeit, greiff es in die Blaten und aß daruß. Das verdruß den Essentrager, und schlůg das Kind mit der Faust an den Hals, das es zů Boden fiel. Das verdruß sein Pedagogum, den Meister, dem das Kind befolhen was, und erstach denselben Essentrager gleich. Der Keiser gebot, man solt in fahen und solt im den Kopff abschlagen, und greiff in der Keiser selber an. Da nam derselb den Keiser und warff in uff den Boden und wolt in erwürgt haben, und man kam im kum zů Hilff. Da wolten sie denselben fahen und im den Kopff abhawen. Da sprach der Keiser Otto: ›Nein, nit also! Ir sollen im nichtz thůn. Got hat semlichs über mich verhenckt; ich solt billich des hütigen Ostertags geschont haben.‹ Und ließ in frei ledig hinweg gon. Darumb ein Schnelle und ein Gehe gieng da der andern nach, biß sich der Keiser bedacht.

257. Umb Unschuld schlug einer den Hund
Von Ernst das 257.

Umb Unschuld schlůg einer den Hund.


Es was ein Edelman, der het ein Jaghund oder ein Wind, der was im lieb und het in nit für vil Geltz gemangelt. Es fügt sich, das er uff einmal in sein Kamer kam, da stůnd sein Kind in einer Wiegen allein da, und was nieman darbei den derselbig Hund. Da was ein Schlang uß der Muren geschloffen, die het das Kind erdötet. Der Hund hat den Dot gerochen und het die Schlang zů Dot gebissen. Der Juncker sahe niemans dan den Hund da, und was die Schlang under die Wiegen geschloffen und was dot. Das sahe der Juncker nit und meint, der Hund het das Kind gedöt, und schlůg den gůten Hund auch zů Dot mit dem Schwert in seinem Zorn und Gehe. Und da er aber die Schlang dot fand und fand, das der Hund den Dot an der Schlangen gerochen und er dem gůten Hund unrecht het gethon und die Schlang den Mord het gethon und het der Hund das gerochen, kam der Edelman in ein semlichen Rüwen und Mißfal, das er mit Willen seiner Frawen in Sant Benedicter Orden gieng und dient Got.

Darumb was in derselbigen Stat, da das geschehen ist, geordenet, das man [163] nichtz Groß handlen solt, man het dan dreimal darvon gedacht und geret in dem Rat. Andere haben geordnet, das niemans nichtz in der Schnelle solt thůn, er solt zů dem allerminsten die 24 Buchstaben erzalen nacheinander; als der Keiser Theodosius thet, den Sant Ambrosius verbant, wan er in der Gehe vil Blůtz vergossen het. Liß sein Legend!

Es wer gar gůt, das ein Mensch der Leren warnem und nichtz in seinen eignen Sachen thet, er het es dan vor wol betracht. Als wan einem ein lüstiger Gedancken zůfelt, so laufft er schnel hin und verbringt den Luften; er solt vor lůgen, (an esset licitum et expediens) ob es auch zimlich, billich, erlich und recht wer. Darumb so folget dick hernach groß Nagen, Beissen und Rüwen der Conscientz und der Gewißne.

258. Ein Hencker det fier Mörd und ward auch gerichtet
Von Ernst das 258.

Ein Hencker det fier Mörd und ward auch gerichtet.


Es ist ein kleine Stat in Saxen, das ist in kurtzem geschehen, da man zalt 1500. Und ist dise Geschicht zů einem Spruch gemacht, den man vor erbern Lüten spricht.

In derselben Statt ist ein Kauffman gewesen, der ist uff die Messen gezogen, und sein Huß befalhe er seiner Haußfrawen, seiner Dochter und seiner Kellerin. Und der Hencker oder der Nachrichter het des Hauß wargenumen; und uff einmal an einem Abent da het er gesehen, das ein Fenster in den Keller gieng, und zů demselbigen Fenster het er ein Bickel hinyngeworfen und ist er darnach auch zů demselbigen Fenster hinabgestigen in den Keller und hat sich daryn verschlagen, biß das es spat in die Nacht ist worden. Die Frau sprach zů der Kellerin: ›Lauffen und bringen unß ein Maß Weins, so wöllen wir Schlafftrunck zeren und wöllen darnach schlaffen gon.‹ Die Kellerin nam die Schlüssel und nam ein Liecht und ein Kanten und wil zů trincken bringen. Da wüst der Schalck hinder dem Faß herfür und schlůg die Kellerin zů Dot und erwürgt sie. Und da die Kellerin lang nit kumen wolt, da sprach die Můter zů der Dochter: ›Lauff und lůg, wan die Kellerin kum!‹ Die Dochter lieff in den Keller und růfft ir, da erwürgt sie der Hencker auch. Und da sie beide nit wollen kumen, da lieff die Frau auch hinab. Der Hencker erwůrgt sie auch und vergrůb sie alle drei nit tieff in das Ertreich hinder das Faß und gieng darnach mit dem Liecht hinuff und fand erst die rechten Schlüssel an der Wand hangen und gieng über alle Tisch und Trög und nam, was er für silberin Geschir und Kleineter fand. Und gieng dieselbig Nacht einmal oder drü uß und yn. Es kunt nit vil Geltz da sein, wan die Kauflüt bruchen es zů dem Gewerb.

[164] Das Huß was beschlossen, die Nachburen murmletten, wie es zůgieng, und meinten, sie weren etwan hinweggezogen, und nam sich des Huß niemans an. Und nach zehen oder 12 Wochen kam der Kauffman wider und fand sein Huß beschlossen und klopfft an. Die Lüt sagten im, wie sie sie verloren hetten. Er wolt auch nit hinyngon, und gieng für die Herren. Da gaben im die Herren sechs Man zů im, und besahen es, wie es ein Handel het. Da man in das Huß kam, da was es geblundert. Und man gieng in den Keller, da funden sie ein zůgeschleiffte Grůb. Da grůben sie die Grůb uff, da funden sie die drü bei einander darin ligen vergraben. Da was grose Klag und Trurigkeit, das man nit wüst, wer der Morder was.

Es stůnd also ein Zeit lang, jederman ret sein Teil darzů. Der Nachrichter stůnd uff einem Blatz bei den Gesellen und sprach: ›Der mich ließ machen, ich wolt den Mörder wol finden.‹ Die Gesellen sagten es den Herren; man schickt nach dem Hencker und fragt in, was er von der Sach wüst. Er sprach: ›Wer wolt es anders gethon haben, dan der Man selber! Er ist mit seinem Weib uneins gewesen. Fragen in, er würt es euch wol sagen.‹ Man fieng den gůten frumen Man, und er sprach, er het es gethon, und man richt in mit dem Rad.

Nit lang darnach het der Hencker sein Gelt als verspilt, da nam er ein Dutzet silberin Becher und kam zů dem Juden und sprach, er solt im 20 Guldin daruff leihen, er wolt sie bald widerumb lösen. Der Jud thet es und erkant das Zeichen; wan er het vor dem Man auch daruff gelihen, den man geredert het. Der Jud gieng zů dem Burgermeister und sagt es im, wie im des Mans silberin Geschir, den Man gericht het, versetzt wer worden für 20 Guldin von einem Gesellen: ›Ich ken in nit, ich weiß nit, wer er ist.‹ Der Burgermeister sprach: ›Wan er es lösen wil, so laß es mich wissen!‹ Und da man in ergreiff, da was es der Hencker. Man thet im, wie er dem frumen Man het gethon; er bekant es, er het es gethon. Man ließ in wol 14 Tag in dem Thurn ligen, biß man sich fast wol beriet, was Dotz man im anthůn wolt. Und wurden des Gemein und Radt eins, und man band in nackent uff ein Bret, und waren vil Kolen da und glüende Zangen, und můst ein jeglich Mensch jung und alt im ein Stück von seinem Leib reissen, und zerrissen den Morder, das kein Stück eins Plaphartz breit an im bleib.

Was sol man hie schreiben? Solt man sie nit gegen einander gestalt haben, als man thůn solt? Wan ein Frumer ein Frumen verklagt, so stelt man sie gegen einander. Wie vil mer, wan ein Schalck einen verklagt, der alle sein Lebtag für frum und erber gehalten ist? Mag eins Lob und sein gůter Nam nit beschirmen vor einem semlichen schnellen Urteil? Die Urteiler thetten nit, wie ein Keiser einem Ritter thet.

259. Ein Ritter ward erlößt
[165] Von Ernst das 259.

Ein Ritter ward erlößt.


Ein Keiser thet ein Schlacht mit seinen Feinden. Einem Ritter entgieng sein Pfert, das er zů weit in dy Feind kam, das er gefangen ward. Da man wider heimkam, da ward man desselben Ritters zů Red, und sprachen etlich, die im nit hold waren: ›Er het ein Verstand mit den Feinden, es ist ein angelegte Sach.‹ Man fragt den Keiser, was er darzů sagt. Der Keiser fragt, wie er vormals sich gehalten het, ob im semlichs nie begegnet wer. Da sprachen die andern: ›Nein, er hat sich alwegen ritterlich, frumglich und wol gehalten.‹ Da sprach der Keiser: ›So sol man im auch jetz nit anders vertrawen.‹

Der gnoß seins gůten Namens. Es stot nit umbsunst uff allen Richtzhüssern: (Audiatur altera pars.) ›Man sol den andern Teil auch verhören.‹

24. Von Tragheit

260. Der Münch schwitzet zu Mettizeit
Von Schimpff das 260.

Der Münch schwitzet zů Mettizeit.


Es was ein Brůder in einem Kloster, der gieng gar ungern zů der Mettin. Wan wen es umb die Mettinzeit was, so kam im ein Schweiß; den wolt er nit brechen und bleib also in dem Schweiß ligen; er meint, er wer dester gesünder. Uff einmal was ein groß Fest, das er aber nit in der Mettin was. Da nam der Apt ein Liecht und wolt sehen, ob der Brůder kranck wer. Da er zů des Brůders Bet kam, da sahe er, daß er schwitzt, und hort etwas under dem Bet ruschen. Da lůgt er, da sahe er zwen Tüffel in Affengestalt under dem Bet. Der Apt fragt sie, was sie da theten. Sie sprachen: ›Wir machen hie Kolen an, das der Münch schwitz und die Mettin verschlaff.‹ Also wüst der Münch uff und wolt kein Mettin me verschlaffen umb des Schwitzens willen und fand, das er darnach gesünder was in dem Uffston dan vor, so er in dem Schweiß bleib ligen.

Und ist auch also. Die Ordenßlüt und andere, die zů Nacht uffston zů Mitternacht und die mesiklich leben, die sein gesünder und leben lenger, dan die sich überfüllen und die gantz Nacht uff dem Federsack ligen und in dem Tag zwo oder drei Ürtin thůn, und wan es zů Nacht 10 schlecht, so můß man inen erst ein Specksupen kochen, und schlaffen an dem Morgen, biß man zů Ymbiß wil [166] essen. Sein sie dan edel, so darf der Priester nit Meß halten, biß der Juncker an dem Morgen ußgeschlafft und seiner Unküscheit und Leckrei gnůg sei. Also můß Got ir warten und ein gantze Gemein. Nun wiewol Tragheit an dem Gottesdienst jederman übel anstot, so sollen die Ordenßlüt nit treg sein, ful und laß; sie sollen Exempel nemen von einem jeglichen Fogel, der schnel unverdrossen darvonflügt, und von einer Nachtgallen, die Got Tag und Nacht lobt mit irem Gesang. Liß die Histori Sancti Karoli Magni, wie er alle Nacht uff ist gestanden! David deßgleichen: (Psal. 118. Media nocte surgebam). Erken dich selber, züch dich von Trakeit!

261. Von dreyen faulen Sünen, welchem das Reich zugehort
Von Schimpff das 261.

Von dreyen faulen Sünen, welchem das Reich zůgehort.


Es was ein Künig, der het drei Sün. Und da er sterben wolt, da berůfft er sie zůsamen und sprach zů inen: ›Wer under üch der allerfülest ist, dem wil ich das Regiment, mein Künigreich geben.‹ Da sprach der ein: ›Her Vatter, so gehöret es mir zů. Wan ich bin so ful, wan ich lig und wil schlaffen, so tropfft es mir in meine Augen; so bin ich so ful, das ich die Augen nit züthůn mag, das ich entschlaff.‹ Der ander sprach: ›Es gehört mir zů. Wan ich by dem Feüer leg mit den Füssen, so ließ ich lieber die Versen verbrennen, dan das ich sie zů mir züch.‹ Der drit sprach: ›Es gehört mir zů. Ich bin so ful, wan ich ein Strick an dem Hals het und man wolt mich hencken und ich het ein Messer in der Hand den Strick abzůschneiden, so ließ ich mich ee hencken, dan das ich den Strick abschnit.‹ – Disen dreien reden wir übel, und sein wir füler und treger, dan sie sein gewesen.

Manchem Menschen tropfft es in sein leibliche Augen, lüstlich Gesichten, davon er sich versündet, und in die Augen seins Hertzens, böß gedenckt; noch so thůt er seine Augen zů, das er im selber vor dem Schaden wer.

Zů dem andern. Wie vil sein deren, dy da haben die Füß der Begird zu böser Geselschafft, darumb sie ewiglich werden brennen; noch so ziehen sie ire Begird selber nit hinder sich.

Die dritten, die fürt der Tüffel an dem Strick der Scham zů beichten an den helschen Galgen, und sie haben das Messer der Beicht in der Hand und möchten beichten und möchten sich selber erlösen; aber sie wöllen es nit thůn. Darumb von Recht so gehört inen allen dreien das Reich der Hellen zů. Hüt du dich darvor!

262. Den Acker wolt er nit umbhacken
[167] Von Ernst das 262.

Den Acker wolt er nit umbhacken.


Es was ein junger Brůder, der wer gern selig worden. Der kam zů einem alten bewerten Brůder und sprach zů im: ›Vatter, ich wil recht widerumb in die Welt gon. Es ist so vil zů thůn in dem Gottesdienst, das mir ist, ich mög es nit als erfüllen; es ist mir zů schwer.‹ Der alt Vatter sprach zů im: ›Nit also, lieber Brůder. Du solt thůn, als einmal ein Sun thet.‹ Es was ein Vatter, der het ein Sun, zů dem sprach er: ›Sun, nim die Hawen und gang und hack den Acker umb, so wöllen wir etwas Gůtz daryn seigen.‹ Der Sun gieng hinuß und sahe den Acker an, das er so lang und so groß was, und sprach zů im selbs: ›Wie kanstu das Feld allein umbhacken!‹ Und legt sich nider und schlieff, biß das es Zeit was wider heimzůgon. Das thet er drei oder fier Tag und werckt nichtz. Der Vatter sprach uff einmal zů dem Sun: ›Ich můß gon lůgen, was du gewerckt hast.‹ Und da er hinuß kam, da het er es noch nit angefangen. Da strafft er den Sun. Der Sun sprach: ›Vatter, wie wolt ich ein semlich Feld alein hacken!‹ Der Vatter sprach: ›Sun, nit also. Mach allen Tag nit me, dan als lang und breit du bist! So würt es bei langem gemacht.‹ Der Sun thet es, und in kurtzen Tagen sahe er, wie im das Erdtreich wůchs und zůnam, und ward lůstig, und in wenigen Tagen ward der Acker umbgehackt. ›Also thů du auch, stel alle Tag etwas ab, und nim alle Tag zů! So würstu lüstig, und würt dir von Tag zů Tag der Gottesdienst je leichter.‹ Also thet er, und geschahe auch.

Es klagt Sant Augustin, das wir selber unsern Stat und unsern Glauben und Gesatz zů vil beschweren, und sprach, es wer böß Regieren; darumb, wie jetzt gesagt ist. Wer er erst jetz uff Erdtreich, was würd er dan sprechen! Es ist wol elfhundert Jar, das er das gesagt hat. Und die Zeit her sein kumen das Decret, das Decretal, Sext, Clementin, die Extravagantes und so vil Statuten, Constitutiones, Sinodalia und Gewonheiten des Chors, das Advent, und sein so vil Nußschalen, das man kum den Kernen, das ist das Gottes Gebot, darunder finden kan. Und legen unß selber so vil Strick, wa einer hinuß wil, so findet er Strick, das einer nit weiß, was er thůn sol. Doch bleib bei dem alten rechten Glauben und laß dich kein nüwen Propheten irren! etc.

263. Von dem faulen Küntzen
[168] Von Schimpff das 263.

Von dem faulen Küntzen.


Es was ein Edelman, der het im fürgesetzt gen Rom zů reiten, seine Sünd zů beichten und zů biessen. Nun het er ein Knecht, der hieß Cůntz, den wolt er mit im nemen; und schlůgen an, als es in dem Sumer was, sie wolten alwegen an dem Morgen frü reiten und an dem Abent spat in der Küle, und in der grösten Hitz wolten sie stil ligen. Uff ein Abent ritten sie uß, etwa drei Meil Wegs und assen und truncken, und was der Wein fast gůt, und bliben bei dem Wein sitzen, biß das es Zehene schlůg. Der Juncker sprach zů dem Knecht: ›Wir gon gar spat schlaffen. Hab Sorg, das du die Pferd morgen frü füterst und satlest, das wir frü in der Küle reiten, wie unser Anschlag ist!‹ Der Knecht sprach: ›Ja, Juncker, haben kein Sorg! Ich wil frü gnůg uffston.‹

Der Wirt legt sie beid hinden in das Huß in ein Kamer, das sie nichtz mochten hören. Sie schlieffen, und da der Juncker den ersten Schlaff het gethon, da růft er dem Knecht und sprach: ›Cůntz, stand uff und gib den Pferden zů essen!‹ Der Knecht sprach: ›Juncker, es ist noch nit Mitternacht; wir sein erst schlaffen gangen.‹ Sie schliefen aber zwo Stund. Der Juncker růfft dem Knecht aber. Der Knecht stůnd uff und gieng zů dem Fenster und thet ein Türlin uff an einem Kensterlin und meint, es wer ein Fensterlad, und lůgt in das Kensterlin in die fier Winckel und sprach: ›Juncker, ir sein ein unrüwiger Mensch. Es ist noch als finster als in einer Kü; man stech einem ein Aug uß mit einem Finger, das er es nit sehe.‹ Sie schliefen aber ein Stund. Der Juncker rüfft dem Knecht aber, und sie lůgten beid in das finster Kensterlin; es was noch nit Tag. Und triben das also lang, biß das der Wirt kam und die Laden uffthet. Da was die Son über alle Berg uffgangen, und was etwan umb die Zehene. Der Juncker was zornig und hieß die Pferd satlen und wolt hinwegreiten. Der Knecht sprach: ›Her, lassen unß vor zů Morgen essen! So essen die Pferd auch.‹ Da sie nun zů Morgen hetten gessen, da wolt der Juncker hinreiten. Da sprach der Knecht: ›Es ist jetz zů dem allerheisten, ir verderben die Pferd. Es ist jetz in der Fogelrůg und ist die Zeit, das die Münch schlaffen.‹ Also bliben sie da biß uff den Abent, da sassen sie uff, ritten wider heim. Er sahe wol, das er mit dem fulen Cůntzen versaumpt was. Also kam er nit gen Rom.

Geistlich: der Edelman ist die Vernunfft oder dein Seel, der wüst Cůntz ist dein Leib, das Kensterlin ist ein falsche Sicherheit. Das Kensterlin hat fier Eck, die dich sichren; das ein ist die Barmhertzikeit Gotes; das ander ist: [169] ›Andere Menschen thůn es doch auch, und voruß die Gelerten, sie sein nit Narren‹; das dritt ist: ›Du bist gůter Complexion, dein Vatter ward wol hundert Jar alt‹; das fiert ist: ›Hoffen und sich wöllen bekeren an dem letsten.‹ Wie dick kumpt es, das sich dein Vernunfft laßt also verfüren, das sie hofft in der fiere eins, oder in sie alle fiere und also ir Penitentz verlengert: Morgen, morgen! (Cras, cras! Semper cras et nunquam hodie.) Cristus sprach zů dem Jüngling: (Luc. 5. Tibi dico, surge.) ›Stand uff, Jüngling!‹ Paulus sprach: (Rom. 13. Hora est iam de somno surgere.)

25. Von Gedechtniß des Dotz

264. An das Bet und Schiff ze gon
Von Schimpff das 264.

An das Bet und Schiff ze gon.


Es gieng eins Burgers Sun, als Franciscus Petrarcha schreibt, über Feld. Es fügt sich, daß ein Schiffman zů im kam, und sie sagten also von allerlei Sachen. Franciscus Petrarcha schreibt: (Comes facundus in via pro vehiculo est.) Sie kamen uff ire Eltern, das der Schiffman sprach: ›In disem Jar ist mir mein Vatter ertruncken, und ist jetz fünff Jar, das mir mein Großvatter ertranck.‹ Diser sprach: ›Wie ist dein Ene und Urene (avus, proavus, attavus) gestorben?‹ Der Schiffman sprach: ›Sie sein alle ertruncken.‹ Des Burgers Sun sprach: ›So wolt ich kein Schiffman bleiben. Förchtestu dich nit, wan du in einem Schiff bist, das du ertrinckest?‹ Der Schiffman sprach: ›Wie ist dein Vatter gestorben? Er ist natürlich an dem Bet gestorben, und mein Großvatter und mein Ene und Urene sein alle an dem Bet gestorben.‹ Da sprach der Schifman: ›Förchtestu dich dan nit, wan du an das Bet gast, das du auch daran sterbest?‹

Das was ein weise Frag; wan wir nichtz Sicheres haben uff Ertreich, weder die Zeit, noch das Ort, noch die Weiß. Bonaventura spricht: Mancher meint, er wöl uff 70 Jar kumen, er würt kum 70 Tag alt, mancher meint, er wöl an dem Bet sterben, so felt er etwan zů Dot. Deßgleichen sagen uns die Weisen: Es ist nichtz Sicherers dan der Dot; es ist nichtz Unsicherers dan die Stund des Dotz.

265. Ein Frau schickt iren Bulen zu sterbenden Menschen
[170] Von Ernst das 265.

Ein Frau schickt iren Bůlen zů sterbenden Menschen.


Es bůlet uff einmal ein Jung Gesel umb ein Frawen, und da er es lang getreib, da sprach sie zů im: ›Ich wil dich etwas bitten: wan du das ein Jar lang thůst umb meintwillen, so wil ich dein Willen auch thůn.‹ Er sprach, was das wer. Die Frau sprach: ›Du solt ein Jar gon, wa du hörst, das ein Mensch sterben wil, und solt sehen, wie sie sich halten an dem letsten End.‹ Der Gesel sprach: ›Das wil ich thůn.‹ Und da das Jar herumbkam, da kam der Gesel wider zů der Frawen und sprach: ›Frau, ir thůn wol jetz meinen Willen; wan mein Wil ist, ich wöl frum und küsch leben. Das hab ich gelert in den Schůlen, da ir mich hingeschickt haben.‹

Und ist war. Wer sein letst End recht wolt betrachten und die Menschen zů Bet sehen sterben, der würd die Hoffart, Geit, Neid und Unluterkeit wol leren meiden und undertrucken.

266. Ein Altvatter forcht drü Ding
Von Ernst das 266.

Ein Altvatter forcht drü Ding.


Es was ein Altvatter, der hieß Helias, der sagt: ›Drü Ding, die förcht ich. Das erst ist, so mein Seel von dem Leib scheit; das ander, so mein Seel sol vor Got gon; das drit, den Sententz, der über mich gon würt. Wan ich nit weiß, ob er gůt oder böß sein würt.‹ Versihe dich!

267. Der Dot schickt eim drei Botten
Von Ernst das 267.

Der Dot schickt eim drei Botten.


Uf einmal het einer ein Packt gemacht mit dem Dot (Pepegimus fedus cum morte. Esaie 28), er solt in nit holen, er het im dan drei oder fier Botten geschickt. Es fügt sich, daß er kranck ward. Der Artzet ermant in, er solt sein Seel versehen, er wer ungeschickt in dem Harn und in dem Puls, er würd sterben. Nach etlichen Tagen sprach er selber: ›Mir schmackt der Wein nit me, ich hab keinen Lust me zů essen; ich mag mein Speiß nit me behalten, ich erbrich mich stetz.‹ Bald darnach kam der Dot und sprach: ›Woluf, du můst mit mir, ich kum.‹ Er sprach: ›Es ist noch nit Zeit; du hast mir noch kein Botten geschickt, als du mir verheissen hast.‹ Der Dot sprach: ›Ich hab dir es embotten. Der ein was der Artzt, der dir sagt, du werest übel geschickt in dem [171] Harn und in dem Puls. Der ander Bot, da dir der Wein nit me schmackt. Der drit, da du die Speiß wider von dir brachst. Darumb so kum mit mir! Die Zeit ist hie, die Stund ist kumen.‹

Deren Botten kumen unß vil, und wöllen sie nit für Botten haben. Verwar dich!

268. Der Tüfel schickt eim drei Botten, ee er in holen wolt
Von Ernst das 268.

Der Tüfel schickt eim drei Botten, ee er in holen wolt.


Uf einmal was einer zů armen Tagen kumen, der ergab sich dem Tüffel, doch mit dem Geding, er solt in drei Jar voranhin also drümal warnen. Der Tüffel macht in reich. Darnach nam er menschliche Gestalt an sich und bekam dem Man, den er reich het gemacht, uff dem Feld und sprach zů im: ›Wie bistu so grau uff dem Kopff!‹ Der Man ward zornig und wolt in geschlagen haben. In dem andern Jar bekam er im aber uff dem Feld und sprach: ›Wie gastu also krum. Richt den Rücken uff!‹ In dem dritten Jar bekam er im aber und sprach: ›Wie bistu so kranck!‹ Das was die drit Warnung; aber er verstůnd es nit. Es was eben gewarnt, als etlich Reisigen einen warnen, so sie einen gefangen haben, so sagen sie im erst ab. Also nam der Tüffel disen und fürt in dahin; der het auch mögen sprechen: ›Ja, du hast mir kein Botten geschickt.‹

Also sein unser vil, denen Got semliche Botten schickt, und wir teglich andere Menschen sehen sterben; noch so glauben wir kum, das wir dötlich seien. Darumb das wir nit Exempel des Dotz von ander Lüten nemen, so werden ander Lüt Exempel von unß nemen. Nun wiewol es ist, das vil Menschen semliche Botten haben und kumen darvon, so haben doch alte Lüt die gewissesten Botten des Dotz, das ist das Alter. Noch sehen sie den nit an und andere Botten; darumb so faren sie dahin in Nobishuß, da der Flamen zů dem Fenster ußschlecht, da brat man die Opffel uff dem Simssen.

269. Der Künig stund gen Nidergang
Von Ernst das 269.

Der Künig stůnd gen Nidergang.


Uf einmal waren drei Brüder, Künigssün, da wolt jeglicher Künig sein, und kamen mit einander für die Richter. Die Richter erkanten, das sie an dem Morgen frü alle drei solten uff das Feld gon, und welcher an dem ersten die Sonn uff sehe gon, der solt Künig sein. Sie giengen frü uff das Feld; die zween stalten sich gegen Uffgang der Sonnen und der [172] drit gegen Nidergang der Sonnen. Der sahe die Son wol ein halb Stund ee scheinen an dem Berg, der dagegen was, dan die andern. Darumb ward er Künig an seins Vatters stat.

Also wan ein Mensch warnem seins Nidergangs und seins Dotz, so würd er demütig und ein himelischer Künig. Aber wir betrachten nur unsern Ursprung und unsern Adel. Der Weiß spricht: (Ecclesiasti. 7. Memorare.) ›Gedenck dein letsten Ding, so sündestu nit me.‹

26. Wie sich etlich in irem Dot haben gehalten, als sie gewont haben

270. Der das Krütz nit wolt bei im haben
Von Schimpff das 270.

Der das Krütz nit wolt bei im haben.


Es was einer uf ein Zeit kranck, da bracht man im das heilig Sacrament und das Dottencrütz; da was ein kleins Bildlin daran Cristus, das was Kupfer. Da schrei der Kranck: ›Thůn mir den uß dem Huß! Ich wil in nit hin haben und wil nichtz Gůtz thůn, dieweil es hie in ist.‹ Niemans wůst, wen er meint, und fragten in, wen man hinuß solt thůn. Er sprach: ›Den an dem Crütz; den wil ich nit hie in haben.‹ Man sprach: ›Warumb?‹ Er sprach: ›Darumb; er hat mir einmal in der Kirchen ein Arm zerbrochen, und ich hab vil verartzet, da er uff mich fiel.‹ Man sprach: ›Das ist nit derselbig. Der ander ist gröser, der hat dir kein Arm zerbrochen.‹ Der Kranck sprach: ›Hat der es nit gethon, so ist aber der desselbigen Sun; es gilt eben gleich.‹

Also findestu noch Menschen, wan sie einem feint sein, so hassen sie auch alle die, die im zůgehören; deßgleichen wan sie ein hassen, so meinen sie, alle ire Fründ sollen in auch hassen. Hüt dich vor Neid und zů vil Einfaltikeit!

271. Einer küsset das Krucifix
Von Schimpff das 271.

Einer küsset das Krucifix.


Es hat sich einmal ein Weinül übertruncken oder was sunst kranck, und man bracht im das Crütz. Das truckt er also an sein Hertz und erzögt semliche Andacht mit Kussen das Crütz, das jederman darvon gebessert ward. Er starb, und in dem dreisigsten erschein er seiner Gesellen einem. Er fragt in, wie es umb in stiend, in was Stantz er wer. Er sprach: ›Ich bin ewiglich verloren, und allermeist umb meins Zůtrinckens willen.‹ Diser [173] sprach: ›Wie kan das sein? Du hast doch so grose Andacht erzögt mit dem Crütz.‹ Er sprach: ›Da ir mir das Crütz gaben, da meint ich, es wer ein Flesch mit Wein, und was kül, und truckt sie an mein Hertz.‹

Also gat es, wamit wir in dem Tag umbgon, da traumt unß zů Nacht von; damit wir unß gebrucht haben in unserm Leben, damit gon wir an dem Dotbet umb. Der ein wil trincken, der ander wil disputieren, der drit wil jagen etc. Sich dich selber für!

272. Einer jaget, nant alle Hund
Von Schimpff das 272.

Einer jaget, nant alle Hund.


Es wolt einer uf einmal sterben, der het grose Fröd gehebt mit Jagen. Da nant er alle Hund mit Namen: ›Der schwartz Hund laufft gůt Ding; der weiß laufft auch gůt Ding; aber der rot ist über in.‹ Das was sein Andacht gewesen, da gieng er an dem letsten auch mit umb.

Also würt den Edelfrawen geschehen, die me Liebe uff die Mistbellerin, uff die kleinen Hündlin legen dan uff Got; sie füren sie zů der Predig, das sie die Lüt und die Predicanten irren. Das sein ire Engel; die Tüffel werden sie in Hundsgestalt lecken und küssen; und wie sie sich jetz halten mit den Hunden, also würt inen der Tüffel auch thůn. Es sein dreierlei Hund: Burenhund, die der Höff und des Fichs warten in den Dörffern, die gon hin. Es sein darnach Jaghund, die kosten me, dan sie Nutz schaffen. Die driten sein die Mistbellerlin, die sein nienerzů gůt, dan zů feisten hinder dem Offen und die Pfannen zů schlecken. Es ist nit gelogen uff etliche Frawen.

273. Einer gab Zeichen, da man uber den Trog wolt gon
Von Ernst das 273.

Einer gab Zeichen, da man ůber den Trog wolt gon.


Es was ein geitiger Man, ein Wůcherer. Da er sterben solt, da kamen seine Fründ und sagten im von Got, von Beichten und von dem Sacrament. Er lag da wie ein Bloch und het die Augen offen. Einer sprach: ›Verston ir, was wir sagen? Wöllen ir beichten? Geben unß nit me dan ein Zeichen mit dem Haupt oder mit den Augen oder mit den Füssen!‹ Es was umb keins, er thet nit dergleichen, als ob er es verstünd. Da was ein Spotfogel, der sprach zů denen, die umb in stůnden: ›Wer wil mit mir wetten, ich wil in darzů bringen, das er mir Zeichen geben würt.‹ Sie sprachen, er solt es thůn, da gieng er und nam die Schlüssel, als wolt er ein Trog uffthůn, der im [174] zů Füssen stůnd, da het er sein Gelt in. Sobald er marckt, das man im über den Trog gon wolt, da gab er im ein Zeichen und hůb das Haupt uff und sahe sauer und murmlet in im selbs. Da stůnd einer seiner Mitgesellen da, der sahe die Ding alle und schampt sich für in und kart sich umb und gieng hinweg.

Verstand und hüt dich darvor!

274. Einer klapert stetz, wolt nit betten
Von Schimpff das 274.

Einer klapert stetz, wolt nit betten.


Ich liß von einem Loquebar, ein Klapperman, oder ein Schwetzer, der vil Wort in im het, der ward kranck. Nachdem und er gebeichtet und das Sacrament empfangen het, da lag er also da zů klappern und zů schwetzen, und gieng im das Mul uff und zů wie einer Wassersteltzen der Arsch. Da was ein Frau auch darbei, die sprach: ›Ach lieber Sun, ir haben Got empfangen. Ir solten betten, ein Paternoster sprechen.‹ Er sprach: ›Liebe Můter, wan ich bet, so macht es mir ein dürren Mund. Ich můß als getruncken haben, wan ich bet.‹ Wan er aber sunst schwetzet, so ward im der Mund nit dür. Also bedacht er nit, das im gůt was.

275. Man ölet einen, der forcht des Seckels
Von Schimpff das 275.

Man ölet einen, der forcht des Seckels.


Es was ein geitiger Man kranck, der het auch lang nichtz geret noch verstanden. Der Priester kam und wolt im das heilig Öl geben; als er in salben wolt, da kunt wol reden und sprach: ›Wer wil mir da über den Seckel gon? Wol uß mit den Dieben!‹ Sein Hertz was auch me in dem Seckel dan bei dem Sacrament.

276. Einer het den Schlüssel in der Hand
Von Schimpff das 276.

Einer het den Schlüssel in der Hand.


Uf einmal was ein anderer kranck. Da man im die rechte Hand salben wolt mit dem heiligen Öl, da was sie nit da. Der Priester sprach: ›Wa ist die recht Hand?‹ Er sprach: ›Ich lig daruff und hab den Schlüsel zů dem Geld darin.‹

277. Der nam ein Pfennig von einer Kroten
[175] Von Ernst das 277.

Der nam ein Pfennig von einer Kroten.


Ich liß von einem Krancken, da man im das Sacrament wolt geben, da wolt er das Mul nit uffthůn. Da gieng der Priester wider hinweg mit dem Sacrament. Da die Lüt also umb in stůnden und waren leidig, da kroch ein Krot uß dem Winckel, die trůg ein Pfenig in dem Maul. Niemans thet ir nichtz, und sahen ir zů. Da steig sie uff das Bet zů im und gab im den Pfennig in sein Mul, da verschwand die Krot. Also erstickt er an dem Pfennig.

Zů den Obgeschribnen allen mag man sprechen: (Act. 8. Pecunia tua tecum sit.) ›Dein Gelt sei mit dir in ewiger Verdamnis!‹ (Deutero. 32. Ubi sunt dii eorum.) Wa sein ire Göt, in die sie gehofft haben? Ston uff jetz die Guldin und kumen inen zů Hilff. Hüt dich vor dem Geidt!

278. Einer wolt das Krucifix an seim Letsten nit ansehen
Von Ernst das 278.

Einer wolt das Krucifix an seim Letsten nit ansehen.


Wir lesen von einem geitigen, unbarmhertzigen Man, da man im das Sacrament bracht und in ermant zů beichten, da wolt er nichtz darvon hören sagen. Man zögt im das heilig Crütz, er wolt es nit sehen und sprach: ›Got wil mich nit ansehen, so wil ich in auch nit ansehen. Wan der arm Man, der mir schuldig ist gewesen, den hab ich auch nicht angesehen.‹ Also verzweiffelt er und fůr dahin. Bleib du hie und besser dich!

27. Von den Selen

279. Sein Seel verkauft einer
Von Schimpff das 279.

Sein Seel verkauft einer.


Es waren uf einmal gůt Gesellen bei dem Wein, und da man die Ürtin machen solt, da het der ein Gesel kein Gelt und sprach zů den andern Gesellen, einer solt im die Ürtin uff den Degen leihen. Es wolt es keiner thůn, weder uff den Degen noch uff den Rock. Er sprach: ›So leihe mir einer die Ürtin uff mein Seel!‹ Es wolt es auch keiner thůn. Da sprach einer: ›Wilt du mir dein Seel zů kauffen geben, so wil ich dir sie abkauffen.‹ Er sprach Ja. Der Gesel sprach: ›Wie wiltu sie mir geben?‹ Er sprach: ›Ich wil sie [176] dir wolfeil geben. Bezal recht die Ürtin für mich und noch eine, das wir noch einmal gůter Ding seien!‹ Der Gesel sprach ›Ja‹ und bezalt die Ürtin für in.

Es kam dem Junckern in dem Dorff für, das der ein sein Seel verkaufft het, und het sie ein anderer kaufft, und meint, er wolt sie beid straffen, und berůfft sie und sprach zů dem ersten Gesellen: ›Warum hastu dein Seel verkaufft?‹ Er sprach: ›Lieber Juncker, darum: Ich weiß wol, das mein Seel des Tüffels ist, so hab ich sie meinem Gesellen baß günt dan dem Tüffel; darum hab ich sie im zů kaufen geben.‹ Der Juncker sprach zů dem andern: ›Warum hastu des Sel gekaufft?‹ Der Gesel sprach: ›Darum, das der Tüffel nit me dan ein Seel von einem Menschen heischt, so hab ich dise kaufft. Wan er mein Seel wil nemen, so wil ich im die gekauffte Seel bieten.‹ Also kunt der Edelman nichtz me darzů reden.

Es ist nit gůt mit den Selen Narrenwerck treiben und mit geistlichen Dingen.

280. Der Tüfel kauft ein Seel
Von Ernst das 280.

Der Tüfel kauft ein Seel.


Uf einmal sassen Geselen bei einander bei dem Wein, spilten und reten von der Selen. Da sprach einer: ›Wie sein wir also Narren, das wir unß die Pfaffen also lassen verfüren, das wir glauben, das ein ander Leben sei nach disem Leben und das ein Seel sei! Ich hab on das verspilt. Kauff mir einer mein Seel ab!‹ Keiner wolt sie kauffen. Da kam ein Man zů der Thür hinyn und fragt sie, was sie mit einander reten. Sie sagten es im. Er sprach: ›Ich wil sie kaufen‹, und gab im ein Guldin darum; da spilt er wider. Da sie heim wolten gon, da sprach der Kauffman: ›Ir Gesellen, ist es nit billich, wan einer ein Pferd kaufft, so kaufft er den Zaum damit, das er es daran künt füren?‹ Die Gesellen sprachen Ja. Da sprach der Kauffman, das was der Tüffel: ›Ich hab die Seel kaufft; so hab ich den Zaum, das ist den Leib, auch kaufft.‹ Und also nam der Tüffel Leib und Seel und fůr damit darvon. Da erfůr der, das ein ander Leben was nach disem Leben.

Also wer es auch manchem Not, das er semliche Ding betrachtet.

