Ein Denkmal

Kreuznach, 14. April. Wie man vernimmt, wird auf der Ebernburg, auf welcher es wenigstens wieder wohnlich ist, eine Spielbank errichtet.

»Kölnische Zeitung vom 16. April 1842.«


Ein Spieler war, ein frecher,
Trug Koller und Barett,
Schwang stets den Würfelbecher,
Setzt' alles auf ein Brett;
Sein' einz'ge Lust das Spielen,
Sein Hort die Würfelei,
Und wenn die Knöchel fielen,
Dann war sein Wahlspruch frei:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!«
Meist hatt' er's mit den Pfaffen –
Wie war die Kutte schwach!
Doch Rittern auch in Waffen
Mit Ehren bot er Schach;
Sah Fürsten in die Karte,
Trumpft' ab und stach genug;
In allem Ding beharrte
Er treulich bei dem Spruch:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!«
Bei Gott, ein dreister Spieler,
Ein rechter Unverzagt!
Ein Schreck und Fürchten vieler
Sein kühn: »Ich hab's gewagt!«
Und immer spielt' er ehrlich:
»Da liegt mein Wurf! seht nach!«
Das macht' ihn just gefährlich
Den Falschen, wenn er sprach:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!«
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Drum haben die Obskuren
Und Argen ihn gehaßt.
Sie folgten seinen Spuren,
Verhetzten ihm die Rast.
Sie hätten ihn gern geknechtet,
Den freisten Mann im Land;
Er aber floh, geächtet,
Und grollte noch verbannt:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!«
Wie ward er umgetrieben
Auf seinem irren Zug!
Es hat davon geschrieben
In Treuen manches Buch.
Lest selbst, auf was für Steinen
Der flücht'ge Trotzkopf schlief;
Ich nenn' euch heut nur einen,
Auf dem er auch einst rief:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!«
Schloß Ebernburg, die Feste,
Bespült vom Nahefluß,
Empfing ihn auf das beste
Mit Handschlag und mit Kuß.
Bei Berlichingens Schwager,
Nach manchem harten Strauß,
Erwarb er sich ein Lager
Und spielt' aufs neue aus:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!
Da kühlt' ihm Laub und Blüte
Der Seele Zorn und Qual;
Noch heißt im Burggebiete
Ein Tal das Huttental.
Da lag er still im Holze,
Dem Hirsch gleich, den man hetzt;
Warf immer noch, der Stolze,
Ausrufend bis zuletzt:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!
O Deutschland, deine Großen
Zu ehren stets bereit!
Ihm, den die Welt verstoßen,
Ein Denkmal weihst du heut!
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Die Zeit ist Mälern günstig;
Wen ehrt nicht seines Orts
Ein Denkmal? Du entsinnst dich
Zur rechten Zeit des Worts:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!
Und o, mit welchem Bilde
Preist ihn dein richt'ger Sinn;
Mit Helm und Schwert und Schilde
Stellst du den Hermann hin;
Mit seinem Bürgerbuche
Hebt Justus Möser sich: –
Ein Tisch mit grünem Tuche
Dem Würfler Ulerich!
Jacta est alea! Du hast's gewagt!
Auf Ebernburg, der Trümmer,
Da wird das Denkmal stehn;
Da wird es bald den Schimmer
Erlauchter Gäste sehn.
Den efeugrünen Stufen
Des Burgtors nahn sie frank;
Dann hört man oft wohl rufen
Zu Huttens Preis: »Va banque
Dann wirst du wieder schallen,
O Wort voll Mut und Trutz,
Dort in der Herberg' Hallen,
Die der Gerechten Schutz!
Wirst bis zum Eiland dringen,
Wo matt sein Auge brach;
Wirst am Gestad' verklingen,
Wo sterbend noch er sprach:
»Jacta est alea! Ich hab's gewagt!«
Was gilt's, das wird ihn wecken!
Aufblickt er, wer ihn stört.
Ihr Herrn, wollt nicht erschrecken,
Wenn ihr ein Echo hört!
Steht fest und ohne Scheuen,
Spielt weiter keck und kalt,
Wenn es wie Wetterdräuen
Zurück von Ufnau schallt:
»Jacta est alea! Ihr habt's gewagt?!«

Darmstadt, Mai 1842.

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Citation Suggestion for this Object
TextGrid Repository (2012). Freiligrath, Ferdinand. Gedichte. Ein Glaubensbekenntnis. 2.. Ein Denkmal. Ein Denkmal. Digitale Bibliothek. TextGrid. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0002-B313-E