281. Einer bot seiner Sel fil Gutz
Von Ernst das 281.

Einer bot seiner Sel fil Gůtz.


Wir lesen von einem falschen Kauffman, der ward uff einmal kranck. Und da er empfande, das er sterben müst, da redt er mit seiner Selen, als hernach folgt: ›Ich bit dich, liebe Seel, du wöllest nit von mir weichen umb aller gůten Gesellen willen, die da herumbston.‹ Der Siechtagen [177] nam zů; da hieß er ein Laden vol Guldin bringen und zögt es ir und sprach: ›Die Guldin wil ich dir alle geben; bleib bei mir!‹ Da es noch böser ward, da ließ er im seine Kleinetter und silberin Geschir bringen und sprach: ›Dis wil ich dir alsamen geben und wil noch mer darzů gewinnen; bleib bei mir!‹ Da es jetz daran was, das er bald sterben solt, da sprach er zů seiner Seel: ›Du wilt nit hie bleiben, weder umb Gesellen willen noch umb Geltz willen; so gang zů hunderttufent Tüflen, die dir weder Rast noch Rů lassen nimerme!‹ Also fůr er dahin und gab sein Seel dem Tüffel an dem Dotbet auch bilich; wan er sie im befolhen het in dem Leben und verkaufft mit seiner Wůcherei und falschem Gewerb.

Nemen Exempel und Widerkeren, die also Gůt gewinnen! Dan solchs ist als beschehen.

28. Von Penitentz und Bußwürcken, muß hie ein Exempel von den Ratten gesagt sein

282. Wie ein Rat Penitentz thet
Von Schimpff das 282.

Wie ein Rat Penitentz thet.


Es was ein Rat, die het grosen Schaden gethon; und da sie alt was worden, da truckt sie die Gewißne, sie wolt ir Leben bessern und wolt in ein Kloster gon, Penitentz zů thůn, und gieng uß und fand ein Ratten an einem Thor, die was uffgespant mit Neglen. Sie sprach: ›Liebe Schwester, was thůstu da?‹ Sie sprach: ›Ich thů Penitentz für meine Sünd.‹ Sie sprach: ›Der Orden ist mir zů hart, ich möcht in nit erleiden.‹ Die Rat kam weiter, da fand sie ein Ratten in einer Rattenfallen. Da sprach sie zů ir: ›Liebe Schwester, was thůstu da?‹ Sy sprach: ›Ich thů Penitentz fůr mein Sünd.‹ Sie sprach: ›Der Orden wer mir zů härt.‹ Sie gieng weiter und kam in ein Kemmet, da hieng vil Specks, und lieffen die Ratten am Speck uff und ab. Sie sprach zů inen: ›Ir lieben Schwestern, was thůn ir da?‹ Sie sprachen: ›Wir thůn Penitentz für unsere Sünd; wiltu auch in unsern Orden kumen?‹ Die Rat sprach: ›Ja, der Orden gefelt mir; hie wil ich mein Sünd auch büssen.‹

Also ist es mit unß. Kein Orden gefelt unß; hetten wir ein geknöpfletten Orden, der wer für unß; es heißt ein geknöpflet Můß, da Gersten, Erbsen, Linsen, Bonen und allerlei zůsamen gesoten ist. Also uß allen Orden etwas zůsamengesetzt, das lüstig wer; als hetten wir der Barfůser Spacierweg und der Prediger Brevier.

[178] Die Barfůser haben ein weiten Crützgang; sie lauffen die gantz Welt uß. Es sol einer wol von Straßburg lauffen gen Venedig, und laufft dan widerumb heruß. Es laufft einer von Meyland gen Basel und kaufft ein Scheibenhůt hie uß, und laufet wider hinyn. Der Prediger Brevier; sie haben das kurtzest Gebet an dem Osterabent, sie haben nur sechs Propheceien, so ander zwölff haben. Der Carthüser Rů. Der Johanser Tisch. Der Tütscher Herren Fisch. Der Benedicter Stab, ist etwan ein Pferd für 80 Guldin. Der Bernharder Sack, ist ein Wetscher vol Geltz. Der Pfaffen Kleid, das sein die weichen Kutzhüt, die sie in dem Winter umb das Maul schlagen.

Das wer ein feiner Orden. Aber wöllen wir mit dem Orden und mit dem güten Leben das Himelreich verdienen; so weren Franciscus, Dominicus, Benedictus und andere heiligen Vetter groß Narren gewesen, das sie semlich harte Penitentz gethon haben. Aber Sanctus Jeronimus wil es nit nachlassen, das man hie den Bauch fül und dort das Gemüt auch erfül.

283. Markolfus kunt kein Baum finden, daran er hangen wolt
Von Schimpff das 283.

Markolfus kunt kein Baum finden, daran er hangen wolt.


Uf einmal ward einer in der Reiß gefangen. Man bracht in heim und stalt in für das Gericht; da erkanten die Richter, man solt in hencken, doch solt man im die Wal geben, an welchem Baum in glust zů hangen, daran solt man in hencken. Man fůrt in in ein Wald und zögt im alle Böum, einen nach dem andern, aber in glust an keinem Baum zů hangen. Also fůrten sie in wider heim, und liessen in die Herren hencken.

Geistlich. Also ist kein Penitentz, die unß gefelt uff Ertreich, die unß der Priester uff wil setzen, und wöllen an keinem Crütz noch Baum der Penitentz hangen und wöllen nichtz thün noch leiden umb unserer Sünd willen und das ewig Leben verdienen. Es ist zů besorgen, das Got dieselben an den helschen Galgen hencken werd. Darumb wirck Penitentz für deine Sünd!

284. Einer wolt ein Esel kauffen
Von Schimpff und Ernst das 284.

Einer wolt ein Esel kauffen.


Es was ein junger Kauffman, der kam gen Franckfurt in die Meß. Und da jederman kaufft und verkaufft het, und jederman wider heim wolt, da sůcht er erst sein Ding, was er kauffen wolt. Man fragt in, was er sůcht. Er sprach: ›Ich sůch ein Thier, das hat mir mein [179] Vatter befolhen zů kauffen, das eins Esels Leib hab und ein Pfawenschwantz.‹ Man sprach zů im: ›Das Thier mag nit funden werden.‹ Er fand es auch nit, und ist nit zů finden.

Also sein vil Menschen, die wöllen übel leben und ein selig End finden, ein Eselsleben füren alle ire Tag und ein hübsch End nemen. Der Schwantz gehört nit zů dem Thier noch der Sattel uff das Pferd noch der Deckel uff den Haffen. Balam sprach auch: (Num. 23.) ›Mein Leben můß sterben mit dem Dot der Gerechten.‹ Wer wol wil sterben, der leb wol. Wan einem gůten Leben folgt selten ein böser Dot nach; also folgt selten ein gůter Dot einem bösen Leben nach. Merck wol!

285. Einer gab ein Pfennig Zoll
Von Schimpff das 285.

Einer gab ein Pfennig Zoll.


Es was ein Buer, der hat seinem Herren gedient und het im wol gedient. Der Her sprach zů im: ›Beger etwas von mir für deinen Lon, das wil ich dich geweren.‹ Der Buer sprach: ›Her, es würt jetz Jarmarckt hie. So beger ich, das ir schaffen, das mir ein jeglicher, der in dise Stat kumet zů Marckt, der da ein Gebresten oder ein Siechtag an seinem Leib hab, das derselbig mir ein Pfennig müß geben.‹ Der Her sprach: ›Gern‹ und bestelt es, verschreib es im. Der Buer satzt sich an das Thor und wartet. Da kam einer daher ziehen, der was rüdig uff dem Hals. Der Buer sprach: ›Gesel, gib mir ein Pfening!‹ Er wolt es nit thůn. Da greiff im der Buer an dem Hals, da het er ein grosen Kropff, und sprach: ›Gib mir zwen Pfennig!‹ Er wolt es auch nicht thůn. Er zog im das Hütlin ab, das er im uff ein Aug gesetzt het; da het er nit me dan ein Aug, und sprach: ›Nun gib mir drei Pfennig!‹ Er wolt es nit thůn; da greiff er im zů dem Seckel, da was er zerbrochen; da sprach er: ›Gib mir fier Pfennig!‹ Er wolt es nit thůn. Da hanck er und het den Hoger darzů; da hiesch er im sechs Pfennig, und můst sie im auch geben. Und er wolt im zů dem ersten nit ein Pfennig geben und můst im darnach sechs geben.

Also sein vil Menschen, die mit kleiner Bůß und Penitentz möchten ire Sünd hie ablegen und wöllen es nit thůn und sparen es biß in das Fegfeüer oder villeicht in ewige Verdamnis, da sie alwegen darumb leiden müsen. Darumb ist hie die Zeit der Gnaden und dort Gerechtigkeit.

286. Der Beichther gab fünf Avemaria
[180] Von Ernst das 286.

Der Beichther gab fünf Avemaria.


Es was ein Predicant in einem Barfüsserkloster, der was eins Ritters Beichtvatter. Derselbig Ritter was in dem Sumer in sein Garten gangen nach dem Imbiß spacieren. Da kam ein hübsche Metze in den Garten; je under einem Mulberbaum wurden sie des Kauffs eins, das er sein Ee brach. In der Nacht da fechtet des Ritters Haußfrau in dem Schlaff und weint und schrei und het ein wild Leben. Der Man stieß sie in ein Seiten und weckt sie und sprach: ›Frau, wie thůn ir? Was traumpt euch, das ir also fechten? Ir haben doch nie also gethon.‹ Die Frau sprach: ›Her, mir hat getraumet, wy ir in unserm Garten sein gewesen und sei einer kumen mit einem blosen Schwert, und under dem Maulberbaum hab er euch erwüst bei seiner Frawen und hab das Schwert durch euch gestochen. Darumb hab ich also gefechtet.‹ Der Her sprach: ›Schlaffen, Frau! Ir sehen wol, das ich bei euch bin.‹ Er wüßt aber wol, was Schwertz das was, und kam in ein semliche Rüw und Mißfal yn, das er kum des Tags erwarten mocht.

Und da es Tag ward, da hort er Meß, gieng darnach zů seinem Beichtvatter, zů dem Leßmeister und fůrt in in seinen Garten under den Baum, da er gesündet het, und knüwet da nider und beichtet mit groser Andacht und Rüwen den Eebruch, den er gestern het volbracht, und sagt es im, wy es gangen war. Der Beichtvatter gab im zů Bůß, das er an der Stat, ee das er uffstünd, solt betten fünff Avemaria. Der Ritter sprach, es wer zů wenig, er solt im auch zů fasten geben. Der Beichtvatter sprach: ›Her, ich bin euwer Artzet; ich weiß baß umb die Sach dan ir.‹ Wan ein Beichtvatter sol in Uffsetzung der Bůß ansehen die Person und ire Rüwen und die Zeit, als sie dan wol sollen wissen. Der Ritter sprach: ›Her Beichtvatter, wir wöllen gon heim, zů Morgen essen.‹ Da sie nun heimkamen, da was der Tisch bereit. Der Ritter sprach: ›Wa ist die Frau?‹ Die Kellerin sprach: ›Sie schlafft; sie spricht, sie hab hinnacht gar unrüwig geschlaffen.‹ Der Ritter sprach: ›Geben unß zů essen!‹ Da man nun ob dem Tisch saß, da erwacht die Frau und stůnd uff und gat in Sal, da man aß; und da sie iren Herren sahe, da fiel sie im umb den Hals. Der Her sprach: ›Frau, wie thůn ir also? Schamen euch vor dem erbern Herren!‹ Die Frau sprach: ›Ich bin so vol Fröden, das ich euch sihe da sitzen. Mir hat getraumt, wie ir under dem Baum also verwunt gelegen sein, da ist ein Artzet kumen und hat euch fünff Rosen in die Wunden gelegt, und sein gleich geheilt gewesen on Schaden.‹

[181] Also ist hie ein kleine Buß gar verdienstlicher dan dort ein grose; es sol auch einer dy Bůß selber thůn.

287. Die Frau solt für den Man in den Himel
Von Schimpff das 287.

Die Frau solt für den Man in den Himel.


Es was uf einmal ein Man, der kam nach der Beicht heim und sahe fast sauer und was betrübt. Sein Haußfrau sprach zů im: ›Lieber Hußwirt, wie sichstu so recht suer?‹ Der Man sprach: ›Ich hab gebeicht; so hat mir mein Beichtvatter so vil zů fasten und zů betten geben.‹ Die Frawe sprach: ›Ach lieber Hußwirt, biß nur gůter Ding! Ich wil die Bůß für dich thůn.‹ Der Man sagt es ir, was die Bůß was. Die Frau nam die Bůß an und thet sie für iren Man. Und da sie es nun lang gethet, da wolt Got der Her den Man von seiner Irrung ziehen; und traumet im uff einmal, wie er und sein Frau gestorben weren und an den Himel kamen und wolten hinyn. Sant Peter kam und thet das Thor uff, und so er den ersten Trit in den Himel thet und hinyngieng, da stieß in Sant Peter wider hindersich hinuß und sprach zů im: ›Du solt nit heryngon, aber dein Frau, die hat Bůß für dich gethon und thůt es noch für dich. Darumb sol sie den Lon auch für dich nemen und für dich in den Himel kumen.‹ Darnach sprach der Man zů seiner Frawen, er wolt sein Bůß selber thůn und wolt selber in das Himelreich gon: ›Ich wil nit, das du für mich in das Himelreich gangest und ich müst hie uß bleiben.‹ Merck uff!

288. Der jung Wey schickt sein Muter zu den Götteren
Von Schimpff das 288.

Der jung Wey schickt sein Můter zů den Götteren.


Es was ein junger Fogel, ein Wey, der die jungen Hünlin isset, der was kranck und besorgt zů sterben. Da sprach er zů seiner Můter: ›Liebe Můter, gang zů den Götten! Sie sein jetz in Rat bei einander. Bit sie für mich, das sie mir genedig seien!‹ Die Můter sprach: ›Lieber Sun, ich förcht, ich schaff nichtz, ich mög dir kein Gnad erwerben. Wan warumb? Dieweil du gesund bist gewesen, da hastu inen ire Öpfel gestolen und geraubt, da man Kelber und Schaff geopffert hat und an die Sonnen gelegt. Hat dir sunst nichtz davon mögen werden, so hastu sie doch beschmeißt und daruff geschissen. Und jetz, so du es nit me kanst thůn und es gern thetest, wan du es vermöchtest, und jetz so förchtestu zů fallen in ir Hend und Straff, und dein Pententz und Rüw gat me uß Forcht der Pein dan uß Liebe.‹

[182] Also sein vil Menschen, die rüwen und Gůtz thůn, wan sie an dem Dotbet ligen oder so ein Sterbent ist, und wan dieselben Ding uffhören, so höret dy Penitentz auch uff. Es ist einem Dieb auch leid, das er gestolen hat, ja das er hangen můß, aber sunst nit. Es müst ein Mensch uß kindlicher Liebe rüwen und nit uß Forcht als ein Knecht. ›Ja‹, spricht mancher, ›wan ich mag an dem Letsten drü Wort sprechen mit dem David: (2. Reg. 12. Peccavi) Ich hab gesündet, so bin ich der Behaltenen.‹ Es gehört me darzů dan drü Wort. Wa ist Gnůgthůn, wa ist Beichten, wa ist Rüwen, wa Widerkerung thůn? Sihe Doctores an, Gersonem und ander!

289. Ein Gauch het fünfmal gucket
Von Schimpff das 289.

Ein Gauch het fünfmal gucket.


Es ward ein alt Weib kranck, das ermant man zů der Beicht und zů der Penitentz, dan sie würd sterben. Die Frau sprach: ›Ich weiß wol, das ich diß Legers nit stirb.‹ Man fragt sie, wie sie es wüst. Die Frau sprach: ›Da ich zů dem nechsten bin durch den Wald gangen, da hat mir der Guckgauch fünffmal geguckt, und ich stirb noch in fünff Jaren nit.‹ Aber sie erlebt den andern Tag nit. Die was eine grose Nerrin, das sie meint, Got solt dem Guckgauch offenbaren, wie lang sie noch leben solt, der es seinem lieben Fründ David nit geoffenbart hat, da er in bat: (Psal. 38. Notum fac mihi finem.) ›Her, mach mir offenbar mein End, das ich erken, was mir gebrest!‹

290. Der Adler sach den Fogler nit
Von Schimpff das 290.

Der Adler sach den Fogler nit.


Uf einmal kamen vil Vogel zůsamen, und gloriert jeglicher in einer Tugent und Gab, dy er an im het. Ein Adler sprach: ›Ir armen blinden Fogel, ich übertriff üch alle in dem Gesicht. Ich wil als hoch fliegen, das euwer einer kum das Ertreich mag sehen, und ich wil doch mein Speiß sehen. Das wil ich beweren, und sitz einer uff mich!‹ Das Küniglin oder Zunschlipflin das saß uff in, und der Adler fůr in die Lüfft hinuff, als hoch als er mocht, und sprach zů dem Föglin, das uff im saß: ›Was sichstu insunderheit uff dem Erdtreich?‹ Das Vöglin sprach: ›Ich sih nichtz.‹ Der Adler sprach: ›Ich sihe mein Speiß, ein Schaff, und sihe alle Glider, die in im sein. Und das es war sei, so wil ich jetzundan gleich daruff fallen und wil mich ersettigen. Und du armes Thier můst Hunger leiden.‹ Und flügt uff das Lůder und wolt essen. Da [183] was der Fogler da und zohe das Garn, da was er gefangen. Da saß das Zunschlipflin uff einem Zunstecken und sahe es und spottet sein und sprach: ›Wa ist jetz dein gůt Gesicht, daruß du gloriert hast? Oder du groser Nar, hastu alle Ederlin in dem Schaff gesehen, und hast den grosen Fogler und das Garn nit gesehen? Sein mir und mei ner Gesellen Augen nit jetz besser, dan dir die deine? Du armes Thier, du můst jetz sterben.‹

Also sein vil witzig nach der Welt, die nach der Geistlicheit grose Narren sein. Sie künnen einer Luß ein Buntschůhe machen und sehen nit den grosen Tüffel, der sie in der Welt anficht und sie in grose Sünd verstrickt, und wöllen nit Penitentz leren thůn, das sie ledig werden.

291. Das Graumenlin muß als tragen
Von Schimpff das 291.

Das Graumenlin můß als tragen.


Es was ein Müller, der het fier kleiner Pferdlin, die im die Seck zů der Mülin trůgen; das ein hieß Brünlin, das ander Replin, das drit Schimlin, das fierd Graumenlin. Die drei spart er und brucht das fierd stetz; das můst die Bürde alle tragen, das es darunter niderfiel und verdarb.

Der Müller bedüt ein jeglichen, der die fier Pferdlin hat, das sein seine fier Alter. Es ist sein Kindheit biß uff die 20 Jar, sein Jugent biß uff die 40 Jar, sein Manheit biß uff die 60 Jar, sein Alter biß uff den Dot, das ist das Graumenlin. Jegliche Zeit, wie jetz erzelt ist, hat sein Penitentz und Ordnung, wie man Got dienen sol; aber wir sparen unsern Leib in der Jugent und wöllen es als dem alten Leib ufflegen, so du grau bist worden uff dem Kopff und wa du Har hast, das Graumenlin mein ich. ›Ja wan ich alt bin, so wil ich Got dienen.‹ Nieman sol seine gůten Werck sparen biß in das Alter, wan du dan ungeschickt bist zů der Penitentz. Lieber Got, wiltu fasten, so magestu zů Nacht nit schlaffen; wiltu betten, so entschlaffestu darüber; du bist dür in dem Mund, und wer not, wan du betten woltest, das du ein Flesch mit Wein neben dir hettest. Alt kalt, je älter je kälter, vol, faul, öd, blöd. Sein wir alten Lüt nüchtern, so sein wir blöd; sein wir vol, so sein wir faul und entschlaffen über dem Tisch. Betracht das bei Zeiten!

292. Ein Kind fand seim Vatter grau Har
[184] Von Ernst das 292.

Ein Kind fand seim Vatter grau Har.


Es was ein Buer in einem Dorff, der het vil Kind; der ward ein Mörder, das treib er ein lange Zeit. Uff einmal het er ein Döchterlin, das steig uff ein Banck und wolt im Lüß sůchen uff dem Kopff mit dem Strel, als es auch thet. Und da sie also sůcht, da fand es grawe Har und sprach: ›Vatter, du hast grawe Har.‹ Er sprach: ›Züch mir eins uß?‹ Das Döchterlin zohe im eins uß. Der Man nam es in sein Hand und sprach: ›O ewiger Got, ist es umb die Zeit umb mich, das ich grau bin, so ist es warlich Zeit, das ich mich besser.‹ Und er bessert sich und thet Penitentz umb sein Sünd umb eins grawen Hars willen.

Mancher hat den Kopff vol und würt vor Gräwe wider weiß, als da sie Kind waren; dannocht ist noch kein Besserung da, sie machen es, wie sie es gewont haben. Ja, sprechen sie, Weißheit kumet nit vor den Jaren. Die Jar sein auch nit gůt für die Thoren. Ich hab manchen alten Narren gesehen, ich hab auch manchen jungen Weisen gesehen und manchen jungen Narren und manchen alten Weisen. Aber der Tüffel haßt die alten Narren.

29. Von der Beicht

293. Ein Begin verlor die Kürsen
Von Schimpff das 293.

Ein Begin verlor die Kürsen.


Zů Straßburg sein vil Beginen, die tragen gewonlich Mentel und Kürsen von Beltz darunder. Uff einmal kam ein Begin von den Barfüsern und wolt heimgon, da begegnet ir ein erbere Frau, die wolt auch Meß hören, und es was in dem Advent. Die Frau sprach zů der Beginen: ›Schwester, wa kumen ir her?‹ Sie sprach: ›Ich kum von meinem Beichtvatter und hab gebeichtet, und ist mir recht leicht worden.‹ Und da sie heimkam, da het sie die beltzin Kürsen verloren, die was ir under dem Mantel hinweggerütscht, darumb was ir so leicht worden.

294. Ich het nur ein Hauben uff
[185] Von Schimpff das 294.

Ich het nur ein Hauben uff.


Es beicht einmal ein Dochter also: ›Lieber Herr, ich bin bei einem erberen Priester gelegen.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Bistu nackent bei im gelegen?‹ Sie sprach: ›Nein, ich hab ein Hauben uffgehebt!‹

295. Seider Cristus Geburt beicht einer
Von Schimpff das 295.

Seider Cristus Geburt beicht einer.


Uf einmal beicht einer also: ›Her, ich gib mich schuldig aller Sünd, die ich gethon hab von Cristus Geburt her bis uff dise Stund.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Bistu dan so alt?‹ Er sprach: ›Ja, ich hab ein Brůder, der ist zweier Jar elter.‹

296. Eine beichtet, das sie ins Bet brunzet
Von Schimpff das 296.

Eine beichtet, das sie ins Bet brunzet.


Als man die jungen Kind gewent zů der Beicht, da kam ein Döchterlin zů dem Priester und beichtet. Der Beichtvatter fragt das Kind, ob es auch in das Bet brüntzlet. Es sprach Ja. Der Beichtvatter sprach: ›Lůg, das du es nit me thügest! Ich iß die Kind, die in das Bet brüntzlen.‹ Das Döchterlin sprach: ›Nein, du solt mich nit eßen, das ich in das Bet brüntzel. Ich hab ein Brüderlein, das scheißt in das Bet. Das iß!‹

297. Der Vogt bedorfft sieben Sinn
Von Schimpff das 297.

Der Vogt bedorfft sieben Sinn.


Es bycht einmal ein Buer also: ›Her, ich gib mich schuldig an meinen siben Sinnen.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Es sein doch nit me dan fünff Sinn.‹ Er sprach: ›Ja Her, ich bin ein Schultheiß; darumb bedarff ich zweier Sinn me dan ein anderer.‹

298. Fier Gulden wolt einer zeigen
Von Schimpff das 298.

Fier Gulden wolt einer zeigen.


Es bycht einmal ein Gerwer, wie er des Willens wer gewesen, ein zů Dod ze schlagen, aber er het es nit gethon. Der Beichtvatter sprach: ›Du můst gen Rom für den Dotschlag, oder du můst mir fier [186] Guldin geben zů absolvieren. Wan ich des Bapsts Gewalt für 40 Personen hab, und du bist sein notürfftig.‹ Er sprach: ›Ich hab doch den Dotschlag nit gethon, ich hab in nur in dem Sinn gehebt.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Got nimpt den Willen für die Werck.‹ Der Gerwer sprach: ›Wan es nit anders mag sein, so wil ich euch die fier Guldin geben. Absolvieren mich!‹ Da absolviert in der Priester; da gab im der Gerwer den Beichtpfennig. Der Beichtvatter sprach: ›Wa sein die fier Guldin?‹ Er sprach: ›Nemen den Willen für die Werck! Ich hab in dem Sinn gehebt, euch die fier Guldin zů geben.‹

299. Uß eim Büch wolt einer beichten
Von Schimpff das 299.

Uß eim Büch wolt einer beichten.


Uf einmal het einer sein Beicht in ein Bůch geschriben und kam zů seinem Pfarrer und sprach: ›Her, ich hab ein kurtze Gedechtniß, auch so stamel ich, und bit euch, ir wöllen mein Beicht und Sünd da lesen in dem Bůch. So wil ich zůhören.‹ Der Priester sahe wol, das er zwo oder drei Stund bedörfft zů lesen, und stůnden vil da und warteten zů beichten. Der Beichtvatter sprach: ›Ich hab jetz nit Zeit zů lesen. Nach Ostern kum, so wöllen wir es lesen. Sag jetz nit me dan die grösten Stück!‹ Das thet er. Der Priester absolviert in und sprach: ›Ich absolvier dich von allen Sünden, die in dem Bůch ston geschriben. Nun far hin!‹ Er sprach: ›Her, wöllen ir mir kein Bůß geben?‹ Der Beichtvater sprach: ›Nein.‹ Er sprach: ›Her, ich wil ein Bůß haben.‹ Der Beichtvater sprach: ›So gib ich dir zů Bůß, das du ein Monat lang alle Tag dis Buch drümal ußlesest.‹ Er sprach: ›Her, die Bůß ist mir zů hart.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Magstu das Bůch nit selber lesen, wie wolt ich es dan lesen?‹

Darumb ein Gedechtnißbrieflin mag man wol machen, er sol aber Artickel machen und Zeichen, das es niemans verstand dan er allein. Aber an ein Brieflin schreiben oder uß einem Bůch lesen als die Nunnen, so sie gantze Beicht thůn, das sol nit sein.

300. Ein Misereatur uff das Confiteor
Von Schimpff das 300.

Ein Misereatur uff das Confiteor.


Diser warde geabsolviert, als ein Priester einem uff einmal ein Misereatur sprach und noch einer sprechen sol, wan es sich begibt. Es kumen etwan die gestifletten Doctores, die gestreifletten Leyen, und die [187] etwan halbgelert sein, und betten mit dem Priester Confiteor über dem Altar und nennen etwan 20 oder 30 Heiligen nach einander, also: ›Beatum Petrum, beatum Paulum, beatum Andream, beatum Nicolaum, beatum Ambrosium, beatum Sebastianum, beatum Onofrium, beatam Magdalenam, beatam Barbaram, beatam Katharinam etc. Istos sanctos et sanctas Dei et vos sacerdotes orate pro me miserrimo peccatore.‹ Und stot der arm Priester da wie ein Nar, und het wol dieweil die Epistel gelesen. Wan semliche Thoren kumen, so sol der Priester dis Misereatur uff dasselbig Confiteor sprechen: ›Misereatur tui Circumcisio Domini et perducat te per totum kalendarium usque ad festum Sancti Silvestri in vitam eternam! Amen.‹

301. Einer absolviert von künftigen Sünden
Von Schimpff das 301.

Einer absolviert von künftigen Sünden.


Es was einer in das Tütschland kumen mit falschem Ablaß und Brieffen und hort Bycht und absolviert die Menschen von zůkünfftigen Sünden, die sie würden thůn, und hůb vil Geltz uff. Es kam ein Edelman zů im und bat, in auch zů absolvieren von einer Sünd, die het er Willen zů thůn. Der Legat hiesch im drei Kronen. Der Edelman gab sie im. Der Legat absolviert in. Da er nun uß dem Land wolt und meint, er het Geltz gnůg gesamlet, und forcht, sein Falscheit möcht an den Tag kumen, und kam in eins Graffen Land, da nam im der vorgenant Edelman, was er het. Da klagt es der Legat dem Graffen. Der Graff beschickt den Edelman und fraget in, ob er den beraubt het. Der Edelman sprach: ›Ja, er hat so vil Lüt betrogen und geabsolviert von zukünfftigen Sünden und mich auch. Ich hab im auch drei Kronen geben zů Verzeihung der Sünd, die ich in dem Willen het zů thůn. Da ligt der Brieff, und das ist die Sůnd gewesen, die ich in dem Willen het zů thůn.‹ Der Graff sprach zů dem Legaten, ob es also wer. Der Legat kunt es nit löcknen. Da sprach der Graff: ›Mach dich bald uß dem Land, oder ich laß dich in ein Wasser werffen. Er hat dir recht gethon.‹ Also nam der Graff auch ein Teil darvon, und was der Krieg gerichtet.

302. Ein Beichtvatter ward gehenckt
Von Ernst das 302.

Ein Beichtvatter ward gehenckt.


Mit in langen vergangnen Jaren, da het es sich in einer Stat in Italia begeben, das einer was uff die Bůlschafft gangen und stůnd also vor einer Haußthür. Da kam einer und rechtfertigt in; da [188] zoch er sein Schwert uß und erstach in und gieng hinweg und ließ in ligen; darnach wolt es niemans gethon haben. Der Schultheiß ließ ußgon, wer da sägt, wer den Dotschlag gethon het, dem wolt man zweihundert Guldin geben. Es stůnd biß uff die Fasten, da man beichten solt; da erwelt im diser ein Beichtvatter, dem er den Dotschlag beichtet, und meint, er kant in nit. Der Beichtvatter het auch gern Gelt gehebt und kam zů dem Schultheiß und sprach zů im: ›Her, wöllen ir mir das verheissen Gelt geben, so wil ich euch sagen, wer den Dotschlag gethon hat.‹ Der Schultheiß sagt, ja, er wolt es im geben. Da sagt es der Priester. Der Schultheiß ließ den Priester gefangen legen und schickt nach dem, den der Priester verraten het; da kam er. Der Schultheiß sprach zů im: ›Du hast den erstochen.‹ Er löcknet fast. Da sprach der Schultheiß: ›Ich wil dich zů dem Pfaffen füren, dem du es gebeicht hast.‹ Da er in zů dem Beichtvatter bracht, da kunt er es nit löcknen. Da sprach der Schultheiß zů im: ›Seitenmal so es mir durch Gottes Weg, durch die Beicht ist fürkumen, so wil ich dich nit richten; aber sechs Stund geb ich dir Zeit und Zil. Richt dein Sach und mach dich uß dem Land!‹ Das thet er. Darnach macht der Schultheiß ein Galgen in der Stat, stieß nur ein Trom uß einem Hauß in das ander über die Gassen und ließ den Priester daran hencken, und můst man im die Blatten scheren. Das was sein Beichtgelt, die zweihundert Guldin.

Da leren die Beichtvätter, das sie die Beicht verschweigen.

303. Einer wolt nit die rot Kap tragen
Von Ernst das 303.

Einer wolt nit die rot Kap tragen.


Es was ein Edelman, der lůd ein Ordenßman zů Gast, ein gůt schlecht Schaff, und sprach zů im, er wolt im beichten. Der Priester sprach: ›Juncker, ich hör euch nit Beicht; ich bin euch zu einfaltig. Sůchen ein Gelerten und ein Erfarnern!‹ Der Juncker sprach: ›Ir müssen mich Beicht hören.‹ Der Priester sprach: ›Můß ich euch Beicht hören, so wil ich euch vor ein Exempel sagen. Darnach thůn, was ir wöllen! Es was einmal ein Juncker, der het auch ein Beichtvatter. Der Beichtvatter gestůnd im, was er sagt, und macht es im leicht und strafft in nit darumb, als er billich solt gethon haben. Es fügt sich, das der Edelman starb und ward in die Kirch vergraben. Darnach uff einmal gieng der Beichtvatter in der Kirchen mit seinem Schůler, da sahe er, das sich desselben Grab bewegt. Da gieng er zů dem Grab zů besehen, was das wer.‹ Und da er darzů kam, da greiff der in dem Grab heruß mit dem Arm und ergreiff den Beichtvatter bei der Kartuß und bei dem Hals [189] und zohe im die Hut über die Oren ab und sprach zů im: ›Gang hin und zög das Zeichen meiner Frawen und meinen Kinden, so werden sie wol sehen, in welchem Stat ich bin. Und du bist schuldig an meiner Verdamnis, das du mir nit die Warheit in der Beicht hast gesagt; darumb soltu auch ein Teil der Pen mit mir haben. Juncker, nun beichtet mir, ob ir wöllen! Aber das solt ir wissen, das ich ein solch rot Kap nit wil umb euwertwillen tragen.‹ Da sprach der Edelman: ›Nun beicht dir der Diebhencker! Woltestu mir mit der Hechlen also strelen?‹ Und wolt im nit beichten.

Es ist umb vil Beichtvätter wie umb ein fulen Bader. Wan der Bader einem das Haupt zwecht, so acht er nit, das er im suber zwag, besunder wan er ein grindigen Kopff hat und vil Lüt in dem Bad sein. Er acht nur, das er bald vil ußricht, das im vil Badgeltz werd. Also geben vil Beichtvätter den Lüten nit Zeit und Weil, ir Sünd zů klagen, und sprechen: ›Sag nit me dan dy grösten Stück!‹ Und damit darvon, das sie vil absolvieren, das inen vil Geltz werd. Solt der Bader gemach Laug uffschütten, so schümpt das Haupt; so müst er lang mit umbgon. Sunst so schüt er den Kübel vol einsmals uff, so kumpt er bald davon. Also die Beichtvätter auch. Die Menschen, die spat beichten, die thůn inen selber Schaden; wan wen sie spat beichten, so ston sie alle umb in, und wer jeglichs gern das erst. So hat der Priester auch nit Zeit, dich zů underweisen und zů leren, als so du allein da werest. Darumb so kum an dem Eschermitwoch und dieselben Tag, so ist es weit, und kumest du bald zů und darffest nit lang warten.

30. Von Geloben und Verheissen

304. Einer verhieß ein Kertzen als groß als ein Sägelbaum in Nöten
Von Schimpff das 304.

Einer verhieß ein Kertzen als groß als ein Sägelbaum in Nöten.


Es was ein groß Ungewitter in dem Mer, das jederman Got und seine Heiligen anrůfft, das sie nit verdürben. Da was ein Abenthürer auch in dem Schiff, der schrei zů Sant Nicolas: ›O heiliger Her Sant Niclaus, hilff unß! Ich wil dir ein Kertzen opffern als groß, als mein Schenckel ist!‹ Das Mer hort nit uff wüten, da sprach er: ›Hilff unß, Sant Niclaus! Ich wil dir ein Kertzen geben, die als schwer ist, als ich bin!‹ Es halff aber nüt. Da sprach er: ›Hilff uns, Sant Niclaus! Ich wil dir ein Kertzen geben als groß als der Segelbaum in dem Schiff.‹ Die erber Lüt in dem Schiff sprachen zů im: ›Du bist ein Nar. Wa woltestu so vil Wachs nemen? [190] Und wan du es schon überkemest, so möchtestu es nit bezalen.‹ Er sprach: ›Ir sein Narren. Het ich ein Fůß uff dem trucknen Land, ich wolt im nit ein Meßliechtlin geben, das er mit schlaffen gieng.‹ Dem ist gleich wie diser hernach.

305. Ku und Kalb verhieß einer
Von Schimpff das 305.

Ků und Kalb verhieß einer.


Der was in Wasersnot und verhieß einem Heiligen, ein Kalb zů geben, darnach die Ků; und darnach da er wider uff das Land kam, da sprach er: ›Dir würt weder Ků noch Kalb.‹ Verrůcht unverstanden Lüt thůn also; aber der Rüw kumpt inen hindennach und hilfft sie dan nichtz mer etc.

306. Den Weinkauff nit zu trincken wolt die Frau nit verheissen
Von Schimpff das 306.

Den Weinkauff nit zů trincken wolt die Frau nit verheissen.


Es was ein Buer, der het ein Frawen und ein Esel. Es kam sie einmal ein Andacht an, das sie verhieß kein Wein zů trincken, es wer dan das sie etwas het kaufft oder verkaufft, so wolt sie den Weinkauff zů trincken ußgenumen haben, den wolten sie nit verheischen. Er wert etwan 14 Tag, das sie gern hetten Wein getruncken, da sprach die Frau zů irem Man: ›Meister, gib mir deinen Esel zů Kauff!‹ Der Man thet es, da truncken sie Weinkauff, und über ein Zeit darnach kaufft in der Man wider, da hetten sie aber Weinkauff zů trincken. Und also trieben sie das für und für; das was die Gelübt nit gebrochen.

307. Wan der Siech genißt, so ist er bößer, dan er vor was
Von Schimpff das 307.

Wan der Siech genißt, so ist er bößer, dan er vor was.


Uf einmal het sich ein Wolff überessen, der verhieß Got, kein Fleisch me zů essen. Da er es verdeuwt, da aß er eben als vor. Darumb ist das Sprichwort war: ›Wan der Siech genaß, so ist er böser, dan er vor was.‹

308. Nach dem Faß mit Wein schickt einer
Von Schimpff das 308.

Nach dem Faß mit Wein schickt einer.


Doctor Felix Hemmerlin schreibt, da er ein Student zů Bonony was, da was ein Doctor, der laß in dem keiserlichen Rechten. Und was ein Nobilist, der was ein tütscher Edelman, der hort Letzgen [191] von demselben Doctor. Der Doctor lůd den Edelman zů Gast und gab im gůten Wein zů trincken. Der Edelman lobt den Wein, wie er so gůt wer. Der Doctor sprach: ›Juncker, wan euch glust nach einem gůten Trunck, so schicken darnach! Dan ich hab euwer und andern Tütschen Eer, das ir Lectiones von mir hören. Und wan es euch geliebt, so wil ich euch das Faß mit dem Wein schicken.‹ Der Edelman danckt im, und da er heimkam, da schickt er seinen Knecht mit einem Karren zů dem Doctor umb das Faß mit Wein. Der Doctor sprach: ›Es sein nur Erenwort gewesen, die binden niemans.‹ (Verba honoris neminem obligant.)

Die Juristen und andere die heissen ire Lügen verba honoris. Franciscus Petrarcha spricht: (Sic michi credas, magnis promissoribus nil credas.) ›Glaub du mir, denen, die dir vil verheissen, denen glaub nichtz!‹ Verheissen ist erlich, geben ist bürecht. Fründ in der Not gon wo! 20 uff ein Lot, und wan sie einem sollen behilflich sein, so gon wol 60 uff ein Quintlin. Man verheißt dir Gnüg; sůch aber einen, der dir es leist!

309. Einer verhieß ein Kind, das im das ander auch starb
Von Ernst das 309.

Einer verhieß ein Kind, das im das ander auch starb.


Ich liß von einem Edelman, der was lang in der Ee gewesen, und er het kein Kinder als ein Leiberben. Er und sein Frau verhiessen Got dem Herren, geb er inen Kind, und das erst, das sie überkemen, das wollten sie im geben zů seinem Dienst und müst ein Priester werden. Got erhort sie, und sie überkamen ein Kneblin, und darnach überkamen sie noch ein Kneblin. Und die zwen Knaben wůchsen uff; der erst was lieblich, hübsch und gerad, der ander was nit also hübsch und lieblich und der Welt so gleich als der erst. Da beschlussen Vatter und Můter, das sie das ander Kind wolten geistlich machen und den ersten schönen Knaben weltlich behalten, das er ir Erb wer. Also ließ Got die Kind beid sterben, gleich als het Got nit gern auch etwas Hübschs in seinem Dienst.

Got der Her hat in dem alten Gesatz gebotten, das man im kein bresthaftig Thierlin opffern solt. Also hat es sich in unserm Gesatz umbgekert; man opffert Got nichtz, es sei dan bresthafftig. Wan du ein bösen Pfennig hast, so sprichstu: ›Der Priester nimpt in gern.‹ Deßgleichen in dem Zehendengeben. Hastu zehen oder zwölff Kind, und welchs nur ein Aug hat, hinckt ist, hogerich oder sunst bresthaftig ist, das würt ůgt in ein Kloster, das gibstu Got. Darumb gat die andern dest minder Glücks an. In legenda Sancti Nicolai ist eins disem gleich von dem Kopff.

31. Von Meisterschafften

310. Einer kunt ein Werck besseren
Von Schimpff das 310.

Einer kunt ein Werck besseren.


Es sprach einmal ein Meister, er mecht kein Werck so gůt, er künt es noch besser machen oder ein Werck, das besser wer dan dasselbig, das er gemacht het. Er sagt auch, das er sein Schůler sein Künst nit alle lert, er behielt alwegen etwas, ob seine Schůler zů hoffertig würden und in verachten wolten, das er etwas me wüßt dan sie.

Dis Wort dient wol zů Lob Got dem Herren, das wir gedencken, das er seine Kunst und Macht nit alle gezögt hat in seinen Creaturen und in seinen Wercken. Wir sollen gedencken, das er noch vil mer vermag, dan wir mögen verston, als wir glauben, er teglich thü in dem Sacrament des Altars.

311. Der Fechtmeister schlug seim Schuler den Kopff ab
Von Schimpff das 311.

Der Fechtmeister schlůg seim Schůler den Kopff ab.


Es was ein Schirmeister, der het in vil Stetten Schůl gehalten und gůte Schůler gemacht, Schirmeister. Aber einer was überuß gůt und erhůb sich mit Lucifer, er wolt seinem Meister nichtz entfor geben, je das sie einander ußbutten, umb das Leben zů fechten, und solt jeglicher bruchen, was er künt, und alle seine Kunst. Sie kamen uff dem Blatz zůsamen und machten ir Spiegelfechten, wie man dan thůt. Da sie schier zůsamenkamen, da hielt der Meister sein Schwert stil und sprach zü seinem Schůler: ›Es ist nit geret worden, das ich mit zweien sol fechten.‹ Diser lůgt hinder sich, wer im helffen wolt; und dieweil er hinder sich lůgt, da sprang der Meister herzů und schlůg im den Kopff ab und sprach: ›Den Streich hab ich dich noch nit gelert.‹

Diser Meister hat gethon wie der in dem nechsten gesagten Exempel, das ein Meister im alwegen sol etwas behalten, das er seine Schůler nit leren sol.

312. Gotz Hilff wolt einer nit übergeben
Von Ernst das 312.

Gotz Hilff wolt einer nit übergeben.


Uf einmal hetten zwen Meister auch etwas mit einander zů schaffen, das einer den andern ußbot zů kempfen, und mit Gottes Hilff wolt er in beston, das er Recht het. Der ander sprach: ›Mit Hilff meins [193] Brůders so wil ich dich beston.‹ Da der Tag des Kampffs kam, da kam der ein mit seinem Gewer. Der ander kam auch mit seinem Gewer und bracht seinen Brůder mit im. Der erst sprach: ›Das ist nit geret worden nach des Lands Sitten noch Gewonheit, das zwen sollen fechten wider ein und einer wider zwen. Heiß dein Brůder abtretten!‹ Da sprach er: ›Nein, euwer sein zwen, so sein unser auch zwen. Es ist Got und du, so ist es mein Brůder und ich, und sein zwen wider zwen. Wan du hast gesprochen, du woltest mich mit Gotes Hilff beston; da sprach ich, ich wolt dich beston mit meins Brůders Hilff. Aber also übergib du Gotes Hilff, der dein Gesel ist, so wil ich meines Brůders Hilff auch übergeben.‹ Er wollt Gottes Hilff nit übergeben, da wolt der ander seins Gesellen Hilff auch nit übergeben. Also giengen sie wider heim, und ward nichtz daruß.

313. Ein Harpffenschlaher
Von Schimpff das 313.

Ein Harpffenschlaher.


Es was gar ein kostlicher Meister in der Harpfen zů schlagen, deßgleichen man nit finden mocht. Aber er het so ein letzen Kopff, das er niemans nichtz ließ zů lieb werden, und niemans mocht in erbitten, das er etwas mächt. Wan es sich aber etwan begab, das einer uff der Harpffen schlůg, der es nit wol kunt, das mocht er nit leiden; so nam er im dan die Harpff und schlůg nach Lust daruff. Letzköpff thůn nit gůt.

314. Welcher etwas uff der Lauten kunt
Von Schimpff das 314.

Welcher etwas uff der Lauten kunt.


Uf einmal was ein kostlicher Lautenist und Orgenist. Wan einer zů im kam und het vorhin nie nichtz künt uff der Luten, so hiesch er im fünff Guldin zů Lon. Wan einer aber sprach: ›Meister, ich kan vorhin auch uff der Luten oder uff der Orglen; ich bedarff nit als vil geben als einer, der nichtz kan‹, so sprach dan der Meister: ›Du můst mir zehen Guldin geben, zwiffeltigen Lon; fünff Guldin, das ich dich ler, und die andern fünff Guldin, das ich dich mach vergessen, das du vor kanst. Wan einer wil alwegen uff die alt Geigen.‹

Also in andern Künsten ist es auch also. In Tugenden ist es auch also; also wan einer der Laster gewont und wil Tugent leren, so můß er vor der Laster entwonen und vergessen. Das kumet dan einen gar sauer an. Darumb sol man [194] jung Lüt zů Tugent ziehen, ee sie der Laster gewonen. (Quia anima est tamquam tabula rasa, in qua nil est depictum.)

315. Einer wolt sein Meister hencken
Von Ernst das 315.

Einer wolt sein Meister hencken.


Es was ein Künig, der het ein Meister, da er ein Kind was; der übersahe im. Und da er zů einem Menschen ward und sein selbs verstůnd, da sprach er: ›Wan mein Meister noch lebt, so wolt ich in lassen hencken, das er mir in der Jugent vertragen hat und mich nit gestrafft hat. Jetz ist es versaumpt, und kan mich nit selber me entwenen.‹

Wir lesen darnach, die ire Meister gedötet haben, da sie zů dem Regiment kamen, das sie sie in der Jugent gestrafft haben und gelert; wan sie die ansahen, so forchten sie sie und gedachten daran, als Nero der Schalck thet seinem Meister Seneca.

316. Der Künig ließ einen köpffen
Von Ernst das 316.

Der Künig ließ einen köpffen.


Es kam ein Meister auß einer Glaßhütten und nam ein klein Trinckgläßlin mit im, das was grün, wie dan die Waltgläßlin sein, und schanckt es einem Künig für ein Gab. Der Künig gedacht: ›Was schenckt er dir an dem Glab?‹ und ließ es fallen, da zerbrach das Glaß nit, aber es fiel ein Bül. Da greiff der Meister bald in seinen Ansser und zohe ein Ambößlin und ein Hemerlin heruß und schlůg die Bül wider uß dem Glaß, als ob es bleiin oder zinnin wer. Der Künig besahe das Glas und sprach: ›Meister, haben ir die Kunst funden, das sich das Glaß laßt hemmern und treiben?‹ Er sprach: ›Ja, Her.‹ Der Künig sprach: ›Haben ir es auch jeman gelert?‹ Er sprach: ›Nein, ich hab es noch niemans gelert.‹ Da sprach der Künig: ›Ir sollen es auch niemans leren‹, und ließ im den Kopff abschlagen, und meint, wan man Glaß künt hemern und schlagen, so wer es kostlicher dan Silber. Dis schreibt Bartholomeus in Proprietatibus rerum in dem Capittel von dem Glaß.

32. Wan man unß ein Ding verbüt, so liebt es unß erst

317. Die Frau aß kein Zwiblen
Von Schimpff das 317.

Die Frau aß kein Zwiblen.


Uf einmal was ein Frau und wolt beichten, und was ir der Priester zů Bůß gab, das wolt sie nit thůn. Der Priester sprach: ›Nun müssen ir etwas zů Bůß haben. Ist kein Speiß, die ir on das nit essen?‹ Die Frau sprach: ›Ich hab nie kein Ziblen gessen.‹ Der Priester sprach: ›Ich gib euch zů Bůß, das ir kein Ziblen solt essen, dieweil ir leben.‹ Die Fraw aß etwan acht Tag kein Ziblen, und glust sie stetz die Ziblen zů versůchen, wie sie doch schmäckten. Und kaufft ein gantzen Sester vol, die fraß sie in acht Tagen alsamen, und darnach aß sie alwegen Ziblen. Das was rechte Bůß gehalten, ja hinder sich, wie die Krebs gon.

318. Fünf Exempel von Frawen
Von Schimpff das 318.

Fünf Exempel von Frawen.


Also verbot einer seiner Frawen, sie solt nit uß der Büchsen essen, es wer schedlich Ding daryn. – Also verbot einer seiner Frawen, sie solt nit uff den Tromen steigen; da sie daruff stig, da brach er, und fiel schier zů Dot. – Also verbot einer seiner Frawen, sie solt den Finger nit in das Loch stossen; da het er ein spitze Nadel daryn geschlagen, da stach sie sich in den Finger. – Also verbot einer seiner Frawen, sie solt nit in die Mistlachen gon; da geliebt es ir erst. – Also verbot einer seiner Frawen, sie solt nit in den Offen schlieffen; und da sie hinynschloff, da fiel der Offen uff sie.

319. Ein alt Man kam nie für die Stat
Von Schimpff das 319.

Ein alt Man kam nie für die Stat.


Franciscus Petrarcha schreibt, wie in einer Stat Italie was ein 70järiger Man, der was wol in 40 Jaren nie für die Stat hinuß kumen. Die Herren in dem Rat, die Obersten die wolten ein Osterspil zůrichten und schickten nach demselben Man und sprachen zů im: ›Wir werden bericht, das du heimlich uß der Stat gangest und Rat habest mit [196] der Stat Feint, als woltestu die Stat verraten.‹ Diser schwůr bei Got und be allen Heiligen, das er nit allein zů diser Zeit der Feintschafft, sunder me dan in 40 Jaren nie für die Stat hinußkumen wer. Die Herren namen sich an, als wolten sie es nit glauben, und verbotten im bei einer grosen Pen, das er nit für die Stat hinuß solt kumen und semlichen Arckwon vermeiden. Aber ee drei Tag ußkamen, da ward er vor der Stat gefangen.

Eva, da ir verbotten was von der Frucht zů essen, und die andern waren ir alle erlaubt, da aß sie von keinem Baum dan von dem, der ir verbotten was. (Nitimur in vetitum semper cupimusque negata.)

33. Von Almusengeben

320. Die Beurin gab Sant Martin ein Han, als in der Falck holet
Von Schimpff das 320.

Die Beurin gab Sant Martin ein Han, als in der Falck holet.


Doctor Felix Hemmerlin schreibt, wie ein Frau was in einem Dorff, die het Sant Martin ein lebendig Opfer verheischen; das het sie lang lassen anston und verzogen wol ein Jar oder zwei. Es fügt sich, das sie uff einmal het ein Hanen verloren. Da sie in lang gesůcht, da sahe sie in uff einem Huß sitzen; da růfft sie im so lang, das er uff Sant Martins Kirch flog, da růfft sie im so lang, das er uff das Glockenhauß flog; da růfft sie alwegen, er wolt aber nit herab. Und da er lang da oben gesessen was, da kam ein Sperwer oder ein Falck und erwüst den Hanen und fürt in mit im hinweg. Da fieng die Bürin an zů schreien, und sprach: ›O heiliger Her Sant Martin, ich bin dir ein lang Zeit ein lebendig Opffer schuldig gewesen. Darumb nim recht den Hanen zů einem Opffer, und laß dir in angenem sein!‹

Dis Exempel bringt Felix Hemmerlin herfür wider die Klosterlüt, die an dem letsten, so sie sterben sollen, so wöllen sie resignieren und iren Öbern das Gůt uffgeben, so sie es nit mer brauchen mögen, als die Frauw mit dem Hanen thet.

321. Die Beurin wolt kein Linsen geben
Von Schimpff das 321.

Die Beurin wolt kein Linsen geben.


Es het ein Beurin einmal ein Linsenmůß gekocht. Und da sie dem Gesind bald solt anrichten, da kam ein armer krancker Jacobsbrůder und bat die Frau umb Gottes willen, sie solt im ein Schüsel mit Můß geben; er meint, er würd gesunt werden, wan er sie gessen het. Die Fran [197] wolt im nichtz geben und schnawet in an; der Brůder gieng widerumb hinweg. Und bald darnach nam die Frau den Haffen mit dem Linsenmůß und wil in in die Stuben tragen, da zerstieß sie den Haffen und zerbrach in, da ließ sie den Haffen mit Můß in den Dreck fallen. Da lieff sie dem Betler nach und růfft im und sprach, er solt kumen, sie wolt im Můß geben.

Also sein vil Menschen, die nichtz umb Gottes willen geben, dan wan es verdirbt; als seigern Wein, den gibt man zů Meßwein, so man doch Got dem Herren das best geben solt; wan er gibt unß das best. Wan du einem Erenman etwas schenckest, es sei Wein, Öpffel oder Trübel, und es wer ful, und wem er es zögt und wer es sehe, der sprech: ›Da er euch nichtz Bessers wolt geben dan das, so het er es wol underwegen gelassen‹, und legtest Schand yn, da du meintest Eer yn zůlegen. Also ist es mit Got auch; was du hie umb Gottes willen gibst, das würt er seinen Englen und Heiligen zögen, als er Sant Martins Mantel thet; und ist ein arm ellend Ding, so wiltu dich sein schamen. Gib, das du sein hie und dort nit beschamen darffest, und laß nichtz verloren werden in deinem Huß! Der Her spricht: (Luc. 11. Quod superest, date elemosinam.)

322. Die Keiserin het zwen Ermel gestickt, schenckt sie Otto
Von Ernst das 322.

Die Keiserin het zwen Ermel gestickt, schenckt sie Otto.


Es ist der ander tütsch Keiser gewesen, der hieß Otto, der het ein Frawen, die was gar ein grose Almůßnerin und ein heilige Frau. Der Keiser beraflet sie uff einmal, sie geb zů fil hinweg den armen Lüten, sie wölt ihn verderben; sie solt es massen und mindern. Es begab sich uff einmal, das ein groß Hochzeit was, ein Fest, da er wol wüßt, das sie die besten Kleider an würd thůn, die sie het. Da wolt sie der Keiser versůchen und legt Betlerkleider an und satzt sich für die Kirchen under andere Betler. Da nun die Keiserin kam, da kam er an sie und begert ein Gab von ir umb Gottes willen. Sie wolt im etwas geben. Da sprach er: ›Ich wil sunst nichtz haben dan den gestickten Ermel an euwerm Rock.‹ Der was von Berlin und edlen Gesteinen gestickt. Die Keiserin ließ den Ermel uß den Rock trennen und gab in dem Betler und thet den Mantel wider über den Rock an und gieng in die Kirchen. Der Keiser gieng heim und legt sich anders an und gieng auch zů der Kirchen.

Da man nun über Tisch saß und aß, da het die Keiferin ein andern Rock angelegt. Da sprach der Keiser zů ir: ›Frau, wa ist der ander Rock, den ir hüt an[198] haben gehebt? Warumb haben ir in abgezogen?‹ Die Keiserin erschrack übel. Der Künig wolt in sehen. Die Frau schickt darnach mit grosem Leid, und da man den Rock bracht, da het er zwen Ermel, und der ein Ermel was wie der, den sie het lassen ußtrennen. Der Keiser erschrack auch und zohe sein Ermel under dem Küssin herfür; da was einer wie der ander. Da sahe er wol, das sie ein heilige Frau was, und gab ir Gewalt zů thůn und zů geben, was sie wolt.

Wan Barmherzikeit ist Jesus Rock, der nit zerschnitten ward under dem Crütz, der ein Menschen holtzelig macht gegen Got und gegen den Menschen.

323. Pilatus het Christus Rock an
Von Schimpff das 323.

Pilatus het Christus Rock an.


Der Keiser Tiberius war zornig über Pilatum, das er Cristum unsern Herren lassen crützigen, von dem er gehört het, wie er die Menschen gesunt mecht mit einem Wort, und schickt nach Pilato und wolt in dötten. Da Pilatus zů im kam, da was dem Keiser der Zorn vergangen, und empfieng in früntlich. Da Pilatus wider von im kam, da wolt in der Keiser aber döten, und wan Pilatus zů im kam, da thet er im aber nichtz. Das geschahe etwan dick. Der Keiser fragt, wie es kem. Da sprach einer: ›Her, er hat Jesus Rock an. Ziehen im denselben Rock uß, so würt es anders sein.‹ Der Keiser zohe Pilato den Rock uß; da ward er im gantz ungünstig und feint.

Diser Rock bedüt Barmhertzigkeit, da ein Mensch sich laßt niessen und nit ein Schmarotzer ist, der weder Got noch der Welt nichtz mitteilt. Da spricht man: ›Das Got dem kargen Schelmen den Ritten geb! Wan sicht man den Kargen einmal zů dem Altar gon? Ja, wan der Tüffel gestirbt, im ist noch nit we. Es wer gůt Peterlin umb den Altar seyen seinethalb; er zertret sie nit, er kumpt selten darzů.‹

324. Der Bawer gab dem Pfaffen ein Ku, das er im hundert geb
Von Schimpff das 324.

Der Bawer gab dem Pfaffen ein Ků, das er im hundert geb.


Es was ein armer Bauer, der het nit mer dan ein Ků. Und uff einmal was die Frau in der Predig und der Man nit, da predigt der Priester, wer ein Ků oder was es wer, umb Gottes willen geb, dem würd Got hundert darfür geben. Da die Frau heimkam, da sagt sie es dem Man, wie der Priester gepredigt het, und sie wolt raten, das sie die Ků dem Priester umb Gottes willen geben, das inen hundert darfür würden. [199] Der Man thet es und bracht dem Priester die Ků. Der Priester behielt sie ein Zeit lang daheim, ee das er sie fürtrib. Darnach band er die zwo Kü zůsamen, uf das des Priesters Ků die ander heimfůrt; aber es kart sich umb, des Buren Ků fůrt des Priesters Ků mit ir in des Buren Huß. Da es Abent ward, da het der Priester seine Kü beid verloren, und man sagt es im, wa sie weren. Der Priester kam zů des Bauren Huß und hieß im seine zwo Kü geben. Der Bauer sprach: ›Ich hab kein Ků, die euwer ist. Got der Her ist mir hundert Ků schuldig, ist es anders war, das ir geprediget haben, und ist mir noch 99 schuldig.‹ Sie kamen an das Recht mit einander; aber der Priester můst dem Buren die zwo Kü lassen.

325. Von Hans Werner
Von Schimpff das 325.

Von Hans Werner.


Ich Frater Johannes Pauli, Schreiber dis Bůchs, ein Barfůsser, hab ein Bauren kent, und was ein grober Kegel zů Villingen, da ich Leßmeister da was, der hieß Hans Werner. Der kunt lesen und kunt schier die gantz Bibel ußwendig, und wa er hinkam, so disputiert er mit den Priestern: ›Wa stot dis in der Bibel und jens?‹ Uff einmal kam er an des von Wirtenbergs Hoff gen Stůckgarten. Die Doctores kanten in wol; er was dick bei inen gewesen; wan er zohe dem Disputieren nach gegen dem Winter, wan er seine Acker geseyet het und nichtz me zů gewinnen was. Der Fürst wolt in auch hören und lůd in zů Gast. Und was in die Gelerten fragten uß der Bibel, so kunt er gůten Bericht geben, das der Fürst ein Wolgefallen an im het. Hanß Werner der Bauer sprach zů dem Herren: ›Her, wissen ir, wie groß Got ist?‹ Der Her sprach: ›Wer wolt es mir sagen?‹ Der Buer sprach: ›Er ist so groß, als ein Prophet spricht: Der Himmel ist mein Sessel, und das Erdtreich ist ein Schemel meiner Füß; und reicht mit seinen Armen von einem Ort zů dem andern. Nun raten ir, Her, wie vil müst er Důchs haben zů einem Rock, so er so groß ist?‹ Der Fürst sprach: ›Das weiß ich nit.‹ Der Buer sprach: ›Er bedarff nit me dan ich; wan er spricht: Was ir einem armen Menschen thůn in meinem Namen, das haben ir mir gethon. Darumb wan ir mir ein Rock geben, so haben ir in Got geben.‹ Der Her sprach: ›Bistu uff Mitfast hie, so ich mein Hoffgesind bekleid, so wil ich dir auch ein Rock geben.‹ Hanß Werner verschlieff es nit und macht sich uff und kam widerumb in des Fürsten Hoff; da ward im auch ein Rock.

326. Zwen Blinden schruwen
[200] Von Schimpff das 326.

Zwen Blinden schruwen.


Es stůnden auff einmal zwen Blinden under einem Thor, da der Künig oben in dem Sal saß und aß, und mocht zů demselbigen Thor sehen und sahe, wer da uß und yngieng. Da schrei der ein Blind: ›O wie ist dem so wol geholffen, dem der Künig oder Keiser wil helffen!‹ Da fieng der ander Blind auch an zů schreien und sprach: ›O wie ist dem so wol geholffen, dem Got wil helffen!‹ Und also eins umb das ander schrauwen die zwen Blinden, dieweil der Keiser oder Künig aß. Der Keiser wolt doch versůchen, was sie für Glück hetten, und ließ zwen Kůchen bachen, und in den einen thet er vil Guldin, das er schwer was, in den andern thet er vil Dottenbein, das er leicht was, und hieß dem Blinden den schweren Kůchen geben, der da zů dem Künig schrei. Da jeglicher sein Kůchen het, da giengen die Blinden zůsamen und fragten einander, was im worden wer. Der ein sprach: ›Man hat mir als ein leichten Kůchen geben.‹ Da sprach der ander: ›So ist meiner als schwer, ich mein, es sei häberen Brot. Lieber, lassen unß tuschen mit einander! Ich hab alwegen gehört: Brot bei der Leichte und Keß bei der Schwere.‹ Die tuschten mit einander.

Morgens kam der aber und schrei: ›O wie ist dem so wol geholffen, dem der Künig wil helffen!‹ Der ander Blind kam nit me; er het gnůg. Der Keiser kam und ließ den Blinden fragen, wa er den Kůchen hin het gethon. Der Blind sprach, er het mit dem andern Blinden getuscht, wan er wer leichter gewesen dan der sein. Da sprach der Künig: ›Der ander Blind hat noch recht geschruwen, das dem wol geholffen ist, dem Got wil helffen. Du solt nichtz haben. Darumb bleib du in dem Ellend!‹

327. Einer gieng für ein Seckel vol Geltz
Von Schimpff das 327.

Einer gieng für ein Seckel vol Geltz.


Uf einmal gieng eß einem andern armen Man wie dem Blinden, dem auch nichtz Gůtz beschert was. Es was einer, der het ein gůten Fründ, der was arm. Er het im gern geholffen, das er es nit gewüßt het, wa es herkumen wer. Er het auch gern gewüßt, ob er der Hilff würdig wer oder nit, und nam ein Seckel und thet in vol Guldin und legt in in den Weg, da er anhin müst gon und wan er über Feld gieng, das er es fünd.

Da der nun also gieng, da kam er zů einem Baum, da sprach er zů im selber: [201] ›Laß sehen, kanstu blintzlingen von dem Baum an biß zů einem andern Baum gon?‹ und thet die Augen also zů und gieng also blintzlingen von einem Baum zů dem andern und gieng also für den Seckel vol Guldin, das er sie nit fand. Und sein Fründ, der den Seckel mit den Guldin het dar gelegt, der gieng langsam hinden nach und fand den Seckel mit den Guldin und zögt sie dem armen Man und thet eben, als wüßt er nit, wa sie herkemen, und fraget in, was er funden het, so er vor anhin wer gangen, und das er den Seckel mit den Guldin nit het funden, und wer er so weit hinden hernach gangen und het in funden. Da sprach der arm Man: ›Ich bin den Weg blintzlingen gangen.‹ Da erkant er, das es im nit beschert wer und das er unglückhafftig sein solt.

328. Ein Almusner fand ein Schatz
Von Ernst das 328.

Ein Almůsner fand ein Schatz.


Es was ein Man zů Rom, der was reich, und het ein Sun und zwo Döchter, die stürt er uß. Und von seinem Gůt gab er Almůsen den armen Lüten, beherbergt die armen Lüt und Bilgerin umb Gottes willen und rechtfertigt niemans on Underscheit, das er zů armen Tagen kam und gieng im sein Narung ab, und was leidiger, das er den armen Lüten nichtz mer het zů geben, dan das er Mangel leid. Uff ein Nacht, da er halber schlieff und halber wacht, da hort er ein Stim, die sprach: ›Darumb das du armen Lüten hast geben umb meinet willen, so wil ich es dir hie und dort ewiglich vergelten. Und gang zů deinem Nachbauren und tusch mit im und gib im deinen Weingarten umb den seinen! Und er würt es gern thůn.‹ Die Stim hort er wol drei Nacht nach einander: ›Und inmitten seinem Weingarten, da ist ein Bühel, da grab, so würstu ein Schatz finden, den Rom nit bezalen mag.‹

Diser kam zu seinem Nachburen und tuscht mit im. Der sprach: ›Gern, und was meiner minder wert ist, das wil ich dir nachgeben.‹ Diser sprach: ›Gleich und gleich.‹ Da sie einander Brieff hetten gemacht, da berůfft er sein Sün und Döchter und sagt inen dise Ding, und fiengen an zů graben und grůben etwan manch Klafter dieff, da waren sie verdrossen und sprachen: ›Wir meinen, es hab dir getraumpt.‹ Er sprach: ›Ich truw Got wol, ich werd nit betrogen. Sein onverdrossen!‹ Da grůben sie und kamen uff zwen grose Stein; da was der ein hol, und stůnd ein Krůg von Marmelstein vol Öl darin und ein Glaß vol Wasser und drei Stein, ein Karfunckel, ein Schmarackten und ein Saphiren, die waren fast groß. Das Wasser verachteten sie und schütteten es uß, und was es von Hawen, Bickel und Kärst berürt, das ward alsamen Gold. Das Wasser [202] die Alchameyer sůchen, damit sie Gold machen nach irer Kunst, das was gedistelliert von dem Fleisch und Blůt Basilisci. Und wolt Got, das das Wasser ußgeschüt solt werden, damit der frum Man nit verdacht würd, das er falsch Golt mecht. Die Augen salbt er mit dem Öl, da ward er als wol gesehen als vor 40 Jaren. Da fragt er seinen Pfarrer, was das wer. Der Pfarrer sagt, es wer des allerbesten Balsams. Also loset er uß den Steinen und uß dem Balsam so vil Gůtz, das er widerumb reich ward und sein Kindskinder. Da fieng er widerumb an den armen Lüten zů geben. Der hat nach dem Evangelio hundertfeltig widerumb empfangen, das er ußgeben het.

329. Christus erschein einem Grafen und ließ die Kleider ligen
Von Schimpff das 329.

Christus erschein einem Grafen und ließ die Kleider ligen.


Ich liß von dem Graffen Blesensium und Carnotensium mit Namen Theobaldus, der gröst Almůßner zů seiner Zeit. Es was fast ein kalter Winter, als er in langen Zeiten nie gewesen was. Er rit uff einmal über Felt, da begegnet im ein Betler, der was schier nackent. Da sprach der Graff zů im: ›Brůder, was begerst du?‹ Der Betler, sprach: ›O Her, geben mir euweren Mantel!‹ Der Graff gab in im und sprach: ›Was begerstu me?‹ Der Betler sprach: ›Den Rock, den ir anhaben.‹ Der Graff gab in im auch und sprach: ›Was begerstu me?‹ Der Betler sprach: ›Ach Her, ir sehen wol, wy ich beschoren bin uff dem Kopff. Ich beger den Hůt, den ir uff haben.‹ Der Gaff sprach: ›Brůder, du wilt mich zů vil betrieben, du hast mich abgezogen biß uff das Hemd. Ich bedarff des Hůtz selber, ich bin kalköpfig, ich bescham mich barhaupt heimzůreiten.‹ Und da er das geret het, da verschwand der Betler, und bliben die Kleider da ligen. Da steig der Graff von dem Pferd und fieng an zů weinen und zů schreien, das er im nit den Hůt auch geben het, und satzt im für, das er niemans nichtz me versagen wolt, was man von im begert.

330. Er gab die Sporen durch Got
Von Schimpff das 330.

Er gab die Sporen durch Got.


Es was ein Edelman, gar ein groser Almůßner, der rit uff einmal über Felt, und begegneten im vil Betler; jeglicher begert etwas von im. Der Edelman gab dem einen seinen Rock, dem andern seinen Mantel etc. Hindennach kam einer, der begert die Sporen. Der Edelman sprach: ›Bestel du mir einen, der mir das Pferd treib, biß das ich heimkum, so wil ich dir die Sporen auch gern geben.‹

34. Von dem Gebet

331. Der Prior henckt dem Ring Sorg an
Von Ernst das 331.

Der Prior henckt dem Ring Sorg an.


Es was ein Prior in einem Kloster. Wan es Abent ward und er das Kloster beschlossen het, und was den gantzen Tag hin und her gelauffen und het gelůgt, das alle Ding recht zügiengen, als dan solche Lüt in den Klöstern vil zů schaffen haben, das er vor zeitlichem Regiment nit rüwig betten mocht, so gieng er dan zů einem Ring an einer Thüren und hänckt die Schlüsel daran und befalch dem Ring alle seine Sorg, und kart er sich zů Got in seinem andechtigen Gebet.

Das kan aber nit jederman, aber als vil als müglich ist. Wan ein Mensch wil in die Kirchen gon betten, so sol er seine zeitliche Sorg daheiman lassen und sol sprechen zů seinen Gedencken: ›Lassen mich růwig! Ich hab jetz anders zů schaffen.‹

332. Der bettet: Miserere tui, Deus
Von Schimpff das 332.

Der bettet: Miserere tui, Deus.


Sant Ambrosius hort sagen von einem heiligen Man, der was in einer Insel in dem Mer, und saß in ein Schiff, das wolt daselbsten fürfaren und den Gotzfründ sůchen. Er kam zů im und sahe in weschen und fragt in, was er bet. Der Brůder sprach: ›Ich kan nichtz anders betten, dan: Miserere tui, Deus.‹ Sant Ambrosius sprach: »Du solt also betten: ›Miserere mei, Deus‹ und nit ›Miserere tui, Deus.‹ Es ist nit recht.« Sant Ambrosius gieng wider in das Schiff und fůr wider hinweg. Der Brůder het das Gebet vergessen, und lieff dem Schiff uff dem Wasser nach und schrei und růfft Sant Ambrosio und sprach, er het das Gebet vergessen, er solt es in noch einmal leren. Sant Ambrosius sprach: ›Gang hin und bet, wie du vor hast gebet!‹ Der Brůder lieff wider heim uff dem Wasser. Da erkant Sant Ambrosius erst sein Heiligkeit.

333. Ein Frau bettet Pater noster
Von Ernst das 333.

Ein Frau bettet Pater noster.


Es was ein Frawe, die lag allemal uff iren Knüwen hinden in der Kirchen und bettet und weint vor Andacht. Da was ein heiliger Bischoff oben uff dem Letner, der sahe, wie ein Taub kam und laß dieselben[204] Trehen uff und flog darnach wider hinweg. Der Bischoff gieng uff einmal zů ir und fragt sie, was sie bettet, das sie also darzů weint, und sagt ir auch von der Tuben. Die Frau sprach: ›Ich kan nichtz betten dan das Vatterunser.‹ Der Bischoff sprach: ›Künten ir dan erst den Psalter betten und die schönen Psalmen, die darin ston, so würden ir noch andechtiger werden.‹ Die Frau lert es; aber das Weinen wolt nit me kumen. Da sahe der Bischoff die Taub auch nit me kumen und sprach zů der Frawen, sie solt das Vatterunser wider betten. Die Frau bettet es wider, da kam ir das Weinen wider und die Taub auch.

Darumb so ist das Vatterunser das würdigest, nützlichest und kürtzest Gebet. Darum sollen unsere Beginen und jung Witwen alwegen in irem Fůterseckel ein Paternoster haben stecken. Sie haben Fütersecklin, da haben sie ein Löffel, Messer und Paternoster in stecken und etwan auch ein Bůlbrieff.

334. Von eim Wolf, eim Fuchs und eim Geitigen
Zů dem Gebet von Schimpf das 334.

Von eim Wolf, eim Fuchs und eim Geitigen.


Es giengen uf einmal mit einander zů Schůl ein geitiger Man, ein Wolff und ein Fuchs und wolten studieren und fiengen das Paternoster an zů leren; wan sie hatten das Abc schon gelert. Und sprach der Locat zů dem Geitigen: ›Sag an, was kanstu?‹ Der Geitig sprach: ›Pa pa ter ter Guldin.‹ Der Locat sprach: ›Ler er baß!‹ und sprach zů dem Wolff: ›Sag du an!‹ Der Wolff sprach: ›Pa pa ter ter Schoff.‹ Der Locat sprach zů dem Fuchs: ›Sag an!‹ Der Fuchs sprach: ›Pa pa ter ter Ganß.‹ Sie kunten nichtz sagen, dan das inen in dem Kopff stack.

Also sein vil Menschen, die nit künnen ordenlich betten, wan sie anders in dem Kopff haben stecken.

335. Dem Vatter brunnen die Finger
Von Ernst das 335.

Dem Vatter brunnen die Finger.


Uf einmal kam ein junger Bůrder zů einem Altvater in der Wüste und klagt im sein Not, er künt nit andechtiklich betten als andere Brüder. Der Altvatter fiel nider uff die Knü und strackt beid Arm gegen dem Himel und fieng an zů betten, da fiengen die Finger an zů brennen, als ob es Kertzen weren. Da er ein Weil also het gebettet und da er die Arm wider herab thet, da waren sie gelöscht. Da sprach er zů dem jungen Brůder: ›Kanstu nit also andechtig betten, so beger es, das du es küntest! Kanstu es nit begeren, so beger es zů begeren, so hastu gnůg gethon.‹

[205] Also mit andern Dingen auch, mit Got liebhaben, mit Rüwen haben für die Sünd. Beger es zů haben und beger es zů begeren! Als David sprach: (Psal. 118. Concupivit anima mea etc.) ›Mein Seel hat begeret zů begeren zů halten deine Gebot.‹

336. Das Krucifix schlüg eim ein Arm ab, ward darnach sein Feind
Von Schimpff das 336.

Das Krucifix schlüg eim ein Arm ab, ward darnach sein Feind.


Uf einmal kam ein Buer in die Kirchen, und satzt sich für ein Crutzifix, wie das Bild nit wol angeneglet was und fiel dem Buren ein Arm entzwei. Da sprach der Buer: ›Hat mich der Tüffel in die Kirchen getragen; ich wil aber in einem Jar nit in die Kirchen kumen.‹ Man fůrt in zů dem Scherer. Lang darnach sahen seine Fründ, das er in kein Kirch mer gieng, da strafften in seine Fründ darum und zwungen in, das er müst in die Kirchen gon. Da er zů der Kirchthür kam, da sahe er mit einem Aug zů der Kirchen yn und sahe das Bild Cristi an dem Crütz hangen, da sprach er: ›Ich wil wol in die Kirchen gon und wil mein Hůt gegen dir abziehen und wil für dich niderknüwen, aber ich wil dir in dem Hertzen nit hold sein, du hast mir meinen Arm zerbrochen.‹

Also sein vil Menschen, die in der Kirchen sein, aber sie haben Got nit dester lieber; sie neigen sich und schlagen an ire Hertzen, aber sobald sie uß der Kirchen kumen, so sein sie Johannes in eodem. An dem Morgen hincken sie zů Got, nach dem Imbiß lauffen sie zů dem Tüffel. Die thůn, wie die Juden Cristo thetten; sie knüten für im nider und sprachen: ›Biß gegrüßt, ein Künig der Juden‹; aber sie spotteten sein. Also sie auch; bitten, das in Got verzeihe, und in dem Willen haben das wider zů thůn. Das ist Got gespottet.

337. Der arm Man betet für den rychen
Von Ernst das 337.

Der arm Man betet für den rychen.


Es was ein Tagloner, der het sich an dem Morgen in der Kirchen versumpt, das er kein Meister noch Herren het. Er stůnd da, da man die Tagloner dingt, und was leidig, das er nichtz zů arbeiten het. Da kam ein reicher Man und sahe in da ston und kant in wol, er het im auch etwan gewerckt, und sprach zů im: ›Wie stastu also müsig da? Hastu kein Meister?‹ Der Buer sprach: ›Nein, ich hab hüt nach der Tagmeß noch ein Meß wöllen hören, so hab ich mich versaumpt und hab noch kein Meister.‹ Der reich Man gedacht: ›Das ist freilich ein frumer Man‹, und sprach: ›Wiltu mir hüt [206] wercken?‹ Der Buer sprach: ›Ja.‹ Der reich Man sprach: ›So gang wider in die Kirchen und bet disen Tag für mich! So wil ich dir zů essen schicken und dir dein Lon geben als den andern Arbeitern uff dem Feld.‹ Der Buer was fro und gieng wider in die Kirchen und bettet. Man schickt im zů essen wie den andern. Da man Feierabent het, da gieng er heim essen in seins Meisters Huß; da gab im der reich Man seinen Lon, wie einem andern.

Da er wider heim wolt gon, da bekam im ein alter Man, das was ein Engel, und sprach zů im: ›Was hat dir der reich Man zů Lon geben, das du für in gebeten hast?‹ Er sprach: ›Zwen Schilling.‹ Der Engel sprach: ›Gang wider zů im und heiß dir me geben! Er hat dich nit bezalt.‹ Er thet es; da gab im der reich Man noch sechs Schilling. Der alt Man bekam im aber und sprach: ›Heiß dir mer geben!‹ Er gieng wider zů dem reichen Man; da hieß er im me geben, da gab er im 20 Schilling. In derselben Nacht ward dem reichen Man geoffenbart, wer das Gebet des armen Mans nit gewesen, so wer er dyselbig Nacht des gehen Dotz gestorben.

338. Einer lernet das Paternoster bei dem Korn ußleihen
Von Schimpff das 338.

Einer lernet das Paternoster bei dem Korn ußleihen.


Es was ein reicher Man, da er beichtet, da fragt in der Beichtvatter, ob er auch betten künt. Er sprach: ›Nein, ich hab es offt understanden zů lernen; aber ich hab es nie künnen lernen.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Künnen ir auch schreiben und lesen?‹ Er sprach: ›Nein.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Wie künnen ir dan behalten, wem ir Korn oder Gelt leihen?‹ Er sprach: ›Dasselb kan ich wol behalten.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Wöllen ir für euwer Bůß haben den armen Lüten Korn zů leihen, doch sollen sie es euch nach der Ern bezalen?‹ Er sprach: ›Ja, das wil ich gern thůn.‹ Der Beichtvatter schickt im ein armen Man, den er nit kant. Derselbig arm Man sprach zů im: ›Euwer Beichtvatter hat mich zů euch geschickt, ir sollen mir zwen Sester Korn leihen.‹ Der reich Man sprach: ›Wie heistu?‹ Er sprach: ›Ich heiß Vatterunser.‹ Der reich Man sprach: ›Von welchem Geschlecht bistu?‹ Er sprach: ›In den Himlen heißt mein Geschlecht.‹ Nach acht Tagen schickt der Beichtvatter einen andern armen Man zů im, der solt sich nennen: ›Geheiligt werd dein Nam, von dem Geschlecht: Zůkum dein Reich.‹ Der reich Man gedacht den Namen nach. Da der Beichtvatter meint, er künt die Namen, da schickt er ein andern armen Man dar, der nant sich: ›Dein Wil der werd, von dem Geschlecht: Uff Erdtreich als in dem Himel‹, und also durch ußhin. Darnach [207] kam der Beichtvatter zů im und fragt in, ob er das Korn het ußgelihen. Er sprach: ›Ja.‹ Der Beichtvatter sprach: ›Wie heissen die Namen?‹ Er sprach: ›Der erst heißt Vatter unser, von dem Geschlecht Der du bist in den Himlen. Der ander heißt Geheiligt werd dein Nam von dem Geschlecht Zůkum dein Reich‹, und also durch ußhin. Da lacht der Beichtvatter. Er sprach: ›Her, warumb lachen ir?‹ Der Beichtvatter sprach: ›Darumb das ir künnen betten und nennen allein die Namen.‹ Da was der reich Man fro und schanckt den armen Lüten das gelihen Korn, und schanckt dem Beichtvatter auch ein Rock.

35. Von dem Bapst

339. Der Bapst wusch denen ir Füß
Von Schimpff das 339.

Der Bapst wůsch denen ir Füß.


Es ist gewonlich, das der Bapst zwölff armen Mannen die Füß wescht an dem grünen Durstag. Da der Babst inen die Füß wůsch oben anhin und macht ein Crütz und kůsset sie, da sprach einer unter inen: ›Heiliger Vatter, zwüschen den Zehen ligt der Schatz.‹ Der Bapst lacht und hieß im me geben dan den andern.

340. Der Graf begert von dem Bapst die Fladen zu essen am Osterabent
Von Schimpff das 340.

Der Graf begert von dem Bapst die Fladen zů essen am Osterabent.


Es kam ein Graf von Böhem gen Rom, Sant Peter und Sant Paul zů sůchen. Es kam dem Babst für, der Bapst schickt nach im. Da er zů im kam, da neigt sich der Graff zů des Babsts Füssen und küßt sie. Da sprach der Babst: ›Sun, stand uff und sitz her neben mich!‹ Er sprach: ›Ich bin hie bei euwern Füssen; ich sol nit neben dem Babst sitzen, mein Vatter ist nie neben keinem Babst gesessen.‹ Der Babst antwurt: ›Mein Vatter ist auch nie uff keins Babsts Stůl gesessen, ich sitz aber daruff.‹ Der Graff saß neben in. Der Babst fragt in von dem Künig, von seinem Regiment, von dem cristenlichen Glauben und von mancherlei Sachen. Der Graff gab im alwegen gůten Bescheid. Zů dem letsten sprach der Babst: ›Sun, nun beger etwas von Gnad und Aplaß an Kirchen, das man auch in deinem Land wiß, das du zů Rom bei dem Babst seiest gewesen!‹ Der Graff sagt: ›Heiliger Vatter, unser Kirchen sein wol begabt mit Ablaß. Aber die Gnad beger ich, das wir unß erlauben an dem Osterabend die Fladen zů essen, dieweil sie noch warm sein; [208] wan an dem Ostertag sein sie nit halber als gůt als an dem Abent.‹ Der Bapst lacht und sprach: ›Haben ir die gantze Fasten gewartet, so warten die Nacht auch.‹

341. Ein Redner ließ ein Fürtzlin
Von Schimpff das 341.

Ein Redner ließ ein Fürtzlin.


Vor dem Bapst solt einer uff einmal reden von der Florentiner wegen, und was der Redner so groß von Fleisch und Leib, und wie er sich zů fast neigt, da empfor im ein Fürtzlin vor dem Bapst, da kart sich der Redner umb und sprach zů seinem Hindern: ›Wiltu reden, so wil ich schweigen.‹ Da lacht der Bapst und gab im alles das, darumb er da was, das er so hoflich was gewesen.

342. Der wolt beweren kurtz zu reden
Von Schimpff das 342.

Der wolt beweren kurtz zů reden.


In einer Stat hat ein Redner geret vor dem Babst, und hat also lang geret, das den Babst und andere Herren, die da waren, fast übel verdroß, das er es uff dasmal nit uß mocht reden die Sachen, die der Stat anlagen. Es ward ein ander Stund gesetzt uff den andern Tag. Der Babst ließ dem Redner sagen, das er es kurtz mächt und nit so lange Reden mächt. Da er für den Babst kam, da fieng er an und sprach: ›Heiliger Vatter, ich wil es kurtz machen und wil beweren mit 92 Ursachen, das ich kurtz sol reden.‹ Der Babst ließ im nach alles, das er begert, das er im nur nit dörfft zůlosen.

Man spricht, man sol mit grosen Herren wenig und kurtze Wort reden, besunder mit denen, die ein gůte Verstentnis haben. Es sein aber vil Herren, die haben das Maul offen ston, als wolten sie Fliegen fahen; da bedörfft man vil Wort zů bruchen, ee sie die Sachen verston.

343. Bapst Johannes reit uff eim Pferd
Von Schimpff das 343.

Bapst Johannes reit uff eim Pferd.


Sant Johannes der Bapst und Martirer, da er über Mer kam, was er dan zů schaffen het, als sein Legend sagt, da mocht er nit wol gon; er was alt. Und da er gen Corinthum kam, da bat er ein Edelman, er solt im ein Pferd leihen; zů der Zeit giengen die heiligen Vetter zů Fůß. [209] Der Edelman sprach: ›Ich wil euch meiner Frawen Pferd leihen, das ist gar tugenthafft, doch das ir mir das Pferd widerschicken.‹ Da das Pferd den heiligen Man getragen het, da wolt es darnach keinen Menschen me tragen.

Der groß Alexander het auch ein Pferd, das ließ niemans uff im reiten dan den Alexander; und wan er kam und wolt uff es sitzen, so bog es die Knü, das er wol uff es kumen möcht. Da das Pferd starb, da bauwet er im ein Stat zů Eren, die hieß N. – Also geistlich: So wir Got sollen tragen in unserm Leib, so solten wir unß den Tüffel nit me lassen reiten noch sein Fůßtůch werden.

344. Ein alt Weib begert den Segen
Von Schimpff das 344.

Ein alt Weib begert den Segen.


Uf einmal rit ein Babst über Feld, da kam ein alte Frau, ein Betlerin zů im und begert umb Gotz willen ein Schilling von im. Er sprach: ›Nein, es ist zů vil.‹ Die Frau sprach: ›So geben mir ein Plaphart!‹ Er sprach: ›Nein.‹ Die Frau sprach: ›Geben mir ein Crützer!‹ Er sprach: ›Nein.‹ Die Frau sprach: ›Machen den Segen über mich!‹ Er macht das Crütz über sie. Die Frau sprach: ›Wer mir euwer Segen eins Hellers wert, so hetten ir in mir auch nit geben.‹ Also fůr die Frau darvon.

345. Das Evangelium secundum Pergamum
Von Schimpff das 345.

Das Evangelium secundum Pergamum.


Es sein zwo klein Stet in dem Welschen Land, die ein heißt Luca, die ander Pergama. Die von Pergama hetten zů schaffen zů Luca, das man etlich uß dem Rat gen Luca schickt. Da sie uff ein Zeit in der Kirchen waren, da horten sie, das man das Evangelium laß secundum Lucam. Das verdroß die von Pergama, das man das Evangelium nach der Stat Luca solt singen, und nit nach irer Stat Pergama, und meinten, ir Stat wer als würdig als Luca, man solt das Evangelium nach irer Stat auch lesen. Da sie nun heim kamen, da brachten sie es für den Rat. Die in dem Rat wurden der Sach eins, das sie drei uß irem Rat wolten gen Rom schicken, die Sach zů erwerben von dem Babst.

Da die drei gen Rom kamen zů dem Babst, da thetten sie im kein Eer an, wie man dan sol thůn, und legten dem Babst ir Sach für wie grobe Buren und einfaltig Lüt. Der Babst hieß sie heimgon in ir Herberg, und solten morgen zů der Vesperzeit wider kumen, so wolt er inen ein Antwurt geben. [210] In dem ließ der Babst ein kleine nidere Thür machen, das sie dadurch müsten schlieffen, das sie sich doch auch vor dem Babst müsten neigen. Des Morgens giengen sie in das Bad, und nach dem Bad legten sie weise Hemder an, damit das sie suber weren. Da sie nun zů des Babsts Palast kamen, da sahen sie kein Thür; sie fragten, wa sie hinyn solten gon. Der Thorhüter sprach: ›Zů dem Thürlin müsen ir hinyn schlieffen.‹ Da sahen sie einander an. Da schloff der ein hindersich hinyn, und was das Thürlin so nider, das im der Rock und das Hembd an dem öbersten Trom bliben hangen, und gieng also hinyn. Der ander gieng auch also hindersich hinyn, und der drit auch. Und hetten sich also geneigt und gebuckt durch die Thür. Der Babst lacht und sagt inen, er wolt es also lassen bleiben wie vor, und Luca wer eins Heiligen Nam.

346. Der Babst wannet die Ducaten
Von Schimpff das 346.

Der Babst wannet die Ducaten.


Es was ein reicher Her, der het ein grose Sach vor dem Babst zů schaffen und nit gantz ytel Recht. Damit das die Sach für sich gieng, da kam er zů dem Babst und schüt im fierhundert Duckaten in den Gern. Der Babst wannet sie also in dem Geren und sprach: ›Wer mag dem reisigen Züg allem widerston!‹

347. Für den Babst kam einer
Von Schimpff das 347.

Für den Babst kam einer.


Es kam ein Abenthürer gen Rom in eins Tütschen Wirtzhuß; er was auch tütsch. An dem Abent über dem Tisch sprach er: ›Frau Wirtin, wer hilfft mir morgen, das ich zů dem Babst kum und mit im red?‹ Die Frau sprach: ›Ich bin wol 30 Jar hie gewesen und hab noch nie mit dem Babst geret, und ir kumen erst her und wolten gleich für den Babst kumen? Ich wolt einem hundert Guldin schencken, der da mächt, das der Babst mit mir ret.‹ Der Abenthürer sprach: ›Frau, sein mir der Wort yngedenck!‹ Die Frau sprach: ›Ja, ich wolt es auch thůn.‹

Nit lang darnach da was der Babst in seiner Capel und hort ein Mes. Der Abenthürer trang hinyn und hort auch Meß darinen. Da man das Sacrament uffhůb, da kart er dem Sacrament den Rucken und dem Kelch. Der Babst sahe das und verwundert sich darab und gedacht, er het ein blöden Glauben. [211] Da dy Meß uß was, da berůfft in der Babst und fragt in, was er damit meint. Der Abenthürer sprach: ›Mein Wirtin hat mich also heissen thůn.‹ Der Babst schickt nach der Wirtin und fragt sie, warumb sie ire Gest also lert betten. Die Wirtin wolt es nit gethon haben und löcknet es fast. Da sy nun wider heimkamen, da sprach der Abenthürer: ›Frau Wirtin, geben mir die hundert Guldin! Der Babst hat mit euch geredt und ir mit im auch.‹ Also můst die Frau im die hundert Guldin geben.

348. Ein Babst ward verdampt
Von Ernst das 348.

Ein Babst ward verdampt.


Uf einmal was ein Babst kranck, der gab seinem Caplan seinen Gewalt, das er in der Beicht absolvieren mocht für Pein und für Schuld. Der Babst starb und ward verdampt. Darnach erschein der Babst dem Caplan mit einem trurigen Angesicht und in einem kleglichen Kleid. Der Caplan sprach, ob er der Babst wer. Er sprach: ›Ja.‹ Der Caplan sprach: ›Wie erscheinen ir mir so erbermglich?‹ Der Babst sprach: ›Ich bin verdampt.‹ Der Caplan sprach: ›Warumb? Ir haben doch die Absolutz und volkumnen Ablas erworben.‹ – ›Es ist war‹, sprach der Babst, ›aber Cristus hat den Ablaß nit angenumen noch sigilliert.‹ – Spricht Doctor Jacobus Cartusiensis, der dis beschreibt: (Si in viridi ligno, id est in capite, hoc fit, in arido quid erit, in subdito).

36. Von Straffen

349. Der Bauer fraß fünftzig Zwiblen
Von Schimpff das 349.

Der Bauer fraß fünftzig Zwiblen.


Es was ein Buer, der wider sein Junckern het gethon. Der Juncker ließ in fahen und gab im die Wal uff in dreien Straffen; entweders er solt 50 rowe Züblen essen, oder 50 Streich uff seinen blossen Rucken lassen schlagen, oder 50 Schilling geben. Der Buer was reich und sprach: ›Ich wil die Züblen essen.‹ Und da er drei oder fier gessen het, da mocht er nit mer essen; sie růchen im in die Nassen. Da wolt er die Streich leiden. Da er auch dry oder fier Streich geleid, da wolt er erst das Geld geben.

350. Der Esel fraß drei Peterlin
[212] Von Schimpff das 350.

Der Esel fraß drei Peterlin.


Uf einmal ward ein Esel vor dem Lewen verklagt, das er drei oder fier Peterlinbletlin on Saltz het gessen. Da strafft der Lew den Esel an dem Leben, das er also ein Fraß was gewesen. Aber dem Wolff, der vil Schaff und Geissen fressen het on Saltz, dem thet er nichtz.

Also gat es noch. Die grosen Dieb laßt man gon, und die kleinen henckt man. Die grosen Dieb hencken die kleinen, und ist dem grosen Dieb Dotsünd, und den andern teglich Sünd und den dritten ist es recht (Dat veniam corvis, vexat censura columbas).

351. Alexander fieng ein Rauber
Von Ernst das 351.

Alexander fieng ein Rauber.


Der groß Alexander hort von einem grosen Merröber sagen, den ließ er fahen und fraget in, wie er also ein Rauber wer. Der Rauber sprach: ›Darumb das ich arm bin und ein klein Schiff überwind, das ich Narung hab, darumb heiß ich ein Merrauber. Darumb das du mit grosem Gewalt Lender, Stet und Schlösser ynnimest, so heistu ein Künig.‹ Alexander sprach: ›So soltu kein Rauber me heissen‹, und macht in zů einem Hauptman und gab im zweihundert Pferd under.

Was ist der Underscheid, wan ein Dieb in eins Graffen Land oder in einer Stat gefangen würt, der nimpt den Diebstal und henckt den Dieb? Ist es dem Dieb nit recht, und ist dem Herren recht, der es nimpt? Man solt es dem widergeben, dem es gestolen ist. Darumb so hencken die grosen Dieb die kleinen. Der Her, der das Gůt nimpt, ist auch ein Dieb. Was ist ein Diebstal? (Furtum est contrectatio rei aliene invito domino.) Der Diebstal ist nichtz anders dan Bruchung etwas wider den Willen, des es ist.

352. Umb eins Dolchens willen ward einer gehenckt
Von Ernst das 352.

Umb eins Dolchens willen ward einer gehenckt.


Uf einmal gieng einer über Feld, der fand ein silberin Dolchen. Es kam einer, der fragt in, ob er nit ein silberin Dolchen funden het. Er sprach Nein und löcknet es. Es stůnd ein Zeitlang, uff einmal het einer ein Deschen mit Gelt verloren, und was nieman uff demselben Weg dan [213] diser. Man fieng in; er löcknet es fast und sprach, er het das Gelt nit funden. Da man in ußfůrt und wolt in hencken, da kam er zů einem Crucifix, da sprach er: ›O Her Jesu Criste, du weist, das ich hüt unschuldig sterben můß und das Gelt nit funden hab.‹ Da hort man ein Stim, die sprach: ›Es ist nit umb der Deschen willen, aber umb des silberin Dolchens willen.‹

Also kumpt es offt, das einem ein Rad über ein Bein gat nit umb des willen, das man ein schuldiget, aber umb des willen, das vergangen ist. Gottes Urteil sein heimlich und verborgen; es můß alles gestrafft werden hie oder dort, und etwan hie und dort.

353. Der Gewer trug, erstach sich
Von Ernst das 353.

Der Gewer trůg, erstach sich.


Uf einmal was ein Man zů Rom, der bracht an in dem Rat zů Rom, das keiner, der in den Rat gieng, kein Gewer solt mit im in den Rat tragen, und wer ein Gewer mit in den Rat trieg, dem solt man den Kopff abschlagen. Es füget sich, das derselbig Ratzher lang umb des gemeinen Nutz willen uß was gewesen, und da er wider heim kam und in den Rat gieng, da het er der Statut vergessen und gieng in den Rat und het ein Schwert umb sich gegürt. Da er also in dem Rat was und sein Nachbuer, der neben im saß, der mant in an die Statut, ob es im vergessen wer, da er also gemant ward, da erschrack er fast übel und sprach: ›Es müß gestrafft werden.‹ Und zohe das Schwert uß und fiel daryn und erstach sich selber, damit das nieman böse Exempel von im nem.

37. Von den Schaffnern

354. Ein Schaffner schreib 40 Guldin
Von Schimpff das 354.

Ein Schaffner schreib 40 Guldin.


Es was ein Her, der het ein Schafner. Da er mit im rechnen wolt, da kunt der Schafner kein Rechnung geben. Der Her sprach: ›Ich wil dir acht Tag Zil geben, das du mir die Rechnung in Geschrifft gebest.‹ Der Schaffner thet es und fieng an uß dem Bůch zů lesen: ›Item 40 Guldin umb Senff.‹ Der Her sprach: ›Es ist gnůg; ich beger kein Rechnung von dir. Sag in einer Sum, was bin ich dir schuldig? Hab ich 40 Guldin in Senff verzert, was hab ich dan erst umb das Fleisch verzert?‹ Und wolt es ungerechnet haben.

355. Rechnen mit der Teschen
[214] Von Schimpff das 355.

Rechnen mit der Teschen.


Uf einmal was ein Her, der het vil Schaffner gehebt, die schreiben und lesen kunten, und er erfůr, das sie untrüwlich mit im umbgiengen, und nam einmal ein Schaffner, ein groben Buren, der weder schreiben noch lesen kunt. Der Buer nam die Schaffnerei an und ließ im eine grose Deschen machen, die het zwei Gehalt, und in das ein Gehalt thet er, was er gewan und erüberiget, und in das ander Gehalt thet er, was er ynnam, und auch widerumb trüwlichen ußgab von des Herren wegen, was er solt. Da das Jar herumbkam, da sprach der Her: ›Schafner, wir wöllen rechnen.‹ Der Schafner warf dem Herren die Deschen dar und sprach: ›Her, rechnen da mit der Deschen!‹ Da der Her das Gelt zalt, da het er me dan hundert Guldin überig, dan nie keiner gehebt het.

356. Einer zögt das Maul und den Ars
Von Schimpff das 356.

Einer zögt das Maul und den Ars.


Es was ein Kint, dem was Vatter und Můter gestorben, das die Herren in dem Rat dem Kind ein Fogt gaben, der dem Kind sein Gůt solt meren. Da das Jar herumbkam, da begerten die Herren Rechnung von des Kinds Gůt. Er kunt kein Rechnung geben und verzohe es. Die Herren satzten im ein Tag, das er für den Rat solt kumen on Verzug und den Anfang und das End zögen, wa das Gůt hinkumen wer. Da der Tag kam und er für den Rat kam, da thet er das Mul uff und zů und zögt inen den Hindern. Das Mul was der Anfang des Gůtz und der Hindern was das End. Er het das Gůt alles verzert, es was oben hinyngangen und unden uß.

38. Von den Ärtzten

357. Einer sach ein Karren mit Müst
Von Schimpff das 357.

Einer sach ein Karren mit Müst.


Es was ein Edelman kranck und schickt nach dem Artzet in ein ander Stat. Der Artzet kam zů im und besahe im den Harn und greiff im die Puls und fand, das im nichtz brast dan Lachens; wan er einmal von Fröden lächt, so würd er genesen. Er sagt es seinen Knechten und [215] fragt sie, ob sie in nit künten zů lachen machen; sie wüßten nichtz. Der Doctor legt mit den Knechten an, sie solten irem Herren sagen von einem Buren in einem Dorff, der wer ein bewerter Artzt, er solt nach im schicken. Der Juncker thet es. Der Doctor legt Burenkleider an und kam zů dem Junckern und sprach: ›Ich můß das Wasser besehen.‹ Der Juncker empfieng das Wasser. Der Buer stalt sich zů dem Fenster und besahe den Harn und sprach: ›Juncker, mich wundert nit, das ir kranck sein. Ir haben ein Karren mit Mist und zwei Pferd und ein Knecht mit einer yßnen Kablen in dem Leib stecken.‹ Der Juncker sprach: ›Ich hab den Tüffel.‹ Der Artzt sprach: ›Es ist war. Wöllen ir es nit glauben, so kummen her und besehen es selber!‹ Der Juncker wust von dem Bet uff und besahe das Wasser; da sahe er es auch also und lůgt zů dem Laden uß; da sahe er, wie der Knecht in dem Hoff stůnd und Mist lůd. Und von der groben Ußlegung fieng der Juncker an zů lachen von gantzem Hertzen und kunt nit me uffhören und ward gesunt.

358. Einer machet Titum gesund
Von Schimpff das 358.

Einer machet Titum gesund.


Da Vespasianus und Titus vor Jerusalem lagen, da schickten die Römer nach Vespasiano. Da er kam, da erwelten sie in zů einem Keiser. Da kam einer zů Tito gen Jerusalem und gewan das Bottenbrot, das sein Vatter Keiser wer. Da het er ein semliche hertzigliche Fröd, das er kranck ward. Man schickt nach dem Artzet; der Artzet fand, das im nichtz brest, dan das er einmal von Hertzen zornig würd, so würd er genesen; und fragt, ob keiner under seinem Volck wer, dem er feint wer. Man sagt im von einem Ritter, der hieß auch Titus, den wolt er weder sehen noch hören. Der Artzt legt mit inen an, er solt denselben Ritter für in füren, und was Titus hieß, das solt man nit thůn. Da man den Ritter zů Titum bracht, da ward er so zornig, das er ein Schwert hieß in in stosen. Es wolt es nieman thůn, und theten, als hörten sie es nit. Hindennach wüst Titus selber vor grosem Zorn uß dem Bet und wolt an den Ritter sein. Da hůben sie in und wisen den Ritter zů der Zelt hinuß. Und da im der Zorn vergangen was, da was er gesunt. Da sagt der Artzet im, wie in der Ritter gesunt het gemacht. Da gewan er den Ritter so lieb und kunt nichtz on in schaffen.

359. Einer machet sein Vatter gesund
[216] Von Schimpff das 359.

Einer machet sein Vatter gesund.


Uf einmal was ein reicher Man, der het ein Sun, der was ein Schůler. Der Vatter nam ein andere Frau, die haßt den Schůler, er kunt ir nit recht thůn, und verklagt in gegen dem Vatter. Der Sun sprach: ›Ich wil der Schůl nachziehen.‹ Der Vater gab im Gelt. Der Sun studiert und gab sich uff die Artznei, das er in kurtzen Jaren ein Doctor ward in medicinis. Da er wider heim kam und hielt Huß und ward berümpt in dem Land und überkam ein groß Lob, es fügt sich, das sein Vater kranck ward; der Sun kam zů im und gab im ein Tranck, das in kurtzen Tagen sein Vatter gesunt ward. Nit lang darnach ward sein Stieffmůter auch kranck eben in dem Siechtagen, da der Vatter an siech was gewesen. Der Vater berůfft sein Sun, den Artzet und bat in, er wolt im sein Hußfrau gesunt machen, ir wer eben, wie im wer gewesen. Der Doctor sprach: ›Vatter, ich trüw ir nit zů helffen; dan was ich dir hab geben, das hastu gern angenumen und hast ein Hoffnung zů mir gehebt, das ich dir nichtz geb, dan das dir gůt sei und nützlich. Die Hoffnung hat dich me gesunt gemacht dan die Artznei. Aber mein Stieffmůter die trüwet mir nichtz, sunder sie förcht, ich geb ir was Schedlichs; darumb so mag ich sie nit gesunt machen.‹

Darumb die Hoffnung, die ein kranck Mensch hat zů dem Artzet, das ist ein grose Ursach der Gesuntheit.

360. Der meint, er wer ein Han
Von Schimpff das 360.

Der meint, er wer ein Han.


Hugo schreibt de Prato in einer Sermon, wie ein Man sei gewesen, der was in ein Fantasei kumen, wie er ein Han wer, und kreiet, und kunt in niemant darzů bringen, das er etwas wolt ynnemen oder etwas thůn, das im gůt wer, das er wider recht würd. Zů dem letsten kam ein bewerter Artzet zů im, der sprach zů im, er wer auch ein Han, und wie er thet, also thet der Artzt auch; wan der Siech kreiet, so kreiet der Artzt auch. Da nam der Siech von demselben Artznei yn, das er wider recht sinnig ward.

39. Von trüwen Knechten

361. Der Knecht machet sein Herren zu einem Künig
Von Schimpff das 361.

Der Knecht machet sein Herren zů einem Künig.


Es waren drei oder fier Sün, da wolt jeglicher Künig sein an seins Vatters Stat. Sie kamen der Sach uff ein Richter; derselbig Richter felt das Urteil, das sie an dem Morgen an einen Ort uff ein Matten zů einem Baum solten mit einander reiten, und wan sie zů dem Baum kemen, welchem sein Pfert zů der ersten schrüw, der solt Künig sein. Da het der ein under inen ein getrüwen Knecht, der sprach zů seinem Herren: ›Her, sein frölich! Ich wil euch morgen zů einem Künig machen.‹ Der Knecht gieng an dem Morgen frü zů einer Merhen und verunreinigt sein Hand hinden under der Merhen Schwantz. Da sie nun uff das Felt kamen zů dem Baum, da empfieng der Knecht seinem Herren das Pfert und fůr dem Pfert mit der unreinen Hand umb das Maul und umb die Nassen herumb. Und sobald der Hengst die Merhen schmäckt, da fieng das Pferd an zů schreien und wolt nit uffhören schreien. Also ward er Künig und het den Knecht darnach lieb und hielt in in Eren.

362. Der Hirt ward bald reich
Von Schimpff das 362.

Der Hirt ward bald reich.


An des Hertzogen Hoff von Meilamd was einer, der het im trüwlich gedienet in der Rütery und kunt nichtz darbei überkumen und gedacht: ›Wie thetestu der Sach, das du auch etwas überkemest? Alle Amptlüt des Fürsten wurden reich.‹ Und kam zů dem Fürsten und bat in, er wolt im das Ampt etlich Jar leihen, das er seins Fichs Hirt wer, er dörfft im weder Essen noch Trincken noch Lon geben. Der Fürst verschreib es im zehen Jar und was fro; er můst des Fichs grosen Kosten haben mit Lon und Dienstgelt. Da er nun ein gewaltiger Hirt was, da schreib er einer Stat etwan weit, er hört sagen, wie sie so ein gůte Weid hetten; er wolt kumen und wolt des Fürsten Fich da weiden. Sie erschracken und forchten, als auch geschehen wer, er würd die Weid abetzen, das ir Fich Mangel müst leiden, und schickten im etwan 20 Ducaten, er solt sie des überheben. Der Hirt gedacht: ›Es würt gůt werden.‹ Darnach schreib er an ein ander Ort; man schickt im aber Gelt, und also für und für, das er bald mit dreien Pferden rit und füchsen Röck antrůg. [218] Der Fürst fragt in, wie es zůgieng. Er sprach: ›Gnediger Her, es hat ein Sin: Es ist kein Ämptlin so klein, es ist nützlich.‹ Ein anderer sprech: ›Es wer Henckens wert.‹

363. Der Koch begert ein Esel von dem Herren
Von Schimpff das 363.

Der Koch begert ein Esel von dem Herren.


Der Hertzog von Meiland het im ein Koch, der het im lang trüwlich gedient und gekocht für seinen Mund. Er berůfft den Koch uff einmal und sprach zů im: ›Lieber Meister, ir haben mir trülich gedient ein Zeitlang. Begeren etwas von mir! Was ir wöllen, das wil ich euch geben.‹ Er sprach: ›Ich beger nichtz anders, dan das ir mich zů einem Esel oder zů einem Narren machen.‹ Der Fürst sprach: ›Warumb?‹ Der Koch sprach: ›Darumb. Die Esel und Narren sein euch lieb, die erhöhen ir und machen sie zu grosen Herren. Wan ich auch also einer wer, so wer ich euch auch lieb.‹

40. Von den Kellerin

364. Die Kellerin het zwei gebrotne Hüner gessen
Von Schimpff das 364.

Die Kellerin het zwei gebrotne Hüner gessen.


Es was ein Her, der het ein Kellerin, die was ein Schleckerin. Uff ein Sontag het er ein gůten Gesellen zů Gast geladen, der solt bei im zů Nacht essen, und sprach zů der Kellerin: ›Braten unß zwei Hüner! Ich hab ein Gast geladen.‹ Da nun die Hüner gebraten waren, da schmackten sie ir so wol, das sie die Hüner beid aß. Da kam der Gast in die Küchin, die het zwo Düren, und sprach zů der Köchin: ›Wa ist der Her?‹ Sie sprach: ›Sehen ir in nit dort ston? Und wetzt das Messer, und wil euch beid Oren abschneiden. Es ist hüt acht Tag, da schneid er einem Gast auch die Oren ab.‹ Da lieff der Gast hinweg.

Der Her kam in die Küchin und sprach: ›Wa sein die Hüner hinkumen?‹ Die Kellerin sprach: ›Der Gast hat sy mit im hinweg getragen. Sehen ir nit, wie er dort laufft?‹ Der Her lieff im nach und het das Messer in der Hand und winckt im mit derselben Hand und schrey: ›Gib mir nur eins!‹ Der Gast lieff noch fester und sprach: ›Ich gib dir keins.‹ Der Her meint, er solt im ein braten Hůn geben; da meint der Gast, er solt im ein Or geben. Also bleib die Kellerin bei Eren. Hie würd auch gemerkt der Frawen List.

365. Dia Kellerin und die Frau wunsten einander fil Geltz
[219] Von Schimpff das 365.

Dia Kellerin und die Frau wunsten einander fil Geltz.


Es was ein Frau, die het ein Kellerin, die was lang bei ir gewesen, das sie einander wol kanten und flůchten einander. Sie hetten gebeicht und wurden mit einander eins, aber wan eins zornig würd über das ander, so solt eins sprechen: ›Das dir Got ein Pfennig geb!‹ Es gestůnd ein Zeit lang, das sie uff einmal Gest hetten, die Kellerin het etwas versaumpt, das die Frau zornig ward und sprach: ›Das dir Got ein Pfennig geb!‹ Da sprach die Kellerin: ›Das dir Got ein Plaphart geb!‹ Da sprach die Frau widerumb: ›Das dir Got ein Guldin geb!‹ Die Kellerin sprach: ›Got geb euch ein gantzen Seckel vol!‹ Die erbern Lüt, die da waren, die sprachen: ›Frawe, wie sein ir so zornig über die Kellerin! Sie wünscht euch nichtz dan Gůtz; ein Seckel mit Guldin ist ein gůt Ding.‹ Die Frau sprach: ›Ja, ir verston euch nit uff die Müntz, aber ich verstan mich wol daruff.‹

41. Von Gehorsamkeit

366. Ob einem Liecht briet einer Eyer
Von Schimpff das 366.

Ob einem Liecht briet einer Eyer.


Es was ein Barfůser Münch ußgeschickt uff dy Terminy ze heischen Nuß und anders; im was aber darzů gebotten, was er brecht, das solt er trüwlich überantwurten. Er samlet, und behielt villeicht fier oder fünff Eyer und ein Stück Brot, die aß er nach einer Mettin. Da er es nun beicht, da strafft in der Beichtvatter darumb und sprach, er wer ungehorsam gewesen. Der Brůder gab dem Tüffel die Schuld und sprach: ›Der Tüffel hat es mir geratten.‹ Da sprach der Tüffel oben in dem Lufft: ›Du lügest uff mich; ich wer nit so listig gewesen, das ich het gewißt, das man die Eyer ob dem Liecht braten solt, als du hast gethon.‹

367. Einer was gehorsam; was er gern det, das det er
Von Schimpff das 367.

Einer was gehorsam; was er gern det, das det er.


Uf einmal was ein verdorbner Edelman in ein Kloster gangen Sant Benedicter Orden, und ward ein Leyenbrůder. Wan in der Apt etwas hieß, den Stal misten oder in der Küchin das zinnin Geschir [220] trücknen und dergleichen Werck, so sprach er dan: ›Ach würdiger Her, gedencken, das ich ein Edelman bin und erlich in der Welt gehalten was! Heissen mich nit semliche schnöde Werck! Es wer mir ein Schand.‹ Wan aber der Apt sprach: ›Brůder, rüsten euch, wir wöllen morgen reiten‹, so sprach er: ›Ja, würdiger Her, gern. Ich hab mir darumb das Har lassen abscheren, das ich euch gehorsam sol sein.‹

Das ist noch fast unser Klosterlüt Gewonheit, dieweil sie Öbern haben nach irem Willen und man sie heißt, das sie gern thůn; und wan man sie etwas heißt, das wider sie ist, als zů Mettin gon und anders, so versprechen sie sich und sprechen, man solt es ein andern heissen, und förcht ein jeglicher, er thü zů vil.

368. Der Künig gab seinen dreyen Sünen Öpffelschnitz
Von Schimpff das 368.

Der Künig gab seinen dreyen Sünen Öpffelschnitz.


Künnig Karolus von Franckreich het ein Gewonheit an im, das er alwegen nach dem Essen bleib über dem Tisch sitzen und aß ein Apffel den schelt er selber. Uff einmal da stůnden sein drei Sün vor im, da wolt er sie beweren, wie gehorsam sie weren, und riefft dem eltesten, der hieß Gobandus, und sprach: ›Kum zů mir und thů deinen Mund uff und empfahe ein Apffelschnitz von mir!‹ Gobandus sprach: ›Her, es wer mir ein Schand, solt ich ein Apfelschnitz von euch empfahen; ich kan wol selber ein Apffel essen.‹ Der Künig rieff dem andern Sun, der hieß Hononice, und sprach: ›Kum, empfahe den Apfelschnitz von mir in deinen Mund!‹ Hononice sprach: ›Ir sein mein Her Vatter, ir mögen mit mir machen, was ir wöllen. Ich sol euch billich gehorsam sein.‹ Und gieng zů im und knüwet nider und empfieng den Apffelschnitz in seinen Mund. Da sprach der Künig: ›Ich mach dich zů einem Künig in Franckreich‹, und rieff den dritten Sun, der hieß Lotharius, und sprach: ›Kum und empfah den Apffelschnitz!‹ Lotharius thet es. Der Künig sprach: ›Ich setz dich zů einem Hertzogen in Lotringen.‹ Da Gobandus das sahe, da gieng er zů dem Vatter und sprach: ›Her, ich thůn meinen Mund auch uff. Geben mir auch einen Apffelschnitz!‹ Der Künig sprach: ›Du bist zů spat kumen. Ich geb dir weder Öpffelschnitz noch Land noch Lüt.‹ Und ist darnach ein Sprichwort worden in Franckreich: ›Gobande, du hast zů spat uffgegienet.‹

42. Von den Wirten

369. Einerlei Wein must einer trincken
Von Schimpff das 369.

Einerlei Wein must einer trincken.


Es zohe ein Thucher einmal gen Rom und kam in dem Welschen Land in ein Wirtzhauß. Der Wirt bracht im gůten Wein herfür. Der Gast tranck mit Lust. Darnach bracht der Wirt im ein anderer Lei Wein und sprach: ›Her Gast, versůchen den Wein auch!‹ Der Gast sprach: ›Ich hab ein böse Natur, ich můß bei einem Trunck bleiben.‹ Er wüßt wol, das kein besserer kam. Der Wirt gedacht: ›So würstu nit vil an dem Mal gewinnen.‹ Da der Gast widerumb von Rom kam, da rechnet er alle Tag uß, wan er wider zů seinem Wirt kem, zů dem gůten Wein. Da er zů im kam, da het der Wirt geordnet ein schlechten sauren Wein. Da der Gast nun wol gessen hat und wolt ein gůten Trunck thůn, da rumpfft er sich darab und růfft dem Wirt und gab im zů trincken. Da der Wirt getranck, da sprach der Gast: ›Geben ir euwern Gesten Essich zů trincken?‹ Der Würt flůcht und zörnt über das Gesind und sprach, wer im den Wein het geben; es wolt es nieman gethon haben. Zů dem letsten sprach der Wirt: ›Her Gast, mir ist nit als leid, das man euch den Tranck geben hat; mir ist vil leider, das ich euch kein andern darzůsetzen hab. Wan ir sprachen zů dem nechsten, ir müsten bei einem Tranck bleiben; wa ir zweierlei Tranck trüncken, so würden ir siech, das wer euwer Natur.‹ Also kam der Wirt der andern Ürtin auch widerumb zů.

370. Der Knecht det, was man wolt, aber nit, was man in hieß
Von Schimpff das 370.

Der Knecht det, was man wolt, aber nit, was man in hieß.


Uf einmal was ein Wirt, der het ein Knecht, mit dem het er angelegt, wan er in hieß des Weins bringen, so solt er es nit thůn, er geb im dan ein Wortzeichen. Uff einmal het er ein Gast, da hiesch der Wirt den Knecht Wein uß einem Faß bringen, der solt fast gůt sein; da bracht er ein anderer Lei. Der Gast schmäckt wol, das es nit des gůten Weins was, und schalt den Knecht übel und flůcht im. Der Wirt sprach: ›Her Gast, sein nit so ungestüm! Thůt der Knecht nit, das ich in heiß, so thůt er doch, was ich wil.‹

Also falsch Lüt sein etlich, sie heissen eins und wöllen ein anders.

371. Von einem Gast, der wol saufen mocht
[222] Von Schimpff das 371.

Von einem Gast, der wol saufen mocht.


Uf einmal kam ein Gast in eins Wirtz Huß und hiesch im ein Maß Wein bringen. Der Knecht setzt im die Maß Wein dar und nimpt ein Glaß, schwenckt es. Dieweil soff der Gast die Maß Wein uß. Da der Knecht kam mit dem Glaß und wil ynschencken, da was kein Wein da, und sprach: ›Wa ist der Wein hinkumen?‹ Da sprach der Gast: ›Setzestu einem Gast ein lere Kanten für?‹ Also bracht der Knecht ein ander Maß Wein.

372. Ein Wirt verschütt vil Wein
Von Schimpff das 372.

Ein Wirt verschütt vil Wein.


Uf einmal waß ein Wirt, der verschüt etwan dick den Gesten ein Maß Wein ob dem Tisch in das Tischdůch und thůt dan das Tischdůch zůsamen und schrei dan: ›Hie wöllen wir weschen.‹ Das thet er darumb, das er vil Weins vertribe. Das verstůnd ein gůt Gesel und zohe ein Zapffen uß einem Faß und ließ im den Wein uß. Sie kamen an das Recht. Diser sagt, wie des Wirtz Gewonheit was, und sprach: ›Er het ob dem Tisch wöllen weschen, so hab ich in dem Keller wöllen weschen.‹ Also het der Wirt den Spot zů dem Schaden.

373. Der uff den Tisch hofiert, das waren Küssin und Bet
Von Schimpff das 373.

Der uff den Tisch hofiert, das waren Küssin und Bet.


In eins Wirtz Huß kam ein Gast, da man solt schlaffen gon. Da legt man jederman in ein Kamer, ußgenumen in. Da jederman schlaffen was, da der gůt Gesel růfft und sprach: ›Wirt, wa lig ich?‹ Der Wirt sprach: ›In der Stuben uff dem Disch findestu Leilach, Küssin und Deckin.‹ Da der gůt Gesel an dem Morgen wolt hinweggon, da hoffiert er uff ein Disch und thet das Blat wider zů, es was ein zůsamengelegter Disch, und sprach zů dem Wirt: ›Die Leilachen, Küssin und Deckin ligt als bei einander uff dem Disch. Alde, Got behüt dich!‹ Der Wirt sprach: ›Es ist recht.‹ Und da er in die Stuben kam, da stanck es so übel. Sie sůchten under den Bencken und hinder dem Offen, sie kunten nichtz finden. Hindennach funden sie den Schatz uff dem Tisch ligen. Der Wirt sprach: ›Er hat mir recht gethon. Het ich in in ein Kamer schlaffen gewissen, so het er mir die Boßheit nit gethon.‹

374. Die Würtin het ein Zuber vol Wassers in das Vaß gethan
[223] Von Ernst das 374.

Die Würtin het ein Zuber vol Wassers in das Vaß gethan.


Es waren Gest in einem Wirtzhuß, da sprach einer under inen zů einem Döchterlin: ›Bring mir ein Gläßlin vol Wasser! Ich wil es in den Wein thůn.‹ Das Döchterlin sprach: ›Ir bedörffen sein nit; mein Můter hat hüt erst ein grosen Zuber vol in das Faß geschüt.‹

Es ist war, das Kind, Narren und truncken Lüt sagen die Warheit. Wie wöllen aber die Wirt zů Got kumen, die Cristo sein Kunst ab haben gelert, der kunt uß Wasser Wein machen! (Johan. 2.) Wie beichten sie, wie keren sie wider, wie gon sie zů dem Sacrament! Wan ein arm Mensch wil Wein kauffen, so gibestu im Wasser für sein Gelt. Du würst des bösen Geltz nimer erfröwet und nit dester reicher. Es solt dir gon, als einer Bürin gieng, von deren wir lesen.

375. Ein Aff warff den dritten Pfennig
Von Schimpff das 375.

Ein Aff warff den dritten Pfennig.


Es was ein Burger in einer Stat, der fůr zů dem heiligen Grab. Da man uff dem Mer was, da het er sein Deschen neben sich gelegt. Da was ein Aff in dem Schiff, der erwust die Desch und trůg sie uff den Segelbaum und lůgt, was darin war, und was er darin fand, so warff er alwegen das drit in das Mer und zwei Stück in das Schiff. Wan er zwen Plaphart in das Schiff warff, so warff er den dritten in das Mer. Der gůt Bilger laß das Gelt uff, das er in das Schiff warff; hindennach warff der Aff die Desch auch in das Schiff.

Da der Bilger wider heimkam, da sagt er es seiner Frawen, wie es im mit dem Affen gangen wer. Da sprach die Frau: ›Du solt fro sein, das es also gangen ist. Das Gelt, das ich dir zů Stür geben hab, das hab ich uß Milch gelößt, und ist der Dritteil Wasser gewesen. Got der Her hat nit gewelt, das du die heilig Fart mit unrechtem Gůt soltest volbringen. Darumb so hat der Aff den dritten Pfennig in das Mer geworffen.‹

43. Von den Spilern

376. Alle Forteil uff dem Spilen ließ der Vatter den Sun lernen
Von Schimpff das 376.

Alle Forteil uff dem Spilen ließ der Vatter den Sun lernen.


Es het ein Vatter ein Sun, der wolt ein Spiler sein. Der Vater strafft in und ließ in in den Thurn legen und ließ in schlagen; es halff als nichtz. Da der Vatter sahe, das er überein ein Spiler wolt sein, da verdinckt er in zů den besten Spilern, die in dem Land waren, damit das er gelert würd in dem Spil und alle List, Kunst und Forteil daruff künt, als dan kein Spil ist, es hat ein Vorteil, damit sein Sun nit betrogen würd von den Spilern. Und was also verblent, das Sorg ist, in beiden zů übel kumen sei. Bedenck es!

377. Uff den Zunften solt man spinnen
Von Schimpff das 377.

Uff den Zunften solt man spinnen.


In einer Statt an dem Rein was einer in dem Rat, der bracht an, man solt das Spil verbieten in der Stat in allen Wirtzhüsern, uff allen Stuben. Etlich in dem Rat waren daran, etlich waren darwider. Es ward ein Ratztag gesetzt, das man eigentlich von der Sach reden wolt und beschliessen. Da was einer in dem Rat, der sprach: ›Lieben Herren, ir wöllen alle Spil verbieten und sein schier alsamen daran und raten, was man nit sol thůn, wan die Burger uff den Stuben zůsamenkumen; es wil aber euwer keiner ratten, was man thůn sol.‹ Sie sprachen, er solt dasselb Urteil ußsprechen, was man thůn solt. Da sprach er: ›Es ist mein Rat, das man jeglichem ein Kunckel anleg, das er spin. Ir gon mit Narrenwerck umb. Die Burger kumen selten zůsamen, und wan sie zůsamenkumen, was sollen sie sunst thůn dan etwan umb die Ürtin in dem Bret spilen oder in der Karten umb ein Pfennig! Verbieten die grosen Spil und die grosen Schwür und den Wůcher, Fürkauff und Eebruch, deren ir wol Kuntschafft haben, und lassen die kleinen Spil, die man umb Kurtzweil thůt, bleiben!‹ Also ward nichtz daruß.

378. Der Tüfel holet den, der seiner Frawen Gürtel het
Von Ernst das 378.

Der Tüfel holet den, der seiner Frawen Gürtel het.


In Sicilia was ein jung Gesel in einer Stat, der was ein groser Spiler und ein Gotzlesterer. Uff einmal het er seiner Frawen heimlich ein guldin Gürtel genumen und het in in den Bůsen gestosen, ob er [225] das Gelt verspilt, das er den Gürtel het zů verkauffen und auch verspilt. Die Spiler kamen für eins Burgers Huß uf ein Laden, und da sie also spilten, da kam des Künigs Stathalter und sprach zů demselben Gesellen: ›Gůt Gesel, gang in das Kloster in iren Garten und bring mir ein Salat uf das Nachtmal! Ich mag sunst nichtz essen.‹ Der Gesel sprach: ›Her, gern‹, und nimpt sein Gelt und gat anhin. Und uff dem Weg da nam der Tüffel Leib und Seel und fůrt in hinweg. Der Her wartet des Salatz; es kam nieman. Er ward zornig und ließ den Gesellen in seinem Huß sůchen und in der gantzen Stat, er was verloren.

Uff einmal fůr ein Schiff für den Berg anhin, der da heißt Vulchanus, der da ligt in Sicilia, da man Flamen uff sicht gon und ein ellend Geschrei da gehört würt von Frawen und von Mannen, und glaubt man, das die Hel ein Thür da hab. Da ward ein grusamlich Geschrei gehört, das sprach also: ›Patron, Schifman!‹ Er gab im kein Antwurt. Darnach kam noch ein grusamlichere Stim, die sprach: ›Schifman, Patrone!‹ Er schweig aber stil. Zů dem driten sprach die Stim: ›Wiltu mir nit Antwurt geben, so wil ich das Schiff machen undergon.‹ Die Lüt, die in dem Schiff waren, die weinten und schruwen und sprachen zů dem Schiffman, er solt Antwurt geben. Der Patron sprach: ›Wer bistu?‹ Die Stim sprach: ›Ich bin der Tüffel.‹ Der Schiffman sprach: ›Was wiltu?‹ Der Tüffel sprach: ›Sag dem Stathalter des Künigs, das er den Gesellen nit me sůch! Wan ich hab in geholt umb seiner grosen Leckerei willen des Spils und hab in gefürt in die Hel, da er ewiglich brennen můß.‹ Und ließ den Frawengürtel in das Schiff fallen und sprach: ›Den Gürtel gib seiner Frawen wider! Er hat in in dem Bůsen gehebt.‹

Der Tůffel schickt der Frawen den Gürtel wider, nit darumb das er so gerecht wer, das er widerkeren wolt unrecht Gůt, nein: aber darumb das sie me Fröd und Hoffart mit treib. Wan die gröst Hoffart, die ein Frawe an irem Leib treiben mag, das ist und sein die beschlagnen Gürtel. Warumb? Da ist allermeist Matery der Demütikeit, der Magen, er Katsack, als ein Prophet spricht: (Mich. 6. Humiliatio tua in medio tui.) ›Dein Demut ist in der Mittin in dem Leib.‹ Ein füderig Faß mit kostlichem Wein mag man mit etlichen Reiffen binden, und kost einer etwan drei Pfennig. Und den Trecksack, den Leib můß man mit einem Gürtel binden, der etwan 30 oder 40 Guldin wert ist, und treiben so vil Hoffart mit dem Schlempen. Es heißt ein Glimpff; den Glimpff werffen sie über die Achßlen uß an den Rucken. We den Frawen, die iren Glimpff an den Rucken werffen!

379. Der Dieb warff ein Würffel uff
[226] Von Schimpff das 379.

Der Dieb warff ein Würffel uff.


Uf einmal was ein erfarner Schůler, einer, der mit der schwartzen Kunst kunt, und thet den Lüten vil Schaden mit Rauben und Stelen, und kunt im nieman zůkumen. Er ward gefangen, und einer gewaltigen Frawen und Witwen ward er fürbracht. Die fragt in, wie er der Sachen thet, das er also groß Glück het zů stelen. Er sprach: ›Frau, ich hab ein Wirfel, den wirf ich; da sein nit me dan drei Augen uff. Zů dem ersten Wurff spricht der Wirfel: Gang! Zů dem andern Wurff spricht er: Gang bald! So gang ich noch nit. Zů dem dritten Wurff spricht er: Gang bald, bist sicher! Oder schweigt stil. So far ich dan darvon.‹ Da sprach die Edelfrau: ›Wie ist es dan jetz gangen? Wie hat dir die Kunst gefelt?‹ Er sprach: ›Ich hab den Wirfel dreimal geworfen wie vor, und hat mir auch Antwurt geben wie vor, aber zů dem driten Mal hat er mir gefelt und hat mich betrogen, und bin gefangen worden.‹ Also hanckt man in.

Also sein vil Menschen, die sünden und gon bald, aber in der Sicherheit werden sie betrogen; wan wen sie an dem minsten meinen, so werden sie betrogen, so faren sie anhin. Wan der Dot ist blint, er sicht niemans an.

44. Von den Schmeichlern oder Zudütlern, Adulatores genant

380. Der Fuchs lert einen drey Weißheit für seinen Lon
Von Schimpff das 380.

Der Fuchs lert einen drey Weißheit für seinen Lon.


Es was uff einmal ein Fuchs, der wer gern über Mer gewesen und kam zů einem Schifman und sprach zů im: ›Für mich über das Mer! Ich wil dich drei Weißheit leren, und die ersten zwo wil ich euch jetz leren, und die drit wil ich euch leren, wan ir mich hinüber gefüren.‹ Der Schiffman sprach: ›So ler mich die zwo ersten!‹ Der Fuchs sprach: ›Die erst ist: So vil me einer hübschlicher mit dir ret, so vil er dich me betrügt oder betriegen mag. Die ander Weißheit ist: So vil einer dich ee betrügt, so vil er dir bessere Wort gibt und hübschlicher mit dir ret.‹ Der Schiffman fůrt den Fuchsen hinüber. Da sie nun hinüber kamen und den andern Staden ergriffen, da sprach der Fuchs: ›Nun wil ich dich die drit Weißheit auch leren‹, und sprach: (Officium perdit, dico, qui servit iniquo). ›Wer einem Boßhafftigen dient, der verlürt sein Dienst.‹

[227] Also sein die Zůdütler und die Schmeichler, die loben ein oder eine und geben im die besten Wort, das sie in nur betriegen mögen, wan sie wöllen. Das wissen die Frawen und Junckfrawen zů dem allerbasten, was glatter Wort man inen gibt, und wan sie dan betrogen werden, so werden sie inen dan als feint als einer Spinnen, wan sie zů Schanden kumen. Darumb semliche Schmeichler und Zůdütler sein gleich wie Cicaden und Heuschrecken; sie singen nur in dem Sumer deß Glücks, so es inen wol gat, und sein wie die Sürenen in dem Mer, die den Menschen singen, sie zů ertrencken. Darumb so würt man zů dem letsten gewar, das sie nit alle deine Fründ sein, die dich loben noch die dich straffen, als das geistlich Recht sagt.

381. Die Affen zerrissen einen, der het ynen die Warheit gesagt
Von Schimpff das 381.

Die Affen zerrissen einen, der het ynen die Warheit gesagt.


Es gieng uf einmal ein tütscher Walch und ein Zigeiner oder ein Heid, wie man sie dan nent, über Feld und kamen in einen Walt. Da saß ein Affenkünig mit seinem Volck, und sie fiengen die beid und brachten sie für iren Künig. Der Künig sprach zu dem tütschen Walchen: ›Wie gefelt dir mein Folck und ich?‹ Der tütsch Walch sprach: ›Hübschere Creaturen sein uff Erden nit, dan ir sein‹, und lobet sie gleich wol. Der Künig satzt in neben sich und thet im grose Eer an und sprach zu dem Zigeiner, der kunt warsagen. Der gedacht: ›Hat der gelogen und ist also geert, wie würt man dan dir thůn, wan du die Warheit sagst: wie gefallen wir dir?‹ Der Zigeiner sprach: ›Ir gefallen mir nit wol; es ist nichtz Hübschs an euch. Ir künnen euwere Schand dahinden nit decken und lassen jederman in den Hindern sehen.‹ Da fielen die Affen alle über in und zerrissen in mit den Zenen. Also ist es noch uff Erdtreich.

382. Diogenes aß Kraut, aduliert nit
Von Schimpff das 382.

Diogenes aß Kraut, aduliert nit.


Uf einmal was ein Tyran in der Stat Siracusana, ein groser Her, der hieß Dionisius. Der het vil armer Lüt gemacht, und under denen het er auch ein Philosophum verderbt, der hieß Diogenes, darumb das er im die Warheit sagt. Und uff einmal wüsch Diogenes Krut oder ein Salat und wolt in für den Hunger essen, das sahe ein Diener desselbigen Dionisy und sprach zů demselbigen Diogenes: ›Wan du woltest thůn, was [228] mein Her Dionisius wolt, so bedörfftestu nit Kraut essen und hettest wol besser Ding zů essen.‹ Diogenes sprach: ›Woltestu Krut essen, so bedörfftestu deinem Herren Dionisio nit adulieren und Schmeichlerei treiben.‹

Das ist war; wan an der Fürsten Höff da schmeichlen sie allein den Herren, das sie zů essen und zů trincken haben und sie betriegen umb das Ir und geston den Herren alles, das sie sagen. Loben die Herren ein, so loben sie in auch; schelten die Herren ein, so schelten sie in auch. Und die Schmeichler, die Pfefferlecker und Dellerschlecker sein arme elend Lüt und sein darzů unglückhafftige Fögel; sie tragen Wasser uff beiden Achßlen und schleiffen Scheren und wenden und reiten uff zweien Sätlen, sie dienen zweien Herren und sein keinem günstig, und etwan dreien.

45. Von Dantzen und Pfeiffen

383. Der Tüfel machet zu Tantz
Von Ernst das 383.

Der Tüfel machet zů Tantz.


In dem Tütschen Land ist es geschehen, das ein Pfeiffer bestelt was in einem Dorff und solt inen zů Dantz pfeiffen; und kamen die uß den nechsten Dörffern auch dar zů dem Dantz, als man nit in allen Dörffern Pfeiffer zů besolden vermag. Es fügt sich in dem Jar, das diser Pfeiffer und Trumenschlager kranck ward und beichtet und versahe sich zů sterben, und sagt dem Priester zů, das er sein Leben lang nimerme zů keinem Dantz pfeiffen noch die Trumen schlagen wolt. Und an dem dritten Sontag hort der Priester, das einer zů Dantz schlůg, und gedacht: ›Ist der so bald widerumb gefallen nach seinem Zůsagen?‹ und gieng zů dem Dantz und lůgt, ob es derselb wer. Und da er zů dem Dantz kam, da sahe er in dort sitzen, und schlůg zů Dantz. Doch wolt der Priester die Sach recht erfaren und gieng in des Pfeiffers Huß, da fand er in an dem Bet ligen. Da gieng der Priester wider in die Kirchen und holt ein Stolen und gieng wider zů dem Dantz und warff dem Tüffel den Stol an den Hals und sprach: ›Ich beschwer dich bei dem lebendigen Got, das du mir sagest, wer du seiest.‹ Er sprach: ›Ich bin der Tüffel, und ist mir leid, das ich uff disen Tag solt ein semlichen Schaden leiden von des Schalcks Willen, der von meinem Dienst gewichen ist. Mir ist leid, das ich im nit vor langem den Hals hab abgebrochen, und bin selber an seiner Stat gestanden.‹ Da verschwand er vor iren aller Augen und ließ ein grosen Gestanck hinder im.

384. Der Predicant zerstach die Böcken
[229] Von Ernst das 384.

Der Predicant zerstach die Böcken.


Es was ein Predicant, der prediget nach Mittag, und nit weit darvon da dantzet man, und ward geirt von der Trumen und sprach zů denen, die an der Predig waren: ›Warten mein! Ich wil bald widerkumen‹, und gieng zů dem Trumenschlager und stach im ein Messer durch die Trumen und zerschneid sie. Die Geselen, die da waren, die fielen über den Priester und schlůgen in und handletten in übel und strafften in, das man des Tüffels Diener also Uneer het angethon. Het man einem Priester mit dem Sacrament Uneer angethon, sie hetten es nit gethon, als so man da den Tüffelsdiener entert het. Sie nanten sich alle Cristenlüt und Gottesdiener, aber sie zögten, das sie des Tüffels Diener waren.

Es sol kein frumer Man sein Frawen noch sein Dochter zů dem Dantz lassen gon. Du bist sicher, das sie nit als gůt wider heimkumpt, als sie dar ist gangen. Sie begeren oder werden begert und haben ire Hend in einer unreinen Hand. Ja, sprichstu, man thůt nichtz Böses da. Man zetlet aber da, das man darnach ußwept.

385. Der Stier zerreiß ein Tentzerin
Von Ernst das 385.

Der Stier zerreiß ein Tentzerin.


In Prabant in einem Dorff da was ein Frau, die versumpt kein Dantz, und wan man etwan an einem Tag, so ein Fest was, nit dantzen wolt, so rüstet sie ein Dantz zů. Uff einmal an einem Sontag nit weit darvon da was ein Schiessen, und gieng ein Pfeil nebenuß, und ward eine, die da dantzt, erschossen uff dem Blon, da man dantzet. Und was der Schimpff uß, und man trůg sie heim in ir Huß und legt sie uff ein Dottenbar und bestalt Priester, die umb die Leich Vigilg solten singen nach des Lands Sitten. Da die Priester und ander Lüt also da waren, da kam ein Tüffel in eins schwarzen Stiers Gestalt und warff die Dottenbar umb und zerriß der Däntzerin Leib mit den Hörnern, das das Yngeweid herußfiel, und gieng ein semlicher Gestanck darvon, das nieman da bleiben mocht. Da verschwand der Stier wider, und man ließ den zerrißnen Leib ligen biß morgen, biß der Gestanck vergieng. Da vergrůb man sie an das Ungeweicht, als auch billich was.

Dantzer, merck uff!

386. Einer begert ein Pferd
[230] Von Schimpff das 386.

Einer begert ein Pferd.


Es was ein Burger, der het ein Pferd. Das het ein Ritter neben im gern gehebt, dan es het gar ein hübschen Schwantz, und ließ an in werben, er solt im das Pferd zů kauffen geben. Da der Burger hort, das er das Pfert gern gehebt het umb des Schwantz willen, da ließ er im den Schwantz abhawen; da begert es der Ritter nit me.

Also dein Frau und dein Dochter gon nur zů dem Dantz wolgeziert und ußgestrichen. Verbirg oder verbüt inen die hochzeitlichen Kleider, so hastu inen schon das Dantzen gewert. Hab dein Katz nit lieber dan dein Frawen und Döchtern! Wan einer ein Katzen hat, die ein hübschen glatten Balck hat, darumb sie etwan wild werden und in die Weld lauffen und laufen uß einem Huß in das ander und sein selten daheim, so besengt er ir das Har ab in einer Seiten und macht sie mosecht, so bleibt sie darnach daheim. Heiß dein Folck also zů dem Dantz gon, wie sie in dem Küstal sein, so sichstu wol, ob sie gon oder nit. O wie ungern haben die Frawen, das man von den Dingen predigt! Aber wan es inen gon würt, wie es dem hie hernach gieng, so wolten sie, das man es inen baß zů Huß gesagt het.

387. Ein Kol sprang uff ein Mantel
Von Schimpff das 387.

Ein Kol sprang uff ein Mantel.


Es sassen zwen Gesellen bei einem Feüer und truncken ein Wein, als in den Orten, da man kein Stuben hat. Da sprang ein glüender Kolen dem einen uff seinen Mantel. Der ander sahe es und wolt seinen Gesellen nit warnen und sprach: ›Gesel, wilt du etz nüwer Mer hören?‹ Er sprach: ›Ja, sein sie gůt, so wil ich sie hören; sein sie aber böß, so wil ich sie nit hören.‹ Der Gesel sprach: ›Sie sein nit gůt.‹ Diser sprach: ›So wil ich sie auch nit hören.‹ Es fieng an zů brennen und zů schmacken; da sahe er, das ein Kol uff seinem Mantel lag und het im ein groß Loch daryn gebrent. Der ander sprach: ›Ich hab es lang gesehen.‹ Diser sprach: ›Warumb hastu es mir nit gsagt?‹ Er sprach: ›Du hast gesagt, ich sol dir kein böse Mer sagen. Die Mer was böß, das dir ein Kol uff den Mantel was gesprungen.‹

Also würt es manchem gon; wan er den Schaden empfahen würt, so wolt er, das man es im vor gesagt het, der jetz ein haßt, der in warnet. Merck!

388. Die in Saxen tantzten ein Iar
[231] Von dem bittern Ernst das 388.

Die in Saxen tantzten ein Iar.


Zů den Zeiten Keiser Henrichs des andern in seinem zehenden Iar ist ein Dorff in Saxen, da hat sich ein jämerlich Sach begeben. In demselben Dorff ist Sanctus Magnus Patron, in derselben Kirchen was ein Priester, der hieß Ropertus. In der Weihennacht, da er die erst Meß zů Mitternacht anfieng zů singen, da fiengen 18 Personen auch an zů singen und zů dantzen uff dem Kirchhoff, Frawen und Man. Und einer hieß Othbertus, der het das Spil zůgericht, und irten den Priester ob dem altar, und er entbot inen, sie solten uffhören schreien; aber sie wolten es nit thůn. Da sprach der Priester: ›Nun wöl Got und Sanctus Magnus, das ir ein gantz Iar dantzen müsen!‹ Der Flůch kam sie an, und kunten nit me uffhören dantzen. Der Priester het auch ein Dochter da dantzen. Ir Brůder lieff hinzů und erwust sein Schwester bei einem Arm und wolt sie von dem Dantz reissen, da zert er ir ein Arm von dem Leib on Blůt. Und dantzten die 18 Personen und sungen darzů ein gantz Iar, on Essen und Trincken und on Schlaffen, und kam kein Regen uff sie noch kein Schne. Und dantzten ein Grůb, die inen bis an den Gürtel gieng; sie wurden nit müd, ire Kleider und ire Schůh namen nit ab; das Dantzen triben sie ein gantz Iar. Da nun das Iar herumbkam, da kam ein Bischoff von Köln dar, der hieß Herebertus, und absolvieret sie von dem Bann, das sie die Hend von einander gon liessen, und fůrt sie in die Kirchen für Sant Mangen Altar und absolviert sie von iren Sünden. Die Dochter des Priesters mit zweien andern Frawen sturben gleich, die andern entschlieffen und schlieffen drei Nächt und zwen Tag. Etlich sturben und theten Zeichen; wan sie fast grosen Rüwen hetten für ire Sünd und dantzten wie halbdotten Menschen. Und die, die lebendig bliben, die giengen in dem Land hin und her und zitterten mit dem Kopff und mit den andern Glidern.

46. Von hochzeitlichen Festen, wie man sie eret

389. Der Iud stund am Sabat und den Suntag in dem Proffey
Von Schimpff das 389.

Der Iud stůnd am Sabat und den Suntag in dem Proffey.


Uf einmal kam ein Iud uff ein Samstag in eins Cristen Huß, und wie er es übersahe, das er in ein Sprachhuß fiel oder in ein Prophei, wie man es dan nent. Der Cristen lieff in des Iuden Huß und [232] sagt es seinen Fründen, sie solten im herußhelffen. Einer sprach: ›Wir dörffen es hüt nit; es ist hüt unser Sabat und unser Feiertag.‹ Doch gieng einer anhin und wolt es besehen, und da er dar kam, da sprach er: ›Wie bistu da hinabkumen?‹ Der Jud sprach: ›Frag nit, wie ich herab sei kumen, frag, wie ich wider hinußkuml‹ Er sprach: ›Morgen so wöllen wir dir herußhelffen.‹ Des Morgens kamen die Juden mit den Leitern und wolten im herußhelffen. Da sprach der Cristen: ›Nit, nit, ir armen Juden! Hüt ist unser Feiertag, es sol nit sein. Gestert was es euwer Sabat und euwer Feiertag, hüt ist es unser Sontag und unser Feiertag.‹ Also můst der Jud zwen Tag in dem Dreck und in dem Gestanck ston.

Es ist den Cristen ein Schand, das die Juden ir Gesatz baß halten, dan die Cristen ir Gesatz und besunder den Feiertag halten. Was wir nit an dem Wercktag mögen thůn, das richten wir an dem Feiertag uß. Die gantzen Wochen sitzen wir und wercken, an dem Sontag spilt man und sufft, und laufft den Hůren nach und in die Dörffer und heischen Schuld, und man fürt mit dem Karren und mit den Wägen als wol an dem Feiertag als an dem Wercktag. Und so das die Juden und Heiden sehen, so werden sie geergert und werden nit Cristen; wan wir mit Worten unsern Glauben loben und riemen, wie gůt und wie gerecht er sei, und erfüllen in aber nit mit den Wercken. Es sein auch nit Feiertag gnůg, als wol als Edler, Juden, gemeine Metzen und Pfaffen; wan man mecht sunst kein gůten Montag, wan die Woch gantz ist, und dem Heiligen, der da heißt Fastnacht, drei Feiertag oder etwan zehen Feiertag.

390. Eine gebar ein Hundskopf
Von Ernst das 390.

Eine gebar ein Hundskopf.


Es was ein Riter, der was ein gar groser Jäger; da sahe er keinen Sontag an und keins Heiligen Tag, er jagt und fogelt alwegen. Sein Haußfrau strafft in offt darumb, aber sie bließ in ein kalten Offen. Und sie het vil hübscher, schöner Kind mit im gemacht; und uff einmal wolt Got der Her im zögen, wie mißfellig im ist den Feiertag zů brechen. Und uff einmal macht die Frau ein Kind, das het ein Hundskopff mit langen hangenden Oren und mit einem grosen Maul. Die Frawen, die bei ir waren, die erschracken und wurden der Sach eins, man solt es in ein Sack thůn und solt es vergraben. Und da das Kind vergraben was, da kam der Ritter von dem Gejägs und sahe wol, das die Frau genesen was. Die Frawen wolten es im [233] ußreden und sprachen, es wer ir mißlungen, er solt rüwig sein. Der Ritter zohe sein Schwert uß und stůnd über sie und sprach, sie solt im sagen, wa das Kind wer. Die Frau hieß das Kind wider ußgraben, und man bracht es im. Da der Ritter das Kind sahe, da erschrack er fast übel. Die Frau sprach zů im: ›Du unseliger Mensch, da offenbart dir Got dein Sünd durch das Zeichen, das du alle heilige Tag und Sontag also jagst.‹ Der Ritter bessert sich darab und thet es nit me und wirckt Penitentz und Büß.

An dis Exempel stossen sich andere!

391. Der Meder fand ein Guldin
Von Schimpff das 391.

Der Meder fand ein Guldin.


In dem Tütschen Land ist es geschehen, da het ein Ritter gar ein grose Matten, das er vil Meder het uff ein Feiertag. Da man Feierabent in allen Dörffern neben umbher lütet, da was einer under inen, der sprach zů den andern Medern: ›Lieben Gesellen, man lüt Feierabent; es ist morgen ein hochzeitlich Fest, und lassen unß zů der Vesper gon! Übermorgen ist auch gůt wercken.‹ Sein Gesellen spotteten sein. Er hanckt sein Segessen an ein Baum und gieng in die Vesper. Die Meder meigten für sich und liessen disem sein Teil ston; und da das Hochzeit vergieng, da giengen die Meder wider an ir Werck. Diser Meder gieng wider an sein Teil, das im seine Gesellen hetten lassen ston, und meyet weit hernach, und waren sein Gesellen weit vor im und spotteten sein und schruwen: ›Naher, naher!‹ Er schwig stil und leid es mit Gedult. Und da er also hernach meiet, da fand er ein guldinen Pfennig, der was als groß als ein Deller, und hůb in uff und besahe in und fieng an zů schreien vor Fröden und knüwet nider und danckt Got dem Herren. Die Meder und der Ritter lieffen zů im und besahen das Kleinet. Der Her laß die Obergeschrifft, und stůnd also in tütscher Sprach daruff geschriben, und ist in dem Latin also vil gesagt:


Manus Dei me compegit

Et in donum me redegit

Pauperi, qui non infregit

Diem festo celebrem.


Der Ritter trüg den guldin Pfennig mit im heim und zögt in seiner Hußfrawen. Die Frau wolt den Guldin haben und gab im als vil darumb, als ein Marck Golds wert ist; und ward darnach manchem Menschen gezögt.

47. Von Liegen

392. Papirius sagt, man solt einem Man noch ein Frau geben
Von Schimpff das 392.

Papirius sagt, man solt einem Man noch ein Frau geben.


Zů Rom was ein Gewonheit, das man die Burgerskind von 9 oder 10 Jaren ließ in den Rat gon, das sie lerten von Jugent uff, und saß jeglicher neben seinem Vatter. Uff ein Tag hetten die Römer lenger Rat, dan Gewonheit was, das eins Herren Frau übel verlangt, wan der Her kem zů dem Imbiß, und het gern gewißt, was sie doch so lang handelten. Nun het sie ein Sun, der hieß Papirius, der was lang mit dem Vatter in dem Rat gewesen. Die Můter macht ein Růten und wolt dem Knaben abtröwen, er solt ir sagen, was sie in dem Rat so lang gehandlet hetten. Der Knab wolt es lang nit sagen, und zů dem letsten sprach er: ›Sie sein des Willens einem Man noch ein Frawen zů geben; so sein andere in dem Rat, die meinen, man solt einer Frawen noch ein Man geben, und wissen nit, welchs das Best ist. Ob der Sach sein sie so lang gesessen.‹ Die gůt Frau gieng zů einer andern Frawen und sagt ir das, und kam so weit, das ir bei zweihundert uff das Rathuß kamen, und thet ein Frau das Wort, und sagten, es wer besser, man geb einer Frawen noch ein Man und das ein Frau zwen Man het, dan das ein Man zwo Frawen het. Die Herren fiengen an zů lachen und wüßten nit, wa das herkem, und liessen ein Frag umbgon, ob keiner wüßt, waher die seltzame Frag kem; es wust keiner nichtz darumb. Da fieng der Knab Papirius an zů weinen und sagt, wie in sein Můter het wöllen zwingen zů sagen uß dem Rat und wie er die hoflich Lügin erdacht het. Und also ward da geordnet, das kein Knab me solt in den Rat gon dan der Papirius.

393. Ein Lügner sol nichtz
Von Schimpff das 393.

Ein Lügner sol nichtz.


Es was ein Burger, der het seinen Sun einem Schůlmeister befolhen, der solt in Kunst, Sit und Geberd leren. Nach einem Jar oder zweien kam der Vatter in dieselb Stat und fragt den Schůlmeister, wie sich sein Sun hielt. Der Schůlmeister sprach: ›Wol.‹ Der Vatter sprach: ›Spilt er auch?‹ Der Schůlmeister sprach: ›Ja.‹ Der Vater sprach: ›Es schat nüt, es würt im wol abgon‹, und sprach: ›Ist er auch ein Hůrer?‹ Der Schůlmeister sprach: ›Ja.‹ Der Vatter sprach: ›Es schat nichtz; nach vil Lastern würt etwas Gütz uß im‹, und sprach: ›Ist er auch ein Lügner?‹ Der Schůlmeister [235] sprach: ›Alles, das er sagt, das ist erlogen.‹ Der Vatter sprach: ›Nun hab ich kein Hoffnung me, das etwas Gůtz uß im werd.‹

Wan je elter einer würt, je me das Laster Liegen zůnimpt, und sunst alle Laster nemen ab; darumb ist Liegen ein unerlich Ding. Was hat ein Mensch mer dan den Glauben! Wan er den verlürt, so ist er nichtz me. Es ist ein Sprichwort: Wer gern lügt, der stilt auch gern. Man spricht: Bůlen, Liegen und Stelen hangen an einander. Es spricht mancher: Es ist nit war; wan es ist ein böß Mensch, das alle böse Ding an im hat.

394. Zwen Kauffman warden reich
Von Ernst das 394.

Zwen Kauffman warden reich.


Es warent zwen Kauffman zů Köln, die beichteten einem Priester, wie sie nüt on Liegen möchten kauffen und verkauffen. Der Priester sprach: ›Das ist nit war. Versůchen es ein Jar, bieten ein Ding, wie ir es geben wöllen, und geben es nit anders! Aber ir müsen euch ein Jar leiden. Wan dan euwer Kauflüt und Kunden von euch schlahen und anderswahin lauffen und kauffen und lang kerben, so sprechen sie dan: Umb den Pfennig hettestu es auch umb den Kauffman kaufft, und wer eben als gůt, als das ist, und villeicht besser, und kumen dan die Kunden alle wider und bringen sunst auch vil Kauflüt mit inen.‹ Sie sprachen: ›Wir wöllen es versůchen.‹ Und wie der Priester inen gesagt het, also gieng es inen. Und da das Jar herumbkam, da kamen sie zů dem Priester und danckten im der gůten Ler und bliben daruff und wurden reich on Liegen.

48. Von heimlichen Dingen und die heimlich behalten

395. Eim Ritter flogen 50 Rappen uß dem Leib
Von Schimpff das 395.

Eim Ritter flogen 50 Rappen uß dem Leib.


Uf einmal was ein Ritter, der het ein Frau, die het gern gewüßt, was man in dem Rat handlet. Der Ritter wolt es ir nit sagen und sprach: ›Ir Weiber mögen nit schweigen.‹ Die Frau sprach: ›Wir Frawen mögen baß schweigen dan ir Man.‹ Der Ritter wolt sie uff einmal versůchen und klagt sich, wie im der Buch so we thet. Die Frau sprach: ›Gon uff das Hüßlin, so würt euch baß.‹ Der Ritter thet es, und da er widerkam, da sprach er: ›O Frau, ich het euch etwas Heimlichs zů sagen, wan ir es bei [236] euch wöllen lassen bleiben.‹ Die Frau sprach: ›Ja.‹ Der Ritter sprach: ›Mir ist eine schwartze Krey uß dem Buch geflogen; darumb ist mir so we gewesen.‹ Sie sprach: ›Her, sein fro, das euch baß ist worden!‹ Und da es Tag ward, da gieng sie zů irer Nachbürin und sagt ir, wie irem Herren zwen schwartze Rappen uß dem Leib weren geflogen, und verbot es ir hoch, sie solt es niemans sagen. Ir Nachbürin sagt es andern Lüten und sprach, im weren drei Rappen uß dem Leib geflogen, und gieng das durch die gantze Stat uß; biß das ir 50 Rappen wurden. Ein anderer Lerer spricht, es seien Eyer gewesen.

Wan einer wil, das man ein Ding nit weiter von im sag, der behalt es im selber. Wie kan der ein Ding von dir verschweigen, so du es selber nit magst von dir selbs verschweigen! Es was also ein Entschuldigung eins Abenthürers.

396. Der verkauft den Rock der Stat
Von Schimpff das 396.

Der verkauft den Rock der Stat.


Es was ein Statt, die het einem Sprecher ein Rock geben von irer Farb. Und gleich morgens da kam den Herren für, wie diser den Rock het verkaufft, verspilt und versoffen. Die Herren namen es für ein Schand uff und fragten den Sprecher, warumb er den Rock nit het behalten. Der Sprecher sprach: ›Ir lieben Herren, wie wolt ich den Rock behalten haben! Ir haben in doch nit mögen behalten.‹ Die Herren sprachen: ›Du sagest war.‹

Also behalt dir auch selber, was du nit wilt, das man weiter von dir sag! Es sagt auch nieman ein Ding nach, als er es gehört hat; man lügt alwegen me darzů, als der Poet sagt: (Fama semper crescit eundo.)

397. Mido Rex het Eselsoren
Von Schimpff das 397.

Mido Rex het Eselsoren.


Wir lesen in fabulis poetarum, wie da was ein Künig, der hieß Mido, dem waren Eselsoren gewachsen; darumb trůg er alwegen ein Kapen an dem Hals, das er es decken möcht. Der Künig het ein getrüwen Diener, dem sagt er es, und verbot im hoch und theür, das er es niemans sagen solt; dan es wer einem Kůnig gar eine grose Schand, das er Eselsoren het. Der Diener het die allergröste Anfechtung, das zů sagen, und verschweig es wol acht Tag und wolt es nit lenger verschweigen und gieng in [237] ein Wald und macht eine grose Grůb in das Erdtreich und legt sich mit dem Bauch nider uff das Ertreich und stieß den Kopff in die Grůb und schrei also zweimal in die Grub: ›Mein Her der Künig hat zwei Eselsoren. Mein Her der Künig hat zwei Eselsoren.‹ Darnach warff der Diener die Grůb widerumb zů und gieng widerumb heim; da kam in die Anfechtung nit me an. Und an demselben Ort, da die Grůb was gewesen, da wüchsen vil Ror. Da kamen die Roßbůben und die Hirten dar und machten Pfeifen uß den Roren und kunten nichtz anders damit pfeifen und gaben kein andern Thon dan also: ›Der Künig Mido hat zwei Eselsoren.‹

Das ist wider die, die von inen selber nichtz Böß mögen verschweigen. Es ist auch wider die, und ist fast Frawenteding, wan inen etwas an dem Hertzen ligt und sie es einem nur mögen gnůg klagen, so ist es inen von dem Hertzen. Das seind unfolkumne Menschen, sie mögen nit in sich selbs jeren. Ein jeglicher Wein, der in sich selber jert, der ist besser dan der oben zů dem Faß ußwůrfft. Sie sein gleich einem Faß mit nüwem Wein, das man fürt; dem můß man ein Lufftlöchlin lassen, und wan man es nit thet, so dörfft dem Faß wol der Boden ußfaren. Also sie meinen, solten sie nit klagen, so möcht inen ir Hertz zerspringen.

398. Beginen wolten ynen selber beichten, Pfeiffholderen
Von Schimpff das 398.

Beginen wolten ynen selber beichten, Pfeiffholderen.


Man sagt, wie einmal eine grose Zal Beginen bei einander waren, und kamen in die Hoffart, das sie einander wolten Beicht hören und nit ein Priester. Und erwölten zwo und schickten sie zů dem Babst, semliche Gnad zů erwerben, das sy einander möchten Beicht hören. Der Babst wolt sie versůchen, ob sie es auch verschwygen möchten, und thet ein Föglin in ein Büchs und gab es inen und ein Brieff, da was nichtz in geschriben, und solten es irer Meisterin bringen. Sie waren fro, und da sie uff das Feld kamen, da verwundert sie, was in dem Büchßlin wer, und thetten das Büchßlin uff, da flog das Föglin darvon. Sie kamen zů dem Babst und begerten, er solt inen ein ander Föglin geben, das wer inen empflogen. Also wüsch er inen den Beltz und sprach, wan man inen beichten würd, und wan sie über einander zornig würden, so würden sie die Büchs uffthůn, das ist, sie würden es sagen und würden das Föglin heruß lassen fliegen.

49. Von Frid und Einikeit

399. Der Mund und die Glider warden mit einander uneins
Von Ernst das 399.

Der Mund und die Glider warden mit einander uneins.


Uf einmal was ein Uneinikeit zwüschen dem Magen, dem Mund und allen andern Glidern, das der Mund und der Magen alle Speiß empfiengen. Das verdroß die andern Glider, und wolten inen kein Speiß me geben. Da sie das etlich Tag getheten, da namen alle Glider ab und wurden schwach. Da erkanten sie erst ir Irrung und gaben inen widerumb Speiß; da ward ir Sach auch besser.

Also sein wir alle Glider under einander, und allermeist in den Klöstern. Da entstodt etwan ein Unfriden zwischen dem Prior und dem Convent, und gedenckt mancher in dem Convent: ›Ich wil nit mer so vil Fleiß und Ernst haben und Arbeit, Gůt zů gewinnen; und was du gewinest, das verschlempt der Keller, der Prior und der Schaffner; und wan du inen dan nichtz gibst, so künnen sie dan dir auch nichtz geben. Sunst wan du inen gibst und gewinst, so geben sie dir widerumb, als der Magen den andern Glidern gibt, und sein in gůtem Friden.‹

400. Zwen Hund döteten einen Wolff, warden mit einander eins
Von Schimpff das 400.

Zwen Hund döteten einen Wolff, warden mit einander eins.


Es was ein Ritter, der het zwen Jaghund, die waren im lieb, und het vil Fröd von inen. Aber sie hetten die Art, wan sie zůsamen gebunden waren und gefeßlet, so waren sie so wol eins mit einander, aber sobald man sie ufflöset und ledig waren, so wolten sie einander selber zerzerren und hetten das Gewild nit angesehen. Da riet man im, das er sie also solt eins machen. Er solt ein Wolff nemen und solt ein Hund allein an in lassen, mit im zů fechten, und wan der Hund schier erlegen wer und gantz müd wer, so solt er den andern Hund auch an den Wolff lassen, das er seinem Gesellen zů Hilff kem, so würden sie eins mit einander. Der Ritter thet im also, und die zwen Hund doten den Wolff und waren darnach eins mit einander, sie waren ledig oder gebunden.

Also solten wir auch Frid haben mit einander wider den hellischen Lewen und Hund, der stetz umblaufft und lůgt, wie er unß zerreissen mög, als Sanctus Petrus spricht, und besunder in der Ee. Und wan ir gleichwol eins sein [239] mit einander, so finden ir dannocht wol Lüt, die euch zertrennen und Uneinigkeit zwischen zwischen euch beiden machen mit irem Schwetzen und Klappern.

401. Der Hertzog macht zwen Burger eins durch Har ußrauffen
Von Schimpff das 401.

Der Hertzog macht zwen Burger eins durch Har ußrauffen.


Der Hertzog von Meilant hort sagen von zweien Burgern in der Stat, die waren ein lang Zeit mit einander in dem Rechten gelegen, und kunt sie nieman richten. Der Hertzog sprach: ›Ich wil sie richten und eins machen‹, und schickt nach inen. Und da sie nun waren kumen, da sprach der Hertzog zů dem einen Burger: ›Kum her zů mir und züch mir ein grau Har uß.‹ Er thet es. Darnach sprach der Hertzog zů dem andern Burger: ›Kum her und züch mir ein schwartz Har uß.‹ Er thet es auch. Und da der Hertzog beid Har in seiner Hand het, da sprach er: ›Mir hat das grau Har eben als we gethon, da mir es der hat ußgezogen, als das schwartz. Und also hab auch ich gleich als grosen Schmerzen von der Burger Unfrid als von irem Leiden. Darumb so lieb euch euwer Leben ist, so haben Frid mit einander!‹ Und můsten einander da vor im die Hend bieten und verzeihen.

Das was ein rechter Her. Jetz laßt man die Burger einander verderben.

402. Zu Zürch warden zwen eins
Von Schimpff das 402.

Zů Zürch warden zwen eins.


Als ich hab gehöret sagen, so waren zwen Burger zů Zürch, die lagen mit einander in dem Rechten und triben grosen Kosten uff einander, das sie einander schier verterbt hetten. Uff einmal sprach der ein zů seinem Sun: ›Leg dein Harnisch an, so wil ich mich auch anlegen, und nem deinen Hellenbart uff dein Achsel, so wil ich mein auch nemen!‹ Und giengen mit einander an des andern Huß, ires Widerpartz und klopfften an. Ir Widerpart sahe zů dem Fenster uß und sahe, das sein Feint mit seinem Sun da was, und sprach zů seinem Knecht: ›Kum, wir wöllen unß auch anlegen!‹ Und nam jeglicher auch ein Hellenbart, und giengen hinab in das Huß und stůnden die fier da gegen einander. Da sprach der, des das Huß was: ›Was bedüt es, das du also zů mir kumest?‹ Diser sprach: ›Ich kum in allem Gůtem her. Wir hangen mit einander in dem Rechten und haben einander schier verderbt; und wan wir einander gar verderbten, so spottet man unser, und [240] ist in der gantzen Eidgenoschafft nieman, der das Best zů unsern Sachen ret. Damit das wir gericht würden, laß unß ein Glocken giessen, die man weit mag hören lüten! Du hast ein Dochter, so hab ich da ein Sun. Laß unß die zůsamengeben und ein Ee machen, und verzeihe mir, so wil ich dir auch verzeihen, und laß unß gůte Fründ mit einander sein!‹ Sein Widerpart antwurt und sprach: ›Bei meinem Eid, du sagst recht; es ist mir lieb.‹ Und berůfft die Dochter und hielt ir die Sach für und fragt sie, ob es ir lieb wer. Sie sprach: ›Ja.‹ Also ward der Handschlag verbracht. Da fiengen sie an zů kochen in beiden Hüsern und legten sich hochzeitlichen an, und assen und truncken und dantzten und lůden ander Herren darzů und waren gůter Ding mit einander. Da verwundert sich jederman der Verwandlung, und lebten in Weißheit mit einander. Das waren recht Lüt.

403. Zwo Geiß giengen uff einander
Von Schimpff das 403.

Zwo Geiß giengen uff einander.


Wan es sich begibet, das zwo Geissen einander begegnen uff einem engen Steg, der über ein dieff Wasser gat, wie halten sie sich? Sie künnen nit wider hinder sich gon, so mögen sie nit neben einander anhin gon, der Steg ist zů schmal; und solten sie dan einander stossen, so möchten sie beid in das Wasser fallen und möchten beid ertrincken. Wie thůn sie dan? Die Natur hat inen geben, das sich die ein niderlegt und laßt die andere über sich ußhingon.

Also solt ein Mensch uff im lassen gon, ee er zanckt und kriegt mit den andern.

50. Von den gemeinen Metzen

404. Der wolt ein heßlich Thier dem Tüfel schencken
Von Schimpff das 404.

Der wolt ein heßlich Thier dem Tüfel schencken.


Es was ein gůt Gesel, der het ein Metzen, mit deren hielt er Huß, die was heßlich und ungeschaffen. Man sprach etwan offt zů im: ›Was wiltu des heßlichen Thiers? Wan ich etwas wolt haben, so wolt ich etwas Hübschs haben.‹ So gab er alwegen Antwurt: ›Ich můß doch dem Tüffel etwas zů einem gůten Jar schicken; es ist eben als gůt, ich schick im etwas Heßlichs, als etwas Hübschs.‹ Und ließ sie im.

405. Ein Metzen kunt niemans ufflupfen
[241] Von Schimpff das 405.

Ein Metzen kunt niemans ufflupfen.


Uf einmal was ein Metze gestorben, die was also schwer, das sie niemans erlüpffen mocht, das sie vergraben würd. Da was einer, der sprach: ›Es ist in etlichen Landen gewonlich, das ein Handwerck das ander zů Grab tregt. Sůchen ander Metzen! Es schat nichtz, das sie Eefrawen sein.‹ Also bestalten sie fier Metzen, die hůben sie uff wie ein Federlin.

Da oben von einem Wůchrer ist deßgleichen Exempel (c. 190).

406. Alle Gaben sein nichtz gegen der Held
Von Schimpff das 406.

Alle Gaben sein nichtz gegen der Held.


Es was einer, der hielt mit einer Metzen Huß, die was fast hübsch und machet sich noch hübscher mit Kleidern. Und ir Bůl macht ir mancherlei Kleinetter; und alsbald er eins bezalt, so wolt sie ein anders haben. Und es geriet in in dem Seckel zů schmirtzen, und er sprach uff einmal zů ir: ›Meitlin, du wilt mich verderben.‹ Sie sprach: ›Ja, lieber Her, es ist noch nichtz zů rechnen gegen der ewigen Verdampnis, die ich umb euwert willen leiden můß.‹

407. Einer sach nit, das sie nur ein Aug het
Von Schimpff das 407.

Einer sach nit, das sie nur ein Aug het.


Uf einmal was ein Kauffman, der het ein Metzen, die het nur ein Aug, und er was ir so holt, das er nichtz thůn kunt. Sein Fründ schickten in hinweg und verdinckten in in ein ander Stat, damit das er der Metzen vergeß und ir ledig würt. Er kam in drei oder fier Jaren wider heim, da begegnet im die Metz uff der Gassen, und sprach zů ir: ›Sihe, dieweil ich uß bin gewesen, so hastu ein Aug verloren.‹ Sie sprach: ›Nein, lieber Hans, ich hab kein Aug verloren; aber du hast Augen funden.‹ Er het vorhin nie gesehen, das sie nur ein Aug het; also verblent was er gewesen.

Franciscus Petrarcha spricht: (Omnis amans cecus). Ein jeglicher Liebhaber ist blind; wan er nit sicht, das er sehen solt.

408. Drei Frawen streichen ein Kupplerin
[242] Von Ernst das 408.

Drei Frawen streichen ein Kupplerin.


Es was ein Zimerman, der het ein junge hübsche frume Frawen. Da was ein reicher Man, ein Witling, der begert ir unordenlich, und da wolt er sich kein Gelt lassen duren und bestalt ein alt Weib und verhieß ir vil Geltz und gab ir ein bar Guldin uff die Sach, sie solt sie im kuplen. Das alt Weib kam zů ir und sagt, sie wer ir Bäßlin, und wie sie ein Mitleiden mit ir het, das sie so arm wer, und es wer ein reicher Man, der begert ir, der het sie lieb und würd ir Kleider machen und kauffen, was sie wolt. Sie sprach: ›Was ich mit Eren möcht haben, das nem ich an.‹ Das alt Weib sprach: ›Nun bistu mir aber lieber dan vor, so du so frum bist.‹

Es was ein angelegte Sach mit dem reichen Man, und uff einmal gieng das alt Weib und die jung Frau mit einander in die Vesper, und da sie für des reichen Mans Thür kamen, da gieng die Thür uff, da stieß das alt Weib die jung Frawe hinyn. Man empfieng sie wol, der Disch was bereit, sie sassen nider. Die jung Frau sahe wol, das sie verkaufft was, und gedacht, wie sie mit Eren wider hinweg möcht kumen, und neigt sich zů dem alten Weib und sprach: ›Liebs Bäßlin, mir ist hinnacht zůgefallen, das inen gemeinlich zůfelt. Ich gelob und verheiß dir, das ich biß Sontag mit dir wider heryn wil gon.‹ Es gefiel dem reichen Man wol und dem alten Weib.

Die jung Frau gedacht, wie sie das alt Weib wider bezalt, und bestalt drei frume Frawen zů ir mit gůten Růten und verbarg sie in ein Kamer. Da nun das alt Weib kam und wolt mit der jungen Frawen aber zů der Kirchen gon, die jung Frau sprach: ›Bäßlin, kum mit mir in die Kamer und hilff mir, das ich mich anleg!‹ Und da sie sie in die Kamer bracht, da wusten die drei Frawen herfür und zogen sie nackent uß und schlůgen sie mit den Růten, das sie blůt. Da sie meinten, es wer gnůg, da theten sie die Thür uff; da lieff das alt Weib nackent darvon, und lieffen ir die fier Frawen nach mit den Růten. Und überkam dy Zimermennin davon me Lob, dan sie Nutz von dem reichen Man het mögen überkumen. Das was ein frume Frau.

51. Von den Malern

409. Bauren wolten ein lebendigen Got haben
Von Schimpff das 409.

Bauren wolten ein lebendigen Got haben.


Uf einmal kamen drei Buren zů einem Maler und hetten gern ein Crucifix, ein Got an dem Crütz uff dem Kirchoff gehebt. Und da er verdingt was wol für 16 Guldin, da sprach der Maler: ›Wöllen ir ein lebendigen oder einen dotten Got haben?‹ Sie sprachen: ›Wir wöllen zů Rat werden‹, und tratten neben ab. Und da der Rat uß was, da sprach einer: ›Lieber Meister, wir wöllen ein lebendigen Got haben. Gefelt er den Buren nit, so kůnnen wir in selber wol zů Dot schlagen.‹

410. Malen umb die Meisterschafft
Von Schimpff das 410.

Malen umb die Meisterschafft.


Es hetten uff einmal zwen Meister einander ußgebotten, zů malen umb die Meisterschafft. Der ein malt ein Roßmerhen, und da sie ußgemacht was, da ließ er ein reisigen Hengst darzůfüren, und da das Pferd die gemalt Merhen sahe, da fieng es an zů schreien und zů springen, das sich alle Herren, die darbei waren, darab verwunderten an dem meisterlichen Stück. Sie giengen in des andern Meisters Huß, der fürt sie in ein Sal, da stůnden vil hübscher Bett in. Der ander Meister sprach: ›Meister, wa ist euwer Malery, die ir gemalt haben?‹ Er sprach: ›Ziehen dort den Umbhang hinder sich, so finden ir es.‹ Da der Meister darnach greiff, da was es kein Umbhang, er was dar gemalt. Nun raten, welcher es gewunnen hab!

411. Ein Maler satzt eim Heiligen ein Fliegen an die Stirn
Von Schimpff das 411.

Ein Maler satzt eim Heiligen ein Fliegen an die Stirn.


Uf einmal was ein kostlicher Meister in einer Stat, des Namen weit ußgieng. Da was ein anderer Meister weit von im in einer andern Stat, der was auch ein beriempter Meister, der het Lust, den andern Meister zů sehen, wie er doch ein Man von Person wer, auch sein Arbeit zu sehen, und zohe im nach und fand in arbeiten in dem Münster daselbst, und malet den engelischen Grůß kostlich von Olfarben. Der ander Meister grüßt in und ret mit im und gab sich nit zů erkennen. Der Meister gieng heim und wolt zů Imbiß [244] essen. Da steig der ander Meister uff das Gerüst und malt dem Engel Gabriel ein Fliegen an sein Stirnen und gieng hinweg. Und da der Meister widerkam von dem Essen und wolt arbeiten, so sicht er die Fliegen und weiet mit der Hand und wolt sie hinwegtreiben; aber sie wolt nit hinweg. Da sahe er, das sie dar gemalt was; da sprach er: ›Hie ist ein Meister gewesen.‹ Und gedacht, es wer der, der bei im wer gestanden, und ließ in sůchen. Aber er ward nit funden.

412. Einer malet hübsche Kind
Von Schimpff das 412.

Einer malet hübsche Kind.


Uf einmal was ein Maler, der malt die allerhübschesten Jesuskneblin, das sich jederman darab verwundert. Aber sein Hußfrau macht im so ungeschaffen Kind; eins het ein groß Mul, das ander was schwartz, das drit schilhet etc. Und wan man in fragt, wie es kem, das er so hübsche Kindlin malt, und sein Hußfrau so ungeschafne Kind mächt, so sprach er: ›Die hübschen Kind mach ich in dem Tag, und die andern mach ich in der Nacht.‹ (De mane pingo, de nocte fingo.)

413. Samalio Pardulus
Von Ernst das 413.

Samalio Pardulus.


Samalio Pardulus ist ein Monster, laufft in dem Wald, sol ein halb Roß und ein halb Mensch sein mit Hörnern, und würt im zůgelegt, wie er gar ein kostlicher Maler sei gewesen. Und wan er Cristum den Herren malen solt, so malt er in als ungeschaffen, als er kunt, das er me einem Tüfel gleich sahe dan Got dem Herren, das vil Menschen davon geergert wurden und sprachen: ›Sollen wir den als Got anbetten, der weder Form noch Gestalt hat eins Menschen?‹ Das verdroß Got den Herren, und erschein im uff einmal und sprach zů im: ›Warumb malestu mich also ungeschaffen, so ich doch der hübschest bin über alle Menschen, und die Engel begeren mein Angesicht anzůschawen?‹ Der Maler sprach: ›Ich thů es dir zů Leid, das du mich also ungeschaffen geschöpfft hast; und künt ich dir Leiders thůn, so wolt ich es dir auch thůn.‹ Also kart im Cristus das Gerist umb, da er uff malt, und fiel zů Dot, und sprach Cristus: (Talem perpetrat vindictam, qui per ipsum perdit vitam.)

Diser Maler und Leopardulus was wol gemacht von Got in seiner Ley, wan Got hat alle Ding wol gemacht; er wolt sich aber nit lassen beniegen, er [245] het gern ein ander Gestalt gehebt, als vil Frawen, die wolten lieber Man sein und hübscher sein, dan sie Got gemacht hat. Darumb sie sich etwan stoltz zieren mit Kleidern und sich etwan in das Angesicht pfetzen, das sie rote Bäcklin überkumen, und sich etwan malen und ein Färblin anstreichen, das heißt in das Büchßlin geblosen, als ich von einer gelesen hab.

414. Der Maler machet einer ein andere Farb under dem Antlit
Von Schimpff das 414.

Der Maler machet einer ein andere Farb under dem Antlit.


Es was ein Bulerin, ein Eefrau, die het ein rot uffzügig Angesicht. Des beschampt sie sich und kam zů einem Scherer, der kunt vil Kunst. Sie sprach: ›Meister, nemen da den Guldin und machen mir ein ander Farb in dem Angesicht!‹ Er nam den Guldin und sprach: ›Ja‹ und gab ir ein Etzwasser. Das streich sie an und etzt Hut und Har hinweg, das sie sahe, als wer sie geschunden. Die Frau nam den Meister mit Recht für und klagt uff in, wie er sie verderbt het, als sie wol sehen. Er sprach: ›Lieben Herren, sie hat mir ein Guldin geben, ich sol ir ein ander Farb machen. Ich bezüg mich mit euch allen, das ich den Guldin wol verdient hab.‹ Also spottet jederman ir, das het sie zů dem Schaden.

Es ist ein Sprichwort: (Quod poetis et pictoribus est eadem mentiendi potestas). Die Maler und die Poeten haben gleich Gewalt zů liegen. Die Maler achten keiner Warheit in dem Malen, allein das es wol stand. Die Poeten achten auch keiner Warheit, allein das man sehe, das sie auch Latin künnen reden. Die Poeten erheben einen biß an den Himel seiner Tugent halb, und ist offenbar, das er ein Bůb ist; allein zögen sie ir Kunst in dem Latinreden. Also die Maler auch, wan sie Sant Katharinen oder Sant Margareten sollen malen, so malen sie es so weltlich und mit ußgeschnitnen Kleidern, wie man dan zů derselben Zeit gat. Es solt kein Altar sein, es solt ein Crucifix daruff ston; so ist kein Altar, es stot ein gemützt Bild darauff. Was Andachtz sol ein junger Priester darvon haben, der on das hungerig ist, wan er Meß lißt und semlich gemützt Bild vor im sicht ston! Ja, sprechen sie, es stot wol. Es stot bübisch und solt nit sein, was die Natur deckt, das solt der Mensch auch billich leren decken.

52. Von den Kleidern

415. Einer schlug den Herren
Von Schimpff das 415.

Einer schlůg den Herren.


Franciscus Petrarcha schrybt von einem Edelman, der het ein Schlößlin in ebnem Feld neben der Straß, der was ein groser Almůßner und beherbergt die Bilgerin, die da fürgiengen, und dient inen selber zů Tisch. Uff einmal het er gejagt und het ein arms grau Röcklin an, als man dan hat, so man jagt, und kam von dem Gejägs in die Stuben, da die Pilgerin yn sassen. Da was einer, der zanckt mit einem andern. Der Juncker in dem Jagröcklin strafft in darumb, er solt Frid haben in einem fremden Huß. Der Betler zuckt die Fust und schlůg in in sein Angesicht und meint, er wer etwan ein Karrenknecht in dem ellenden Röcklin. Und da man essen solt, da kam der Edelman und het sich adelich angelegt in einer seidinen Schuben und het ein guldin Kethen an dem Hals, und trůg zů essen an. Da sahe der Betler erst, wen er geschlagen het, und stůnd von dem Tisch uff und knüwet für in nider und bat in, er solt im verzeihen der Unzucht, die er im erzögt het, das er in geschlagen het. Der Edelman sprach: ›Brůder, dir wil ich gern verzeihen, aber dem, der es gemacht hat, dem wil ich nit verzeihen‹, und zögt uff sein Jägerröcklin, das hieng an der Wand. Er meint, het er die kostlichen Kleider angehebt, er het in nit geschlagen.

Darumb sol man nieman verachten umb der Kleidung willen. Wer weiß, was darunder steckt!

416. Einer küsset seine Kleider, sie heten im fürgeholffen
Von Schimpff das 416.

Einer küsset seine Kleider, sie heten im fürgeholffen.


Uf einmal kam ein weiser Man, ein Redner zů einem Burgermeister mit einem armen Man. Der kostlich Redner het schlechte Kleider an und klopfft an. Da lůgt des Burgermeisters Knecht oben zů dem Fenster uß, wer da wer, und sprach: ›Es ist einer da, der hat ein schlechten Rock an.‹ Der Burgermeister sprach zů dem Knecht: ›Sprich, ich hab jetz zů schaffen, ich kün in jetz nit hören.‹ Der Redner gieng heim und legt sein feiertägigen Kleider an und kam herlich widerumb und klopfft wider an. Der Knecht lůgt bald zů dem Fenster und lieff bald zů dem Herren und sprach: ›Her, es ist ein Her, der hat ein damastine Schuben an und hat ein rot Baret uff.‹ [247] Der Burgermeister sprach: ›Lauff bald und thů uff!‹ Da er für den Herren kam und ee er in grüßt, da küßt der Redner seinen Rock und die Ermel on Underlaß. Der Burgermeister verwundert sich, das ein weiß Man also thörlich thet, wan er in wol kant, und sprach: ›Was bedüt es, das ir euwern Rock also kůssen?‹ Er antwurt: ›Der Rock hat mir geholffen, das ich fürkumen bin; darumb ist er mir lieb. Ich bin vor auch hie gewesen an der Thür in einem schlechten Rock, da wolt man mich nit ynlassen; aber jetz hat man mich yngelassen.‹ Darnach wolt der Burgermeister nieman me verachten umb der Kleidung willen.

417. Donatus war Padue verachtet
Von Schimpff das 417.

Donatus war Padue verachtet.


Franciscus Petrarcha schreibt von einem kostlichen Redner zů latin und zů welsch zů Padua, des Lob gieng durch gantz Italien, er hieß mit Namen Donatus. Und es was zů Padua ein nüwer Schultheiß worden oder ein Potestat. Und uff einmal saß der nüw Richter zů Gericht, da kam ein armer Burger zů dem Donato und bat in, er wolt mit im gon für den nüwen Richter und im sein Wort thůn. Donatus legt ein schlecht Röcklin an, als wer er ein Bachant, und kam für den Richter und fieng an ein einfaltige Red zů thůn in Welsch dem armen Man. Der Richter fiel im daryn und sprach zů im: ›Kanstu auch Latin?‹ Er sprach: ›Ja, ein wenig.‹ Der Richter sprach: ›Du magst wol Latin reden; ich verstand es wol.‹ Und da fieng Donatus an so kostlich Latin zů reden, das der Richter sich verwundert und fragt einen, der neben im stůnd, wer der wer, der da ret. Er antwurt und sprach: ›Es ist Donatus, der gelert Man.‹ Da erschrack der Richter; wan er kant den Namen wol, aber die Person nit. Da bat er in, das er im wolt verzeihen, das er in het veracht umb seiner Kleidung willen, und stůnd uff und gieng im entgegen und satzt in neben sich und hort in gnůg reden und gab im, was er begert.

418. Der Satler verachtet ein Edelman
Von Schimpff das 418.

Der Satler verachtet ein Edelman.


Doctor Felix Hemmerlin schreibt von einem Edelman, der kam mit seinem Knecht in einer Stat für eins Satlers Huß, da man in nit kant, und wolt ein nüwen Sattel kauffen, und het ein armen zwilchinen Kittel an wie ein Karrer. Und da er also mit dem Sattel umbgieng und in uff [248] das Pferd legt und lůgt, ob er im gerecht wer, und der Sattel gefiel im nit, er was nit kostlich gnůg. Der Satler flůcht im und sprach: ›Das dich der Rit schüt, alles Buren, wie sein ir so hoffertig!‹ und schalt in fast übel. Der Juncker lacht, und thet im wol, das er in nit kant. Des Junckers Knecht mocht nit me schweigen und sprach zů dem Satler: ›Wie retstu meinem Junckeren so schmelichen zů!‹ Der Satler sprach: ›Ist er dan ein Edelman?‹ Der Knecht sprach: ›Ja, er ist einer von dem Geschlecht N.‹ Da sprach der Satler zů dem Edelman, er solt im verzeihen, er het in für kein Edelman angesehen, und sprach: ›Ich wolt euch gern den Sattel schencken, das alle Edlen also bekleit müsten gon in unserm Land, das ein Underscheid wer zwischen den Buren und den Edellüten. Die Buren gon in seidinen und in damastinen Kleidern, so gon die Edellüt in zwilchinen Kitlen.‹

Also ist es noch, das man Er sůcht von Kleidern und von den Thierlinen und von seidinen Würmen, die wir von Tugenten sůchen solten. Es tregt etwan einer ein marderin Schuben an, ja da fornen; und da hinden ist sie mit Heumarder gefütert, das ist ein kostlich Fůter. Heumarder in meinem Land sein alte rüdige Schaf. Da fornen füchsin, da hinden von einem alten Beltz. Man kan den Adel jetz an den Cleidern nit mer kenen; dan der Küffer, Schreiner und Bürstenbinder etc. die tragen eben als köstliche gefütert Röck als der Adel, deßgleichen die Frawen tragen samattin, verbrömte Goller, das man auch nit Underscheid kan hon, weliche edel, Burgerin oder gemeine Metz sy.

419. Hoffart geschant ein Aff zu Paryß
Von Schimpff das 419.

Hoffart geschant ein Aff zů Paryß.


Zů Paryß was ein Frau, die het einer doten Frawen ir Har abgeschnitten, wan sie het gar ein hübsch Har, und flächt es in ir Har und ließ da vornen herfürgon, das man meint, sie het so hübsch Har, und treib also Hoffart mit. Uff einmal was gar ein groß Hochzeit oder Brutlauff, daruff was sie auch. Und da man zů der Kirchen wolt gon und eine grose Welt da was, da was ein Aff ledig worden und thet nieman nichtz dan der Frawen, der zohe ir iren Schleier ab und das abgeschnitten Har heruß. Da sahe man, das sie kein Har uff dem Kopff het.

O, kem der Aff jetz auch und zühe mancher Frawen ir Haub uff dem Kopff auch ab, so würd man sehen, wie in den grosen Köpffen etwan Baderhütlin stecken und Dotenhar. Wan man einer Frawen zů Bůß geb, sie solt Dotenhar in dem Seckel tragen, so thet sie es nit; aber umb ir Hoffart willen tragen sie [249] es uff dem Kopff. Die Weiber thůn wie ein Roßthüscher; wan ein Pferd kein Schwantz het, so binden sie im einen yn, der macht es dan keuffig. Und wan es der Kauffman dan heim bringt, so bleibt im der Schwantz in den Henden. Also die Frawen werffen ir Har in ein Laden, bis sie es wider bedörffen; das macht sie keuffig.

53. Von Früntschafft

420. Die Wolff in eim Land waren lieber dan die Hund in andren
Von Schimpff das 420.

Die Wolff in eim Land waren lieber dan die Hund in andren.


Der Künig von Engelland kam uff einmal in das Normandia, das ist im underworffen, und wolt da jagen. Und da er also jagt, da kamen des Künigs Hund ein Wolff an, die doch seltzam sein in den Landen; wan man laßt keinen darin bleiben. Da was ein Ritter da, der wert den Hunden und erlöst den Wolff, und der Wolff sprang wider darvon. Das kam dem Künig von Engelland für, und schickt nach dem Riter und fragt in, warumb er den Wolff erlößt het von den Hunden. Der Ritter sprach: ›Ich hab die Wölff in Normandia lieber dan die Hund in Engelland.‹

Also sein vil Menschen, die lieber Bůben und Schelck von irem Geschlecht oder in einer Stat haben, dan frume und erbere Menschen in einer andern Stat.

421. Der Bischoff wolt Fründ haben
Von Ernst das 421.

Der Bischoff wolt Fründ haben.


Uf einmal woltt man ein Bischof erwölen, und die Thůmherren kunten der Sach nit eins werden und kamen in ein semlichen Sententz, sie wolten drei Herren über ein Bruck schicken, und der erst Priester, der inen bekumen würd, derselbig solt Bischof sein. Da begegnet inen ein armer frumer Priester, und het kein Pfründen und laß etwan umb die Speiß Meß. Da er nun Bischoff was worden und das seine Fründ in derselben Stat gewar worden, da kamen sie zů im und wolten im Glücks winschen, und hofften sein noch wol zů geniessen. Und da sie nun zů im kamen, da thet der Bischoff eben, als kent er sie nit, und sprach: ›Wer sein ir?‹ Sie sprachen: ›Wir sein euwer Fründ; das ist euwer Brůder, das ist euwer Můter, das ist euwer Vatter‹ etc. Der Bischoff sprach: ›Wie alt sein ir?‹ Sie sagten es im. Der Bischoff sprach: ›So sein ir nit meine Fründ; ir müsten nit me dan über Nacht alt sein, wan ir meine Fründ wolten sein. Gestern was ich ein armer Priester, da het ich keine Fründ, die mir etwas Gůtz theten; hüt so bin ich ein Bischoff, so hab[250] ich vil Fründ. Ir sein nit mein Fründ. Was da ist, das ist der Kirchen, das sol ich der Kirchen behalten.‹

Es ist noch also, dieweil einer jung, reich und hübsch ist, so hat er vil Fründ; wan sich aber das Glück went, so wenden sich die Fründ auch. Und ein armer Schůler hat nieman, der im fürsetzt, das er studieren mög; und wan im Got und sein Geschicklicheit hilfft, das er reich würt, so wil jederman uß im essen.

422. Was der Ber dem in ein Or runet
Von Schimpff das 422.

Was der Ber dem in ein Or runet.


Uf einmal wolt einer durch ein Wald gon und dingt ein Buren in einem Dorff umb ein genant Gelt, das er in durch den Wald geleiten solt, ob etwan ein Ber oder ein Mörder an in kem, das er im hülff. Da sie nun also durch den Walt mit einander giengen, da bekam inen ein Ber. Da steig der gedinckt Knecht uff ein Baum. Da mocht der frembd Man dem Beren nit allein Widerstand thůn, und kam im in Sinn, das ein Ber einem doten Menschen nichtz thet, und legt sich nider uff das Ertreich uff den Buch und hielt den Athem yn. Da gieng der Ber umb in schmecken, ob er kein Athem hört, jetz zů den Oren, jetz zů der Nassen, und da der Ber kein Leben kunt spüren, da gieng er wider hinweg und meint, er wer dot. Und da der Ber hinweg kam, da steig der gedinckt Man wider von dem Baum herab, und stůnd der frembd Man auch uff, und giengen also mit einander zů dem Wald hinuß. Und der gedinckt Knecht sprach zů dem fremden Man: ›Lieber, was hat der Ber zů dir geredt, da er dir also in ein Or rumet?‹ Er antwurt: ›Der Ber hat gesprochen, ich sei ein Nar, das ich einem vertrüwet hab und Früntschafft zů im gesůcht, den ich nit ken.‹

Geistlich gat es noch also. Du hoffest in dein Fründ, sie sollen dir helffen, so der Ber, das ist der Dot, an dich kumt, der nieman übersicht. Aber wie man dir hilfft und Früntschafft zů dir hat, das sichstu in den Testamentarien wol, wie untrüw sie iren Fründen sein und denen, die inen etwas befolhen haben inen nachzůthůn.

423. Einer bracht sein grösten Feind
Von Schimpff das 423.

Einer bracht sein grösten Feind.


Es was einer, der het wider seinen Herren gethon, und es was ein seltzamer Abenthürer. Der Her schickt nach im und sprach zů im: ›Du bist einer grosen Straff wirdig; die wil ich dir ablassen und [251] dir ein herliche Schencke darzů geben, wan du die drü Ding thůst. Zů dem ersten soltu uff den Tag zů mir kumen halb geritten und halber zů Fůß gangen, und das du mit dir bringest dein grösten Feind und dein grösten Fründ, den du hast.‹ Der Abenthürer gedacht, wie er der Sach thet, und da der gesatzt Tag bald kam, da kam der Abenthürer zů seiner Frawen und bracht ein Sack, darin het er ein Kopff, Füß und Haut von einem Kalb gethon, und ließ die Frau in dem Sinn, es wer ein Mensch, das het er ermürt, und vergrůb es under die Stegen, das es die Frau sahe, und verbot ir, sie solt es niemans sagen; er vertrüwet ir als irem eignen Hertzen.

Da nun der gesetzt Tag kam, da wolt er die drü Ding beweren und nam sein Pferd, sein Hußfrau und sein Hund mit im. Und da er zů des Herren Hoff kam, da trat er mit dem rechten Fůß in den Stegreiff und hielt sich an den Zügel, und mit dem lincken Fůß gieng er; also was er halber gangen und halber geritten kumen. Der Her sprach: ›Du hast das erst wol bewert. Wa ist das ander?‹ Der Abenthürer gieng zu seiner Frawen und schlůg sie an ein Backen und sprach zů ir: ›Wie sihestu meinen Herren so schlembs an! Sihe in recht an!‹ Die Frau was gleich in dem Harnisch und saß gleich uff dem Esel und sprach zů dem Man: ›Du Mörder, můstu mich vor dem Herren schlagen?‹ Und sprach: ›Er hat ein Menschen ermůrt und hat in under die Steg vergraben.‹ Man grůb in uß und wolt lůgen, ob es war wer; da fand man ein Sack und schut in uß; da was es ein Kalb. Der Her sprach: ›Het sie Bösers gewüßt, so het sie es auch gesagt. Wa ist das drit?‹ Der Abenthürer zuckt sein Schwert uß und schlůg sein Hund mit der Fleche; da schrei der Hund. Der Abenthürer lockt dem Hund wider, da kam der Hund wider zů im wedlen, und was im gleich vergessen. Also het er sie alle drü bewert.

424. Einer leit ein Seckel mit Gelt dem anderen under das Küssin
Von Ernst das 424.

Einer leit ein Seckel mit Gelt dem anderen under das Küssin.


Es was einer, der het ein gůten Gesellen, den gieng Not an. Da legt derselb im ein Seckel mit Gelt under sein Küssin, damit das er nit wüßt, wer im geholffen het, das er nieman dörfft bitten.

Aber der Fründ sein jetz nit me. Es würd wohl ein eigen Bůch, solt man schreiben von trüwen und von untrüwen Frůnden.

54. Von den Hunden

425. Der Hund holet Fleisch an der Metzig
Von Schimpff das 425.

Der Hund holet Fleisch an der Metzig.


Es was ein Hund, den het man gewent an die Metzig zů gon, und man henckt im ein Körblin an den Hals, und man legt im das Gelt in das Körblin, und wan er under die Metzig kam, so gab man im Fleisch in das Körblin. Und wan im ein Hund bekam, so forcht er, derselb Hund würd im das Fleisch essen, und aß es selber. Wan im aber kein Hund bekam, so trůg er das Fleisch trüwlichen heim.

426. Im Wasser sach ein Hund ein Stück Fleisch
Von Schimpff das 426.

Im Wasser sach ein Hund ein Stück Fleisch.


Esopus schreibt von einem Hund, der gieng uff einmal über ein Steg und trůg ein Stück Fleisch in dem Maul. Da sahe er den Schatten von dem Fleisch in dem Wasser, und dunckt in, es wer gröser dan das er in dem Maul het, und ließ es fallen und wil das ander Stück erwüschen. Da verlor er sie beide; er wolt zů vil haben, da ward im zů wenig.

Also geschicht manchem Menschen, der zů vil wil und würt im zů wenig. Wir wöllen hie Fröd und Lust haben und dort auch ewige Fröd haben. Lůg aber zů, das du sie nit beide verlierest!

427. Denmarcker heten ein Hund zu eim Künig
Von Schimpff das 427.

Denmarcker heten ein Hund zů eim Künig.


Man lißt, wie die in Denmarck nit kunten eins werden in der Erwelung eins Künigs, und wurden eins mit einander, sie wolten uff ein Bruck gon, und das erst Haupt, das inen begegnet, das wolten sie für ein Künig haben. Da begegnet inen ein Hund, den hielten sie für ein Künig, und über dem Tisch saß er an des Künigs Stat, und man gab im zů essen wie einem Künig. Und wan er die andern Hund under dem Tisch hort Bein nagen, so fiel er under den Tisch und wolt die Bein auch nagen, und het Fleisch gnůg uff dem Tisch und vergunt den andern Hund, die Bein zů nagen.

Also ist es noch in allen Hantwercken, was einem etwan abgat on sein Schaden, das vergunt er noch dannocht den andern. Da weren noch vil Exempel zů sagen, ist aber nit Not. Merck selber!

428. Ein Hund starb Hungers uff dem Grab
[253] Vom Ernst das 428.

Ein Hund starb Hungers uff dem Grab.


Sant Bonaventura schreibt in einer Sermon von einem getrüwen Hund, da im sein Her gstarb, da legt er sich uff das Grab, und man bracht im zů essen uff das Grab; aber er wolt nichtz essen und starb vor Leid Hungers uff dem Grab etc.

429. Eim Hund betten ist ein grose Arbeit
Von Schimpff das 429.

Eim Hund betten ist ein grose Arbeit.


Franciscus Petrarcha schreibt in einer Epistel von den Hunden: (Lectum cani sternere magnus labor.) Einem Hund betten ist ein grose Arbeit. Warum? Er laufft dick umb, ee er sich niderlegt, und man weiß nit, wa er den Kopff hinlegen wil.

Also auch, es sein vil Menschen, denen böß zů dienen ist und ir Liebe zů überkumen, und wie man inen thůt, so ist es inen nit recht, und kan inen nieman recht thůn.

430. Ein Hund gesellet sich zu einem Wolff, aber nit lang
Von Ernst das 430.

Ein Hund gesellet sich zů einem Wolff, aber nit lang.


Wir lesen von einem Burger, der het ein grosen Hund, den het er zů einem Spycher oder zů einem Erbsenarcker gelegt, des zů hüten, und schickt im zů essen uff das Feld. Und uff einmal het das Gesind des Hunds vergessen, und hetten im in etlichen Tagen nichtz zů essen geschickt, das er grosen Hunger leid. Da lieff er in den Wald und gesellt sich zů einer Wölffin, deren halff er rauben, und teilten es mit einander, und thetten eben, als hetten sie grose Trüw zůsammen. Uff einmal kam der Hund und die Wölffin uß dem Wald mit einander und wolten etwas rauben. Da ersahe des Hunds Her den Hund und riefft im; da kart sich der Hund wider den Wolff und zerreiß in.

Also ist die Früntschafft viler Menschen, die scheinen, sie seien gerecht; aber sobald das Widerspil kumpt, so ist es uß. Mit Got ist es auch also. Wir meinen, wir haben grose Früntschafft mit Got; sobald der Her der Sünden kumpt mit seiner Anfechtung, so strüssen wir unß wider Got und hangen dem forigen Herren an. Hüt du dich!

431. Die Wölff und Hund einer Farb
[254] Von Schimpff das 431.

Die Wölff und Hund einer Farb.


Wir lesen in Fabulis, wie die Wölff ein Rat hetten wider die Hund und sprachen: ›Unser ist gar wenig weder der Hund, und also wöllen wir die Hund betriegen.‹ Und berůfften die Hund zů inen, die der Wolffen Farb hetten, und sprachen zů inen: ›Ir und wir sein einer Natur, das zögt die Farb, die wir tragen. Und wöllen ir unß helffen, die andern Hund zů Dot schlagen, die nit unser Farb haben, so würd ein ewige Geselschafft zwischen unß sein.‹ Sie sprachen: ›Ja.‹ Da sie nun die andern Hund alle hatten zů Dot geschlagen, da fielen die Wölff auch über die und bissen sie auch zů Dot.

Also gat es noch. Wan man ein Mörder oder ein Dieb facht, so gibt man im die besten Wort, das er sein Gesellen auch anzögt, und wan man dieselben gericht und gedöt, so dötet man in dan auch, und verradt je einer den andern, als der Nar thet, von dem hernach geschriben ist.

432. Ein Nar verriet seinen Bruder
Von Schimpff das 432.

Ein Nar verriet seinen Brůder.


Es was ein Statt, die het Feintschafft, und ritten die Feind biß an die Stat hinzů. Da was ein Nar, der het zwen Brüder, und die drei Brüder giengen mit einander für die Stat in das Holtz, und da sie in dem Holtz waren, da kamen die Feind, und die zwen Witzigen fluhen, und der Nar ward gefangen, und fůrten in hinweg. Der Nar sprach: ›Wiewol ir mich haben, so haben ir meine Brüder nit. Der ein ligt dort under dem Baum verborgen, es sei euch lieb oder leid.‹ Etlich Rüter ranten widerumb und funden in, und da sie in brachten, da sprach der Nar: ›Ir haben aber den dritten nit, der uff den Baum gestigen ist.‹ Sie fiengen denselben auch. Also hat er sie auch verraten, und můsten schier ir vetterlich Erb verkauffen, ee sie ledig wurden.

Das vorig Exempel und dis haben vil Ußlegung geistlich, wan ich wolt Predigen schreiben.

433. Ein Wolff wolt ee mager sein und frey dan feißt und gefangen
[255] Von Schimpff das 433.

Ein Wolff wolt ee mager sein und frey dan feißt und gefangen.


Uf einmal kem ein feißter Hund zů einem Wolff. Der Wolff sprach zů dem Hund: ›Gůt Gesel, wie lebstu, das du als feißt bist, und ich bin als mager?‹ Der Hund sprach: ›Ich dien einem Menschen, der gibt mir genůg zů essen.‹ Der Wolff sprach: ›Ich wil mit dir gon und wil auch dienen.‹ Und da sie also mit einander giengen, da sahe der Wolff dem Hund sein Hals an und sprach zů im: ›Wie kumpt es, das dein Hals also beschaben ist und kein Har da ist?‹ Er sprach: ›Im Tag legt man mich gefangen und legt mir ein Halßband an den Hals, das macht mich also blutig. Aber zů Nacht bin ich ledig und frei.‹ Der Wolff sprach: ›Alde, alde, lieber Gesel. Ich wil lieber mager sein und frei dan feißt und gefangen.‹


Reddit verba lupus: Non est mihi copia tanti,

Quod fieri servus ventris amore velim.

Dicior est liber mendicus divite servo.


Also ist es einem Menschen besser, das er ein frei lutere Conscientz hab mit Armůt, Hunger und Durst und mit Boßheit und Nackentsein, dan das er vil Gůtz het mit Nagen und Beissen der Conscientz und mit Underwürflicheit des bösen Geists.

434. Der Hund verriet ein Mörder
Von Schimpff das 434.

Der Hund verriet ein Mörder.


Uf einmal ward einer von einem Mörder ermort. Und da niemans wust, wer es gethon het, da was des dotten Mans Hund, wa er den Mörder sahe, so fiel er in an, als wolt er in fressen, es wer in der Kirchen oder uff der Gassen, es wer wa es wolt, das man ein Arckwon uff in het, das im der Hund so feint wer. Und man greiff zů im. Da sagt er, er het es gethon. Also gab man im sein Lon.

Darumb wolt Got, das die Menschen einander trüw weren, oder nur ein Fründ dem andern, als die Hund iren Herren sein!

55. Von Vatter und Muter eren

435. Der ein Kolben machet
Von Ernst das 435.

Der ein Kolben machet.


Es was ein reicher Man, der het drei Döchteren, die versorgt erin die Ee und gab inen Man und darzů was sich zimpt, und er behielt im selbs ein Narung und hielt also Huß mit einer Kellerin, das was eine frume Frau. Und er wolt den Kinden zů lang leben. Sie lagen an im zů bitten, er solt inen sein Gůt geben, so wolten sie in alle sein Lebtag ziehen und sie wolten im ein eigen Kamer yngeben und wolten im des besten Essen und Trincken geben. Der Vatter übergab inen alles sein Gůt und kam zů inen. Und das erst Jar ward er wol gehalten von inen. Das ander Jar, wan er me zu einer Dochter kam dan zů der andern, so sprach sie: ›Vatter, ir ligen mir stetz uff dem Hals. Gon auch zů den andern! Die haben eben als vil empfangen als ich.‹

Der gůt Vatter sahe wol, das er unwert was worden, und het Rat mit einem Burger. Der Burger gab im ein alten Trog, da was Sant und Stein yn, und ließ in in sein Huß tragen und sprach zů der Dochter, sie solt im ein Fierling und drei Liechter leihen, er het etwas zů rechnen. Und da saß der Vatter dy halb Nacht zů klinglen, als ob es Guldin weren. Morgens ließ er mit Fleiß ein alten Behemisch ligen in dem Fierling und gab in der Dochter. Der Man sprach: ›Vatter, ir haben nechtig geklinglet, als ob es Guldin weren gewesen. Ich hab es wol gehört.‹ Er sprach: ›Ich hab in einem Trog mir noch selber Gelt behalten, und welchs mir under euch zů dem allerfrüntlichsten thůt, dem wil ich es lassen.‹ Da sie das horten, da wolt in ein jegliche haben, und kriegten umb in. Er ward wol gehalten. Und da er sterben solt und meinten, es wer kein Blybens me da, da giengen sie über den Trog. Da lag Sant und Stein darin und ein Kolben, daran stůnd geschriben also in engelischer Sprach: ›Kunt und wissen sei aller Welt, das man den mit dem Kolben schlagen sol, der seinen Kinden gibt, das er darnach manglen můß.‹ Sie sahen einander an und schampten sich. – Merck uff!

436. Zwo Elen Tuchs gab einer seinem Vatter zu eim Rock
Von Schimpff das 436.

Zwo Elen Tůchs gab einer seinem Vatter zů eim Rock.


Uf einmal het ein Vatter seinem Sun alles sein Gůt geben, das der Sun sein nichtz achtet, Got geb er het Kleider oder nit. Der Vatter sprach zů dem Sun, er solt im ein Rock machen. Der Sun gab [257] im zwo Elen Důchs, er solt den andern Rock mit bletzen. Nun het der Sun ein Kind, das was etwan drü Jar alt, das kam zů seinem Vatter und weint und sprach: ›Vatter, gib mir auch zwo Elen Důchs!‹ Der Vatter gab sie im, und das Kind gieng die Steg hinuff und stieß es hinder ein Trom under das Dach. Der Vatter schleich dem Kind nach und lůgt, was es mit dem Důch thůn wolt, und sprach zů dem Kind: ›Warumb hast du das Důch darunder gestosen?‹ Das Kind sprach: ›Ich wil es behalten, biß das du auch alt würst. So wil ich dir es zů einem Rock geben, als du meinem Großvatter hast geben.‹ Also bessert sich der Sun. – Hüt du dich!

437. Einer trug ein Krot am Antlit
Von Ernst das 437.

Einer trůg ein Krot am Antlit.


Ein Vatter het seinem Sun ein Weib geben und in versorgt. Uf einmal kam er für sein Suns Thür, da saß er und aß und het ein gebraten Hůn vor im. Und da sie horten, das es sein Vatter was, da namen sie das gebraten Hůn und verbargen es. Da der Vatter ein Trunck gethet, da gieng er wider hinweg. Und da er hinweg kam, da gieng der Sun über das Kensterlin und wolt das gebraten Hůn wider über den Tisch tragen, da was ein grose Krot daruß worden und sprang im in das Angesicht. Die mocht im nieman hinweg thůn; so sah sie in so krum an, als wolt sie im in sein Angesicht springen; und wan man ir nichtz zů essen gab, so fraß sie dem uß seinem Angesicht, und gieng also in der Welt hin und her. Hindennach ist ein heiliger Mensch gewesen, der in gesunt macht durch sein Gebet.

Da lernen andere Kind!

438. Der Sun sprach: Meines Vatters Seel requiescat in pice
Von Ernst das 438.

Der Sun sprach: Meines Vatters Seel requiescat in pice.


Es was ein Vatter, der schickt sein Sun gen Paryß, er solt da studieren und leren, das er Doctor ward, und der Vatter was reich. Es fügt sich, das der Vatter starb und verließ seinem Sun vil Gůtz. Seins Vatters Brůder schreib im ein Brieff und schickt in im gen Paryß. Der Sun thet den Brief uff und laß die Undergeschrifft und sahe, das im seins Vatters Brůder geschriben het, und sprach zů dem Botten: ›Was thůt mein Vatter?‹ Der Bot sprach: ›Lesen den Brieff, so werden ir es finden.‹ Der Sun laß den Brieff. Da fand er, das sein Vatter verscheiden was; da ward er trurig. Er laß weiter und fand auch, wie im sein Vatter sein Seel empfolhen het, [258] und wie er im als sein Gůt verlassen het on ein Fogt. Da ward er widerumb gůter Ding und sprach: (Requiescat in pice.) ›Meins Vaters Seel werd geröst.‹ Er solt gesprochen haben: ›werd getröst‹, so sprach er: ›werd geröst.‹ In pice heißt geröst, und In pace getröst. Das was sein Gebet, das er seinem Vatter nachthet.

Darumb befelhe niemans sein Seel seinen Fründen, lůg selber darzů.

439. Am Galgen macht er die Feig
Von Schimpff das 439.

Am Galgen macht er die Feig.


Es was zu Meiland ein Můter, ist kurtzlich geschehen, die het ein Sun, der was ir gantz ungehorsam, und sie strafet in uff einmal mit Worten. Der Sun gab seiner Můter freveliche Wort und flůcht ir und zögt ir die Feigen, nach Gewonheit der Walhen, da sie den Daumen durch zwen Finger stosen, das heißt ein Feig. – Die Můter sprach: ›Nun wöl Got von Himel, das du die Feig auch müsest an dem Galgen machen!‹ Nit lang darnach ward der Sun umb ein Diebstal gefangen und ward ußgefürt an den Galgen. Und lieff jederman hinuß und wolten sehen, wie er an dem Galgen die Feig wolt machen, ob auch der Flůch der Můter für sich wolt gon. Da er nun gehenckt ward, da macht er die Feigen an dem Galgen und stieß den Daumen durch die zwen Finger. Das hat Brůder Bernhardinus de Bustis gesehen, ee er ein Barfůser ward. Folg Vatter und Můter, nit uneer sie!

440. Sant Anthonius Feür zündet einen an, sein Muter erbat es
Von Ernst das 440.

Sant Anthonius Feür zündet einen an, sein Můter erbat es.


Es was ein Můter, die het ein ungehorsamen Sun. Der Sun het uf einmal die Můter erzürnt; da knüwt sie nider für ein Brieff, da was ein Crucifix angemalt, und sprach: ›O Sun, ich bit Jesum, des Bildung da ist, das er dich laß Sant Anthonius Feüer anzünden an Hend und an Füssen.‹ Sobald sie das Gebet gethet, da sprach der Sun: ›O Můter, hör uff betten! Du bist erhört.‹ Und bran an Hend und an Füssen und leid die Pein drei Tag und starb. Das ist zů Comis geschehen.

Darumb sollen Vatter und Můter nit so schnel sein den Kinden zů flůchen. Die Kind sollen auch die Flüch Vatter und Můter fliehen und iren Segen begeren. Liß Valerium Maximum von Coriolanum, wie der sein Můter eret! Liß Sant Augustin, wie ein Můter siben Kind verflůcht, die giengen zittern [259] durch die gantz Welt, deren etlich in Sant Steffans Kirch ledig sein worden, die er selber gesehen hat. Wer mag es als erschreiben! Merck jeder selber.

56. Von Rat suchen und geben

441. Ulixes riet Palamidi
Von Ernst das 441.

Ulixes riet Palamidi.


Man wolt ein grosen Zug thůn wider den Künig von Troy, als sie auch desselben Mals gewunnen ward. Da was der weisest Kriech, der zohe nit gern uß uff den Zug, der hieß Ulixes. Damit das er daheim bleiben möcht, da nam er sich an, er wer von Sinnen kumen, und nam sein Pflůg und wolt zů Acker gon; es was aber usserthalb der Zeit, das man solt zů Acker gon. Da was ein anderer weiser Man, der hieß Palamides, der wolt in versůchen, ob er in Warheit nit sinnig wer oder ob es ein angenumen Ding wer, und nam Ulixes Kind und satzt es uff den Acker für den Pflůg, ob er über das Kind faren wolt. Und da er schier zů dem Kind kam, da wiß er den Pflůg neben ab. Da erkant man, das es ein angenumne Weiß was, und namen in mit Gewalt mit inen in die Reiß.

Das wolt Ulixes Palamidi widergelten und schreib heimlich Brieff wider den Palamide und legt sie zů der Feint Brieff, und stůnd der Brieff also, als wer er von dem Künig von Troy geschriben: ›Palamides, gib mir die Kriechen in mein Hand, oder gib mir das Gold wider, fierhundert Duccaten, die du under dein Bet vergraben hast!‹ Das kam Palamidi für, und kam zů disem Ulixes umb Rat. Ulixes riet im: ›Bistu unschuldig, so schwer darfür und verbind dich zů dem Hauptabschlagen!‹ Man sůcht under seinem Bet und man fand das Gold und schlůg man im das Haupt ab.

Darumb ist es mißlich Rat von seinem Feind nemen und von einem, den du geschedigt hast; er wartet der Bezalung. Es ist ein Sprichwort: (A muliere repudiata et ab amico reconciliato libera nos, Domine.)

442. Saltz sol man mit Muleßelmilch besprengen
Von Schimpff das 442.

Saltz sol man mit Muleßelmilch besprengen.


In einer Stat waren vil junger Lüt, die wolten das Regiment haben und wolten die alten Ratzherren vertreiben und hetten sie gern alle zů Dot geschlagen. Da was einer, der behielt sein Altvatter in einem [260] Dubhuß verborgen. Der Künig des Lands het die Stat auch gern gehebt zů dem Land und wolt ir Weißheit beweren und schreib dem Rat umb Rat, wie er sein Saltz solt behalten; er het ein Schatz von Saltz, das wolten im die Milwen fressen. Die gůten jungen Ratzherren sassen ob der Sach und wusten im kein Antwurt wider zů schreiben noch Rat zů geben.

Der sagt es seinem Vatter, da er heimkam. Der Vatter sprach: ›Wan du morgen in den Rat kumest, so sprich, man sol dem Künig schreiben, er solt das Saltz mit Muleselsmilch besprengen, so sei es behalten vor den Wurmen. Aber das Saltz verderbt die Würm, darum saltzt man das Fleisch; man findt auch kein Muleselsmilch, wan sie sein unfruchtbar, wan sie sein zů vil heisser Natur. Der Künig wil üch nur versůchen.‹ Da sie das in dem Rat horten, da sprachen sie: ›Die Weißheit hastu nit von dir selber.‹ Da sprach er, wie er sein Vatter verborgen het. Da erkanten sie, das Weißheit noch in den Alten wer, und schickten wider nach inen und gaben inen das Regiment widerumb.

443. Periklis erdocht ein Sinn, das er nit rechnen dorfft
Von Ernst das 443.

Periklis erdocht ein Sinn, das er nit rechnen dorfft.


Zů Athenis was ein weiser Man, der hieß Periclis, der het ein Vettern, seins Brůders Sun, der was ein kleiner Knab, und ward ein groser weiser Man daruß und hieß Alchibiades. Und die von Athenis wolten ein grose steine Brucken machen und erwelten disen Periclis zů einem Buwmeister, das Gelt ußzůgeben und zů bestellen, was not wer zů dem Buw. Da nun die Bruck gemacht was, da hetten die Herren im Rat gern gewüßt, was der Buw het gekost, und sprachen, er solt Rechnung geben, was er als het ußgeben. Periclis kunt kein Rechnung geben, wan er het nichtz angeschriben, und was fast leidig und forcht die groß Schand, die über in würd gon. Der Alchibiades fragt in, warumb er also trurig wer. Periclis sprach: ›Du kanst mir nit helffen.‹ Er sprach: ›Wer weiß? Sagen es mir!‹ Periclis sagt es im. Da sprach Alchibiades: ›Künnen ir kein Sach erdencken, das ir nit bedörfft rechnen und der Rechnung vergessen würd?‹ Der Periclis dacht der Sach nach und bewegt dem Rat ein Krieg wider die Feind, und ward er der Hauptman und hielt sich so redlich, das der Rechnung vergessen ward. Dis schreibt Franciscus Petrarcha in libro de vita solitaria.

Also solt ein Mensch gedencken, das er hie vor dem Priester rechnet, das er dort der Rechnung überhebt wer vor Got, als Sant Paulus spricht: (1. Cor. 11. Si nos diiudicaremus, non iudicaremur.)

444. Uß eim Feind macht er ein Fründ
[261] Von Schimpff das 444.

Uß eim Feind macht er ein Fründ.


Es was ein Burger, der was einem andern Burger feind, und was er im wüßt zů Leid zů thůn, das thet er. Und gewan dannocht nichtz an im; erthet im alwegen zweimal als vil dargegen. Der Burger beklaget sich uff einmal gegen seiner Hußfrawen, wie er seinem Feind nichtz an möcht gewinnen. Die Frau sprach: ›Ich wil dir ein gůten Rat geben. Thů du, wie die Artzet thun! Wan sie kalte Matery bruchen und wil sie die kalte Matery nit helffen, so bruchen sie heisse und hitzige Materi. Also thu du auch! Du kanst in nit überwinden mit Boßheit; so versůch die Gütikeit und Früntlichheit, so würstu in überwinden.‹ Der Man thet es, und die zwen wurden in kurtzer Zeit wol eins und gůte Fründ mit einander.

Also die Frawen künnen auch etwan gůte Rät geben, aber selten. Der erst Rat, den ein Frau gibt, der ist gemeinlich der best. Wan wen sie sich lang sol bedencken und sagen, welcher Rat der best sei, besunder wa zwen oder drei Weg sein, so weiß sie nit, welcher der best ist.

445. Julius wolt nit volgen seiner Frawen Rat oder Anschlag
Von Schimpff das 445.

Julius wolt nit volgen seiner Frawen Rat oder Anschlag.


Julius der erst Keiser het uff einmal ein schwere grose Sach zů schaffen und kunt nit daruß kumen. Und uff einmal sagt er von derselben Sach, daß es sein Frau hort. Da sprach sie: ›Ich wolt diser Sach also thůn, wan ich darzů raten solt.‹ Der Keiser erkant, das der Frawen Rat der best was; noch dannocht wolt er dem Rat nit folgen. Er erdacht ein andern Weg, damit das man nit sprech, das ein Frau das Römisch Reich regiert. Aber het er uff einmal seiner Frawen gefolgt, so wer er uff dasselbig Mal nit in dem Rat erschlagen worden. Die Frau riet im, er solt uff das Mal nit in den Rat gon, ir het semlichs getraumpt. Der Keiser veracht es und sprach, es wer Weiberteding. Und da er in den Rat kam, da stůnden 25 Man, und gab im jeglicher ein Wunden, und also endet er sein Leben, etc.

Folgt mancher Man seiner Frawen Rat, er wer reicher, weder er ist, und gieng im dester baß, dan er thůt, wiewol Crisostomus spricht: Es hat ein Frau uff einmal gelert und hat die gantz Welt verkert; das ist Eva.

446. Einer schreib ein Rat uff Bapeyr
[262] Von Ernst das 446.

Einer schreib ein Rat uff Bapeyr.


In einer Stat heten die jungen Rät die alten Ratzherren vertriben in das Ellend, das sie das Regiment allein hetten; einer zohe hieher, der ander dorthin. Einer under den jungen Räten het seinen Vatter daheim behalten. Und einer von den Vertribnen der was in einer Stat; da hort er sagen, wie man die Stat, uß deren er was, yn wolt nemen und sie mit Verretterei gewinnen. Etlich sagen, er sei gefangen gewesen und het es gern seinem Sun geoffenbart und kunt es nit zůwegen bringen. Und bracht doch so vil zůwegen, das im Züg und Materi ward, und schreib ein Brieff, wie sie darvor solten sein, das der groß Mord kein Fürgang het, und leimt denselben Brieff uff ein Bret und überzohe den Brieff mit Wachs und erwarb von dem Thurnhüter, das er die Taffel seinem Sun solt schicken. Da der Thurnhüter sahe, das nichtz an dem Wachs geschriben stůnd, da ließ er es nach.

Und da seinem Sun die Taffel ward, da wüßt er nit, was es bedütet, und trůg es in den Rat. Es waren jung Gesellen, doch gedachten sie: Was hat er im an der Taflen geschickt? Und der, der seinen Vatter daheiman het verborgen, der sagt es seinem Vater. Der Vatter sprach: ›Sun, du solt nit glauben, das also ein weiser Man, als des Vatter ist, das hab umbsunst gethon. Darumb wan du morgen in den Rat kumest, so rat, das man an einem Ort unden das Wachs uffheb und lůg, ob etwas under dem Wachs geschriben sei!‹ Da man das Wachs also uffthet, da sahen sie ein Buchstaben oder zwen. Da theten sie das Wachs gar hinweg und funden, wie sie sich halten solten, und sprachen zů disem, er het die Weißheit nit von im selbs. Da sagt er inen, wie er seinen alten Vatter daheiman het, der het in das gelert. Da erkanten sie die Weißheit der Alten und stalten widerumb nach inen.

447. Die Wölf begerten die Hund von Schaffen
Von Schimpff das 447.

Die Wölf begerten die Hund von Schaffen.


Die Wölf kamen uff einmal zů einem Hirten und erzalten im die Ursachen alle, die sie wider die Schaff hetten, das weren die Hund; sie solten die Hund zů Dot schlagen, so wer aller Krieg gericht. Wan das die Hirten hetten gethon, so weren die Schaff alle der Wölff gewesen.

Also wan man die Weisen in einem Rat vertreibt, oder sie sterben, so stot es umb dieselbig Stat nit wol. Also wan die Alten in den Klöstern sterben, fielen [263] die Muren umb, die umb das Kloster gon, es wer inen nit als schedlich in zeitlichen und in geistlichen Sachen.

57. Von dem Gotteswort

448. Der Tüfel prediget in eim Kloster
Von Ernst das 448.

Der Tüfel prediget in eim Kloster.


In einem Predigerkloster was ein Leßmeister, ein Predicant, und uff ein Groß Hochzeit da solt man predigen. Und da man das ander Zeichen lütet, da ward der Leßmeister kranck, das er nit predigen kunt. Der Prior was betrübt, das er kein Predicanten het. Da er also in dem Crützgang gieng, da gieng ein Brůder desselben Ordens zů dem Prior und sprach: ›Her, wie sein ir so trurig?‹ Der Prior sprach: ›Das Folck laufft mit groser File herzů, und ich hab kein Predicanten.‹ Er sprach: ›Das lassen euch nit bekümern! Ich bin ein Landßprediger, ich kan ein Predig uß einem Ermel schütlen.‹ Der Prior was fro und hieß in predigen. Er fieng an zů predigen und predigt von dem Rüwen, das alle Welt weint.

Da was ein heiliger Man an der Predig, der erkant, das es der Tüffel was. Da die Predig uß was, da gebot er dem Tüffel in der Krafft Gottes, er solt im sagen, warumb er von dem Rüwen predigt, so er den Rüwen haßt und hindert in. Da sprach der Tüffel, er thet es darumb, wan sie jetz über ire Sünd rüweten und sie darnach wider theten, so weren ire Sünd dester schwerer. Also verschwand der Predicant da.

449. Ein Ritter zürnet über ein Predicanten
Von Schimpff das 449.

Ein Ritter zürnet über ein Predicanten.


Es was ein Riter, der was gar barmhertzig gegen den armen Lüten. Wan er essen wolt, so reit er vor uff die Strassen, wan sein Schloß was fer von der Landstrassen, und sůcht die armen Lüt. Und wan er arme Lüt fand, die mit im asen, so was er den gantzen Tag frölich; wan er aber niemans fand, so was er trurig. Und er was aber darneben ein Eebrecher, er nam es, wa es im ward. Und het ein frume Frawen, die was fast geistlich, die bat des Herren Beichtvatter, er solt einmal den Eebruch dapfferlich rüren und darwider predigen, ob ir Her sich bekeren wolt. Nun was der Beichtvatter ein Barfůsser, und uff einmal da predigt er von der [264] Schwere des Eebruchs. Da ward der Ritter zornig über in und verbot seinem Gesünd, das in nieman laden solt. Der Beichtvatter marckt es wol und gieng zů dem Schloß uß, da man ob dem Tisch saß, und er lütet wider an. Und der Portner sagt dem Herren, es wer ein armer Man da, und der Her hieß in ynlassen. Da der Beichtvatter zů dem Tisch kam, da gieng er zů dem Tisch, da die armen Lüt sasen. Also sprach der Her sein Schuld gegen im und bessert sich und ward ein Kind der ewgen Selikeit.

Dis Exempel dient zů zweien Dingen. Zů dem ersten, das die barmhertzigen Menschen selten verdamt werden, wan sie in Dotsünden sein. Und sagen etlich Doctores, das inen Got ir Hertz erlücht zů einer rüwigen Stat; es sol aber daruff nieman Unrecht thůn, wan er der Gnaden sunst beraubt würt. Zů dem andern dient es, das man die Predicanten der Warheit hasst und inen feint ist. Es ist umb die Predicanten wie umb ein Koch.

450. Ein knöpfflet Muß ist ein Predig von allerlei
Von Schimpff das 450.

Ein knöpfflet Můß ist ein Predig von allerlei.


In einer hohen Schůlen waren siben oder acht Studenten bei einander in einer Rot, die hetten ein Koch, der kam alwegen, wan man gaß, und sprach: ›Lieben Herren, was wöllen ir hinnacht zů Nacht essen?‹ Und uff einmal fragt er aber, da sprach der ein Her: ›Koch unß Bonen‹; der ander sprach: ›Koch unß Erbßen‹; der drit sprach: ›Koch unß Gersten‹; der fierd sprach: ›Koch unß Linsen‹; jeglicher wolt ein Sunders haben. Der Koch kocht dy Ding alle in einem Hafen, und es mißfiel in allen.

Also auch, was ein Prediger strafft, das gefelt den allen, die es nit angat; aber die es angat, denen gefelt es nit. Es kumen etwan die Man zů einem Predicanten und sprechen: ›Ir solten einmal die hoffertigen Weiber rüren, die unß arme Man wöllen verderben. Sie wöllen kostliche Mentel, Schuben, Schleier haben.‹ So kumen dan die Weiber und sprechen: ›Ir solten die bösen Man straffen. Sie schlagen unß arme Frawen, sie sein vol Weins und spilen darzů.‹ So sprechen die Priester: ›Ir solten die Leyen rüren. Sie tragen unß böse Exempel vor.‹ Und wem sein Teil würd, der ist wunderlich und murmelt wider in, und wan man die Boßheit alle rürt, so het man alle Menschen erzürnt.

451. Der Predicant sol blind sein
[265] Von Schimpff das 451.

Der Predicant sol blind sein.


In etlichen Landen keglet man mit Stecken, wie man in unsern Landen mit Kuglen keglet. Und uff einmal da keglet man mit Stecken, da was ein Blinder da, der wolt auch keglen, und da er werffen solt, da traff er, wer da stůnd, reich und arm, jung und alt, es galt im gleich; wan er was blind.

Also sol ein Predicant auch blind sein und sol in den Huffen werffen und sol niemans schonen; wan er ist ein Legat Gottes und sol doch regieren, das er unstraffbar sei, das er nit verspottet werd als diser, wie hernach folgt.

452. Nach Essens was er nit der, der an dem Morgen geprediget het
Von Schimpff das 452.

Nach Essens was er nit der, der an dem Morgen geprediget het.


Es was ein Priester, der het gar geistlich und gar wol gepredigt, und nach dem Imbis da treib er den Gauch mit den jungen Gesellen, als die Fulbruck springen oder Keglen etc. Das sah ein alt Weib, das sprach zů demselben Herren: ›Ir sein nit der Her, der hüt gepredigt hat.‹ Der Priester sprach: ›Warumb bin ich es nit?‹ Das alt Weib sprach: ›Darumb. Wir haben ein Priester in unserm Dorff; an dem Morgen hat er Meß, und nach dem Imbiß laufet er zů den jungen Frawen und greifft inen in den Busen, etc. Und wan man in fraget, ob er der sei, der an dem Morgen Meß hab gehebt, so spricht er, nein, er sei nit derselbig; an dem Morgen sei er ein Priester, und nach Mittag sei er ein junger Gesel. Also gedacht ich, ir weren auch nit der, der hüt gepredigt hat.‹

Das was im und ist noch allen Priestern ein Schand, das sie thůn, was sie verbieten. Hie weren vil Exempel zů geben in allen Lastern, ist aber nit not. Merck selber!

453. Kein Fürst würt behalten
[266] Von Schimpff das 453.

Kein Fürst würt behalten.


Zů Heidelberg in der Universitet hat ein Doctor an dem Karfreitag in dem Passion gepredigt an dem Morgen; da waren fünff Fürstinen und fier Fürsten an der Predig. Und nachdem und er vil weltlicher Straff gefürt het gegen Geistlichen und Stetten, da sprach er also: ›Von den Fürstinen halt ich, was ich von andern frumen geistlichen Frawen halt, das sie behalten und selig werden. Aber von den Fürsten glaub ich und halt, das keiner selig werd, er sterb dan in der Wagen.‹ Hec Felix Hemerlin in tractatu de credulitate demonibus adhibenda in fine.

Dis Wort mag von vil Fürsten geredt werden zů unsern Zeiten, sie wöllen ungestrafft sein, sie seien geistlich oder weltlich.

Es ist mit inen wie umb ein Hasen, den man abziehen wil oder schinden, und gat fein herab, biß man an den Kopff kumpt. So můß man kleine Schnidtlin thůn und hübschlich mit umbgon, ee man im die Haut über den Kopff abbringt. Also ein Predicant, dieweil er das gemein Folck straffet, so gat es wol hin; wan er aber an die Köpff kumpt, das sein die grosen Herren, so můß er hübschlich thůn; darumb můß inen der Tüffel die Haut abziehen. Die Fürsten füren einander under den Armen und sein einander spinnenfeind; es verdrüßt je einen, das der ander mechtiger ist dan er. Fürstenblůt geb böß Würst; es bleibt nit bei einander. Deßgleichen Bischöff und der geistlichen Fürsten auch.

454. Der Tüfel griesset die Prelaten
Von Ernst das 454.

Der Tüfel griesset die Prelaten.


Es was ein groß Capittel und ein Samlung der Prelaten in einem Bistumb. Da sprach der Bischoff: ›Wir haben alwegen Doctores gehebt, die unß in Latin gepredigt haben; wir wöllen einmal ein schlechten Dorfpfaffen haben, der unß zů tütsch predig.‹ Und befalhe die Predig einem schlechten Dorffpfaffen, er solt morgen der Pfaffheit predigen.

Der arm Priester was leidig und wüßt wol, das er ungeschickt was zů dem Werck; doch gab er sich in sein Gebet und bat Got den Herren, das er im wolt yngeben, was er doch sagen solt. Da er also bettet, da erschein im der Tüffel in eins Menschen Gestalt und sprach zů im: ›Warumb bistu so sorgfeltig, was [267] du morgen predigen solt? Sprich nit me dan die Wort: Die helschen Fürsten entbüten üch geistlichen Fürsten und Prelaten und Regierer der Kirchen iren früntlichen Grůß als iren liebsten Fründen. Wan ir zů allen Zeiten thůn, was inen lieb ist.‹ Der Priester sprach: ›Sie glauben es mir nit, wan ich es inen sag.‹ Der Tüffel rürt im ein Backen an, da ward im ein schwartz Mal daran, und sprach zů dem Priester: ›Die Maß soltu nit underston abzůweschen, dan es wer umb sunst. Wan du aber gepredigt hast, so nim Weihewasser und wesch die Maß damit, so würt sie hinweg gon.‹

Da er nun an das Ort kam, da er predigen wolt, und da er die Ding alle gepredigt het, wie im der Tüffel befolhen het, da wolten im die Prelaten die Maß abweschen und namen Laug und Wein, Milch und Wasser; da kunten sie die Maß nit herabbringen. Da hieß im der Priester Weihwasser bringen, da gieng die Maß hinweg. Da glaubten im die Prelaten, aber wenig besserten sie sich darab. – Hůt du dich!

58. Von Straff etlicher, die das Gotzwort veracht haben

455. Der Priester widerret im selber
Von Ernst das 455.

Der Priester widerret im selber.


Doctor Felix Hemmerlin schreibt, wie ein Priester was, ist in kurzer Zeit geschehen, der het an dem Morgen herte Ding gepredigt, als von der Hellen und von dem jüngsten Tag. Und am Abent saß er bei den Buren und zert Schlaftrunck mit inen, und ein Buer sprach zů im: ›Her, ir haben unß hüt herte Ding gesagt, es würt dort gar ruch zůgon.‹ Der Pfaff sprach: ›Ja, wan ich es glaub, das es also sei, als ich es geprediget hab, so müß ich hie sterben.‹ Und sobald er das geret, da lösten alle Liechter selber; und man zünt ein anders an, da was derselb Pfaff gleich dot. Da ward gezögt, das es war was, was er gepredigt het.

Wan die Priester also Ergernis geben, die sollen auch also gestrafft werden wie diser.

456. Sant Franciscus fluchet eim Weib
Von Ernst das 456.

Sant Franciscus flůchet eim Weib.


Sant Franciscus predigt uff einmal, da was ein alt Weib an der Predig, das spottet sein. Sant Franciscus warnt sie, sie solt [268] uffhören, da liebt es ir erst. Da gab ir Sant Franciscus den Flůch und sprach also: ›Tüffel, nim, was dein ist!‹ Da ward das Weib gleich in die Lüfft gefürt, und sahe sie darnach nieman me.

457. Ein Beseßner spotet Sant Amando
Von Ernst das 457.

Ein Beseßner spotet Sant Amando.


In der Legend Sancti Amandi lesen wir, da er predigt, da was ein junger Gesel, der spotet sein. Der ward gleich besessen von dem bösen Geist und raufft sich und schlůg sich selber und bleckt die Zen und sprach: ›We mir, das ich des heiligen Mans gespottet hab!‹ Und in dreien Stůnden was er dot.

Söliche Zeichen thetten noch not; etlich flůchen jetz den Predicanten auch, die nit nach irem Sinn predigen. Liß ein Exempel von den Spotföglen des Gotzwortz: ›Vil Menschen sein gleich einem Büttel. Wan man Mel beittelt, so felt nur das suber Mel herdurch, und bleibt nichtz in dem Bütel dan der Wůst.‹ Also sein vil Menschen, die nichtz behalten. Dan wan einer mißret oder ein Wort nit recht nent; da machen sie ein Gespöt uß. Oder wa einer etwas sagt, das die Lüt erwachen, oder ein Fabel sagt, das behalten sie. ›Ja,‹ sprechen sie, ›das wil ich alle meine Lebtag behalten.‹ Aber den geistlichen Sinn, den man daruff sagt, den behalten sie nit. Die Lüt, die Predig wöllen hören, die solten sein wie ein Glaßfenster. Das Glaßfenster laßt den Sonnenschein und den Tag durch sich hinynscheinen, aber den Wind, Schne oder Regen laßt es daussen. Also was man Geistlichs sagt uff die Fabulen, das solt man behalten und die lecherlichen Ding vergessen.

458. Drei haben die Welt betrogen
Von Ernst das 458.

Drei haben die Welt betrogen.


Einer sprach auf einmal zů erbern Lüten, es weren drei Man gewesen, dy die gantz Welt betrogen hetten mit iren Worten und Predigen: Moyses die Juden, Machmet die Heiden, und Christus die Cristen. Sobald er das geret, da erschlůg in der Dunnerklapff, und der Blitz verbrent in.

Darumb nit red verwegenlich! Es würt von Got nit alzeit nachgelassen.

59. Von dem Passion zu predigen

459. In dem Passion sprach der Priester: Es ist nit also
Von Schimpff das 459.

In dem Passion sprach der Priester: Es ist nit also.


Es was ein Priester, der het den Passion gepredigt an dem Karfreitag, das vil Lüt weinten. Der nerrisch Priester wolt sie trösten und sprach: ›Nit weinen, lieben Kind! Es ist jetz wol 15 hundert Jar, das es geschehen sol sein; es mag wol erlogen sein; es ist gar fer von Jerusalem biß her. Man lügt doch von einem Hauß in das ander, wie dan erst so fer! Es möcht auch nur Red sein.‹

460. Lang Passion predigen
Von Schimpff das 460.

Lang Passion predigen.


Keisersperg der herlich Doctor hat me dan 30 Jar zů Straßburg gepredigt in dem hohen Stifft. Aber er hat keinen Passion lenger gepredigt an dem Karfreitag, dan von sechsen an biß zů sibenen, wie sunst an einem Tag, von dem Ölberg an biß in Pilatus Huß, und nach Mittag auch ein Stund, und predigt in vol uß biß in das Grab. Und wan er an dem Palmtag den Passion verkünt, so sprach er also: ›Was sollen die langen Predigen des Passions, und wa kumen sie her? Sie kumen von den Geuchen her. Die Predicanten haben gethon, wie die Geuch in den Dörffern thůn. Da guckt ein Gauch einmal, der ander zweimal, der drit drümal etc. Also hat ein Predicant den Passion in einer Stund gepredigt, so hat der ander über in wollen sein und hat zwo Stund daran gepredigt, der drit drei Stund, und ist in die Gewonheit kumen, das einer acht Stund sol predigen. Die langen Predigen sollen sunst nichtz, dan das die Lüt schlaffen, und die Weiber seichen in die Stül, und der Predicant macht sich selber müd.‹

461. Langer Passion ist ein Gesellenstoß
Von Schimpff das 461.

Langer Passion ist ein Gesellenstoß.


Doctor Keisersperg in einem andern Jar gab er ein Gleichnis von dem langen Passion zů predigen: ›Ein langer Passion zů predigen ist gleich einem Gesellenstoß einem Mörder. Wan man ein Mörder rederen wil, so stoßt man im alle seine Glider ab, Arm und Schenckel, und darnach [270] legt man in uff den Buch und stoßt im den Rucken entzwei mit dem Rad, das macht in erst gantz gerecht. Der Stoß heißt ein Gesellenstoß. Also wan ein armer Predicant dy gantze Fasten hat gepredigt und gearbeit und sich selber müd gemacht, wan dan der lang Passion kumpt, so macht er in erst gantz gerecht, und ist wie ein Gesellenstoß einem Morder, also auch dem Predicanten.‹

60. Wie man den Selen zu Hilff kumen sol

462. Ein Frau gab ein Ochsen umb drithalben Rappen, ein Han umb 12 Guldin
Von Schimpff das 462.

Ein Frau gab ein Ochsen umb drithalben Rappen, ein Han umb 12 Guldin.


Es was ein reicher Bauer, der sprach zů seiner Frawen, da er sterben solt: ›Ich verlaß dir Gůtz genůb und wil kein Testament machen, dan ein Ding wil ich dich bitten. Den Ochsen, der Mertz heißt, den soltu verkauffen, und was du für Gelt daruß löst, das soltu den armen Lüten geben.‹ Die Frau sprach: ›Ja, ich wil es thůn.‹ Da nun der Sibent ußkam, da nam die Frau den Ochsen an ein Seil und band im ein Hanen uff den Schwantz und für damit zů Marck. Die Metziger kamen und griffen den Ochsen, wie feißt er wer, und fragetten die Frawen, wie sie den Ochsen geb. Sie sprach: ›Wer den Ochsen kaufft, der můß den Hannen auch kauffen; ich verkauff keins on das ander.‹ Sie bot den Hanen umb 13 Guldin und den Ochsen umb ein Crützer. Der Kauff ward gemacht, und man gab ir 12 Guldin für den Hanen, und ein Crützer, der thet fünff Heller, für den Ochsen. Die 12 Guldin behielt die Frau, und die fünff Heller gab sie fünff armen Menschen umb Gottes willen, wie sie es verheißen het.

Darumb lůg jederman selber zů seiner Selen und verlaß sich niemans uff seine Fründ; wan man thůt dir als wenig nach, als man mag. Versihe dich wol!

463. Der Man gab eim das Pferd
Von Schimpff das 463.

Der Man gab eim das Pferd.


Es was ein Frau, die was nit gantz witzig; sie was aber reich und het ein Sun gehebt, der was gestorben. Uff einmal da was der Her in dem Rat, da kam ein farner Schůler, der begert ein Suppen von ir. Die Frau gab im zů essen und sahe das Gernlin, das er anhet, und sprach zů im: ›Ich sihe, das ir ein farner Schůler sein, und mein Sun ist in ein [271] ander Welt gefaren. Haben ir in nit gesehen? Ir faren weit hin und her.‹ Er sprach: ›Ja, ich hab in gesehen, und er leidet Hunger und grosen Frost und laßt euch bitten, das ir im ein beltzin Rock und Hembder schicken und sechs oder siben Guldin.‹ Die Fraw sprach: ›Gern‹, und nam des Mans Rock mit Fuchs gefütert, doch nit den besten, und ein lang Hembd und drei Guldin und band es in ein Leilachen als ein Blunder und sprach zů im: ›Machen euch bald damit hinweg, ee das mein Man kumpt! Wan er würd es euch sunst wider nemen.‹

Er für darvon. Und nit lang darnach kam der Man uß dem Rat, und die Frau sagt es im, wie sie irem Sun etwas geschickt het. Der Man was zornig und meint, sie het im vil Geltz geschickt, und saß behend uff ein Pferd und ylet im nach, meint, er wolt es im wider nemen. Da in der faren Schůler sahe hernachreiten, da verbarg er das Blunderlin under ein Studen und lent sich also uff ein Stecken.

Da der Her kam, da sprach er zů disem: ›Hast du nit ein Gesellen gesehen, der tregt ein weiß Blunderlin uff dem Rucken?‹ Der faren Schůler sprach: ›Ja, er ist da über den Zun gesprungen mit dem Blünderlin, sobald er euch gesehen hat, und laufft zů dem Wald zů. Ir erlauffen in noch wol.‹ Der Her fiel bald von dem Pferd herab und gab es disem zů behalten, biß das er widerkem. Da der Her zů dem Wald zů lieff und wolt jenen sůchen, dieweil nam er das Blünderlin uff sein Rucken und saß uff das Pferd und reit hinweg.

Da der Her niemans fand, da gat er wider umb und wil wider heim reiten; da fand er das Pferd auch nit me und můst zů Fůß heimtraben. Da er nun wider heimkam, da fragt in die Frau, ob er den Man funden het. Er sprach: ›Ja, ich hab im mer Geltz geben und hab im mein Pferd darzů geschenckt, das er dester ee zů im kum.‹

464. Wa ein Münch nach seim Tod hinfur
Von Ernst das 464.

Wa ein Münch nach seim Tod hinfůr.


Zů Paryß starb ein Barfůsser Brůder; zů dem kam sein Guardian an dem letsten und sprach zů im: ›Brůder, in der geheiligten Gehorsamkeit gebüt ich dir drü Ding: zů dem ersten, das du on alles Mittel von Mund uff zů Got farest. Zů dem andern, das du mir erscheinest. Zů dem dritten, das du mir sagest, wie vil Menschen mit dir von diser Zeit seien gefaren.‹ Der Brůder starb, und nach dreien Tagen nach der Mettin, da der Guardian in seinem Gebet was, da erschein [272] im diser Brůder also clar und hübsch und sprach zů im: ›Vater, ich erschein euch, als ir mir gebotten haben. Aber euwer Gebot hat kein Krafft gehebt noch mein Dot; ich hab nit mögen zů Himel faren von Mund uff, ich bin in dem Fegfeüer gewesen biß jetz. Und da ich von diser Zeit bin gescheiden, da sein Dausent mit mir gestorben; da ist nit me dan ein Seel von Mund uff zů Himel gefaren, und drü in das Fegfeüer, in deren Zal bin ich gewesen; und sein die andern alle in die Hel gefaren.‹ Damit fůr er darvon. – Merck uff!

465. Wa Requiescat in pace herkum
Von Ernst das 465.

Wa Requiescat in pace herkum.


Ein reicher Man macht einer Apty ein Testament uff drühundert Guldin. Und da der Vatter gestarb, und nach dem Lipfel nam der Sun den Sack mit dem Gelt und gieng in das Kloster und sprach zů dem Apt: ›Her, besamlen mir das Convent! Ich hab etwas mit inen zů reden.‹ Der Apt ließ zů Capitel lüten, die Herren kamen alsamen dar. Der Jung satzt den Sack mit dem Gelt mitten under sie und sprach: ›Lieben Herren, mein Vatter hat euch die drühundert Guldin verordnet und euch sein Seel befolhen, das ir im nachthügen, das sich zimpt.‹ Der Apt sprach: ›Requiescat in pace.‹ Der Convent antwurt: ›Amen‹, und sprachen zů dem Knaben, er solt heimgon, er het die Sach wol gericht.

Der Knab sprach: ›Haben ir damit die drühundert Guldin verdient?‹ Der Apt sprach: ›Was solten wir me thůn?‹ Der Knab antwurt: ›Ich meint, ir solten im ein ewig Meß haben und sie verschreiben.‹ Der Apt sprach: ›Uff das du erkennest, wie krefftig das Wort ist‹, und hieß im ein Wag bringen und schreib die Wort uff ein Brieflin: ›Requiescat in pace, Amen.‹ Und legt es in die ein Schüssel an der Wagen, und der Knab legt das Gelt in die ander Schüssel; da wag das Brieflin me dan das Gelt. Da sprach der Apt: ›Sichstu nun, wie krefftig die Wort sein?‹ Da was der Knab zůfriden.

Aber diser Apt und seine Münch waren nit Simoniaci, als jetz Gewonheit ist; ich sorg, der ler Sack weg jetz mer. etc.

466. Ein Bischoff sach ein Kind betten
[273] Von Ernst das 466.

Ein Bischoff sach ein Kind betten.


Uf einmal lag ein heiliger Bischoff an einem Morgen und schlief. Da traumt im, wie ein kleins Kneblin, ein Schůlerlin ob einem Weiger stünd und het ein lange Růten in der Hand und het fornen ein guldinen Angel daran und zohe ein grosen Fisch heruß. Da erwacht der Bischoff und stůnd uff und gedacht dem Traum nach und lag under eim Fenster, das gieng uff den Kirchoff; da sahe er ein Kneblin uf einem Grab betten.

Da gieng er zů im und sprach: ›Was thůstu da?‹ Das Kneblin sprach: ›Mein Můter ist mir gestorben, die ligt da vergraben, und bit Got für sie.‹ Er sprach: ›Was bettestu?‹ Das Kneblin sprach: ›Ich bet das Miserere und das Paternoster daruff.‹ Da erkant der Bischoff, das das Miserere die lang Růt was und das Paternoster der guldin Angel, der Weiger das Fegfeüer, der Fisch die Seel des Kinds Můter.

Darumb ist heilsam und gůt zů bitten für die Doten, das sie von iren Sünden entbunden werden.

467. Einer lachet zu dem De profundis
Von Ernst das 467.

Einer lachet zů dem De profundis.


Uf einmal waren vil Priester bei einander uff einem Jarzeit. Und da man ob dem Tisch saß, da gieng ein Man zů der Thür hinyn, der het das Mul mit einem Kappenzipfel vermacht als einer, der Leid tregt, und satzt sich nider zů dem Tisch und aß. Nieman sprach nichtz, er schweig auch und was trurig. Und da man für die Selen bat, da fieng diser an zů lachen. Da sprach der Dechant zů im: ›Lieber Fründ, wer bistu? Du magst wol ein verkerter Mensch sein. Da wir gůter Ding waren, da warestu trurig; und da wir betteten, da lachestu.‹ Er antwurt: ›Er meinen, ich sei ein Mensch; so bin ich ein Geist uß dem Fegfeüer. Da ir weltliche Ding haben gesagt, da bin ich trurig gewesen; so ir aber das De profundis haben gebettet, das ist unser Speiß, die wir gern essen, da bin ich frölich gewesen.‹ Und der Geist verschwand vor iren Augen.

Darumb sol man gern für die Selen bitten. Als vil du Paternoster und Miserere bettest und als vil du Almůsen gibst, als manch Opffer und als manch Vigilg du in nachthůst, als manch sunder Essen und Tracht du inen fürsetzst, so werden sie dir darumb dancken. Ob du es schon nit von deinem Gůt thůst, [274] thů es von irem Gůt, das sie verlasen haben! Sie werden dir dancken. Wisch inen die Naß mit irem Ermel, wiltu es nit mit deinem Ermel thůn! Sie werden dir dannocht dancken.

468. Der Künig dancket, das er geert ward
Von Schimpff das 468.

Der Künig dancket, das er geert ward.


Wa ein Künnig in seinem Künigrych in ein Stat kumpt, und wan man im etwas schenckt, es sei Wein, Korn, Habern etc., so spricht er: ›Ir lieben Fründ, wir dancken euch, das ir unß eren von dem Unsern. Alles, das in einem Künigreich ist, das ist unser.‹

Also eer die Seel auch von irem Gůt! Etwan stirbt dir ein Ků, die gibestu den Rappen und den Hunden. Gib deinen Fründen auch etwas!

469. Sant Bernhardin bewert das Fegfüer
Von Ernst das 469.

Sant Bernhardin bewert das Fegfüer.


Doctor Felix Hemmerlin schreibt De occasione boni et mali, wie Sant Bernhardin ein Barfůser, der canonisiert ward, da man zalt 1450, der kam uff einmal mit seinen Brüdern in ein Stat in dem Welschen Land, da was kein Barfüserkloster in. Nun was das sein Gewonheit, wa er in ein Stat oder ein Dorff kam, da gieng er zů dem ersten in die Kirchen. Und da er also bettet in der Kirchen, da kam ein reicher Burger zů im und bat in, er solt zů Nacht sein Gast sein und seine Brüder. Er nam es an. Und der Burger lůd im zů Eren ander Nachburen, die brachten Essen und Trincken mit inen. Und da man nun gessen het, da fieng Sant Bernhardin an zů predigen ein kurtze Collatz zů einer Selenspeiß. Und da sie uß was, da stůnd der Wirt in dem Huß uff, und stůnd für den heiligen Man und sprach: ›Geistlicher Vatter, mir ist ein Brůder on Leibßerben abgangen, und hab dis Huß mit seinem Gůt ererbt. Was müst ich im nachthůn, das sein Seel erlößt würd?‹ Sant Bernhard sprach: ›Heb dein Finger da in das Liecht!‹ Er thet es, aber er hielt in nit lang darin, dan es brant in, und zögt in Sant Bernhard. Sant Bernhard sprach: ›Was wolten ir nemen und wolten den Finger drei Stůnd in dem Liecht halten?‹ Er sprach: ›Ich wolt nit alles Gold und Silber nemen, das uff Ertreich ist.‹ Sant Bernhard hieß in den Finger wider in das Liecht heben. Er thet es, da brant es in nit; und da er in lang darin hielt, da hieß in Sant Bernhard den Finger wider herußthůn, und fragt in, ob er in auch gebrent het. Er sprach: ›Nein, es hat mich jetz nit gebrent.‹ Da sprach Sant Bernhard: [275] ›So gewarlich euch das Liecht zů dem ersten hat gebrent und darnach nit, so gewarlich wil ich euch sagen, wie es umb euwern Brůder stot. Er ist in dem Fegfeüer, das ist also heiß, wan man ein Amboß daryn würff, so zerschmültz er in einem Augenblick; dis Feüer hie möcht kum ein Nadel zerschmeltzen. Und euwer Brůder hat das Gůt unredlich gewunnen, und von den Gnaden Gottes ist er zů dem letzten zů der Penitentz kumen. Darumb keren das unfertig Gůt wider! Das ist im zů dem besten.‹

61. Von Gedult

470. Einer nam ein böß Weib
Von Schimpff das 470.

Einer nam ein böß Weib.


Es was in einer Stat ein böß Weib, das mit irem Man stetz zanckt und unrüwig was, und het vor wol zwen oder drei Man gehebt. Da kam einer in der Stat, der nam sie zů der Ee, und wan das Weib kriegt, so schweig der Man, und mit dem Schweigen überwand er sie. Da sie niemans fand, der ir Wort gab, da můst sie Frid haben, und vor Böse ward sie gůt. Und wan man zů dem Man sprach: ›Was wöllen ir des bösen Weibs?‹ So sprach er dan: ›Ich hab sie genumen, das ich Gedult bei ir ler.‹

Es spricht Franciscus Petrarcha: Der Frawen Zorn verachten und darzů lachen thůt inen würser, dan wan man sie fast übel schlüg.

471. Socrates ward beschüt
Von Schimpff das 471.

Socrates ward beschüt.


Socrates der het zwo Frawen. Und uff einmal kriegten sie beid wider in, und er schwyg stetz stil und gieng für das Huß hinuß und saß uff ein Bloch. Da beschüten in die bösen Weiber mit Wasser. Er ward nie bewegt in Ungedult, dan das er sprach: ›Ich wüßt wol, das nach dem Dunern ein semlicher Regen kem.‹

472. Zwen in dem Kessel, der Jung murmelt, der Alt schweig
Von Ernst das 472.

Zwen in dem Kessel, der Jung murmelt, der Alt schweig.


Franciscus Petrarcha spricht, wie ein Vatter und ein Sun verschult hetten, das man sie in Öl sieden wolt. Da sie nun in dem Kessel sassen und waren mit dem Rucken an einander gebunden und waren nackent, und ee man das Feüer anfieng zů machen, da frůr den Sun, das [276] er zankleffet und murmlet wider die Keltin. Darnach macht man däs Feüer an, und da der Kessel fieng an warm zů werden, da murmlet er wider die Hitz. Der Vatter het Gedult und sprach zů seinem Sun: ›Du Hůrensun, du magst weder Keltin noch Hitz leiden.‹

Franciscus Petrarcha spricht: Das was ein edel Wort von dem alten Man, der Frost und Hitz kunt leiden. Er wer würdig gewesen, das man in ledig het gelassen und het im verzigen.

473. Der Esel het wol unser Gedult tragen
Von Schimpff das 473.

Der Esel het wol unser Gedult tragen.


Es fůr ein Müller mit einem Esel zů Mül und het im wol fier Säck uffgeladen, da bekam im ein Ordenßman, der sprach zů dem Müller: ›Du hast den armen Esel überladen.‹ Der Müller sprach: ›Nein, Brůder, er ist nit so wol geladen; er trüg noch wol euwer und aller euwer Brüder Pacientz und Gedult.‹

474. Der Gloken lütet der Gedult
Von Schimpff das 474.

Der Gloken lütet der Gedult.


Ein Ordenßman kam in ein Dorff und kunt nit zů essen überkumen, und ward im auch kein Almůsen. Da lief er in die Kirchen und lütet die Meßglock. Der Meßner kam lauffen und fragt, wer gestorben wer, das er also lütet. Der Ordenßman sprach: ›Götliche Liebe ist dot in disem Dorff; mir ist kein Almůsen hie worden. Darumb lüt ich.‹ Da er uffhort lüten, da fieng der Meßner die gröst Glock an zů leiten. Der Ordenßman fragt, wem er lüt. Der Meßner sprach: ›Deiner Pacientz und Gedult, die du soltest haben, die ist auch dot, deren lüt ich.‹

475. Einer spüwet dem Künig in sein Bart
Von Ernst das 475.

Einer spüwet dem Künig in sein Bart.


Es was ein Philosophus, ein weiser Man, der ward von einem Künig geladen, mit im zů essen. Und da man aß, da thet im not zů werffen und zů spüwen, und spüwet dem Künig in sein Bart, und die Diener wolten in zů Dot schlagen. Der Künnig sprach: ›Nein, er ist ein weiser Man. Man sol in vor fragen, warumb er es gethon hab.‹ Er sprach: [277] ›Ich hab umb mich gelůgt, da was es umb und umb Seiden und Gold, und hab kein unreiner Stat gesehen, dan den Bart. Da hab ich den Wůst auch daryn geworffen.‹ Das leid der Künig mit Gedult.

476. Der Ammeister zu Straßburg nant einen ein Schalck
Von Schimpff das 476.

Der Ammeister zů Straßburg nant einen ein Schalck.


Zů Straßburg da gieng der Ammeister uf der Gassen, und giengen im drei oder fier Statknecht nach, da begegnet im einer. Da sprach der Ammeister zů im: ›Du Schalck, du soltest nit da gon.‹ Diser thet sein Hůt ab und sprach: ›Gnediger Her, es ist euwer Tugent, das ir alwegen mit mir also schimpffen, wan ir für mich gon.‹ Er zohe das Wort Schalck in ein Schimpff; wan wer er ungedultig gewesen, so het er in lasen fahen.

Ein weiß Man sol etwan das Unrecht, das im geschicht, in ein Schimpff ziehen und sol gedultig sein.

477. Diogenes sprach: Lentule
Von Schimpff das 477.

Diogenes sprach: Lentule.


Diogenes ist ein Philosophus gewesen, der krieget uff einmal mit einem, der hieß Lentulus. Diser Lentulus ward also zornig, das er Diogeni in sein Angesicht spüwet. Diogenes zohe es in ein Schimpff und sprach: ›Wer da sprech, das du kein Mund hettest, dem wolt ich Zügnis geben, das du ein Mund hast.‹

478. Du bist Her deins Munds
Von Schimpff das 478.

Du bist Her deins Munds.


Uf einmal zancket einer mit einem weisen Man und schalt in übel. Der weiß Man schweig als stil, und hindennach sprach er: ›Du bist ein Her deins Munds und retst, was du wilt; so bin ich ein Her meiner Oren und hör, was ich wil.‹

Franciscus Petrarcha spricht: (Nobilissimum genus vindicte est parcere) ›Verzeihen ist das edlest Rechnen, das ist Gedult.‹

62. Von Widerwertikeit

479. Der nit ein Helbling het
Von Schimpff das 479.

Der nit ein Helbling het.


Es was ein armer Tagloner, der aß, wa er es fand; und es was ein reiche Frau in einem Dorff, die legt in zů Nacht an ein Bet umb ein Heller, den müst er ir alwegen bar geben, oder sie legt in nit. Es begab sich uff ein Nacht, das der arm Knecht den Heller nit het, da wolt in die Frawe nit ynlassen, und er müst die Nacht under einem Fleischbanck schlaffen. In derselben Nacht fieng der Frawen Huß an zů brennen, und verbran Lüt und Gůt, und was daryn was. Es ist zů glauben, das der arm Man fast trurig was, das er den Heller nit het und nit an dem Bet lag, aber darnach danckt er Got, das er in het behüt vor dem Feüer; wan wer er in dem Huß gewesen, so wer er auch verbrent.

Darumb sollen wir glauben, das es Got unß alles in dem Besten thůt, was er unß Leiden zůfügt.

480. Einer verlor ein Aug, bleib lebendig
Von Schimpff das 480.

Einer verlor ein Aug, bleib lebendig.


Es was ein Man, der het gar ein gedultige Frawen, und was dem Man oder ir geschahe, so sprach sie alwegen, Got thet es umb des Besten willen. Es fügt sich uff einmal, das der Man in dem Wald was, und ein Reiß schlůg im ein Aug uß; da was er betriebt. Die Frau tröst in und sprach: ›Got hat es im Besten gethon.‹

Darnach fügt es sich, das er in die Tartary zoh, und es kam darzů, das er der Nechst bei dem Künig was, und was das ir Glaub, wie einer stürb, also wür der für Got bracht, und was das ir Gewonheit, das man den Liebsten, den der Künig het, mit im vergrůb, das er nit allein fůr Got kem. Da der Künig gestarb, da wolten sie disen mit einem Aug mit im vergraben. Da sprach er: ›Lieben Herren, es wer unserem Künig ein Schand, wan er also solt dort hin kumen mit einem Diener, der nur ein Aug het. Ir haben doch wol Lüt mit zweien Augen.‹ Also ret er sich ab. Da erkant er erst, das sein Frau war het gesagt; wan het er das ander Aug nit verloren, so het er müsen lebendig vergraben werden. Das was aber im Besten geschehen mit dem Aug.

481. Kein Tag vergat on Leiden
[279] Von Schimpff das 481.

Kein Tag vergat on Leiden.


Gottes Ordenung ist, das kein Tag sol sein, in dem ein Mensch nit Widerwertikeit sol haben. Das wolt ein Künig uff ein Tag versůchen und het ein Hochzeit zůgerüst und gebot, wer etwas Widerwertigs thet oder ret, dem solt man den Kopff abhawen. Also nach Mittag legt sich der Künig schlaffen nach seiner Gewonheit; so flog ein Schwalb zů dem Fenster yn und schmeisset im in seine Augen, das er blind ward.

Got wolt nit, das kein Mensch sein Ordnung solt hinder sich trucken. Widerwertikeit ist das, darmit unß Got entwenen wil von der Fröd diser Welt, als ein Můter ein Kind oder ein Bürin ein Kalb. Lern Gedult! etc.

482. Wie man Kind und Kelber entwent
Von Schimpff das 482.

Wie man Kind und Kelber entwent.


Wan ein Můter ein Kind wil entwenen von dem Sugen, so bestreicht sie das Wertzlin an den Brüsten. Wan dan das Kind sugen wil und es dan bitter ist, so wil es nit mer sugen. Also thůt auch ein Bürin, wan sie ein Kalb hat, das da sugt. So wil sie es entwenen, sie bedarfft baß dy Milch den Kinden, so bindet sie dem Kalb ein Igelßhut uff den Kopf. Wan dan das Kalb sugen wil, so sticht es die Ků mit der Igelßhut in den Buch, so laßt sie das Kalb nit me sugen.

Also, wer kein Leiden und Widerwertikeit uff Ertreich, niemans achtet Gottes und des ewigen Lebens, so wir so gern hie uff Erdtreich sein, so die Welt so gantz verbittert ist, als Sant Gregorius spricht: (Mala, que nos premunt, ad dominum ire compellunt).

63. Von Eidschweren

483. Einer schrei über die Gassen
Von Schimpff das 483.

Einer schrei über die Gassen.


Es was ein Priester, der het an dem Rechten zů schafen, und im brast ein Züg. Und er bestalt ein Schůler, dem sagt er die Sach und gab im etlich Gelt. Der Schůler schwůr im ein Eid an dem Rechten. Und darnach wol über ein Jar da bekam der Schůler dem Priester in einer [280] andern Stat und meint, der Priester kant in nit me, und wolt im ein Wortzeichen geben, das er in kant, und schrei: (Domine, quando volumus plus jurare?) ›Her, wan wöllen wir me Eid schweren?‹

Also ist es leider gemeinlich worden, das man es über die Gassen schreien můß, wan man me Eid schweren wöl. Hab Sorg!

484. Sant Niclaus schwur drü Ding
Von Schimpff das 484.

Sant Niclaus schwůr drü Ding.


Unnd wa Sant Niclaus in der Kirchen stodt, so schwert er ein Eid und hept drei Finger uff, als schwer er drü Ding:

Zů dem ersten schwert er, das kein tütscher Handwercksknecht und Dienstgesel bleibt an dem Ort, da im wol ist; er wil sein Stant alwegen bessern, und ist der Wirt umb und umb daheim. Und wan sie lang gewandlen, so verzeren sie, was sie gewunnen haben, und müssen darnach betlen gon, ee sie ein andern Meister finden.

Zů dem andern so schwert Sant Niclaus, das die Frawen selten das Best anfahen. Wan einer Frawen der Man gestirbt, so wer sie wol ein Frau; so wil sie ein andern Man haben. Und werben etwan fier oder fünff umb sie, so sol sie wol den allerunachtbarsten nemen und nimpt etwan ein Tröscher für ein Tröster.

Zů dem dritten schwert Sant Niclaus, wan einer zů einem Herren würt, so kert sich Lung und Leber umb, er kan nit me gon wie vor; er můß jetz uff beid Seiten gon schwencken, als sei das gantz Land sein. Er ist in den Rat kumen, er ist ein Zunfftmeister worden, er ret nit me sein Sprach, er nimpt sich an schwebisch zů reden, und ist nie recht für das Thor kumen.

Das schwert Sant Niclaus. Kanstu ander Ursachen geben, so schreib sie auch herzů, so wöllen wir sie annemen.

485. Sant Pangratius strief den Meineid
Von Ernst das 485.

Sant Pangratius strief den Meineid.


Man lißt von Sancto Pangratio, den man zů Rom ert, der ist ein Straffer des Meineids. In seiner Kirchen mag keiner ungestrucht kumen von der Thür an biß zů dem Choraltar, wan er ein falschen Eid wil schweren, und thůt, als wolt er fallen. Wan er aber recht schweren wil, so strucht er nit. Darumb wan man Eid schweren wil, so fürt [281] man sie für denselben Altar, und gon vil Menschen mit im und lůgen, ob er struchen wöl oder nit, und ob er recht wöl schweren oder nit.

486. Sant Andromarus strieff die Sünd
Von Ernst das 486.

Sant Andromarus strieff die Sünd.


Wir lesen von Sant Andromaro, das keiner ungestrafft bleibt, wer da ein falschen Eid schwert; uff seinem Grab kumt Gottes Rach über in. Es het einer uff einmal ein Eid geschworen uff seinem Grab; da ward er gleich blind, und an dem dritten Tag was er dot.

Weren dise Heiligen auch in unserm Land und es auch also zůgieng, so würden nit so vil Eid geschworen, als geschehen. Umb fünff Schilling Hasselnuß erkent man einem ein Eid, und zögen einander die Schuld oben an der Bünin mit den dreien Fingern, die sie uffheben.

487. Warumb seind me armer siecher Menschen in der Cristenheit dan sunst
Von Schimpff das 487.

Warumb seind me armer siecher Menschen in der Cristenheit dan sunst?


Uf einmal disputiert ein Heid und ein Cristen mit einander, und nach langem sprach der Heid zů dem Cristen: ›Wie kumpt es, das me Lamer, Blinder, Maltzen und Betler sein in der Cristenheit dan in der Unglöbigheit?‹ Der Cristen sprach: ›Ich weiß es nit.‹ Der Heid sprach: ›Die Cristen handlen iren Got übel mit Meineidschweren und sunst mit Flůchen und Schweren, dan alle andere Ungleubigen und Türcken. Darumb strafft sie ir Got also.‹

488. Der ein Arm ward kürtzer
Von Ernst das 488.

Der ein Arm ward kürtzer.


Es was einer, der het vil falscher Eid geschworen; wan wen einer zů einem Schelmen würt, so gilt es im darnach gleich. Er hort sagen, wie man geprediget het von schweren Strafen des Meineids. Da sprach er: ›Ich sihe nit, das mir der Arm kurtzer ist, mit dem ich Eid geschworen hab, dan der ander Arm.‹ Sobald er das Wort gesagt, da was Gottes Rach da, und fieng die Hand an zů brennen, das man sie im abhawen můst. Da ward der Arm kürtzer dan der ander.

Solt man hieher setzen, wie die Meineidigen an irem letsten End und dort gestrafft werden, unß würd Bapeier und Dinten gebresten werden.

64. Von Falscheit und Betrügnis

489. Zwen wetteten mit einander
Von Schimpff das 489.

Zwen wetteten mit einander.


Es was ein reicher Burger, der het ein Knecht, was ein lange Zeit bei im gewesen. Und uff einmal, da man ob dem Tisch saß essen, da begab sich die Red, das der Knecht sprach: ›Es ist dannocht ein hübsch Ding, das die Warheit und Gerechtikeit uff Ertreich noch ein fürgang hat und das Paner tregt.‹ Der Her sprach: ›Das ist nit; Falscheit und Untrüwe die haben das Regiment uff Erden, und nit Erberkeit.‹ Der Knecht sprach, es wer nit. Der Her wettet mit im umb hundert Guldin, und der Knecht solt im seine beide Augen daran setzen. Der Knecht sprach: ›Wer sol es aber urteilen?‹ Er sprach: ›Wir wöllen drei Richter nemen, den Kauffman in der Stat, den Abt in dem Kloster in dem Wald und den Edelman uff dem Schloß. Und welcher zwen Richter hat, der hat es gewunnen. Hastu zwei Urteil, das die Gerechtikeit und Warheit ein Fürgang hab, so nim die hundert Guldin; hab ich aber zwei Urteil, das die Falscheit und Ungetrüwe ein Fürgang hat, so gib mir deine zwei Augen!‹

Sie waren der Sach eins und kamen zů dem Kauffman und hielten im die Sach für, was er meint, ob Gerechtikeit oder Ungerechtikeit das Paner trüg uff Erden. Der Kauffman sprach: ›Ich mein, die Falscheit regier, das weis ich wol. Wan ich nit Vorteil brucht in Kauffen und Verkauffen in dem Gewicht, Maß und Elen, ich würd mager Müß ziehen. Also thůn andere auch. Darumb regiert die Falscheit jetz.‹ Sie giengen hinweg. Der Her sprach: ›Ich hab ein Urteil gewunnen.‹

Sie giengen zů dem Apt und hielten im die Sach für. Der Äpt sprach: ›Wan Recht für Recht gieng, so wer ich nit Apt. Aber ich hab die Stim erbetlet und erkaufft, Falscheit und Ungerechtikeit regiert jetz uff Erden.‹ Sie giengen hinweg. Der Her sprach: ›Ich hab zwei Urteil gewunnen.‹

Sie kamen zů dem Edelman und legten im die Sach für. Er sprach: ›Wan ich nit raubte und mich nit des Sattels ernert, so wer ich ein armer Edelman. Nun hören, wie es mir zů dem nechsten ergangen ist!‹

490. Die Knecht heten die Röck nit gelassen
[283] Von Schimpff das 490.

Die Knecht heten die Röck nit gelassen.


Es sein mein Diener und Reiter zwen Kauffman ankumen und haben wol drei Guldin in den Deschen bei inen funden und haben es inen genumen. Die Kauflüt sein zů mir uff das Schloß kumen und klagten mir, wie meine Knecht sie beraubt hetten, ich solt es inen widergeben. Ich fragt sie, ob sie die gůten Röck auch heten angehebt. Sie sprachen: ›Ja.‹ Da antwurt ich: ›Sie sein nit mein Knecht. Glauben das! Wan mein Knecht hetten euch die gůten Röck nit gelassen, sie hetten es euch genumen. Darumb ist mein Urteil, das Falscheit das Paner tregt.‹

Der obgenant Her und der Knecht giengen mit einander in den Wald, da sprach der Her zů dem Knecht: ›Wolan, ich hab drü Urteil gewunnen‹, und band den Knecht an ein Baum und stach im beid Augen uß und gab im ein Stecken in sein Hand und ließ in gon. Der arm Blind was trurig und wüßt nit, wa er hin solt, und sprach zů im selber: ›Ich wil recht da in dem Wald under dem Baum bleiben dise Nacht.‹

In der Nacht da kamen die bösen Geist uff demselben Baum zůsamen zů Capittel, und sagt jeglicher, was er geschafft het. Da sprach einer: ›Ich hab geschafft, das der Meister seinem Knecht die Augen hat ußgestochen.‹ Da sprach ein anderer Tüffel: ›Du bist ein Nar. Es wechßt ein Krut under dem Baum, wan er dasselb Krut in sein Augen truckt, so würden im die Augen wider wachsen.‹ Damit fůren sie davon. Diser Blind knüwet nider und bat Got den Herren, das er im hülff, das im das Krut würd, und fieng an zů sůchen, und wan er ein Krütlin fand, so truckt er es in die Augen. Also ergreiff er zůletst das gerecht und ward gesehen. Er danckt Got und sůcht des Krutz me. Nun was nit weit darvon ein groser Landßher, der het ein Dochter, die was blind, und ließ ußverkünden, wer sie gesehen mecht, dem wolt er sie zů der Ee geben und Gůtz gnůg darzů. Diser macht sie gesehen, und sie ward im zů der Ee geben und vil Gůtz darzů.

Da das sein Meister hort sagen, wie er gesehen wer worden und so reich, und kam zů im und bat in, er solt im verzeihen und solt im sagen, wie er gesehen wer worden und also reich. Er sagt es im, wie er das Krut het funden under dem Baum, und zögt im den Baum. Da er den Baum fand und wolt das Krut sůchen, da ward es Nacht, und müst dieselb Nacht under dem Baum bleiben. Und die bösen Geist hatten aber ein Samlung uff demselben Baum. Da sprach ein Tüffel: ›Zů dem nechsten waren wir auch hie, und ist der Blind [284] under dem Baum gesessen und ist gesehen worden; wan er hort, was wir sagten. Ich můß gon lůgen, ob nit aber einer darunder sei.‹ Und er fand den darunder und stach im beid Augen uß. Da ward offenbar, das die Warheit ein Zeit lang was unden gelegen, aber sie hat überwunden, und fürt die Gerechtikeit das Paner noch.

491. Einer wincket mit den Augen
Von Schimpff das 491.

Einer wincket mit den Augen.


Man fint noch falsch Lüt, die zů beiden Achßlen künnen Wasser tragen, als einer thet. Wan einer etwas kaufen wolt und er darzů kam, so winckt er dem Kauffer mit den Augen, und darnach winckt er dem Verkauffer auch mit den Augen, und wan es einem mißriet oder wolgeriet, so sprach er: ›Darumb hab ich euch mit den Augen gewinckt, ir solten es kaufen oder nit kauffen.‹ Und wie es gieng; so het er es geraten oder widerraten. Das was ein falscher Man. Hüt du dich!

492. Fil Dieb waren bei einander
Von Schimpff das 492.

Fil Dieb waren bei einander.


Jullius schreibet, wie vil Dieb in einer Geselschaft bei einander waren, und in einem Wald hetten sie ein Loch, da kamen sie alwegen zůsamen, und was einer gestolen hat, das bracht er mit im, und wolt jeglicher der gröst Dieb